Glynnis MacNicol – No One Tells You This

… knowing I was fortunate did not make the plate before me any more palatable. … it was a truth universally acknowledged that by age forty I was supposed to have a certain kind of life, one that, whatever else it might involve, included a partner and babies.

In diesem Buch beleuchtet Glynnis MacNicol ihr Leben und ihre Gefühlswelt kurz vor und nach ihrem 40. Geburtstag. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Erwartungen, die die Gesellschaft an Frauen stellt. Diese Erwartungen verändern sich mit dem Verlauf des Alterungsprozesses. Im Alter von 40 Jahren ist eine Frau entweder mit Partner und Kindern versorgt oder verzweifelt – so die Annahme. Dazu finden sich im Buch jede Menge Beispiele wie etwa ältere Damen, die der Autorin bescheinigen, dass es für sie noch nicht zu spät sei, es sei immer noch Zeit.

Gleichzeitig stellt Glynnis MacNicol fest, dass Frauen, die das haben, was ihr selbst gerade in ihrem Leben fehlt (oder nach den gesellschaftlichen Vorgaben fehlen sollte), genauso unzufrieden mit ihrem Leben sind. Partner, Kinder, Haus, Beruf – selbst Frauen, die in allen diesen Bereichen auf der Erfolgsseite stehen, scheinen nicht (immer) glücklich zu sein. Das Leben ist hingegen ein Auf und Ab aus besseren und schlechteren Zeiten, völlig unabhängig von den aktuellen Lebensumständen.

I think they’re told they aren’t allowed to be unhappy when they have the only two things women are supposed to want.

Ein Jahr nach ihrem 40. Geburtstag hat sich Glynnis MacNicol mit ihrem Leben ausgesöhnt. Es gibt ein Leben jenseits der klassischen Lebensmodelle. Nach Plan verläuft das Leben sowieso nicht, da können wir uns genauso gut unser eigenes Lebensmodell ausdenken. Oder ausprobieren. Und wenn es nicht funktioniert: ein anderes ausprobieren.

Kate Mosse – Die Frauen von Carcassonne

Dieses Buch beinhaltet einige Parallelen zu Anthony Doerrs All The Light We Cannot See, das ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Es spielt in Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, eher schon gegen Ende des Krieges, was die ProtagonistInnen aber natürlich nicht wissen. Die Perspektive ist jedoch eine völlig andere. Die titelgebenden Frauen bilden eine Widerstandsgruppe, die sich dem Nazi-Regime nicht ergeben will und Flüchtlinge durch die südfranzösischen Berglandschaften nach Spanien schmuggelt.

Die Grundlinie der Geschichte, die Bildung und Entwicklung der Widerstandsgruppe, ist stringent erzählt und zeigt eindrucksvoll die unterschiedlichen Einstellungen zum Kriegsgeschehen und auch wie sich diese durch persönliche Erfahrungen verändern können. Als Nebenhandlung wird die Geschichte von Arinius erzählt, einem Mönch, der um die Mitte des ersten Jahrtausends ein Schriftstück aus Rom entwendet hat und dieses in den Bergen um Carcassonne versteckt, um es vor dem Zugriff machthungriger Kirchenfürsten zu schützen. Nach diesem Schriftstück wird wiederum zur Zeit des Zweiten Weltkriegs von verschiedenen Gruppen gesucht. Es verspricht dem Besitzer die Möglichkeit, ein Geisterheer anzurufen, das in den Augen mancher kriegsentscheidend sein könnte. Neben dieser mystischen Nebenhandlung darf natürlich auch eine Liebesgeschichte inklusive entsprechender körperlicher Szenen nicht fehlen.

Die einzelnen Versatzstücke der Handlung fügen sich in meinen Augen nicht immer nahtlos ineinander, speziell die Liebesgeschichte erschien mir in manchen Szenen doch sehr banal. Das Ende wiederum birgt eine Überraschung, ich hatte mir auch aufgrund der historischen Hintergründe etwas anderes erwartet.

