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Fantasy Jugend Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Deathly Hallows

‘Of course it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean that it is not real?’

Irgendwie hatte ich schon befürchtet, dass der letzte Teil keinesfalls meine Erwartungen erfüllen könnte. Aber es ist ein großartiges Ende für die Geschichte (bis auf die letzten paar Seiten …). Nahezu alle Fragen wurden beantwortet. Ausgezeichnete Eignung für Eskapismus.

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Roman

Daniel Kehlmann – F

Alles steht in meiner Macht. Das Mysterium des freien Willens: Ich kann hineinbeißen, ich kann es lassen. Es liegt bei mir. Alles, was ich tun muss, damit es nicht geschieht, ist, es nicht zu tun.

Der Zweite schmeckt gar nicht mehr.

Ein Geocache beschäftigt sich mit Kunstbetrug in der Literatur und da die Buchtitel in der Cache Description stehen und nicht erraten werden müssen, ist das hier auch kein Spoiler. Das zweite zu lesende Buch Der letzte Weynfeldt habe ich schon im Februar gelesen, die Lösung des Rätsels ist nun vollbracht.

Das Buch beginnt mit den drei Brüdern Martin, Eric und Iwan, deren Vater Arthur sie zur Vorstellung eines Hypnotiseurs schleppt, obwohl er selbst davon überzeugt ist, dass Hypnose bei ihm nicht funktioniert. Nach der Vorstellung verlässt er seine Familie und beginnt ein neues Leben mit dem Ziel „nichts zu tun“. Die Frage nach dem freien Willen und wie freiwillig eine Freiwilligkeit, die von gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen beeinflusst ist, überhaupt sein kann, zieht sich durch dieses Buch. Was wir wollen (oder denken zu wollen), wird von so vielen Faktoren beeinflusst, Medien überschlagen sich damit, uns einreden zu wollen, was wir wollen. Was wir wollen, ist fluid und in ständiger Veränderung begriffen.

„Aber man kann Menschen nicht dazu bringen, etwas zu tun, das sie nicht tun wollen?“

Er zuckte mit den Schultern. Unter uns gesagt, was heiße das eigentlich, etwas wollen oder nicht. Wer wisse schon, was er wolle, wer sei im Reinen mit sich. Man wolle so viel und jeden Moment etwas anderes.

Die späteren Kapitel erzählen davon, wie es den drei Brüdern in ihrem Leben ergeht und alle drei leben auf ihre eigene Weise in einer Art Selbstbetrug: Martin als ungläubiger Pfarrer, der nur im Essen noch Freude findet; Eric, der als Vermögensberater das Geld seiner Kunden verspielt hat und dies nun zu vertuschen versucht; und Iwan, der Bilder malt, die er in einem komplizierten Konstrukt als die Werke eines anderen vermarktet.

Die teilweise zeitliche und personelle Überlappung der Geschichten, die jeweils aus unterschiedlicher Perspektive erzählt werden, lassen die Leser*in einzelne Ereignisse reflektieren und neu bewerten. Während Martin im Stillstand verharrt, nehmen Erics und Iwans Leben eine miteinander verflochtene Wendung mit (zumindest für mich) unbefriedigendem Ausgang.

Die Kunstwelt ist voller liebenswürdiger Menschen, voller Enthusiasten, voll von Sehnsucht und Wahrhaftigkeit. Es ist die Kunst selbst, als heiliges Prinzip, die es leider nicht gibt.

 

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Roman

Ilija Trojanow – Eistau

Sie wünscht sich, dass wir einfach nur sind, ich suche nach einer Befreiung in einem wahrhaftigeren Schweigen.

Der Protagonist Zeno verzweifelt am Sterben eines Gletschers. In Rückblenden wird parallel zum Geschehen der Jetzt-Zeit auf einem Antarktis-Kreuzfahrtschiff der Verfall seiner Beziehungen geschildert. Zwischen den aus Zenos Sicht erzählten Kapiteln finden sich kurze Sammlungen von Funksprüchen (?), vage aneinandergereihte Satzfragmente, die ein Geschehen andeuten, das sich zeitlich erst nach der aktuellen Kreuzfahrt abspielt.

