Neil Gaiman – American Gods

„Gods are great“, said Atsula, slowly, as if she were comprehending a great secret. „But the heart is greater. For it is from our hearts they come, and to our hearts they shall return …“

In diesem monumentalen Roman beschäftigt sich der Autor mit Göttern und Mythen. Aus amerikanischer Sicht sind die meisten Götter eingewandert, sie stammen beispielsweise aus Irland (Leprechauns) und sind mit den irischen Einwanderern, die an sie glauben, nach Amerika gekommen. Wenn diese Gottheiten nun ihre Anhängerschaft Stück für Stück verlieren, geraten sie in Vergessenheit.

All they had in common was a look, a very specific look. It said, You know me; or perhaps, You ought to know me. An instant familiarity that was also a distance, a look, or an attitude – the confidence that the world existed for them, and that it welcomed them, and that they were adored.

Das große Thema des Buches ist nun ein (vermeintlicher) Kampf zwischen alten und neuen Göttern. Der Protagonist Shadow wird nach drei Jahren aus dem Gefängnis entlassen und muss feststellen, dass sein sorgfältig vorbereiteter Plan (Rückkehr zu seiner Frau, Job im Fitness-Center seines Freundes) in Stücke zerbrochen ist. Seine Frau und sein Freund wurden bei einem Autounfall getötet. In diesem Schockzustand wird Shadow von Mr. Wednesday aufgelesen, der ihm einen Job und somit eine Beschäftigung, eine Lebensmöglichkeit anbietet. Schon am zweiten Tag dieser Beschäftigung wird Shadow von den neuen Göttern in einer Limousine bedroht. Der Autor lässt diese Götter namenlos bleiben, ihre Handlanger nennen sich Mr. Town, Mr. World und Mr. Stone und scheinen keine Persönlichkeit zu haben. Sie haben keine Geschichte, ihre Energie stammt rein aus der Gegenwart. Durch das Vernichten der alten Götter hoffen sie auf noch mehr Popularität, die sie am Leben hält.

He hoped he would live through this, but he was willing to die, if that was what it took to be alive.

Eine der Geschichten (als Traum von Shadow erzählt) beschreibt ein Gottwesen namens Ifrit, das Besitz von einem anderen Körper, einer anderen Person, einem anderen Leben nimmt. Die Geschichte kam mir bekannt vor und tatsächlich hat Neil Gaiman hier einen Mythos verwendet und auf moderne Art neu erzählt. Gerade wegen dieser Umgangsweise mit spirituellen Inhalten (die von vielen Gläubigen als respektlos empfunden werden kann) wurde der Roman kontrovers aufgenommen, wie der Autor selbst in seinem Vorwort schreibt.

After this there would be no more obligations, no more mysteries, no more ghosts.

Die Geschichte besteht jedoch nicht nur aus Mythen, sondern hält einige spannende Wendungen bereit, die für mich als Leserin nicht vorhersehbar waren. Es entwickelt sich ein fesselndes Gesamtkonzept, das zwischen den Zeilen auch noch ein Plädoyer für religiöse Toleranz beinhaltet.

In einem Interview am Ende des Buches outet sich Neil Gaiman übrigens als einer derjenigen, der nie genug Zeit hat für alle Dinge, die er gerne tun möchte:

There is not enough time, and I wind up just wanting to do things that I don’t have time for. There are so many things that I’d love to do, and I have to put off, or that it’s a matter of me choosing, when really I’d love to do both. And if only time were infinitely stretchy, I could.

Jessica Verdi – And She Was

Those of us who worry we may be alone in our feelings and realities often find comfort and strength in seeing ourselves reflected in the page of a novel. And those of us who are seeking to understand other viewpoints are given the opportunity to connect with characters in novels and get a glimpse of the world through someone else’s eyes.

Das obige Zitat (nicht aus dem Buch selbst, sondern aus der Author’s Note am Ende) beschreibt sehr gut, warum ich dieses Buch lesen wollte und warum es wichtig ist, dass es solche Bücher gibt. Erst, wenn man bewusst darauf schaut, fällt einem auf, wie wenig Transgender-Personen in Literatur und anderen Medien repräsentiert sind. Das hat sich zwar in den letzten Jahren verändert, aber es sind oft noch die spektakulären Geschichten, Menschen, die aus anderen Gründen Berühmtheit oder Bekanntheit erlangen.

Das Buch erzählt, wie Dara herausfindet, dass ihre Mutter Transgender ist, und eigentlich ihr biologischer Vater. Die 18-Jährige ist schockiert und gekränkt, und macht sich auf den Weg, um die Familie ihrer lange verstorbenen biologischen Mutter kennenzulernen. Im Verlauf der Reise verändert sich ihre Einstellung zum Thema und Stück für Stück lernt sie, ihre Mutter besser zu verstehen. Der Autorin gelingt es dabei, verschiedene Perspektiven auf das Thema Transgender einfließen zu lassen und aufzuklären, ohne den pädagogischen Zeigefinger in den Vordergrund zu stellen.

