Bernard Cornwell – Der leere Thron

Letztens hatte ich mich kurz gefragt, ob der Cornwell eigentlich kürzlich mal wieder was geschrieben hätte, und daraufhin festgestellt, dass seit dem letzten Mal, dass ich mich das gefragt hatte, bereits zwei Jahre vergangen sind und sogar zwei neue Uhtred-Romane inzwischen erschienen sind. Dafür wollte ich die geschenkten Gutschein-Karten des Mainstream-Bookstores einlösen, bekam aber beim ersten Anlauf nur Der leere Thron.

Das Buch beginnt mit einer Episode aus dem Blickwinkel von Uhtreds Sohn, auf einen kurzen Moment der Verwirrung folgte ein Moment der Erleichterung, als mit dem zweiten Kapitel wieder Uhtred selbst das Erzählen übernimmt. Ich kann es nicht erklären, warum mich diese Geschichte auch im achten Band noch fesselt, obwohl Schlachten, Schwerter und Schildwall fester Bestandteil jedes Bandes sind. Bernard Cornwell pflegt einen Erzählstil, der spannend bleibt und obwohl so mancher Ausgang einer Schlacht vorhersehbar ist, gelingt es ihm immer wieder, überraschende Wendungen einzubringen, die trotzdem nicht unglaubwürdig wirken. Nicht nur einmal musste ich beim Lesen auflachen, weil der körperlich angeschlagene, aber schlaue Uhtred seine Gegner gefinkelt hinters Licht führt. Ach, und für die Read Harder Challenge konnte ich es auch verbuchen: Read a book of historical fiction set before 1900.

Bernard Cornwell – Der sterbende König

Einst war ich im Land der Dänen gewesen und hatte eine Gegend aus Sand und karger Erde gesehen, und obwohl ich nicht daran zweifle, dass die Dänen auch besseres Land als das haben, was ich sah, bezweifle ich sehr wohl, dass es sich mit dem messen könnte, durch das wir nun auf unserer stillen Fahrt mit der Tyrs Tochter glitten. Der Fluss trug uns zwischen üppigen Feldern und dichten Wäldern dahin.

Ich kann nicht ganz verhehlen, dass sich ein gewisser Gewöhnungseffekt bei Cornwells Uthred-Romanen einstellt. Ich hatte „Der sterbende König“ schon im Frühjahr vorbestellt mit dem Gedanken, mich im Herbst dann von der Amazon-Lieferung überraschen zu lassen (was Amazon vereitelt hat, indem sie mich vorher per Mail informierten, dass sie die Bestellung jetzt versenden …). Gefreut hab ich mich natürlich trotzdem und das Buch relativ schnell verschlungen …

Manchmal liege ich wach in den langen Nächten des Alters und denke an die aberwitzigen Dinge, die ich getan habe, an die Gefahren, weil ich mit dem Schicksal gewürfelt und die Götter herausgefordert habe.

Der Fokus liegt hier auf dem lange erwarteten Tod des Königs Alfred. Natürlich ist damit Uthreds Krieg nicht zu Ende, inzwischen drängt sich der Gedanke auf, dass er Bebbanburg vielleicht nie zurück erobern wird. Mit kreativen Kriegslisten versucht Uthred die Dänen aus der Reserve zu locken und schließlich kommt es auch zur nur knapp gewonnenen Schlacht im Schildwall.

Im Nachwort erklärt Cornwell seine Faszination für diese Zeit und warum er sich so intensiv mit der Geschichte beschäftigt:

Das ist die Geschichte, die hinter den Erzählungen von Uthred steht: die Geschichte von der Entstehung Englands. Es hat mich immer erstaunt, dass wir Engländer so wenig an der Entstehung unserer Nation interessiert sind. In der Schule scheint es manchmal so, als würde die Geschichte Britanniens AD 1066 beginnen, und alles, was vorher geschah wäre bedeutungslos, dabei ist die Geschichte von der Entstehung Englands groß, aufregend und nobel.