Ann Patchett – What Now

Auf Twitter und in Blogs haben kürzlich Menschen gezählt, wie viele Bücher sie im vergangenen Jahr gelesen haben und dies nach Autorinnen und Autoren aufgeschlüsselt. Nachdem ich dies zum wiederholten Mal gelesen hatte, wurde ich neugierig auf meine eigene Bilanz und dabei positiv überrascht: Im Jahr 2018 habe ich 25 Bücher von Autorinnen und 23 Bücher von Autoren gelesen (wobei ein Buch für beide Kategorien zählt, da es von einem Team geschrieben wurde).

Möglich wird dies vermutlich auch dadurch, dass ich meine Buchauswahl wenig von traditionellen deutschsprachigen Medien abhängig mache, sondern Inspiration von Lithub oder Parnassus übernehme. Die Büchereien Wien nehmen Medienwünsche für die OverDrive eLibrary entgegen, was es mir in den letzten Monaten ermöglicht hat, auch die ausgefallenen Leseinteressen ohne Ausgaben oder großen Aufwand zu erfüllen. Ein großartiger Service, den ich nicht oft genug empfehlen kann.

Sometimes not having any idea where we’re going works out better than we could possibly have imagined.

Die Autorin Ann Patchett hat eine Ansprache, die sie an Absolventinnen und Absolventen des Sarah Lawrence Colleges gehalten hat, in diesem Buch veröffentlicht. Sie geht dabei den Momenten auf den Grund, die uns auf unserem Lebensweg innehalten lassen, weil wir nicht mehr weiter wissen. Das können einerseits so vorhersehbare Umbrüche wie ein Schulabschluss sein, aber auch unvorhersehbare Ereignisse wie Krankheiten oder unerwartete Veränderungen in Beziehungen oder Freundschaften. Einerseits müssen wir unser Leben planen, um voran zu kommen, andererseits müssen wir offen bleiben für die Ereignisse, die nicht nach Plan verlaufen.

As quickly as you think that everything is set, it all becomes unglued again. … Sometimes the best we can hope for is to be graceful und brave in the face of all of the changes that will surely come.

Während des Lesens hatte ich mich motiviert gefühlt, die aktuellen Veränderungen in meinem Leben mit Gelassenheit anzunehmen (ändern, was zu ändern ist, akzeptieren, was nicht zu ändern ist) und einen offenen Zugang zum Unbekannten, das vor mir liegt, zu kultivieren. Leider flauen diese Triumphgefühle viel zu schnell wieder ab im Angesicht der Realität, die täglich neue Steine in den Weg legt. Inzwischen lese ich bereits Glynnis MacNicol – No One Tells You This in der Hoffnung, darin weitere Motivation zu finden.

Just because things hadn’t gone the way I had planned didn’t necessarily mean they had gone wrong. … The secret is finding the balance between going out to get what you want and being open to the thing that actually winds up coming your way.

Kate Bowler – Everything Happens for a Reason and Other Lies I’ve Loved

Die Autorin reflektiert in diesem Buch über ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit der Diagnose Darmkrebs. Ihre Situation lässt sie anders denken über Lebenspläne und Lebensqualität, über persönliche Beziehungen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Wieviel Zeit vergeuden wir täglich mit Ärger über unwichtige Dinge? So viele Wünsche und Träume verschieben wir auf eine Zukunft, die vielleicht niemals kommt. Erst im Angesicht einer potentiell tödlichen Krankheit wird klar, dass wir aus jedem Tag das Beste machen können und das, was uns glücklich macht, nicht auf später verschieben dürfen.

She is working harder than anyone I have ever known, but her selflessness has caused her to surrender too much of herself to “someday”. And now someday has come, at least for me.