Die Empfehlung kam von Parnassus. Kürzlich habe ich auf Anfrage den Tipp bekommen, dass man für die Overdrive eLibrary der Büchereien Wien auch Medienwünsche abgeben kann und dieses Buch wurde auf meine Anfrage bestellt. Damit hat sich die Quellensammlung für Bücher nochmals erweitert, vermutlich müsste ich niemals wieder Bücher kaufen. Und hab diese Woche trotzdem schon zwei gekauft …

Das folgende Zitat stammt aus einem Lithub-Artikel und passt auch gut zum oben angesprochenen Thema:

Developing the deepest forms of reading cannot prevent all such tragedies, but understanding the perspective of other human beings can give ever fresh, varied reasons to find alternative, compassionate ways to deal with the others in our world, whether they are innocent Muslim children crossing treacherous open seas or an innocent Jewish boy from Boston’s Maimonides School, all killed miles and miles away from their homes.

Clay Shirky – Here Comes Everybody

… the point is that once a group has come together, those kinds of issues of community control aren’t simple.

Der Autor beschreibt in diesem Buch die neuen Möglichkeiten der Gemeinschaftsbildung, die sich über das Internet und die darauf basierende Software ergeben. Er untersucht dabei die Entstehung von weltweit erfolgreichen Projekten wie zum Beispiel der Wikipedia oder dem Betriebssystem Linux.

…groups are not just simple aggregations of individuals.

Ein langes Kapitel beschäftigt sich mit der Veränderung des Zeitungswesens aufgrund der „neuen Medien“. Der Autor vergleicht die Veränderungswirkung des Internets mit derjenigen, die sich durch die Veränderung des Buchdrucks ergeben hat. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Bücher nur in mühsamer Handarbeit kopiert werden. Die Kirche versuchte, die Verbreitung des Buchdrucks zu verhindern, weil sie um ihr Monopol fürchtete. Der Beruf des Schreibers starb zwar tatsächlich durch den Buchdruck langfristig aus, es wurden jedoch unzählige neue Tätigkeiten geschaffen und durch die wesentlich erweiterten Zugriffsmöglichkeiten auf Informationen auf Papier erweiterte sich auch die Zielgruppe. Ängste vor dem Aussterben (der Zeitungen, des Journalismus, bestimmter Professionen) sind auch heute durch die Veränderungen auf Basis des Internets allgegenwärtig.

Communications tools don’t get socially interesting until they get technologically boring. The invention of a tool doesn’t create change; it has to have been around long enough that most of society is using it.

Das obige Zitat referenziert vage auf die Erfindung der Wiki-Software, die jedoch erst durch das Projekt freie Enzyklopädie globale Verbreitung erlangte. Der Autor legt dar, dass die Erfindung einer Software (einer Technologie, einer Kommunikationsmethode) allein noch keine Veränderung hervorruft. Es muss sich eine kritische Masse an NutzerInnen finden, die diese Technologie für ihre Zwecke nutzen und dadurch wiederum das Medium selbst verändern.

Increased options for communication in groups don’t just mean we will get more of the patterns we already recognize; they also mean we will also get more new kinds of patterns. More is different, even for people who understand that more is different, which explains in part our persistent difficulties in getting technology predictions right.

Mit Voraussagen hält sich der Autor weise zurück. Das Buch stammt aus dem Jahr 2008 und in den vergangenen 10 Jahren haben sich zweifellos noch viele weitere Veränderungen ergeben, die in einer aktualisierten Ausgabe Platz fänden. Ausgeklammert werden hier großteils die negativen Auswirkungen der vereinfachten Gruppenbildung im Internet wie zB Hatespeech und Cybermobbing. Das Buch zeichnet ein hoffnungsfrohes Bild unserer digitalisierten Gegenwart und Zukunft, ohne dabei auf die Ungleichheiten hinzuweisen, die selbstverständlich auch in diesem Bereich existieren. Ein etwas kritischerer Blick wäre mir persönlich lieber gewesen.

Claire Vaye Watkins – Gold Fame Citrus

Kürzlich wurde auf Lithub ein Liste mit Romanen zum Thema Klimawandel veröffentlicht. Da mich solche Zukunftsgeschichten immer wieder mal interessieren, habe ich mir die Bücher, die ich in der Overdrive Library finden konnte, zum Lesen markiert. Auch auf der Liste zu finden ist South Pole Station von Ashley Shelby, das ich zu Anfang dieses Jahres gelesen habe. In meinen Augen würde auch das schon etwas ältere Werk Ein Jahr voller Wunder von Karen Thompson Walker auf diese Liste passen.