Bernard Cornwell – Schwertgesang

Wikingerschiff (c) Cellblock / PIXELIO

Da verging meine Furcht. Sie wurde von einer Woge des Stolzes und des Machtgefühls weggespült. Ich bezweifelte Bjorns Botschaft nicht, denn die Götter sprechen nicht leichtfertig, und die Spinnerinnen kennen unser Schicksal. Wir Sachsen sagen „wyrd bid ful araed“, und sogar die Christen glauben an diese Wahrheit. Das Schicksal ist unausweichlich. Das Schicksal lässt sich nicht ändern. Das Schicksal herrscht über uns. Unsere Leben werden gemacht, bevor wir sie leben. Und ich sollte König von Mercien werden.

Wie es schon der Hinweis auf das Schicksal verkündet, kommt es natürlich ganz anders. Mit faulem Zauber versuchen die Dänen Uthred zum Verrat an Alfred zu bewegen, dem er seinen Schwur geleistet hat. Und im Laufe dieses Romans wird Uthred einen weiteren Schwur leisten, obwohl sein einziger Wunsch (neben dem Töten von Dänen) darin besteht, von Alfred aus seinem Schwur entlassen zu werden.

London wird erobert, immer wieder wendet sich das Blatt, kaum glaubt man, jetzt ist alles klar, ergibt sich die nächste Überraschung, die die Spinnerinnen für Uthred und seine Mitstreiter und Feinde ausgeheckt haben. Ein weiterer Roman kündigt sich an und ich hoffe in aller Ehrlichkeit, dass Cornwell noch viele Abenteuer für Uthred in Planung hat, bevor dieser seine Bebbanburg wieder erobern darf.

Tad Williams – Der Engelsturm

Nun endlich der vierte Teil der grandiosen Trilogie und selten habe ich erlebt, dass sich alle Handelsstränge und alle Geheimnisse derart schlüssig auflösen wie bei diesem Meisterwerk. Die letzten 300 Seiten musste ich in einem durchlesen, weil ich es einfach nicht mehr zur Seite legen konnte.

Nicht nur alle Geheimnisse, auch die Leben der (überlebenden) Personen haben sich alle so schlüssig aufgelöst und zusammengefügt, wie man es nur selten sieht. 

Empfehlenswert für alle, die gerne in lange Geschichten eintauchen (obwohl im Buch tatsächlich nur zwei Jahre vergehen, kommt es einem viel länger vor). Durch den zähen Start im ersten Buch sollte man sich nicht entmutigen lassen, es lohnt sich, dranzubleiben.

Tad Williams – Die Nornenkönigin

Und schon ist der drittel Teil der grandiosen Saga von Tad Williams wie im Flug vorbeigezogen. Es kommt mir praktisch unmöglich vor, dass ich mich auf den ersten 50 Seiten des ersten Bandes so gelangweilt habe. Jetzt werd ich vielleicht doch ein Pause einlegen, sonst ist es so schnell vorbei und dann doch wieder traurig, wenn man sich schon so in eine Welt hineinversetzt hat. Aber da die Hauptfigur Simon ja ohnehin noch so jung ist, bleibt vielleicht eine Fortsetzung offen?

Tad Williams – Der Stein des Abschieds

Der zweite Teil einer grandiosen Fantasyreihe, die einen in den Bann schlägt. Beim ersten Buch war es noch schwierig, in die Welt Osten Ard einzutauchen, erst nach etwa 100 Seiten fängt das Buch an, tatsächlich spannend zu werden.

Dankbarerweise ist dem zweiten Teil eine Zusammenfassung des ersten Teils vorangestellt, was ungemein hilft, wenn man die Bücher nicht direkt nacheinander liest. Beim dritten Teil werd ich die Zusammenfassung allerdings nicht brauchen, den der kommt jetzt direkt danach :-) Martin Walser wird definitiv noch etwas warten müssen …