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Roman Theaterstück

Michel Houellebecq – Karte und Gebiet

Noch nie hatte er etwas so Herrliches gesehen, das so reich an Emotionen und Sinn war wie diese Michelin-Karte der Departements Creuse und Haute-Vienne im Maßstab 1:150.000. Die Quintessenz der Moderne, der wissenschaftlichen und technischen Erfassung der Welt, war hier mit der Quintessenz animalischen Lebens verschmolzen. Die grafische Darstellung war komplex und schön, von absoluter Klarheit, und verwendete nur eine begrenzte Palette von Farben.

Im Jänner dieses Jahres war ich mit Freunden in der Garage X im Theaterstück „Karte und Gebiet“, das auf diesem Roman beruht. Der Vorschlag kam von Freundin K. Eigentlich hatte ich im Anschluss zeitnah das Buch lesen wollen, natürlich dauerte es dann doch wieder einige Monate. Einerseits kam immer wieder irgendein anderes Buch dazwischen, andererseits habe ich dann auch mehrere Wochen gebraucht, bis ich mit diesem Monumentalwerk durch war.

Der Kontrast war frappierend: Während auf dem Satellitenfoto nur eine Suppe aus mit verschwommenen bläulichen Flecken übersäten, mehr oder weniger einheitlichen Grüntönen zu erkennen war, zeigte die Karte ein faszinierendes Netz von Landstraßen, landschaftlich schönen Strecken, Aussichtspunkten, Wäldern, Seen und Pässen. Über den beiden Fotos stand in schwarzen Lettern der Titel der Ausstellung: „Die Karte ist interessanter als das Gebiet.“

Der Roman beschreibt das Leben des Künstlers Jed Martin. Für seinen Ausstellungskatalog braucht er ein Vorwort und sein Galerist schlägt den Autor Michel Houellebecq vor. Der Autor lässt sich also in seinem eigenen Buch auftreten. Man darf spekulieren, dass es sich um eine Kunstfigur handelt, die allgemein den Typus eines gealterten, desillusionierten Autors darstellt. Oder man versteht es als eine Persiflage der Autorenschaft im Allgemeinen.

„Jed Martin hat zwischen der mystischen Vereinigung mit der Welt und der rationalen Theologie seine Wahl getroffen. Er hat vielleicht als Erster in der westlichen Kunst seit den großen Malern der Renaissance den nächtlichen Versuchungen der Hildegard von Bingen die schwierigen, aber klaren Lehren des ,stummen Ochsen’, wie Thomas von Aquin von seinen Mitschülern an der Kölner Klosterschule genannt wurde, vorgezogen. Auch wenn diese Wahl natürlich anfechtbar ist, steht die hohe Gesinnung, die sie impliziert, außer Zweifel.…“

Das obige Zitat aus einem von Jeds Ausstellungskatalogen gibt gut wieder, wieso der Roman streckenweise schwer zu lesen ist. Seitenlang ergeht sich der reale Autor in Detailbeschreibungen von Architektur (Jeds Vater war als Architekt tätig, sein Erfolg in jungen Jahren mündete jedoch in den Bau von Standard-Ferienwohnanlagen und ein vereinsamtes Ende in einem Euthanasieressort in der Schweiz), Kunst und Schriftstellertum. Jeds Werke unterschiedlicher Gattung werden ausführlich beschrieben, gerade die Verbindung der unterschiedlichen Medien bei den Michelin-Karten oder auch bei Jeds Spätwerken wird zu einer künstlerischen Höchstleistung stilisiert.

„Auch wir sind Produkte“, fuhr er fort, „kulturelle Produkte. Auch wir sind eines Tages überholt. Dieser Prozess spielt sich auf die gleiche Weise an – nur mit dem Unterschied, dass es bei uns im Allgemeinen keine eindeutige technische oder funktionale Verbesserung gibt; nur die Forderung nach Neuheit bleibt, und zwar im Reinbestand.

Zu Beginn hat mich der Roman schon an das im Theater Erlebte erinnert, der Besuch lag inzwischen schon einige Zeit zurück, aber Jeds Entwicklung – vor allem seine Beziehung zu Olga – und das gespaltene Verhältnis zu seinem Vater waren mir in Erinnerung geblieben. Die Geschichte fühlte sich wie ein alter Freund an.

Ein Menschenleben ist im Allgemeinen nur eine Kleinigkeit, es lässt sich in wenigen Ereignissen zusammenfassen, und diesmal hatte Jed die Verbitterung und die verlorenen Jahre, den Krebs und den Stress und auch den Selbstmord seiner Mutter wirklich begriffen.