In Gold Fame Citrus leben AmerikanerInnen in einer Welt, die zunehmend von Wassermangel geprägt ist. Große Teile der USA bestehen nur noch aus einer Wüstenlandschaft. Evakuierung in die kühleren nördlichen Teile des Landes ist für viele Menschen die einzige Möglichkeit, um zu überleben.

Luz und Ray haben bisher in Kalifornien ausgehalten. Mit rationiertem Wasser schlagen sie sich schlecht und recht durch. In der verlassenen Villa eines Filmstars in einem Canyon setzen sie sich gegen Tiere zur Wehr, die mit der Hitze und dem Wassermangel besser zurecht kommen als Menschen. Sie haben Geld und können sich daher auch auf dem Schwarzmarkt Raritäten wie Blaubeeren kaufen.

Die vermeintliche Idylle zerbricht im Rahmen eines Festes, bei dem Luz mit einem kleinen Mädchen Kontakt aufnimmt. Das Alter des Kindes wird niemals genau genannt, sie kann schon alleine laufen und einige Sätze sprechen, wird aber im weiteren Verlauf der Geschichte immer wieder als Baby bezeichnet. Das Kind scheint von seiner Familie vernachlässigt zu werden. Die Entscheidung wird schnell getroffen: Luz und Ray entführen das Kind.

Die Autorin schafft es auf bemerkenswerte Weise, die beiden Kindesentführer so darzustellen, dass sie dem Leser trotzdem sympathisch bleiben. Sie handeln (scheinbar) aus Sorge um das Kind, obwohl sie die Umstände gar nicht genau kennen. Sie nehmen sich nicht die Zeit, Gründe der Familiensituation zu hinterfragen, sie sind sich sicher, das einzig Richtige zu tun. Indem sie ein Kind entführen.

Die Realität, für ein Kleinkind zu sorgen, holt die beiden schnell ein. Die Reise in die kühleren Landesteile wird schließlich zur einzigen Option für Luz und Ray. Auf dem Weg landen sie (um Spoiler zu vermeiden hier etwas verkürzt dargestellt) in einer Kolonie von Menschen, die sich der Evakuierung widersetzen. Sie leben am Rand der sich immer weiter ausbreitenden Wüste und haben aus mysteriösen Quellen, die ihr Anführer Levi findet, ausreichend Wasser und Nahrungsmittel zum Überleben. An dieser Stelle wird eine weitere Prognose enthüllt: in schwierigen Zeiten neigen Menschen dazu, einem starken Mann zu folgen, der sie führt und ihnen den Weg zeigt. Wenn die gesellschaftlichen Normen und der bekannte Alltag als Richtlinie für moralisches Handeln nicht mehr ausreichen, wenden sich Menschen einem (mehr oder weniger religiösen) Führer zu, um nicht selbst für ihre Fehler verantwortlich zu sein. Wie von einem Dystopie-Roman nicht anders zu erwarten, endet das Buch in einer dramatischen Wetter-Katastrophe. Und lässt trotzdem die Möglichkeit einer Fortsetzung mit der weiteren Geschichte des Babys offen.

Laura Vanderkam – Off the Clock: Feel Less Busy While Getting More Done

Warum lesen Menschen Bücher über Zeitmanagement? In ihrer Einleitung erklärt die Autorin unter anderem, dass Bücher über Zeitmanagement hauptsächlich von Menschen gelesen werden, die ohnehin schon organisiert, aber immer auf der Suche nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten sind. Das trifft auf mich auch irgendwie zu. Tatsächlich hat mich aber an diesem Buch angesprochen, dass es nicht nur darum geht, wie man möglichst viel in möglichst wenig Zeit erledigt bekommt. Es geht mehr um das Gefühl, tatsächlich genug Zeit zu haben für alle Dinge, die einer/einem wichtig sind. Obwohl ich mich selbst eher organisiert fühle und auch das Gefühl habe, viele Dinge im Leben erledigt zu bekommen, beschleicht mich immer wieder das Gefühl, das nie genug Zeit für alles da ist. Es gibt immer Dinge, die auf die lange Bank geschoben werden müssen, weil sie keine Priorität erreichen. Es gibt immer wieder Bücher, die ich nicht auf die Leseliste setze, weil diese sowieso schon unfassbar lang ist und ich die Bücher lokal nicht bekommen kann. Es gibt immer wieder Projektideen, die in einem Someday-Maybe-Modus verschimmeln, weil sie viel Zeit und ein hohes Ausmaß an Lernaufwand erfordern.

Consequently, much of the literature telling people to slow down and smell the roses may as well be like the old man in the grocery store telling you to enjoy every moment. It is impossible. Worse, it adds insult to injury by making you feel like you are a bad person for noticing that life has tough moments.