Zenos verzweifelte Konfrontation mit einem chilenischen Soldaten, der sich inmitten einer Pinguingruppe eine Zigarette anzündet, seine Abneigung gegenüber den Touristen, seine Sehnsucht nach einem tieferen Alleinsein; all diese einzelnen Situationen sind Haarrisse, die schließlich zu einem Zusammenbruch führen müssen. Unvermeidlich wie das Sterben des Gletschers.

Der Augenblick, in dem Kunst zu Wahrheit wird. Die Vorstellung läßt mich nicht los. Auch das leichtfertig Dahingesagte kann ernst genommen werden. Es beginnt als Haarriss, setzt sich als Sprung fest, endet als zersplittertes Glas.

Das (vorläufige) Ende der Isolation

Die Ausgangsbeschränkungen sind (vorerst) aufgehoben, Treffen in kleinerem Kreis wieder erlaubt.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem bewussteren Wahrnehmen von Gefühlen und Stimmungen. Wenn ich mich gestresst oder genervt fühle, versuche ich, zu ergründen, was genau dieses Gefühl gerade bedeutet, es zu benennen und es anzunehmen. Dabei wurde mir heute klar, dass wir Gefühle und die Situationen, in denen sie entstehen, in der Reflexion mit etwas Abstand meistens anders interpretieren, als sie sich zu dem Zeitpunkt angefühlt haben (das klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber in meinen Augen ein Phänomen, das im Alltag nicht so bewusst ist).

Jetzt, wo die Isolation etwas gelockert ist, wird mir klar, dass ich es eigentlich ganz angenehm gefunden habe, mal eine Zeitlang nirgendwo sein zu müssen und Zeit zur Verfügung zu haben, die ich nach meinen eigenen Regeln gestalten kann. Es ist bei Weitem nicht so, dass ich diese Zeit oder die damit verbundene Gestaltungsfreiheit besonders sinnvoll genutzt hätte. Wie ich am 12. April schrieb, ist es mir kaum gelungen, mit der Zeit etwas Sinnvolles anzufangen.

Möglichst schnelle Rückkehr zur Normalität ist nicht zwingend der richtige Weg. Es wäre wünschenswert, wenn wir aus dieser Erfahrung etwas lernen und für die Zukunft mitnehmen könnten. Was das konkret sein könnte, hat sich mir bisher leider nicht enthüllt.

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Roman

Jeanette Winterson – Frankissstein

Progress is a series of accidents, of mistakes made in a hurry, of unforeseen consequences.

In diesem Buch fließen mehrere Zeitebenen ineinander, die die Frage nach dem Ursprung des Lebens und gleichzeitig dem Leben nach dem Tod aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Dieses Ineinanderfließen spiegelt schon der Titel wider, in dem der bekannte Name Frankenstein durch einen Kiss unterbrochen und gleichzeitig verknüpft wird.

Frankenstein was a vision of how life might by created – the first non-human intelligence.

Eine Zeitebene folgt der Autorin Mary Shelley und ihren Gedanken, die zur Erfindung von Dr. Frankenstein und seinem Monster führten. Die historisch bekannten Fakten scheinen im Buch richtig wiedergegeben, im Vordergrund stehen jedoch die Fragen, die auch im Buch Frankenstein behandelt werden: was ist Leben? Die Kreatur, das von Victor Frankenstein erschaffene Monster, ist das Leben? Wenn es Leben ist, dann drängt sich als nächste Frage eine Wertigkeit in den Vordergrund: ist das Leben dieses Monsters gleich viel wert wie das Leben eines Menschen?

In weiterer Folge wird die Frage auch mit der Art und Weise verbunden, wie Menschen traditionell Leben erschaffen: Mary verliert mehrere Kinder an diverse Krankheiten und auch daraus lässt sich die Frage konstruieren, ob Menschen überhaupt Leben erschaffen sollten, wenn doch der Tod immer schon programmiert ist.

Only the human mind can accomplish the leap of thought that is a leap of genius.

Auf einer heutigen Zeitebene folgen wir Ry auf eine Konferenz, auf der die Zukunft der künstlichen Intelligenz und Robotik im Vordergrund steht. Es folgt eine (möglicherweise zu ausführliche) Erörterung des Themas Sexroboter. Die Frage, ob Roboter ein Bewusstsein haben könnten oder sollten, stellt sich bei den Gefährtinnen, die Hersteller Ron hier anpreist, (vorerst) kaum: sie sprechen 200 Worte und sind als moderne Sklavinnen programmiert. Aber wie wird es sich auf unsere Gesellschaft auswirken, wenn wir die Gesellschaft von servilen Robotern der anderer Menschen vorziehen? Werden gesellschaftliche Umgangsformen überholt, weil Roboter keinen Wert darauf legen? Werden ganze Wirtschaftszweige unnötig und stattdessen neue entstehen?