Und doch ist mir ein Rätsel, wie ein Regisseur glauben konnte, diesen Roman auf die Bühne bringen zu können. Gerade der letzte Teil, in dem der fiktive Autor Houellebecq von einem Mörder bizarr niedergemetzelt wird, wurde auf der Bühne sehr abgehoben dargestellt. Wofür im Roman nicht mit Worten gespart wurde, musste auf der Bühne zwangsweise verkürzt präsentiert werden.

Vielleicht macht sich der reale Autor Houellebecq einfach über das ganze Kunst-Business lustig. Jed steht zwischen seinem kapitalistischen Vater und dem fiktiven Autor Houellebecq, der die Kunst (und deren Verfall) symbolisiert. Und mit dem teuren Verkauf seiner Bilder verbindet Jed schließlich beides. Und gerät deshalb in eine Identitätskrise? Im letzten Teil des Buches wird Jed zum Einsiedler, wie es der fiktive Autor in seiner Zeit in Irland ebenso war. Bleibt dem Künstler nur die Einsamkeit, um wirklich herausragende Kunst schaffen zu können? Das Bild „Damien Hirst und Jeff Koons teilen den Kunstmarkt unter sich auf“, an dem Jed scheitert und daraufhin mit dem Porträt des fiktiven Autors seine Porträtserie beendet, kann ebenso als Persiflage des „kulturellen Produkts“ an sich verstanden werden.

… die Welt war alles andere als ein Gegenstand künstlerischer Emotionen, die Welt stellte sich eindeutig als ein rationaler Bezugsrahmen ohne jede Magie und ohne besonderes Interesse dar.

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Sachbuch

Lou Manna – Digital food photography

CampfireCooking(c)jsnflo/SXC

Lou Manna gives a nice overview of food photography. Lots of practical tips are included and lots of examples fabulously illustrate the mastery of his photography. The lots of pictures make the book easy to read and visually appealing. He explains in detail what is needed to create a stunning picture. How to start, which equipment you need, how to find the right people to work with …

An example tip for composition I found very interesting:

Spiral: People in Western cultures read from left to right, and we’ve trained our eyes to scan other things, including images, in a similar left-to-right sweep. Our eyes naturally tend to scan pictures in clockwise fashion and then spiral in to the area that has the whitest and brightest colors at its center.

Other possible composition options include lowercase a, bullseye and the almighty rule of thirds.
Another thing that i got acknowledged by Lou Manna is the fact, that I definitely need to buy a wide angle lens to get on with my photography ambitions. This lenses with sharp depth of field create the look that I like best in low distance food photographs.

NOTE: Wide angle lenses make elements in the foreground appear larger than those in the background, and exaggerate distance and perspective. Telephoto lenses, on the other hand, have an opposite effect. They compress distance and make objects in the background appear similar in size to objects in the foreground. Remember that depth of field is shallower with telephoto lenses.

Amateur food photos often look boring and fail to transfer the feeling of taste. Not only lighting is important to increase the quality of your food photos, Lou Manna also gives important tips for highlights:

Using mirrors and backlights helps to add dimension, gives more shadow detail, and creates specular highlights on the food or setting. Without these highlights, food photographs lack life and dimension. With them, food can sparkle like jewels. Specular highlights attract attention to the food’s freshness, color, and texture, giving it appetite appeal.

Of course a book can never teach you all the techniques to achieve great food photography results (I’ve already been trying to learn photography through books and video training for a long time and it doesn’t work, believe me). But Lou Manna’s books gives a great overview of the topic and increases the appetite not only for great food but also to become a great photographer. It definitely inspired me to plan the purchase of the wide angle lense that has been sitting on my list for years. Maybe you’ll see some of my own photographs on this blog soon.

More information: Lou Manna’s website (where you’ll find a collection of wonderful pictures, newer and I might say greater than the ones included in the book) – Lou Manna’s blogFood photo libraryWikipedia

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Sachbuch

Helma Spona – Das optimale Heim-Fotostudio

Diese Rezension möchte ich ausnahmsweise nicht mit einem speziell ausgesuchten Symbolfoto illustrieren, sondern mit der Beschreibung der bisherigen Arbeiten an meinem eigenen Fotostudio.

Mit der Renovierung des entsprechenden Zimmers habe ich bereits vor über einem Jahr begonnen. Erster Schritt war die Entsorgung der im Zimmer noch vorhandenen Möbel. Da die schon einige Jahre auf dem Buckel hatten und großteils mit Pickerln und Postern verziert haben, hatte ich mich dazu entschlossen, alles zu entsorgen. Da das Zimmer im ersten Stock liegt und auf unseren Hof schaut, konnte ich die Einzelteile der Möbel durchs Fenster entsorgen. Den auf dem Gras entstandenen Müllberg sieht man auf dem entsprechenden Foto, das vom Fenster des Zimmers aufgenommen wurde.