Die Autorin hat umfassende Forschung betrieben zu den Fragen, warum manche Menschen das Gefühl haben, ihre Zeit gut zu nutzen und für alle wichtigen Dinge Zeit zu haben und andere nicht. Immer wieder kommt sie dabei zu dem verblüffenden Ergebnis, das jene Menschen, die besonders produktiv sind oder wirken, nicht mehr Zeit mit Arbeit verbringen als andere. Sie organisieren ihre Zeit nur anders und – was viel wichtiger ist – sie erleben sie bewusster. Menschen, die ihren Arbeitsweg nicht nur absolvieren, sondern Strategien entwickeln, um diese Zeit produktiv zu nutzen (im Zug ein Buch lesen anstatt Social Media, im Auto Podcasts hören anstatt Radiowerbung), haben weniger das Gefühl, diese Zeit wäre verloren.

Ein in vielen Produktivitätsdiskursen vorkommendes Thema ist das Setzen von Prioritäten: die wichtigste Aufgabe des Tages zuerst erledigen. Wer seinen Tag mit dem Beantworten von E-Mails beginnt, hat später kaum noch Energie für die tatsächlichen kreativen Arbeiten. (Das Buch geht natürlich schon sehr deutlich von einem großteils selbst organisierten Arbeitstag mit der Möglichkeit der freien Prioritätensetzung aus.) Was jedoch hier wenig bedacht wird, sind die vielen Umstände, die die Erledigung von bestimmten Dingen (Arzttermine, jegliche Art von Erledigungen, die zu Geschäftszeiten stattfinden müssen) nur zu Tageszeiten möglich machen, die eigentlich für diese wesentliche Arbeit genutzt werden könnten und sollten.

Why is today different from all other days? Why should my brain bother holding on to the existence of this day as it curates the museum of my memories?

Ein langes Kapitel widmet sich auch den Erinnerungen, die uns Zeit im Rückblick länger erscheinen lassen. Ein Standard-Arbeitstag bleibt kaum in Erinnerung. Bei einem Arbeitstag, der von einem Konzert oder einem Fahrradausflug mit Kollegen gekrönt wird, sieht die Sachlage schon deutlich anders aus. Erinnerungen zu pflegen gibt uns das Gefühl, unsere Zeit sinnvoll genutzt zu haben.

One of the most potent ways people keep themselves from lingering and savoring? Thinking about other places they should be or other things they should be doing.

Was ich mir selbst mitgenommen habe, ist der Tipp, die eigenen Erwartungen herunterzuschrauben. Perfektion ist nicht erforderlich (wenn nicht gerade am offenen Herzen operiert wird). Viele Dinge haben wir aus Routine schon immer so gemacht, obwohl sie uns Zeit kosten, die wir für anderes sinnvoller (meaningful) einsetzen könnten. Der hier angesprochene Hauptbereich des perfekten Haushalts bietet bei mir nicht mehr viel Spielraum, aber ich bin jetzt auf der Suche nach anderen Bereichen, in denen ich meine Erwartungen an mich selbst zurückschrauben kann.

Wer für ein Buch keine 3 Stunden Zeit hat: das Grundkonzept erklärt sie auch in 12 Minuten in diesem TED-Talk.

Jeanette Winterson – Why Be Happy When You Could Be Normal?

It’s like reading a book with the first few pages missing. It’s like arriving after curtain up. The feeling that something is missing never, ever leaves you – and it can’t, and it shouldn’t, because something is missing.

Spontankauf bei Books & Bagels in Berlin vor etwas weniger als einem Jahr. Pro Tipp: Zuerst die Bücher kaufen. Wir haben Kaffee getrunken und einen ausgezeichneten Bagel gegessen und dann habe ich so viele Bücher gekauft, dass mir ein Gratis-Getränk angeboten wurde.

Die Autorin reflektiert in diesem Werk über verschiedene Aspekte ihrer eigenen Lebensgeschichte. Das obige Zitat bezieht sich auf ihre Adoption. Ihre Kindheit war geprägt von dem Wissen, dass ihre Mutter nicht ihre biologische Mutter ist. Dem Wissen, dass sie anders ist und der Überzeugung, von ihrer biologischen Mutter nicht gewollt worden zu sein. Dieses Thema zieht sich durch das komplette Buch. Es verweist auf das fundamentale Bedürfnis des Menschen nach Gesellschaft, nach dem Gefühl, nicht nur gebraucht sondern auch gewollt zu werden, genau so wie der jeweilige Mensch bereits ist und nicht irgendwie anders.

When I was born I became the visible corner of a folded map. The map has more than one route. More than one destination. The map that is the unfolding self is not exactly leading anywhere. The arrow that says YOU ARE HERE is your first coordinate. There is a lot that you can’t change when you are a kid. But you can pack for the journey …

Ein großer Teil des Buches befasst sich mit dem Aufwachsen als Jugendliche in einer nordenglischen Kleinstadt, die wenig Raum für Individualität bietet. Das Gefühl, anders zu sein, nicht dazu zu passen, anderes zu wollen, als nur sich einzuordnen in den Alltagstrott aus Arbeit, Kirche, Küche, zieht sich durch viele Entwicklungsjahre. Das titelgebende Konzept der Normalität wird hinterfragt und auf den Kopf gestellt. Die von der Autorin beschriebene Familienkonstellation ist keinesfalls als normal (im Sinne von in der Gesellschaft weit verbreitet) zu betrachten. Für Jeanettes Adoptivmutter (im Buch distanziert als Mrs. Winterson bezeichnet) stellt jedoch ihr eigenes Normalitätsideal ein unüberwindbares Bollwerk dar, das von der ausbrechenden Adoptivtochter schließlich ins Wanken gebracht wird. Ihre Erwartungen werden enttäuscht.