Randnotiz: Zum Thema Roboter und freier Wille kann ich die Serie Westworld sehr empfehlen. Es sei allerdings die Warnung ausgesprochen, dass es einige wirklich sehr brutale Szenen gibt.

If data is the input and the rest is processing, then humans aren’t so special after all. 

Auf der oben genannten Konferenz spricht auch der Wissenschaftler Victor Stein, der in einem geheimen Labor in einem ehemals militärischen Komplex in Tunneln unter der Stadt Manchester daran arbeitet, das menschliche Bewusstsein zu konservieren. Die Idee der Kryokonservierung ist nicht neu, die erste Konservierung wurde vor über 50 Jahren durchgeführt. Bis jetzt ist jedoch unklar, wie das Bewusstsein nach dem Auftauen wiederbelebt werden kann. Victor Stein argumentiert als Wissenschaftler gegen die Notwendigkeit eines Körpers an sich. Wenn das Bewusstsein vom Erhalt eines Körpers, vom Befriedigen der elementaren Bedürfnisse befreit wäre, wären dann nicht größere geistige Leistungen möglich? Wie würde das Leben für ein derartiges körperloses Bewusstsein aussehen? Oder sich anfühlen? Unser Bewusstsein ist an das Gefühl der Körperlichkeit gewöhnt. Müssten wir ein Körperlichkeitsgefühl künstlich erzeugen, damit das Bewusstsein die Körperlosigkeit überhaupt aushält? Stein transportiert ein mechanistisches Welt- und Menschenbild, Emotionen und Motivationen sind ihm im behavioristischen Sinne egal.

That’s not what I meant. I meant that we are freaks according to the behaviour of the world.

Als Transmann stellt Ry (Ry als Abkürzung von Mary) ein menschliches Brückenglied dar. Einerseits finde ich es sehr begrüßenswert, eine Transperson als Charakter im Buch zu haben, andererseits bin ich unsicher, ob die Darstellung der mit dem Trans-sein verbundenen Gefühle authentisch sein kann. Die sich entwickelnde Liebesgeschichte zwischen Ry und Victor Stein hat für mich einen Unterton, ein Gefühl, als ob Ry in seiner Transheit objektiviert würde. Vielleicht ist das aber auch ein überzogener Anspruch, die Authentizität der Darstellung einer erfundenen Person überhaupt beurteilen zu wollen.

He will steal life from the gods. At what cost?

Ethische oder religiöse Bedenken schweben auf einer Metaebene durch das ganze Buch. Was sollen Menschen tun dürfen, wo werden Grenzen gesetzt und wo müssen/dürfen/sollen sie durchbrochen werden? Technikfolgenabschätzung als Bremse der Wissenschaft, welchen Wert hat Fortschritt an sich?

Das Buch wirft auf eine sehr unterschwellige Art mehr Fragen auf als es Antworten gibt. In den Dialogen zeichnet sich deutlich ab, dass die Autorin intensiv recherchiert hat und durch ihre Charaktere verschiedene Perspektiven zum Thema sprechen lässt.

Schließen möchte ich mit dem folgenden Zitat, weil es in so starkem Kontrast steht zum Gotteskonzept, das Octavia E. Butler in Parable of the Sower und Parable of the Talents zum Leben erweckt. Ist Gott tatsächlich unveränderlich oder Veränderung? Ist beides gleichzeitig möglich?

Everything changes, said Claire. I change. You change. God changes not.

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Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Half-Blood Prince

It is the unknown we fear when we look upon death and darkness, nothing more.

Bisher hatte ich mich tatsächlich aus dem ganzen Harry-Potter-Universum so sehr rausgehalten, dass ich tatsächlich überrascht war vom Ende des sechsten Teils. Oberflächlich „passiert“ in diesem Band weniger als in den anderen Teilen. In vielen Rückblenden wird Voldemorts Vorgeschichte erzählt, wie er zu dem geworden ist, wer (oder was) er ist. Gleichzeitig wird der Weg bis zum prophezeiten Kampf auf Leben und Tod zwischen Harry und Voldemort grob vorgezeichnet. Das Buch endet mit einer dramatischen Enthüllung und unvorhersehbaren Verlusten.

