Ottessa Moshfegh – My Year of Rest and Relaxation

Eine hohe Erwartungshaltung – und sei sie auch noch so diffus – kann so ziemlich jede Erfahrung zu einer Enttäuschung machen. Möglicherweise ist mir das mit diesem Buch passiert, das im vergangenen Jahr auf jeder Empfehlungsliste auf Lithub dabei war. In meiner Erinnerung waren diese Empfehlungen alle mit Begeisterung behaftet, ohne auch nur einen Blick auf möglicherweise missverständliche oder problematische Aspekte zu werfen. Meine Meinung zu diesem Buch ist eher durchwachsen.

Being pretty only kept me trapped in a world that valued looks above all else.

Die Protagonistin ist eine – laut eigener Beschreibung – überdurchschnittlich attraktive junge Frau, akademisch gebildet, finanziell abgesichert aufgrund des Erbes ihrer verstorbenen Eltern und trotz all dieser Privilegien zutiefst unglücklich. Sie fühlt sich in ihrer Arbeit in einer Kunstgalerie nicht wertgeschätzt und nutzlos und zweifelt an der Sinnhaftigkeit ihres Tuns und Daseins. Ihrem Hadern mit sich selbst und der Welt versucht sie mit Medikamenten zu entgehen. Sie findet eine dubiose Psychiaterin, die sie mit einem Medikamentencocktail versorgt, der es ihr ermöglichen soll, den Großteil ihrer Zeit zu schlafen.

I wanted to hold on to the house the way you’d hold on to a love letter. It was proof that I had not always been completely alone in this world. But I think I was also holding on to the loss, to the emptiness of the house itself, as though to affirm that it was better to be alone than to be stuck with people who were supposed to love you, yet couldn’t.

Im Verlauf des Buches werden immer mehr Teile ihrer Vergangenheit enthüllt, die Hinweise geben, wie es zu dieser Welt- und Selbstmüdigkeit gekommen ist. Das Verhältnis zu den Eltern war oberflächlich intakt, jedoch von einer Lieblosigkeit geprägt, die es einem Kind nicht erlaubt, ein gesundes Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln. Nach dem Tod beider Eltern steht das geerbte Elternhaus als Sinnbild für alles Verlorene, auch das, was niemals vorhanden war.

She sipped and poured and went on about how “it’s all about your attitude,” and that “positive thinking is more powerful than negative thinking, even in equal amounts.”

Neben der Protagonistin und der Psychaterin gibt es noch eine weitere Figur, eine Freundin der Protagonistin, die aus dem Leser unverständlichen Gründen an ihr festhält. Diese Frauenfreundschaft ist geprägt von gegenseitigem Neid und dem Wunsch nach Verständnis, nach Gesehen-Werden und Angenommen-Werden mit all seinen Fehlern, wie es der Protagonistin von ihren Eltern verwehrt blieb. Es bleibt am Ende unklar, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht oder an der Realität der unterschiedlichen Lebensumstände scheitert. 

Sometimes friends are better than family, because you can say anything. Nobody gets mad. It’s a different kind of love.

Das Buch endet mit einer Kunstaktion, in der die Protagonistin ihr eigenes Dasein nahezu auslöscht mit dem Ziel, am Ende wiedergeboren zu werden in ein neues Leben. Die Satire über die Sinnlosigkeit der Kunstszene führt sich an dieser Stelle selbst ad absurdum. Rückblickend könnte das der Grund für die große Begeisterung über dieses Buch sein. Es fühlt sich intellektuell an und birgt Spielraum für Interpretation. 

Hanya Yanagihara – A Little Life

… but in those moments he would at times find himself, thinking, This is enough. This is more than I hoped. To be in New York, to be an adult, to stand on a raised platform of wood and say other people’s words! – it was an absurd life, a not-life, a life his parents and his brother would never have dreamed for themselves, and yet he got to dream it for himself every day.

Schon der Titel dieses Buches wirft Fragen auf: a little life, ein kleines Leben, ist damit ein kurzes Leben gemeint oder ein unbedeutendes Leben? Und wer oder was gibt überhaupt einem Leben Bedeutung? Dies ist eine der essentiellen Fragen, die in diesem Buch teils offensichtlich und teils zwischen den Zeilen aufgeworfen werden. Gegen Ende des Buches wird im Rahmen einer tatsächlichen Dinner-Konversation die Frage gestellt, ob eigene Kinder dem Leben Bedeutung geben und was dem Leben sonst noch Bedeutung geben könnte. Die eindeutige Antwort an dieser Stelle im Buch: Freundschaft.