Books, for me, are a home. Books don’t make a home – they are one, in the sense that just as you do with a door, you open a book, and you go inside. Inside there is a different kind of time and a different kind of space.

Im dritten Teil des Buches lernt die Autorin schließlich ihre Familie kennen. Sie hat sich durch schlimme Lebensphasen gekämpft (und beschreibt diese auch eindrücklich) und ihre eigene Beziehungsfähigkeit hinterfragt und analysiert. Sie beschönigt den Prozess nicht, ihre biologische Familie entspricht nicht ihren Erwartungen.

Das Konzept der Normalität basiert auf Erwartungen, die gesellschaftlich geprägt sind. Auch die Erwartungen, die jeder von uns sich vermeintlich selbst ausdenkt, sind gesellschaftlich geprägt und von Werten durchdrungen, die wir von unseren Bezugspersonen in verschiedenen Lebensphasen übernommen und (hoffentlich) reflektiert haben. Normal zu sein im Sinne von in die Gesellschaft integriert, nicht auffallend, in einem gängigen Lebensmuster lebend kann für viele Menschen der richtige Weg sein. Normal und glücklich zu sein kann genauso funktionieren. Wenn jedoch die Erwartung, normal sein zu müssen oder zu wollen, dem eigenen Glück im Wege steht, dann sollte jede und jeder Einzelne die Normalität lieber über Bord werfen und alternative Wege ausprobieren.

Anthony Doerr – All The Light We Cannot See

Dieses Buch erzählt eine Geschichte, die zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielt. Die beiden Hauptprotagonisten sind Marie-Laure, die als blindes Mädchen zu Beginn mit ihrem Vater in Paris aufwächst und schließlich bei ihrem Onkel im kleinen französischen Ort Saint-Malo Zuflucht sucht, und Werner, der als Waisenkind aufwächst und aufgrund seines autodidaktisch angeeigneten Wissens über Radioempfänger und andere Technik zuerst in einer deutschen Schule und schließlich in der deutschen Armee landet. Die beiden stehen auf verschiedenen Seiten, sind jedoch durch einen irrwitzigen Zufall des Schicksals miteinander verbunden.

Die Geschichte ist kunstvoll konstruiert, sowohl die Gemeinsamkeit von Marie-Laure und Werner und schließlich auch das spätere Schicksal der Protagonisten entfaltet sich wie in einem Netz, in dem immer wieder Begegnungen als Schnittpunkte eingewoben sind. Lebensnah ist die Beschreibung, das Happy End ist nicht das Ende. Erst der Tod bildet das Ende für einen Menschen und manchmal bleibt seine Geschichte mit seinen Verwandten und den Menschen, die an ihn zurück denken, noch lange mit anderen Schicksalen verwoben.

Amanda Palmer – The Art of Asking

Um ehrlich zu sein, ich hatte mich mit Amanda Palmer und ihrer Musik bisher nicht besonders befasst. Coin Operated Boy hab ich damals™ (2009) mitbekommen, wurde mir aber durch die Verwendung in einer TV-Werbung eines Fruchtsirupherstellers effektiv verleidet. Im Anschluss an das Lesen des Buches hab ich mir die dazugehörige Playlist durchgehört und kann jetzt sagen, dass mir ihre neueren Werke auch deutlich besser gefallen.

Das Buch befasst sich weit ausholend mit allen Fragen zum Thema Bitten: wer darf um Hilfe bitten, worum darf jemand bitten, wer darf wen um Hilfe bitten und wie funktioniert das Ganze überhaupt. Viele Menschen haben Skrupel, um Hilfe jeglicher Art zu bitten. Ich kann das persönlich gut nachvollziehen, ich möchte auch niemandem zur Last fallen. Ähnliches schrieb auch die Kaltmamsell kürzlich in ihrem Blog: es fällt ihr nicht leicht, um Hilfe zu bitten, meistens fällt es ihr zu spät ein, dass das überhaupt eine Option ist. Und einige Tage später erzählt sie dann von einer Nachbarin:

Eine verhältnismäßig neue Nachbarin (etwa in unserem Alter) kennengelernt: Sie klingelte, weil sie ihren Wohnungsschlüssel in der Arbeit vergessen hatte. Und fragte, ob sie ihre schwere Tasche bei uns unterstellen könne, um schnell zurück ins Büro und zu ihrem Schlüssel zu radeln. (So verhalten sich also Menschen, für die das Bitten um Hilfe eine naheliegende Option ist – toll!)