Isolation Tag 41. 23. April 2020

Selbst mit besten Absichten kann es passieren, dass wir durch unbedachtes Handeln oder Sprechen Menschen verletzen oder triggern. Wenn wir aber nicht handlungsunfähig herumsitzen wollen, lässt sich das Risiko nicht vermeiden. Was wäre die Alternative? Einfach nichts tun kann potentiell sogar noch mehr Menschen verletzen. 

Die gute Absicht macht eine negative Erfahrung für die andere Person nicht ungeschehen. Für die Person, die die Verletzung erlebt, ist es auf den ersten Blick irrelevant, ob es mit guter oder böser Absicht geschehen ist. Die Verletzung ist da und tut weh. 

Schlimme Dinge passieren. Ich kann nicht den persönlichen Hintergrund von allen Menschen, mit denen ich kommuniziere und interagiere, kennen. Selbst wenn ich den persönlichen Hintergrund kenne, kann ich Trigger oder Missverständnisse nicht in allen Fällen vermeiden. Das wäre nur möglich, wenn die Kommunikation eingestellt würde. Was auch keine Lösung ist.

Für mich persönlich machen die guten Absichten einen riesigen Unterschied. Wenn eine Person versucht, eine Situation für sich selbst und für andere zu verbessern, und dabei nicht alle möglichen Faktoren in Betracht gezogen hat, ist das nur menschlich. Unbedachtes Handeln kann natürlich zu Problemen führen. Ewig nachzudenken und nie zu einer Lösung zu kommen, die alle negativen Ausgangsmöglichkeiten bereits im Vorhinein ausschließt, ist aber auch kein gangbarer Weg. Auf der Basis einer unvollständigen Informationslage eine Entscheidung zu treffen und zu handeln, führt üblicherweise eher zu einer Verbesserung der Situation, als auf immer exaktere Informationen zu warten.

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Roman

Donna Tartt – The Secret History

A month or two before, I would have been appalled at the idea of any murder at all. But that Sunday afternoon, as I actually stood watching one, it seemed the easiest thing in the world. How quickly he fell; how soon it was over.

Das obige Zitat ist kein Spoiler, denn das Buch selbst beginnt auch mit der Ankündigung eines Mordes, der das Zentrum der Geschichte bildet. Im ersten Teil wird erzählt, wie es zu dem Mord kommt, im zweiten, was danach geschieht.

Das Buch zeichnet eine Geschichte des jugendlichen Gruppenzwangs. Der Erzähler Richard hat es aus dem lieblosen und ärmlichen Elternhaus durch ein Stipendium an ein College geschafft und wünscht sich nichts mehr, als dazuzugehören. Er findet schließlich Anschluss an die Gruppe von Studierenden des Griechischen, eine verschworene Clique, die sich um den exzentrischen Professor Julian schart. Es  gelingt ihm lange, seine prekäre finanzielle Situation vor seinen allesamt besser gestellten Kolleg*innen zu verbergen. Schließlich spielt das Geld in weiterer Folge eine untergeordnete Rolle, grenzt Richard aber in gesellschaftlicher Hinsicht doch von den anderen ab.

Im zweiten Teil zeigt sich dann, dass bei Weitem nicht alles so schnell vorbei ist, wie es das obige Zitat nahelegt. Keiner der am Mord beteiligten Studierenden hat über die Folgen ihrer Tat nachgedacht. Das Ereignis, das sie zu vertuschen suchen, holt sie auf anderen Wegen immer wieder ein und bringt eine*n nach dem*r anderem*n an den Rand des Wahnsinns. Die Angst vor den Konsequenzen eines durch Dummheit verursachten Unfalls führt zu einem geplanten Mord, dessen Konsequenzen wesentlich schlimmer ausfallen.

Das Buch hatte ich spontan aufgrund der Lithub Quarantine Recommendations ausgewählt. Die Redaktion hat ihre Leser*innen dazu aufgerufen, Lieblingsbücher (und was Menschen sonst noch so mögen) zu senden und gibt darauf basierend Buchempfehlungen – eine sehr schöne Idee, wie ich finde. In den genannten Lieblingsbüchern tauchte The Secret History sehr oft auf, das Buch war auch in der Overdrive eLibrary verfügbar und somit entschloss ich mich für diese Abweichung von meiner langen Leseliste.