Das Buch beginnt mit der College-Freundschaft der 4 Protagonisten: Willem, angehender Schauspieler, Jude, auf dem Weg, ein angesehener Anwalt zu werden, Malcolm, ruhelos und an Architektur interessiert und JB, bildender Künstler. Während im ersten Teil des Buches die Vorgeschichten und Familienhintergründe sowie die Entstehung der Freundschaft beleuchtet werden, fokussiert die Geschichte dann auf Jude, dessen Kindheit von den schlimmsten Erlebnissen geprägt wurde (Missbrauch, Misshandlung, Zwang zur Prostitution, CN: dies wird im Buch ausführlich beschrieben).

Or he would discover – as he often feared – that what he understood as friendship was really motivated by their pity of him?

Jude wächst im Kloster auf und erfährt dort in seinen frühen Lebensjahren ein Gefühl der Wertlosigkeit, das er sein restliches Leben nicht mehr ablegen wird. Er zweifelt an jeder Form von Wertschätzung, die ihm sein Umfeld entgegenbringt und vergräbt sich in der festen Überzeugung, dass seine Freunde ihn fallen lassen würden, wenn sie von seiner Vergangenheit wüssten. Daraus entwickelt sich ein Spannungsfeld, indem immer wieder darauf hingewiesen wird, wie sehr sich die Selbstwahrnehmung von Jude davon unterscheidet, wie seine Freunde ihn sehen. In den wenigen Momenten, in dem Judes Selbstwahrnehmung durch das unendliche Festhalten von Willem und Harold (Judes Adoptivvater) in Frage gestellt wird, steht er erschüttert vor seinem Selbstbild und kehrt dann doch immer wieder zum bekannten Muster zurück, das ihn durch die dunkelste Zeit seines Lebens getragen hat.

But although he hadn’t been convinced, it was somehow sustaining that someone else had seen him as a worthwile person, that someone had seen his as a meaningful life.

Welches Leben kann ein Mensch mit Judes Vergangenheit führen? Gibt es eine Möglichkeit, über schreckliche Erlebnisse in der Vergangenheit hinauszuwachsen, sie hinter sich zu lassen? Zwischen den Zeilen steht die Frage, was eigentlich einen Menschen ausmacht. Sind es die Gene, mit denen wir geboren werden oder sind es die Erlebnisse, die uns zu dem machen, was wir sind? In seinem Beruf hat Jude die Möglichkeit gefunden, jemand anders zu sein, selbst seine körperliche Behinderung, die sein alltägliches Leben und Empfinden in allen Aspekten so sehr prägt, spielt hier keine Rolle. Seine Arbeit als erfolgreicher Anwalt ist für Jude ein Bereich seines Lebens, in dem seine Vergangenheit keine Rolle spielt.

[and he cries] for the ability, at last, of believing a parent’s reassurances, of believing that to someone he is special despite all his mistakes and hatefulness, because of all his mistakes and hatefulness.

Jude kann sich selbst nicht annehmen und daher auch nicht akzeptieren, dass er von anderen angenommen wird. Gerade diese Form des Angenommen-seins erfahren Kinder üblicherweise von ihren Eltern: dass sie geliebt werden mit allen ihren Fehlern und trotz all der Fehler, die sie bereits gemacht haben und noch machen werden. Da Jude diese elterliche Liebe nie erfahren hat, fehlt ihm ein essentieller Bestandteil, um sich selbst akzeptieren zu können.

Es ist kein unbedeutendes Leben, das in diesem Buch beschrieben wird. Jeder Tag zählt. An jedem einzelnen Tag können wir uns entscheiden, unserem Leben Bedeutung zu geben. Durch Liebe zu eigenen Kindern oder durch Unterstützung, Freundschaft und Zusammenhalt zu anderen Menschen.

