Suzanne Collins – Mockingjay

I shut my eyes and kiss Gale to make up for all the kisses I’ve withheld, and because it doesn’t matter any more, and because I’m so desperately lonely I can’t stand it.

Mir fehlen die Worte, um auszudrücken, wie sehr mich diese Geschichte mitgerissen und berührt hat. Beim dritten Teil hatte ich endlich die Gelegenheit, die zweite Hälfte in vier Stunden am Stück zu lesen, ein Abend, der sich definitiv gelohnt hat. Ohne zu wissen, wie es weitergeht, hätte ich kaum noch einen weiteren Tag lang arbeiten können …

Im von der Regierung von Panem unabhängigen District 13 herrschen kaum weniger strenge Sitten als in der Hauptstadt. Essen muss streng rationiert werden, jeder Ungehorsam wird streng bestraft. Katniss muss sich fragen, ob sie nicht noch immer eine Schachfigur ist, die nun von anderen Spielern herumgeschoben wird. Welche Ziele verfolgen die Machthaber der Revolution?

Die deutlich von ihren bisherigen Erlebnissen gezeichnete Katniss muss sich wieder entscheiden. Im Zitat oben ist das wichtige Element die Aussage because it doesn’t matter any more. Dieser Moment ist ein perfektes Beispiel, wie es der Autorin gelingt, die Ausweglosigkeit, die Verzweiflung in einfachen Worten zu beschreiben. Aber doch so eindringlich, dass es einem beim Lesen für einen Moment den Atem nimmt.

Die Schrecken des Krieges triumphieren im dritten Teil über die Schrecken eines totalitären Regimes. Menschen (Rebellen) kämpfen gegen Menschen (die Soldaten der Regierung), je länger der Kampf dauert, umso weniger Überlebende gibt es noch, die von einem Sieg profitieren könnten. Wie viele Leben kann man opfern, muss man opfern, um sein Ziel zu erreichen? Wie viele Leben kann man opfern und noch immer menschlich bleiben?

Wahrscheinlich werde ich mir die Bücher kaufen müssen, damit ich an dunklen Tagen das Ende nochmal lesen kann. Mehr kann ich ohne Spoiler wirklich nicht sagen.

Reading Challenge: A trilogy (part 3)

Nachtrag (8. Oktober 2015):
HIM: Come to the dark side.
ME: But, aren’t you the rebels?
HIM: Successful rebellions all become the empire eventually.
ME: Whoa…

Suzanne Collins – Catching Fire

Life in District 12 isn’t really so different from life in the arena. At some point, you have to stopp running and turn around and face whoever wants you dead. The hard thing is finding the courage to do it.

Im ersten Teil war Katniss Everdeen ein Mädchen, das sich in eine potentiell tödliche Situation begibt, um ihre Schwester zu retten. Im zweiten Teil ist sie die Überlebende, die nicht nur eine Schlacht gewonnen, sondern auch die Regierung von Panem ausgetrickst hat. Dabei ging es ums nackte Überleben. Mit ihrem Sieg hat Katniss jedoch auch eine Revolution ausgelöst.

Wieder verpackt Suzanne Collins eine fundamentale Frage in ihren Roman. Woher weiß man, was das Richtige in der aktuellen Situation ist? Katniss hat in diesem Roman nur mehr ein Ziel: Peeta zu beschützen, Peeta selbst verfolgt exakt den entgegengesetzten Plan. Wie schützt man einen Menschen, der nicht geschützt werden will? Welches Leben ist mehr lebenswert? Wenn von zwei Menschen nur einer überleben kann – will man dann selbst der Überlebende sein und den Rest seines Lebens mit der Schuld verbringen?

Der Cliff Hanger am Ende zeichnet sich zwar schon einige Seiten vorher ab, ist trotzdem nahezu unerträglich. Mein dringender Rat: das dritte Buch bereit haben, um sofort weiterzulesen.