Es ist ein langes Buch, speziell im ersten Teil war mir oft unklar, wo das hinführen soll, die Geschichte mäandert langsam dahin. Die Leser*in muss sich Zeit nehmen, um dem Näherkommen und Auseinanderdriften der Protagonist*innen zu folgen. Die vielen Verbindungen und Geheimnisse, die sich erst schrittweise entfalten, laden auch durchaus zu einem zweiten Lesen ein. Viele Zwischentöne entfalten wahrscheinlich erst bei Kenntnis des Ausgangs ihre Wirkung. Der intellektuelle Anstrich mag nicht allen gefallen, erfüllt aber als Kontrast zu den unbedachten Handlungen der Studierenden seine Wirkung.

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Fantasy Jugend Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Order of the Phoenix

Politik, Intrigen und Unstimmigkeiten drängen sich in diesem Buch in den Vordergrund. Zu Anfang erfährt die Leserin vom Orden des Phönix, der bereits zu früheren Zeiten gegen den Dark Lord gekämpft hat und nun auch noch zusätzlich den Schutz Harry Potters zum Ziel hat. Auch die Freundschaft zwischen Harry, Ron und Hermione ist belastet durch Missverständnisse, misslingende Kommunikation und Misstrauen. Der Mittelteil zieht sich träge dahin, erst zum Ende hin hatte ich wieder Spaß am Lesen und dann auch eine lange Nacht, weil ich wissen wollte, wie der finale Showdown ausgeht.

Gestern haben wir den Film zum ersten Band Harry Potter and the Philosopher’s Stone gesehen. Viele Dinge hatte ich mir naturgemäß ganz anders vorgestellt und irgendwie fühlten sich manche Teile dann auch noch seltsamer an, mit dem Blick auf das Alter der Protagonisten. Beim Lesen hatte ich irgendwie keine 11-Jährigen im Kopf; das ist so ein diffuses Alter, dieses Stadium der Vorpubertät. Schon beim Lesen hatte ich mich gefragt, warum den Lehrkräften von Hogwarts keine besseren Schutzmaßnahmen für den Stein einfallen, als welche die selbst drei aufgeweckte Erstklässler überwinden können.

Die musikalische Untermalung ist mir bereits in den ersten Szenen aufgefallen. Diese wird sehr zur Steuerung der Aufmerksamkeit und der Grundstimmung eingesetzt, auch zum Aufbauen von Spannung. Im Großen und Ganzen fand ich den Film gut gemacht, habe aber wieder bemerkt, dass mir das zweistündige Sitzen bzw. Liegen vor dem Fernseher zum Konsumieren einer Geschichte einfach nicht so liegt.

Isolation Tag 25. 7. April 2020

Was mich wirklich nervt, ist dieses ganze „Glaskugel-schauen“. Ich kann total verstehen, dass Menschen jetzt wissen wollen, ob sie im Sommer oder im Herbst auf Veranstaltungen gehen, Veranstaltungen selbst organisieren oder in Urlaub fahren können. Aber der Punkt ist, wir wissen es eben nicht und wir werden es in absehbarer Zukunft auch nicht wissen. Wenn drei Menschen eine Einschätzung treffen sollen, wann eine bestimmte Aktivität wieder möglich sein wird, dann werden drei verschiedene Zeitpunkte dabei herauskommen und die Einschätzung ist mehr oder weniger wertlos, weil wir alle nicht wissen können, wann es soweit sein wird. 

Mir ist es auch sehr wichtig, planen zu können. Immer wieder (und schon vor dieser Pandemie) bin ich mit Situationen konfrontiert gewesen, wo viele Unsicherheitsfaktoren eine Planung schwierig gemacht haben. Meine Lösung dafür ist, auf Basis der wenigen und ungenauen vorhandenen Informationen das Beste daraus zu machen. Anstatt nach exakten Informationen zu suchen, sollten wir lieber auf Basis der vorhandenen Informationen die zu diesem Zeitpunkt beste Entscheidung treffen. Das ist das Einzige, was in so einer Zeit der Unsicherheit funktioniert.