David Levithan – Another Day

In Every Day beschreibt der Autor eine Person namens A, deren Bewusstsein täglich in einem anderen, fremden Körper aufwacht. Die Geschichte wirft viele Fragen auf, unter anderem, was eine Person, einen Menschen eigentlich ausmacht. Wenn wir einen Menschen lieben, was lieben wir dann genau? Idealerweise lieben wir die Menschen, die wir lieben, so wie sie sind, auch wenn sich das mit der Zeit verändert. Niemand bleibt an einem bestimmten Punkt stehen, wir entwickeln uns weiter und können uns daher auch in eine Richtung entwickeln, die mit einem Menschen, den wir lieben, nicht kompatibel ist.

Another Day erzählt die Geschichte nochmals und zwar aus der Perspektive von Rhiannon. Auch im ersten Teil kommt ihre Gefühlswelt zum Ausdruck in den vielen Gesprächen, die Rhiannon und A führen. Nun aber blickt die Leserin tiefer in Rhiannons (Selbst-)Zweifel und kann verfolgen, wie Rhiannons Weltbild durch die Begegnung mit A auf den Kopf gestellt wird. Rhiannon muss sich fragen, was eine Beziehung für sie ausmacht. Kann Liebe langfristig funktionieren, wenn eine traditionelle Beziehung nicht möglich ist, niemals möglich sein wird? Kann sie A lieben, auch wenn ihr mentales Bild von A niemals mit dem Körper zusammenpasst, in dem A gerade steckt?

Auch dieses Buch endet mit weiteren Fragen: A hat herausgefunden, dass es noch andere Personen gibt, die so leben. Es gibt eine Möglichkeit, den Körper zu übernehmen und dauerhaft mit diesem zu leben. Dazu müsste A jedoch das Bewusstsein des anderen Menschen töten. Dies wirft neue Fragen auf über die Wertigkeit von Leben und die Entscheidung, das eigene Leben über das anderer Menschen zu stellen. Fragen, denen der Autor in einer Fortsetzung nachgeht: Someday.

Glynnis MacNicol – No One Tells You This

… knowing I was fortunate did not make the plate before me any more palatable. … it was a truth universally acknowledged that by age forty I was supposed to have a certain kind of life, one that, whatever else it might involve, included a partner and babies.

In diesem Buch beleuchtet Glynnis MacNicol ihr Leben und ihre Gefühlswelt kurz vor und nach ihrem 40. Geburtstag. Es ist eine intensive Auseinandersetzung mit den Erwartungen, die die Gesellschaft an Frauen stellt. Diese Erwartungen verändern sich mit dem Verlauf des Alterungsprozesses. Im Alter von 40 Jahren ist eine Frau entweder mit Partner und Kindern versorgt oder verzweifelt – so die Annahme. Dazu finden sich im Buch jede Menge Beispiele wie etwa ältere Damen, die der Autorin bescheinigen, dass es für sie noch nicht zu spät sei, es sei immer noch Zeit.

Gleichzeitig stellt Glynnis MacNicol fest, dass Frauen, die das haben, was ihr selbst gerade in ihrem Leben fehlt (oder nach den gesellschaftlichen Vorgaben fehlen sollte), genauso unzufrieden mit ihrem Leben sind. Partner, Kinder, Haus, Beruf – selbst Frauen, die in allen diesen Bereichen auf der Erfolgsseite stehen, scheinen nicht (immer) glücklich zu sein. Das Leben ist hingegen ein Auf und Ab aus besseren und schlechteren Zeiten, völlig unabhängig von den aktuellen Lebensumständen.

I think they’re told they aren’t allowed to be unhappy when they have the only two things women are supposed to want.

Ein Jahr nach ihrem 40. Geburtstag hat sich Glynnis MacNicol mit ihrem Leben ausgesöhnt. Es gibt ein Leben jenseits der klassischen Lebensmodelle. Nach Plan verläuft das Leben sowieso nicht, da können wir uns genauso gut unser eigenes Lebensmodell ausdenken. Oder ausprobieren. Und wenn es nicht funktioniert: ein anderes ausprobieren.

Kate Mosse – Die Frauen von Carcassonne

Dieses Buch beinhaltet einige Parallelen zu Anthony Doerrs All The Light We Cannot See, das ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Es spielt in Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, eher schon gegen Ende des Krieges, was die ProtagonistInnen aber natürlich nicht wissen. Die Perspektive ist jedoch eine völlig andere. Die titelgebenden Frauen bilden eine Widerstandsgruppe, die sich dem Nazi-Regime nicht ergeben will und Flüchtlinge durch die südfranzösischen Berglandschaften nach Spanien schmuggelt.