Als gläubiger Mensch erhält sie viel Feedback von ihrer Kirchengemeinde und nach einem online veröffentlichten Artikel über ihre Situation auch von völlig Fremden. Der Titel des Buches verweist auf die vielen wohlgemeinten, aber nicht hilfreichen Ratschläge, die sie in ihrer Situation von Bekannten und Fremden erhalten hat. Ein Ansatz dabei ist, dass jede Situation eine Prüfung ist, die Gott uns stellt und die uns stärker machen soll. Wesentlich schwieriger zu verarbeiten ist die Perspektive, dass die Krankheit eine Strafe für begangene Sünden oder nicht ausreichend intensiven Glauben ist. Viele Menschen berichten ihr auch von ihren eigenen Problemen, die sie im Allgemeinen als wesentlich schlimmer erachten als das Schicksal anderer. Daraus folgt zwar die Erkenntnis, dass das Leben für jeden irgendwie schwer ist (that life is hard for everyone), aber macht das die eigene Situation in irgendeiner Form besser? Wie ich kürzlich bei Barry Schwartz in The Paradox of Choice gelesen habe, machen uns Vergleiche jeder Art – speziell mit dem Leben anderer Menschen – immer unglücklich.

I have still, somehow, clung to the idea that I am able to save myself.

Jede schwierige Situation im Leben gibt uns Gelegenheit, zu wachsen und daraus zu lernen. Die Autorin fragt sich im Angesicht ihrer potentiell tödlichen Krankheit, ob sie jemals eine vollständige Person sein wird (wondered if I would ever be one, whole person). Was kann uns überhaupt zu einer vollständigen Person machen? Im Rahmen meiner jüngsten Krise habe ich begonnen, mich mit Selbstakzeptanz zu beschäftigen und der Frage nachzugehen, ob das eigene unperfekte Selbst eigentlich schon genug ist. Auch wenn wir uns täglich verändern und an unseren Lebenserfahrungen wachsen, können wir jemals genug oder ganz sein? Wenn wir es jetzt noch nicht sind, welche Erfahrung könnte dazu führen, dass wir ganz werden? Eine Frage, die mich vermutlich noch länger beschäftigen wird.

Joe Fassler – Light The Dark

In diesem Buch versammelt der Herausgeber Joe Fassler Texte anderer AutorInnen, die im Rahmen einer Serie der Webseite The Atlantic entstanden sind. Jede Autorin, jeder Autor hat die Aufgabe, ein persönlich wichtiges Stück Literatur auszuwählen und dann zu erklären, warum es wichtig ist und was es bedeutet. Dabei entwickeln sich sehr tiefgründige Blickwinkel auf das Erleben von kreativen Prozessen, aber auch auf persönliche Erfahrungen, die zum Schreiben inspirieren oder das Schreiben zur Notwendigkeit machen.

We fear, we’ll be misunderstood–and, at times, we surely will be. The most powerful human emotions are terribly difficult to explain in a way that doesn’t finish them, or that doesn’t make you look slightly ridiculous in the telling. How easy to safeguard them then, and keep things close, rather than risk looking foolish or being misheard.

Aufgrund aktueller Ereignisse haben mich viele Passagen persönlich berührt, die sich mit dem Erleben von Emotionen und Kommunikation darüber befassen. Selbst jene Menschen, die uns am nächsten stehen, können niemals genau wissen, was wir empfinden. Selbst wenn wir das Risiko eingehen, uns öffnen und unsere inneren Ängste ans Licht zerren, um sie zu erklären, können wir nur hoffen, von unserem Gegenüber zumindest teilweise verstanden zu werden. Dieser Verstehensprozess unterliegt außerdem einer ständigen Veränderung. Selbst wenn wir annehmen, in einem Moment tatsächlich ein gemeinsames Empfinden hergestellt zu haben, kann dies im nächsten Moment bereits wieder vorbei sein. Verständnis hat damit wie Glück einen flüchtigen Charakter.

Experiencing intense feeling, and at the same time processing those voices shaming you for having too much feeling–both are part of the experience of the poem, and they don’t necessarily detract from each other.

Starke Emotionen sind oft schwierig zu verarbeiten. Selbst wenn wir uns bewusst sind, dass es schwierige Situationen geben wird, in denen wir nicht sofort wissen werden, wie wir reagieren können, selbst wenn wir uns darauf vorbereiten, sogar dann entstehen Momente, in denen uns vollkommen die Worte fehlen. Diese Emotionen sind unerwünscht, wir wollen die Kontrolle behalten, über uns selbst und über die Situation.