Isolation Tag 29. 11. April 2020

Gerne wäre ich so eine Person, die diese Zeit sinnvoll nutzt. Um ein Buch zu schreiben, ein Projekt zu erfinden, das jetzt sofort Menschen hilft und unterstützt oder ein Projekt zu entwickeln, das etwas Sinnvolles für die Gesellschaft beitragen kann, wenn sich die Lage wieder verbessert hat.

Tatsächlich bin ich eine Person, die sich an manchen Tagen zu den einfachsten Handgriffen zwingen muss, die ihre Partner und Freund*innen mit unvorhersehbaren Stimmungsumschwüngen belästigt und generell genervt ist von der Welt und diesen Umständen.  

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Fantasy Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Goblet of Fire

Bei diesem Roman zeigten sich für mich erstmals Ermüdungserscheinungen in oder mit der Reihe. Das ständige Mobbing zwischen Gryffindor und Slytherin und dann auch noch das lachhafte „hihi, haha, wer geht mit wem zum Ball …“ haben mir den Spaß am Lesen deutlich gedämpft. Auch die Quidditch-Matches werden zunehmend langatmiger. Ich kann mir vorstellen, dass das im Film sehr spektakulär und spannend wirkt und natürlich die Sport-begeisterten Leser fesselt. Für mich ist es aber zum Lesen doch immer dasselbe. Auch das Triwizard-Tournament wird erst zum Schluss spannend, als sich schließlich der Absturz ins Düstere, der sich im nächsten Teil fortsetzt, ankündigt. In meinen Augen war das eher ein schwächerer Teil der Serie.

Isolation Tag 22. 4. April 2020

Es stellt sich so eine Art Routine ein. Ein Gewohnheitseffekt, der für mich unerwartet kam. Den Nachrichtenkonsum habe ich noch weiter eingeschränkt. Es fällt mir leichter, mich mit Projekten und Büchern zu beschäftigen und immer wieder stundenweise zu vergessen, was in der Welt draußen vorgeht. 

Das Sommersemester der Fernuniversität hat entgegen widersprüchlicher Ankündigungen wie erwartet am 1. April begonnen. Während viele andere sich jetzt erst mit dem Thema e-Learning und den damit verbundenen Herausforderungen beschäftigen müssen, bin ich damit nach insgesamt sieben Semestern bestens vertraut. Ein weiterer Bestandteil, der wie gewohnt weiterläuft und die wachsende Unsicherheit ein Stückchen zurückdrängt.

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Novelle

Gayle Forman – Just One Night

Sickness leading to healing. The truth and its opposite again.

2017 hatte ich mir eine Fortsetzung zu Just one day und Just one year gewünscht. Jetzt habe ich sie zufällig gefunden. Die Freude währte leider nur kurz, denn wie der Titel es schon andeutet, wird nur die nächste Nacht nach dem Wiedersehen von Willem und Allyson erzählt. Nicht mal eine Stunde war ich damit beschäftigt, zu erfahren, wie die beiden das Glück feiern, das sie zusammengeführt hat, nachdem sie sich über ein Jahr lang vergeblich gesucht haben.

Es ist eine Fortsetzung, die passt, aber doch zu wenig. Dabei kam mir der Gedanke, dass das einer der Gründe ist, warum mir A Little Life so gut gefallen hat. Es erfordert Mut und Aufwand, einen kompletten Lebensweg zu beschreiben und nicht nur den Anfang einer Begegnung, die ein oder mehrere Leben verändert.

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Memoir

Maury Laura Philpott – I Miss You When I Blink

My mind seeks the tidiness of a question answered. An agenda complete. A box checked. That’s what harmony feels like in my brain.

In vielen Erzählungen dieses Memoirs habe ich mich selbst wiedergefunden. Das zeigt sehr schön, dass Menschen viel gemeinsam haben können, obwohl ihre persönliche Vorgeschichte und ihre aktuellen Lebensumstände komplett unterschiedlich sind. Natürlich gibt es übergeordnete Ähnlichkeiten: Mittelklasse, weiße Hautfarbe, freiberufliche Arbeit mit Text/in den Medien. Aber auch bei der generellen Einstellung zum Leben konnte ich einige Gemeinsamkeiten erkennen.

I sense the ticking of an invisible stopwatch in everything I do, because life’s to-do list never seems to get shorter, which means the only hope for feeling some sense of progress is to get through it without delay.