Die Grundlinie der Geschichte, die Bildung und Entwicklung der Widerstandsgruppe, ist stringent erzählt und zeigt eindrucksvoll die unterschiedlichen Einstellungen zum Kriegsgeschehen und auch wie sich diese durch persönliche Erfahrungen verändern können. Als Nebenhandlung wird die Geschichte von Arinius erzählt, einem Mönch, der um die Mitte des ersten Jahrtausends ein Schriftstück aus Rom entwendet hat und dieses in den Bergen um Carcassonne versteckt, um es vor dem Zugriff machthungriger Kirchenfürsten zu schützen. Nach diesem Schriftstück wird wiederum zur Zeit des Zweiten Weltkriegs von verschiedenen Gruppen gesucht. Es verspricht dem Besitzer die Möglichkeit, ein Geisterheer anzurufen, das in den Augen mancher kriegsentscheidend sein könnte. Neben dieser mystischen Nebenhandlung darf natürlich auch eine Liebesgeschichte inklusive entsprechender körperlicher Szenen nicht fehlen.

Die einzelnen Versatzstücke der Handlung fügen sich in meinen Augen nicht immer nahtlos ineinander, speziell die Liebesgeschichte erschien mir in manchen Szenen doch sehr banal. Das Ende wiederum birgt eine Überraschung, ich hatte mir auch aufgrund der historischen Hintergründe etwas anderes erwartet.

Ann Patchett – What Now

Auf Twitter und in Blogs haben kürzlich Menschen gezählt, wie viele Bücher sie im vergangenen Jahr gelesen haben und dies nach Autorinnen und Autoren aufgeschlüsselt. Nachdem ich dies zum wiederholten Mal gelesen hatte, wurde ich neugierig auf meine eigene Bilanz und dabei positiv überrascht: Im Jahr 2018 habe ich 25 Bücher von Autorinnen und 23 Bücher von Autoren gelesen (wobei ein Buch für beide Kategorien zählt, da es von einem Team geschrieben wurde).

Möglich wird dies vermutlich auch dadurch, dass ich meine Buchauswahl wenig von traditionellen deutschsprachigen Medien abhängig mache, sondern Inspiration von Lithub oder Parnassus übernehme. Die Büchereien Wien nehmen Medienwünsche für die OverDrive eLibrary entgegen, was es mir in den letzten Monaten ermöglicht hat, auch die ausgefallenen Leseinteressen ohne Ausgaben oder großen Aufwand zu erfüllen. Ein großartiger Service, den ich nicht oft genug empfehlen kann.

Sometimes not having any idea where we’re going works out better than we could possibly have imagined.

Die Autorin Ann Patchett hat eine Ansprache, die sie an Absolventinnen und Absolventen des Sarah Lawrence Colleges gehalten hat, in diesem Buch veröffentlicht. Sie geht dabei den Momenten auf den Grund, die uns auf unserem Lebensweg innehalten lassen, weil wir nicht mehr weiter wissen. Das können einerseits so vorhersehbare Umbrüche wie ein Schulabschluss sein, aber auch unvorhersehbare Ereignisse wie Krankheiten oder unerwartete Veränderungen in Beziehungen oder Freundschaften. Einerseits müssen wir unser Leben planen, um voran zu kommen, andererseits müssen wir offen bleiben für die Ereignisse, die nicht nach Plan verlaufen.

As quickly as you think that everything is set, it all becomes unglued again. … Sometimes the best we can hope for is to be graceful und brave in the face of all of the changes that will surely come.

Während des Lesens hatte ich mich motiviert gefühlt, die aktuellen Veränderungen in meinem Leben mit Gelassenheit anzunehmen (ändern, was zu ändern ist, akzeptieren, was nicht zu ändern ist) und einen offenen Zugang zum Unbekannten, das vor mir liegt, zu kultivieren. Leider flauen diese Triumphgefühle viel zu schnell wieder ab im Angesicht der Realität, die täglich neue Steine in den Weg legt. Inzwischen lese ich bereits Glynnis MacNicol – No One Tells You This in der Hoffnung, darin weitere Motivation zu finden.