Part of it is the constant destruction and construction of the self. The texts aren’t changing, but we are–and I think that changing lens is the thing that I’m alive in.

In meinen Augen ist Schreiben ein kreativer Prozess im Sinne von Kommunikation: Gedanken in Worte fassen, damit sie von anderen aufgenommen, verstanden und verarbeitet werden können. Die Auseinandersetzung mit den Gedanken und Emotionen anderer Menschen führt dazu, dass wir Perspektiven einnehmen können, die über unsere eigene Lebenswelt hinausgehen. Das menschliche Selbst ist keine abgeschlossene Einheit, sondern ständig mit seiner Umwelt im Austausch begriffen. Wir können uns gegenüber diesen Einflüssen verschließen oder sie willkommen heißen und als Gelegenheiten zum Lernen betrachten.

And there is no way to restore what’s lost, sometimes, other than through dreams and imagination.

Jeder gelebte Moment ist im Prinzip für immer verloren. Außer wir erinnern uns daran und können diese Erinnerung durch unsere Vorstellungskraft am Leben erhalten.

Aus persönlichem Interesse habe ich mir angeschaut, wo meine gelesenen Bücher im Jahr 2018 her gekommen sind. Den größten Anteil daran (mehr als die Hälfte!) hält die Overdrive eLibrary der Büchereien Wien. Das bedeutet in weiterer Folge, dass ich dieses Jahr auch den Großteil der Bücher auf englisch gelesen habe. Gekauft habe ich dieses Jahr nur noch wenige Bücher, den Großteil davon wiederum in meiner lokalen Bücherei. Die Gesamtanzahl der gelesenen Bücher ist ähnlich wie im Vorjahr und damit etwas geringer als in den Jahren bevor ich mein Fernstudium angefangen habe. Dieses ist im aktuellen Semester noch etwas textlastiger geworden, ich bin bereits gespannt, wie sich das im Jahr 2019 auswirken wird.

James Dashner – The Fever Code

In diesem weiteren Teil der „Maze Runner“-Reihe wird aufgelöst, wie es dazu kam, dass Thomas und Theresa zuerst an der Erschaffung des Irrgartens mitgearbeitet haben und schließlich selbst darin landen. Wirklich viel Neues wird dabei nicht enthüllt, dass WICKED ein falsches Spiel mit seinen Subjekten spielt, war bereits aus den vorangegangenen Büchern klar. Es werden Lücken aufgefüllt und einzelne Details erklärt. Rein inhaltlich gesehen wären jedoch die beiden Prequels nicht notwendig gewesen, den krönenden Abschluss gab es bereits in The Death Cure.

Eva Rossmann – Männerfallen

So knapp vor Weihnachten habe ich mich eher der leichteren Literatur zugewandt. Daher ein Mira-Valensky-Krimi, der sich oberflächlich mit dem Thema männliche und weibliche Rollenbilder auseinandersetzt und sowohl Frauen als auch Männer nicht gerade im besten Licht dastehen lässt. Sardinien klingt jedoch sehr verlockend.

Rachel Cohn & David Levithan – The Twelve Days of Dash & Lily

„Because this is only going to get worse,“ she said. „So we must buck up, put on a kind face, and get on with it.“ – „Get on with what?“ – „Life. In all its bittersweet glory.“

Es sind drei Jahre vergangen, seit ich Dash & Lily’s Book of Dares gelesen habe, für Dash und Lily ist es jedoch nur ein Jahr. Die Fortsetzung hat mir große Freude bereitet. Auch wenn es für die beiden gerade nicht so flauschig ist, wie erhofft, hält das Buch jede Menge Absurditäten wie obszöne Lebkuchen und eislaufende BibliothekarInnen bereit. Auch wenn Dash und Lily auf dem Papier immer noch brave amerikanische Teenager sind, die ihre körperliche Nähe auf Händchenhalten und Küssen beschränken, zeigt das Buch einen deutlichen Entwicklungsverlauf. Lily ist mit Veränderungen in ihren Lebensumständen konfrontiert, die sie nicht akzeptieren will und trotzdem nichts daran ändern kann. Daraus ergeben sich jede Menge Optionen, um zu lernen. Zu lernen, das Leben in seiner ganzen Absurdität zu akzeptieren und sich dabei selbst treu zu bleiben, auch wenn einer oder einem dabei die Luft zum Atmen weg bleibt. Eine Fortsetzung des „Dash&Lily“-Weihnachtsmärchens.