Die Autorin erzählt Begebenheiten aus ihrem Leben, reflektiert über ihre eigenen Handlungen, Entscheidungen und Beweggründe. In mehreren Episoden beschreibt sie ihre Freude am Organisieren, am Aufbrechen von Aufgaben in kleine Teile, die dann erledigt und abgehakt werden können. Die Geschwindigkeit unserer Gesellschaft gibt uns oft das Gefühl, jeden Moment unseres Tages bestmöglich nutzen zu müssen. Aber die Liste der zu erledigenden Dinge wird niemals vollständig abgearbeitet sein. Das wäre das Ende des Lebens. Eine bewusste Reflexion über die Dinge und Menschen, die uns wirklich wichtig sind, kann uns daher eher zu einem Zustand von Zufriedenheit und Harmonie führen, als ein weiteres erledigtes To-do.

I used to think that if only I could make everything perfect, then I could relax and have fun.

Sie beschreibt auch diesen mir sehr gut bekannten gedanklichen Prozess: Wenn ich nur endlich [hier einsetzen, was wir bisher nicht geschafft haben], dann könnte ich endlich [was wir gern wären, aber bisher nicht sind]. Dieser Gedanke hält uns in einem ewig unfertigen Zustand. Wenn wir endlich diese eine Sache geschafft haben (in den Fällen, die tatsächlich realistisch betrachtet zu schaffen sind), dann werden wir uns für einen Moment erleichtert/glücklich/am Ziel fühlen. Dieses Gefühl flaut jedoch zu schnell ab und schon taucht die nächste unerledigte Sache am Horizont auf. Das Leben ist nicht teleologisch. Das Leben ist ein Prozess und wenn wir das Leben als ständige Veränderung akzeptieren können, vermindert das den Druck, etwas anderes sein oder tun zu müssen. (Deshalb geht mir auch die religiöse Idee, Gott als Veränderung zu betrachten, aus Octavia E. Butlers Parable-Serie nicht aus dem Kopf. Meine Gedanken dazu hier: Parable of the Sower. Parable of the Talents.)

If figuring out what step to take next meant we immediately had to figure out every step afterward, too, then taking the next step would be impossible.

Dieses Zitat hat mich gerade in der aktuellen Situation sehr angesprochen. Wir leben in einer Zeit der Unsicherheit, wir wissen nicht, wie sich die Situation um Covid19 weiter entwickeln wird. Selbst diejenigen von uns, die sich in einer unkritischen Situation befinden (was in meiner hier angewandten Definition auf alle zutrifft, die gesund sind, ein sicheres Zuhause haben und ausreichend finanzielle Mittel, um keine unmittelbaren Existenzängste haben zu müssen), schauen mit einer gewissen Skepsis in die Zukunft. Alle Einschätzungen darüber, wie wir in 3 Wochen, 3 Monaten oder 3 Jahren leben werden, sind von so vielen Faktoren abhängig, dass jede langfristige Planung völlig unmöglich erscheint.

Genau genommen ist das aber immer so, es ist uns im Alltag (wie wir ihn vor der Krise erlebt haben) nur nicht so bewusst. Katastrophen können jederzeit völlig unerwartet eintreffen und unsere Pläne durcheinander werfen. Dagegen hilft nur eine gelassene Einstellung zum Leben und die Flexibilität, auf neue Situationen zu reagieren und uns so schnell wie möglich darauf einzustellen. Wenn wir die aktuelle Situation dafür nutzen, diese Fähigkeiten bewusst zu trainieren, können wir persönlich gestärkt aus dieser Krise hervorgehen.

When I feel pressure to do the one exactly right thing – which I feel all the time because I am human and a perfectionist – I remember all the selves I simultaneously have been, am, and will be. I miss you when I blink means I know all my selves are here with me, and I know we can do this.

Isolation Tag 16. 29. März 2020

Nach einem gefühlsmäßigen Einbruch am Anfang der Woche (ausgelöst durch von anderen vorgebrachte düstere Erwartungen für die fernere Zukunft) hat sich eine Art Isolationsalltag eingestellt. Ich achte auf Routinen, plane Spaziergänge und Mahlzeiten, habe mit Yoga-Videos auf Youtube begonnen. 

Gestern war ich insgesamt über sieben Stunden online mit Menschen im Gespräch. Das ist nicht dasselbe wie das persönliche Beisammensein und natürlich langfristig auch nicht genug. Aber es wird auch so langsam zu einer Gewohnheit.