Reading Challenge: A trilogy (part 2)

Suzanne Collins – The Hunger Games

Als Trilogie für die Reading Challenge 2015 habe ich mir The Hunger Games ausgesucht. Durch die Verfilmung wurde das vor ein paar Jahren ziemlich gehypt, sowohl die Bücher als auch die Filme gingen ziemlich an mir vorbei.

Endlich konnte ich den ersten Teil aus der Bücherei abholen und ganz ehrlich, so gefesselt war ich schon lange nicht mehr von einem Buch. Zum Glück waren Teil 2 und 3 schon in der darauf folgenden Woche verfügbar, ohne dass ich erst reservieren musste. Beim Ausleihen des ersten Buches betonte der Büchereimitarbeiter extra das Rückgabedatum Ende September. Bis dahin bin ich locker mit allen 3 Büchern durch …

Irgendwie hatte ich in meiner Wahrnehmung The Hunger Games für ein Jugendbuch gehalten, doch das erste Buch hat mir dermaßen Albträume verursacht, dass ich meinem jugendlichen Patenkind nicht mal erzählen wollte, worum es geht. Unter dem offensichtlichen Thema des Überlebenskampfs brodelt ein totalitäres Regime, regt sich Widerstand gegen dieses und die alles umfassende Überwachung und den damit verbundenen Freiheitsentzug. Die Ausweglosigkeit, die Katniss immer wieder ertragen muss, ist es, die den Leser sprachlos zurücklässt. Sie wird als gefühllose Heldin portraitiert, die scheinbar nur an sich selbst denkt, aber in Wirklichkeit davon besessen ist, ihre Familie zu beschützen. Ihre Auflehnung gegen das herrschende System entspringt auch nur diesem Wunsch. Bin gespannt, was im zweiten Teil noch daraus wird.

Reading Challenge: A trilogy (part 1)

William Golding – Herr der Fliegen

Schon wieder ein amerikanischer Klassiker. Es begab sich, dass ich am Stubentor auf die Straßenbahn wartete und das dortige Buchgeschäft Wühlkisten auf dem Gehsteig stehen hatte. Für 3€ nahm ich dieses dünne Buch mit, das es jedoch ganz schön in sich hat.

Eine Gruppe von Burschen unterschiedlichen Alters strandet nach einem Flugzeugabsturz auf einer unbewohnten Insel. Die Überlebensfrage stellt sich vorerst nicht, es gibt Süßwasser und Bäume mit essbaren Früchten. Doch schnell kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Burschen, die die Anführerrolle übernehmen wollen: Ralph und Jack. Eine wichtige Rolle kommt Piggy zu, er verkörpert das Stereotyp des dicken, behäbigen Denkers. Seine Brille wird benötigt, um ein Signalfeuer zu entzünden und diese Brille wird schließlich auch zur Eskalation des Konflikts führen.

Auf den ersten Seiten fühlt sich die Atmosphäre befremdlich an. Doch schnell etabliert sich eine Hackordnung unter den gestrandeten Jungen, als Leser wird man in die Denkweise hineingezogen und vergisst mit der zusehenden Verschärfung der Lage, dass es sich um Kinder handelt. Die Jungen verlieren zusehends den Bezug zur Zivilisation. Zu Beginn scheitert Jack daran, ein Schwein zu töten. Doch immer mehr gewinnen die niederen Instinkte die Oberhand über die Vernunft. Das Buch endet mit einem Knalleffekt. Es fühlt sich ein bißchen so an, als wäre es bereits mit Blick auf eine Verfilmung geschrieben worden. Jedenfalls kann ich mir diese Schlussszene, die Erkenntnis, die plötzliche Stille, das Fehlen jeder Geräusche angesichts der vergangenen Ereignisse und deren Einordnung in die Zivilisation sehr gut vorstellen. Bedrückend.

David Benioff – City of Thieves

They have decided nothing can kill them but God himself, and they don’t even believe in him.