John Green – An Abundance of Katherines

John Green ist für mich einer jener Autoren, zu denen ich zurückkehren kann, wenn ich einen vertrauten Freund brauche. Dieses Buch ist deutlich fröhlicher angelegt und mit weniger schwierigen Themen behaftet als etwa The Fault in our stars. Und damit gerade das Richtige für eine Pause in der turbulenten Vorweihnachtszeit.

Der etwas schräge und nerdige Colin begibt sich nach der Trennung von seiner Freundin Katherine (XIX) mit seinem Freund Hassan auf einen Road Trip. Recht weit kommen sie dabei nicht, sie landen in einem kleinen Ort in Tennessee, wo sie Lindsey, deren Mutter Hollis und einen Haufen andere Originale kennenlernen. Colin versucht nahezu zwanghaft, eine mathematische Formel zu entwickeln, die seine gescheiterten Beziehungen zu 18 Mädchen namens Katherine (Katherine I ist gleichzeitig Katherine XIX) erklären soll. Davon lenkt ihn zum Glück die Realität ab und ausgehend von einer gescheiterten Wildschweinjagd nehmen die Dinge ihren Lauf.

John Green war übrigens kürzlich im Podcast Death Sex and Money zu Gast.

Janne Teller – Komm

So wie der Mensch nicht entweder gut oder böse ist, sondern beides, muss die Kunst sowohl gut als auch böse sein, gerade weil sie alles Menschliche spiegeln soll. Sie soll uns zeigen, wie wir sind, nicht, wie wir sein sollen.

In diesem Roman begleitet die Leserin einen Mann durch eine Nacht. Er sollte eigentlich zu einem gesellschaftlichen Termin mit seiner Frau, der Integrationsministerin, hat jedoch noch eine Rede für den kommenden Tag zu schreiben. Davon wird er jedoch abgelenkt, da er Besuch erhalten hat, von einer Frau, die ihn davon abzubringen versucht, ein Manuskript zu veröffentlichen, das „ihre“ Geschichte erzählt, die ein Autor gestohlen hat.

Die Gedankenverläufe des Verlagsleiters enthüllen die Umstände nur Stück für Stück. In seinen Überlegungen zum Manuskript und seiner Entstehung, die mit Entwürfen für seine Rede verflochten sind, wechselt er ständig die Position. Er hinterfragt das Wesen und die Aufgabe der Kunst sowie seine persönlichen Lebensentscheidungen. Er lotet die Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz aus und landet schließlich bei der Frage nach der persönlichen Verantwortung.

Wir alle haben die Verantwortung für das, was wir beeinflussen können.

Kurz danach habe ich in einer schlaflosen Nacht nochmal Nichts. Was im Leben wichtig ist gelesen. Mir war in Erinnerung geblieben, wie sich die Schulklasse auf der Suche nach Bedeutung immer mehr hineinsteigert und sich jede und jeder Schritt für Schritt dem Gruppenzwang beugt. Diesmal ist mir mehr ins Auge gefallen, wie subjektiv und flüchtig Bedeutung eigentlich ist. Was für die eine von Bedeutung ist, kann für den anderen völlig bedeutungslos sein. Was uns heute von Bedeutung erscheint, kostet uns nur wenige Tage später oft keinen einzigen Gedanken mehr. Was tatsächlich von Bedeutung war, erschließt sich oft erst viel später. Was wir für bedeutsam halten, kann sich von einem Moment auf den anderen völlig ändern.

Ein weiterer Aspekt ist das Gewicht, dass wir der Bedeutung beimessen. Das Buch endet damit, dass Menschen bereit sind, für das zu töten, was für sie von Bedeutung ist. Was uns zu der Frage bringt, was kann im Leben so von Bedeutung sein, dass es ein Menschenleben aufwiegt?