Die Gründe, warum viele Menschen sich mit dem Bitten schwer tun, sind vielfältig:

… die Angst, sich verletzbar zu machen, die Angst vor Zurückweisung, die Angst bedürftig oder schwach zu wirken. Die Angst, der Gemeinschaft zur Last zu fallen, statt sie zu bereichern.

Es gibt jedoch auch die andere Seite des Bittens: das Geben und das Helfen. Wer nicht bittet, dem wird nicht geholfen (werden können). Gleichzeitig kann eine Bitte auch als Geschenk an die Person betrachtet werden, die um Hilfe gebeten wird. Nicht nur das Geben und Helfen ist ein Geschenk und eine Gabe. Auch das Bitten ist eine Gabe. Es gibt der anderen Person das Gefühl, etwas Gutes, Wichtiges und Sinnvolles tun zu können. Das Gefühl, gebraucht zu werden. Und manchmal auch das Gefühl, ein Teil von etwas Größerem zu sein.

Das Buch beleuchtet in mehr oder weniger chronologischer Form die Entwicklung von Amanda Palmers Karriere von ihren Anfängen als lebende Statue über die frustrierenden Erfahrungen mit ihrer Plattenfirma (zu Zeiten der Dresden Dolls) und schließlich ihren großen Erfolg mit Crowdfunding: ihre Kickstarter-Kampagne war die Erste, die die Millionen-Marke erreichte. Damit verwoben sind aber auch ihre persönlichen und privaten Erfahrungen: ihre eigenen Skrupel, sich von ihrem (berühmten) Ehemann Neil Gaiman in knappen Zeiten finanziell aushelfen zu lassen, aber auch das Bitten um eine Umarmung im richtigen Moment. Sie beschreibt Freundschaften, die auf der Basis des Einanderhelfens entstanden sind und verknüpft dies mit einer intensiven Betrachtung der Frage, was Vertrauen ausmacht und wie wichtig Vertrauen ist, wenn es darum geht, eine Person um etwas zu bitten.

Als Einstieg für Interessierte ist dieser TED-Talk von Amanda Palmer zu empfehlen, der die Grundzüge des Konzepts „Bitten und Crowdfunding im Music Business“ in 13 Minuten anschaulich erklärt. Die bereits per Crowdfunding finanzierten Alben von Amanda Palmer sind auf Bandcamp als „free / name your price“ zum Download zu finden. Für langfristige Unterstützung von Musikern, Podcastern, Künstlern aller Art, hat sich aktuell Patreon etabliert, auch hier ist Amanda Palmer zu finden.

Abschließen möchte ich mit diesem Zitat, ein weiteres Puzzleteil zur Antwort auf die Frage, was eigentlich Kunst ist:

Man ist ein Künstler, wenn man sagt, dass man einer ist. Und man ist ein guter Künstler, wenn man jemandem ein tiefes Gefühl oder eine unerwartete Erfahrung beschert.

PS: Warum sind die Zitate auf deutsch? Ich habe die deutsche Version des Buches von einem Freund geliehen bekommen, ich empfehle jedoch die Lektüre des englischen Originals, die deutsche Übersetzung ist stellenweise schmerzhaft.

Alan Bradley – The Sweetness at the Bottom of the Pie

Leider ist schon über eine Woche vergangen, seit ich dieses Buch zu Ende gelesen habe, aus Urlaubsgründen habe ich es bisher nicht geschafft, diesen Blog Post zu schreiben. Der Autor hat mit Flavia de Luce eine sehr starke Figur erschaffen: ein 11-jähriges Mädchen, das sich leidenschaftlich mit Chemie beschäftigt und dabei auch vor dem Lippenstift ihrer Schwester nicht Halt macht, voller Neugierde und ohne Furcht, Grenzen zu überschreiten. Als Flavia im Familiengarten der de Luces eine Leiche findet und kurz darauf ihr Vater deshalb verhaftet wird, versucht Flavia, selbst dem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Dabei stößt sie immer wieder auf den ermittelnden Inspektor, findet aber auch jede Menge Details, die selbst dem aufmerksamsten Ermittler entgehen können. Im Großen und Ganzen eine spannende Geschichte, wenn auch manche Passagen etwas gestrafft werden hätten können. Es handelt sich um eine Serie, es gäbe also noch einige weitere Flavia-Mysteries zu lesen, wobei ich noch nicht sicher bin, ob ich darauf zurückgreifen werde.