Allem anderen voran sei gesagt: es heißt immer wieder, das wichtigste Element für einen guten Film (oder ein gutes Theaterstück oder ein gutes Musical) ist ein gutes Buch. Die Story muss stimmen. Ohne eine gute Story kann man noch so viel Glitzer und Licht und Effekte drauf werfen, es wird niemals ein gutes Endprodukt rauskommen. Hier stimmt die Geschichte. Sie ist so großartig, dass das Fehlen jeglichen Glitzers (bzw. das Ignorierend des Glitzers im Angesicht von Hunger und Entbehrung) die Geschichte eher noch besser macht. Warum mein Eingangszitat so wichtig ist, wird man erst erkennen können, wenn man die Geschichte zu Ende gelesen hat. Es wird schwierig werden, nicht zu spoilern.

I’ve always envied people who sleep easily. Their brains must be cleaner, the floorboards of the skull well swept, all the little monsters closed up in a steamer trunk at the foot of the bed.

Lev lebt mit seinen Freunden in der belagerten und beschossenen Stadt Leningrad. Es gibt kaum noch essen, der Schwarzmarkt blüht. Als eines Nachts ein toter deutscher Soldat mittels Fallschirm in ihrer Straße landet, wird Lev verhaftet und landet in einer Zelle mit dem vermeintlich desertierten Soldaten Kolya. Anstatt erschossen zu werden, erhalten sie vom General die Aufgabe, für die Hochzeit seiner Tochter ein Dutzend Eier zu beschaffen. Ein Ding der Unmöglichkeit in der ausgehungerten Stadt.

„What’s the second thing you asked for?” –
“Hm?” –
“You said if I win, first he sets us free. So what’s the second thing you asked for?”
He looked down at me, his eyebrows tilted toward each other, incredulous that I could not guess.
“Isn’t it obvious? A dozen eggs.”

Ihr Weg führt sie auf den Schwarzmarkt, in die Arme von Kannibalen, aufs Land zu den Rebellen und schließlich in die Arme der deutschen Besetzer. Womit fast schon zu viel gesagt ist. Natürlich ist es eine Geschichte von Auszehrung, von Hunger, von Krieg, von Brutalität und Grausamkeit. Aber sie enthält dermaßen viel Witz und Lebensfreude, das der Leser an den Buchstaben hängt. Ein Roman für alle. Ein frühes Highlight des Lesejahrs 2014.

There is a place beyond hunger, beyond fatigue, where time no longer seems to move and the body’s misery no longer seems fully your own.

RANDNOTIZ: Es dürfte inzwischen zu spät sein, dass diese Folge noch im Podcast Verzeichnis zu haben ist. Im Ö3 Frühstück bei mir vom 5. Jänner 2014 erzählt Skisprungtrainer Alexander Pointer von der Depressionserkrankung seines Sohnes, er selbst hatte ebenfalls mit einer Depression zu kämpfen. Claudia Stöckl verharmlost in diesem Interview mehrmals diese ernsthafte Krankheit mit den Begriffen „schwermütig“ bzw. „es ging ihm nicht gut“. Ihre gesamte Haltung zu diesem Thema klingt danach, als ob es sich um eine kurzfristige Verstimmung handelt, wie ein Schnupfen, der mit Medikamenten zwar leichter zu ertragen ist, aber sowieso nach einer Woche wieder verschwindet. Gerade im Mainstream-Radio wäre es wichtig, diese Krankheit deutlich als solche zu bezeichnen. In vielen Fällen sind Medikamente der einzige Ausweg. Noch immer wird die Depression tabuisiert, Betroffene und Angehörige werden diskriminiert, trauen sich nicht, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Ich empfehle allen, die wissen wollen, wie sich eine Depression anfühlt und wie schwer der Heilungsprozess sein kann, das Buch Mängelexemplar von Sarah Kuttner. Rat für Betroffene und Angehörige gibt es zum Beispiel bei Nein zur Depression.

James Frey – A Million Little Pieces

I turn and I slowly walk away and I don’t look back. It has always been a fault of mine, but it is the way I am. I never look back. Never.