Just because things hadn’t gone the way I had planned didn’t necessarily mean they had gone wrong. … The secret is finding the balance between going out to get what you want and being open to the thing that actually winds up coming your way.

Kate Bowler – Everything Happens for a Reason and Other Lies I’ve Loved

Die Autorin reflektiert in diesem Buch über ihre Erfahrungen und ihren Umgang mit der Diagnose Darmkrebs. Ihre Situation lässt sie anders denken über Lebenspläne und Lebensqualität, über persönliche Beziehungen und die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Wieviel Zeit vergeuden wir täglich mit Ärger über unwichtige Dinge? So viele Wünsche und Träume verschieben wir auf eine Zukunft, die vielleicht niemals kommt. Erst im Angesicht einer potentiell tödlichen Krankheit wird klar, dass wir aus jedem Tag das Beste machen können und das, was uns glücklich macht, nicht auf später verschieben dürfen.

She is working harder than anyone I have ever known, but her selflessness has caused her to surrender too much of herself to “someday”. And now someday has come, at least for me.

Als gläubiger Mensch erhält sie viel Feedback von ihrer Kirchengemeinde und nach einem online veröffentlichten Artikel über ihre Situation auch von völlig Fremden. Der Titel des Buches verweist auf die vielen wohlgemeinten, aber nicht hilfreichen Ratschläge, die sie in ihrer Situation von Bekannten und Fremden erhalten hat. Ein Ansatz dabei ist, dass jede Situation eine Prüfung ist, die Gott uns stellt und die uns stärker machen soll. Wesentlich schwieriger zu verarbeiten ist die Perspektive, dass die Krankheit eine Strafe für begangene Sünden oder nicht ausreichend intensiven Glauben ist. Viele Menschen berichten ihr auch von ihren eigenen Problemen, die sie im Allgemeinen als wesentlich schlimmer erachten als das Schicksal anderer. Daraus folgt zwar die Erkenntnis, dass das Leben für jeden irgendwie schwer ist (that life is hard for everyone), aber macht das die eigene Situation in irgendeiner Form besser? Wie ich kürzlich bei Barry Schwartz in The Paradox of Choice gelesen habe, machen uns Vergleiche jeder Art – speziell mit dem Leben anderer Menschen – immer unglücklich.

I have still, somehow, clung to the idea that I am able to save myself.

Jede schwierige Situation im Leben gibt uns Gelegenheit, zu wachsen und daraus zu lernen. Die Autorin fragt sich im Angesicht ihrer potentiell tödlichen Krankheit, ob sie jemals eine vollständige Person sein wird (wondered if I would ever be one, whole person). Was kann uns überhaupt zu einer vollständigen Person machen? Im Rahmen meiner jüngsten Krise habe ich begonnen, mich mit Selbstakzeptanz zu beschäftigen und der Frage nachzugehen, ob das eigene unperfekte Selbst eigentlich schon genug ist. Auch wenn wir uns täglich verändern und an unseren Lebenserfahrungen wachsen, können wir jemals genug oder ganz sein? Wenn wir es jetzt noch nicht sind, welche Erfahrung könnte dazu führen, dass wir ganz werden? Eine Frage, die mich vermutlich noch länger beschäftigen wird.

Joe Fassler – Light The Dark

In diesem Buch versammelt der Herausgeber Joe Fassler Texte anderer AutorInnen, die im Rahmen einer Serie der Webseite The Atlantic entstanden sind. Jede Autorin, jeder Autor hat die Aufgabe, ein persönlich wichtiges Stück Literatur auszuwählen und dann zu erklären, warum es wichtig ist und was es bedeutet. Dabei entwickeln sich sehr tiefgründige Blickwinkel auf das Erleben von kreativen Prozessen, aber auch auf persönliche Erfahrungen, die zum Schreiben inspirieren oder das Schreiben zur Notwendigkeit machen.

We fear, we’ll be misunderstood–and, at times, we surely will be. The most powerful human emotions are terribly difficult to explain in a way that doesn’t finish them, or that doesn’t make you look slightly ridiculous in the telling. How easy to safeguard them then, and keep things close, rather than risk looking foolish or being misheard.