Es folgt ein Exkurs zum Thema Amazon Prime: Kürzlich wurde im Rahmen einer Runde die Frage in den Raum geworfen, „wer leistet sich denn nicht Amazon Prime?“. Meine Antwort machte mich umgehend zum Außenseiter. Darauf folgte die Frage, ob ich denn nicht so oft bestellen würde. Nur eine Woche später legte in einer anderen Runde eine Person eine Art Geständnis ab: „Ich lade keine Fotos zu Google hoch, ich bin nicht auf Facebook, aber eine Firma hat mich total im Griff: Amazon.“ Es folgte eine Diskussion über die Alternativlosigkeit von Amazon.

Mir geht es an dieser Stelle nicht darum, jemanden wegen seines Amazon Prime Accounts oder irgendeines anderen Konsumverhaltens zu verurteilen. Es gibt jede Menge Gründe dafür, warum Amazon so beliebt ist. Die am häufigsten genannten sind Kosten und Bequemlichkeit. Im direkten Preisvergleich sind Produkte bei Amazon meist billiger zu haben als im lokalen Geschäft oder bei anderen Versandhändlern. Die Auswahl ist so groß, dass es einfacher ist, alles bei Amazon zu bestellen, als Accounts bei verschiedenen Diensten zu pflegen. Mit Amazon Prime erfolgt die Lieferung oft schon einen Tag nach der Bestellung.

Es gibt allerdings auch jede Menge Gründe, warum Amazon problematisch ist. Ein paar davon möchte ich hier aufzählen:

  • Marktmacht: Amazon hat eine Marktmacht erreicht, mit der kleinere Unternehmen nicht mehr mithalten können. Das ermöglicht ihnen, die Preise weiter zu drücken und damit anderen Unternehmen die Existenzgrundlage zu entziehen.
  • Ausbeutung der Mitarbeiter: Wie oben bereits genannt, bietet Amazon im Vergleich oft den günstigsten Preis. Dies geht jedoch auf Kosten der Mitarbeiter. Eine Beschreibung der katastrophalen Arbeitsbedingungen in einem Amazon-Versandlager gibt es sogar als Buch. Extrem niedrige Kosten sind im Allgemeinen mit einer Ausbeutung der Produzierenden bzw. der Mitarbeiter verbunden.
  • Schädigung der lokalen Geschäfte: Geschäfte in kleinen und mittleren Städten brauchen eine kritische Masse an Kunden, um ihr Geschäft aufrechterhalten zu können. Große Konzerne können Schwankungen zwischen Standorten besser ausgleichen, lokale Einzelgeschäfte sind abhängig von ihren regelmäßigen Kunden. Langfristig wirkt sich dies auch auf das Stadtbild aus: Geschäftslokale stehen leer oder werden von Filialen großer Textilketten übernommen, das individuelle Flair der Stadtkerne geht verloren.
  • Umweltschäden durch Verpackung und Transport: Auch wenn Amazon hauptsächlich Kartonverpackungen verschickt, muss dieser Karton produziert und recyclet werden. Der Großteil der Amazon-Verpackungen wird einmal verwendet und anschließend entsorgt. Das erhöht auch die Kosten für die Müllabfuhr. Amazon-Pakete müssen ausgeliefert werden. Dies geschieht im Allgemeinen per Klein-LKW. Mehr Amazon-Lieferungen sorgen also auch für mehr Abgase und mehr Feinstaub.
  • Persönliche Daten: Amazon Prime verleitet dazu, mehr zu konsumieren. Je mehr der oder die Einzelne bei Amazon bestellt, umso mehr Daten kann Amazon sammeln und daraus Persönlichkeitsprofile erstellen. Diese Daten werden auf jeden Fall für personalisierte Werbung genutzt. Wofür Amazon sie noch nutzt, das wissen wir nicht. Wer hat die allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen? Ob Amazon diese Daten an Dritte verkauft, kann vom Einzelnen nicht nachgeprüft werden. Amazon besitzt alle eure persönlichen Daten inklusive eurer Wohnadresse und auch eurer Büroadresse, wenn ihr euch dorthin liefern lasst. Amazon weiß, wo ihr wohnt, arbeitet und wieviele Personen in welchem Alter in eurem Haushalt leben. Amazon kennt eure Vorlieben, eure Interessen und die Hobbies, die ihr wieder aufgegeben habt. Amazon hat aufgrund eures Konsumprofils ein exaktes Persönlichkeitsprofil von euch.

Das Wort Alternativlosigkeit ist bereits gefallen. Mir sind natürlich die meisten Anwendungsfälle nicht bekannt, es gibt jedoch IMMER Alternativen. Diese sind zumeist nicht so bequem, erfordern etwas mehr Aufwand und Recherche und oft dauert die Lieferung oder Abholung auch länger. Aber es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen und nach anderen Möglichkeiten zu suchen und den eigenen Horizont zu erweitern. Wer lokal zu Fuß in Geschäften einkauft, unterstützt nicht nur die lokale Wirtschaft (Arbeitsplätze!), sondern tut auch noch etwas für die eigene Gesundheit (Bewegung!) und die Umwelt (weniger Abgase!).