Hätte ich bei diesem Buch vorher auch nur ansatzweise gewusst, worum es geht, hätte ich vermutlich nicht zugegriffen. Aber die Erinnerung an das andere Buch dieses Autors, das ich voriges Jahr gelesen hatte – Strahlend schöner Morgen, nach wie vor würde ich diesen Roman beinahe jedem empfehlen – und der Titel, der mich gerade in diesem Moment auf eine besondere weiße angesprochen hatte, ließen mich blind auf „Jetzt kaufen“ klicken.

Dieser Roman ist autobiografisch geschrieben, er wird erzählt aus der Perspektive des 23-jährigen James Frey. Natürlich hat mich auch interessiert, ob er da wirklich aus seinem eigenen Leben schreibt. Die Wikipedia meint hierzu, er hätte zwar Erfahrungen mit Drogensucht und Entzug gemacht, jedoch hätte es auch Zweifel an der Authentizität der beschriebenen Erlebnisse gegeben. Mein erster Gedanke wäre zu diesem Thema, dass man sich Teile der grausamen Geschichten, die in A Million Little Pieces erzählt werden, nicht ausdenken kann oder nicht ausdenken möchte. Andererseits mag auch hier schlicht und einfach eine Melange aus eigenen Erlebnissen und den Geschichten anderer die Grundlage ergeben haben. Gefühlsmäßig würde ich annehmen, dass jeder Autor so arbeitet, zum Vorwurf machen kann man es wohl nur, wenn der Autor tatsächlich behauptet, er hätte alles erlebt. Doch so ist A Million Little Pieces nicht erzählt.

Will this song exist when the beating stops. Will one stay when one is gone, can one live without the other. Does it matter. It does. I have to believe in something. It is holding me together.

James landet als komplettes Wrack in der besten Entzugsklinik Amerikas. Er trinkt sich seit Jahren täglich ins Koma und hat auch bereits mit jeder anderen erhältlichen Droge Erfahrungen gemacht. Nach einem Sturz von der Feuertreppe ist sein Gesicht verletzt, einige Zähne sind an- oder ausgeschlagen. Unfähig, irgendwelche Entscheidungen zu treffen, lässt er den Entzug über sich ergehen. Die dramatischen Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung lassen James vorerst nachdenklich werden: wenn er mit seinem bisherigen Leben weitermacht, hat er keine 3 Monate mehr zu leben. Verlässt er die Entzugsklinik jetzt, kann er sich auch direkt ins Grab legen. Ein harter Schlag auch für James Eltern, die vom Ausmaß des Drogenkonsums ihres Sohnes bisher nichts wussten.

We have to hold on to what we have left. Fight for it. Cherish it. Try to survive it. Try to love it.

Weniger die tatsächlichen Erlebnisse in der Entzugsklinik sind das Spannende an diesem Roman. Vielmehr ist es der Einblick in die Gefühlswelt eines Süchtigen. In knappen Worten beschreibt der Autor den Rausch der Sucht, the fury, wie James es für sich nennt, die nahezu unüberwindbare Kraft, die ihn antreibt, die ihn nach einem Drink lechzen und vom Drogenrausch träumen lässt. Der Autor schont den Leser nicht, James komplexe Gefühlswelt gegenüber seinen Eltern und schließlich Lilly, in die er sich verliebt und die er in weiterer Folge entgegen aller Vorschriften retten wird, nachdem sie die Klinik verlassen hat.

When I see you the World stops. It stops and all that exists for me is you and my eyes staring at you. There’s nothing else. No noise, no other people, no thoughts or worries, no yesterday, no tomorrow. The World just stops, and it is a beautiful place, and there is only you. Just you, and my eyes staring at you.

Wenn man die Perspektive erweitert, geht es natürlich nicht um den Entzug an sich. Zu Beginn sieht James keinen Grund, am Leben zu bleiben. Mit jedem Tag fällt ihm das Leben leichter, er entscheidet sich für einen Versuch. Und findet schließlich alles, wofür es sich zu leben lohnt: Freundschaft und Liebe. Er entscheidet sich für das Leben.

I know I am strong. I know I am strong enough to confront what I fear and I know I am strong enough to hold on until the fear goes away. I believe this in my heart.