Aufgrund aktueller Ereignisse haben mich viele Passagen persönlich berührt, die sich mit dem Erleben von Emotionen und Kommunikation darüber befassen. Selbst jene Menschen, die uns am nächsten stehen, können niemals genau wissen, was wir empfinden. Selbst wenn wir das Risiko eingehen, uns öffnen und unsere inneren Ängste ans Licht zerren, um sie zu erklären, können wir nur hoffen, von unserem Gegenüber zumindest teilweise verstanden zu werden. Dieser Verstehensprozess unterliegt außerdem einer ständigen Veränderung. Selbst wenn wir annehmen, in einem Moment tatsächlich ein gemeinsames Empfinden hergestellt zu haben, kann dies im nächsten Moment bereits wieder vorbei sein. Verständnis hat damit wie Glück einen flüchtigen Charakter.

Experiencing intense feeling, and at the same time processing those voices shaming you for having too much feeling–both are part of the experience of the poem, and they don’t necessarily detract from each other.

Starke Emotionen sind oft schwierig zu verarbeiten. Selbst wenn wir uns bewusst sind, dass es schwierige Situationen geben wird, in denen wir nicht sofort wissen werden, wie wir reagieren können, selbst wenn wir uns darauf vorbereiten, sogar dann entstehen Momente, in denen uns vollkommen die Worte fehlen. Diese Emotionen sind unerwünscht, wir wollen die Kontrolle behalten, über uns selbst und über die Situation.

Part of it is the constant destruction and construction of the self. The texts aren’t changing, but we are–and I think that changing lens is the thing that I’m alive in.

In meinen Augen ist Schreiben ein kreativer Prozess im Sinne von Kommunikation: Gedanken in Worte fassen, damit sie von anderen aufgenommen, verstanden und verarbeitet werden können. Die Auseinandersetzung mit den Gedanken und Emotionen anderer Menschen führt dazu, dass wir Perspektiven einnehmen können, die über unsere eigene Lebenswelt hinausgehen. Das menschliche Selbst ist keine abgeschlossene Einheit, sondern ständig mit seiner Umwelt im Austausch begriffen. Wir können uns gegenüber diesen Einflüssen verschließen oder sie willkommen heißen und als Gelegenheiten zum Lernen betrachten.

And there is no way to restore what’s lost, sometimes, other than through dreams and imagination.

Jeder gelebte Moment ist im Prinzip für immer verloren. Außer wir erinnern uns daran und können diese Erinnerung durch unsere Vorstellungskraft am Leben erhalten.

Aus persönlichem Interesse habe ich mir angeschaut, wo meine gelesenen Bücher im Jahr 2018 her gekommen sind. Den größten Anteil daran (mehr als die Hälfte!) hält die Overdrive eLibrary der Büchereien Wien. Das bedeutet in weiterer Folge, dass ich dieses Jahr auch den Großteil der Bücher auf englisch gelesen habe. Gekauft habe ich dieses Jahr nur noch wenige Bücher, den Großteil davon wiederum in meiner lokalen Bücherei. Die Gesamtanzahl der gelesenen Bücher ist ähnlich wie im Vorjahr und damit etwas geringer als in den Jahren bevor ich mein Fernstudium angefangen habe. Dieses ist im aktuellen Semester noch etwas textlastiger geworden, ich bin bereits gespannt, wie sich das im Jahr 2019 auswirken wird.

James Dashner – The Fever Code

In diesem weiteren Teil der „Maze Runner“-Reihe wird aufgelöst, wie es dazu kam, dass Thomas und Theresa zuerst an der Erschaffung des Irrgartens mitgearbeitet haben und schließlich selbst darin landen. Wirklich viel Neues wird dabei nicht enthüllt, dass WICKED ein falsches Spiel mit seinen Subjekten spielt, war bereits aus den vorangegangenen Büchern klar. Es werden Lücken aufgefüllt und einzelne Details erklärt. Rein inhaltlich gesehen wären jedoch die beiden Prequels nicht notwendig gewesen, den krönenden Abschluss gab es bereits in The Death Cure.

Eva Rossmann – Männerfallen

So knapp vor Weihnachten habe ich mich eher der leichteren Literatur zugewandt. Daher ein Mira-Valensky-Krimi, der sich oberflächlich mit dem Thema männliche und weibliche Rollenbilder auseinandersetzt und sowohl Frauen als auch Männer nicht gerade im besten Licht dastehen lässt. Sardinien klingt jedoch sehr verlockend.