Laurie Penny – Unspeakable Things

Asking nicely for change gets you nowhere.

Im Lila Podcast wurden immer wieder mal die Bücher von Laurie Penny und Caitlin Moran erwähnt, da hatte ich irgendwann beschlossen, mir selbst ein Bild über diese feministische Literatur machen zu wollen. Bei Laurie Pennys Unspeakable Things handelt es sich um ein ordentliches Stück Gesellschaftskritik.

In this nominally freer and more equal world, most women end up doing more work, for less reward, and feeling pressured to conform more closely to gender norms.

Sie analysiert die (westliche) Gesellschaft dieses neuen Jahrhunderts auf Veränderungen im Verhältnis zwischen Frauen und Männern und vor allem auf die Nachteile, die für viele Frauen in einer vermeintlich freier gewordenen Welt nach wie vor bestehen.

The best way to stop girls achieving anything is to force them to achieve everything.

In dieser vermeintlich besseren und erneuerten Welt können Mädchen und Frauen auf dem Papier alles werden, was sie wollen. Gesetze zur Gleichbehandlung legen fest, dass Frauen in allen Bereichen dieselben Chancen haben sollen wie Männer. Obwohl dies in der Realität ohnehin nicht zutrifft, führt es dazu, dass auf Frauen ein größerer Druck ausgeübt wird: Sie können nicht nur alles werden und haben, es wird auch von ihnen erwartet, dass sie ALLE Lebensbereiche unter einen Hut bringen. Erfolgreich Karriere machen, Kinder bekommen und erziehen, dabei immer gut aussehen und auch noch Zeit für Selbstverwirklichung und Hobbies haben. Die 24 Stunden, die jedem von uns dafür täglich zur Verfügung stehen, reichen jedoch einfach nicht aus und die Tatsache, dass wir alles haben KÖNNTEN, lässt jede Frau, die nicht ALLES schafft, wie eine Verliererin dastehen.

Women and girls in particular don’t need any more rules for living and working and grooming and loving. There are already too many rules, most of them contradictory.

Unser Leben ist geprägt von gesellschaftlichen Regeln, was man tun darf und was man tun soll und vor allem was man alles NICHT tun soll. Ein weibliches Aussehen, aber bitte kein zu kurzer Rock, sonst braucht sich eine Frau über Belästigungen nicht zu wundern. Kinder bekommen, aber bitte sofort zurück in den Job (wegen der Pensionszeiten und der eigenen finanziellen Unabhängigkeit), wer jedoch seine Kinder nicht täglich mit einer pädagogisch wertvollen Geschichte ins Bett bringt, gilt als Rabenmutter.

What the stereotype of the bra-burning, hairy-legged feminist is really supposed to suggest is that feminism, that politics itself, makes a woman ugly. That women’s liberation is a threat to traditional ideas of femininity, of a woman’s social role.

Feminismus ist noch immer mit Vorurteilen behaftet. Nach wie vor fühlen sich viele Männer sofort zurückgewiesen und angegriffen, wenn Frauen ihren eigenen Weg gehen und sich nicht darum scheren, was Männer von ihnen denken. Daraus ergibt sich eine Verteidigungshaltung: „Ich bin ja nicht so ein Mann, der Frauen unterdrückt, ich bin nicht Teil des Problems und sollte deshalb auch in Ruhe gelassen werden und mich nicht damit beschäftigen müssen.“ Natürlich kann ein einzelner Mann nicht für strukturelle Misogynie verantwortlich gemacht werden. Aber es ist wichtig, dass sich jede und jeder Einzelne bewusst macht, dass selbst ein Mann, der sich im Alltag Frauen gegenüber korrekt verhält, von den Privilegien des weißen Mannes auf Kosten von Frauen profitiert.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Frauen selbst glauben, sie hätten jetzt alle Möglichkeiten. Sie reden sich erfolgreich ein, dass es ihnen nichts ausmacht, den Großteil der Familien- und Hausarbeit zu erledigen und machen ihr eigenes Glück vom reibungslosen Funktionieren der Familie abhängig. Dabei sollten jedoch auch wir Frauen nicht vergessen, dass es unzählige andere gibt, die mit weniger finanziellen Möglichkeiten ausgestattet sind, die in Ländern leben, wo die Gleichberechtigung nicht mal auf dem Papier existiert oder die schlicht durch besondere Umstände (wie zum Beispiel chronische Krankheiten) dem Erwartungsdruck unmöglich standhalten können. Dabei müssen wir nicht mal ins Ausland schauen, alleinerziehende Frauen (und Männer) sind in Österreich die am meisten von Armut bedrohte Gruppe. Gleichberechtigung ist erst dann hergestellt, wenn sie tatsächlich auch alle gesellschaftlichen Schichten umfasst. Chancengleichheit existiert als Idee auf dem Papier und erfordert täglichen Kampf, um sie tatsächlich Realität werden zu lassen.