Im leeren Raum musste im nächsten Schritt der Boden abgeklebt werden. Einige Risse und Löcher bzw. lockere Stellen in der Farbe musste ich neu verspachteln, dabei wurde eine nicht unerhebliche Menge Innen-Spachtelmasse verbraucht. Das Verspachteln konnte ich im vergangenen Frühling dann nicht mehr fertigstellen, an dieser also sehr frühen Stelle im Renovierungsprozess ging es dann in eine etwa halbjährige Pause, bevor ich vor zwei Monaten wieder anfing, im Studio zu arbeiten.

Das Verspachteln und anschließende Ausmalen hat dann einige Zeit in Anspruch genommen. Immer wieder trocknen lassen zwischen den Anstrichen. Der Raum ist doch nicht so klein, wie er aussieht und das Anstreichen der Decke ist sehr anstrengend, wie jeder weiß, der das schon mal gemacht hat. Aber letztendlich war auch der dritte weiße Anstrich an den Wänden getrocknet und von der ehemals blauen und rosafarbenen Wandfarbe nichts mehr zu sehen.

Kurz vor Weihnachten habe ich dann bei Foto Müller nach ausführlicher Recherche ein Set aus zwei Studioblitzen gekauft, die Liefergeschwindigkeit war angesichts der Weihnachtsfeiertage sehr beachtlich. Der Aufbau gestaltete sich recht einfach, die Lichtstative waren schnell aufgestellt und die Blitzgeräte in Kürze betriebsbereit. Da ich mit dem geplanten Hintergrundsystem noch nicht soweit bin, wollte ich die Blitzgeräte erstmal mit einem improvisierten Aufnahmetisch ausprobieren. Natürlich müsste der Stoff faltenfrei gespannt werden, aber das stellte sich nicht als das Hauptproblem heraus.

Die von mir erworbenen Elinchrom Blitzgeräte können entweder durch Synchronisierung mit der Kamera, Infrarotsignale oder durch Lichtveränderung, die durch die Photozelle des Blitzes registriert wird, ausgelöst werden. Ein Synchronkabel ist beigelegt, jedoch verfügt meine EOS 400D nicht über den entsprechenden Anschluss. In dieser ersten Versuchsanordnung stellte ich dann fest, dass das Auslösen der Studioblitzgeräte durch den Kamerablitz bei einer solchen Versuchsanordnung nicht funktioniert. Die Kamera – und damit der Kamerablitz – ist so nah am Objekt, dass der Kamerablitz die komplette Ausleuchtung zunichte macht. Harte Schatten sind die Folge. Auch den nicht straff gespannten Hintergrund kann man deutlich auf diesem Foto sehen.

Aus diesen ersten Versuchen an den Weihnachtsfeiertagen konnte ich so einiges lernen. Weitere Anschaffungen für mein größeres Hintergrundsystem habe ich bereits getätigt, der Aufbau ist geplant und soll demnächst stattfinden. Für den Aufnahmetisch möchte ich statt Stoff weißen oder farbigen Karton verwenden. Für diese Objekte sollte ausreichend großer Karton zu bekommen sein. Für das große Hintergrundsystem für die Personenfotografie möchte ich den von allen Quellen empfohlenen Bühnen-Molton anschaffen, ich habe mich jedoch noch nicht für eine Farbe entschieden. Da ich zuerst nur eine Farbe kaufen möchte, um auszuprobieren, ob mein Hintergrundsystem auch trägt, tendiere ich zu Hellgrau.

Zum Auslösen der Studioblitze muss ich eine weitere Anschaffung tätigen, wo ebenfalls noch eine Entscheidung aussteht. Für die EOS 400 D gibt es einen Anschluss für den Blitzschuh, mit dem sich die Studioblitze synchronisieren lassen. Eine weitere Möglichkeit ist ein Infrarot-Auslöser, der ebenfalls auf den Blitzschuh aufgesteckt wird. Man könnte die Studioblitze aber auch mit einem aufsteckbaren Blitzgerät auslösen, diesen richtet man dann an die Decke. Das reflektierte Licht reicht aus, um die Studioblitzgeräte auszulösen, verursacht aber als diffuse Reflexion keine harten Schatten. Das hätte natürlich den Vorteil, dass der Aufsteckblitz auch für andere Tätigkeiten geeignet ist, natürlich ist dieser aber deutlich teurer als beispielsweise der Infrarotauslöser.

Nun aber endlich zu Helma Sponas Buch: Der in den vergangenen Jahren aufgekommene Trend zu Internet-Fotoagenturen hat viele Hobbyfotografen ans Licht gelockt, die ihre (vermeintlichen) Kenntnisse und großartigen Bilder nun mit der Welt teilen möchten. Wie ich selbst feststellen durfte, ist hier jedoch die Luft schon sehr dünn geworden. Große Fotoagenturen wie etwa Fotolia geben klare Anweisungen, welche Motive erwünscht sind und welche Kriterien diese zu erfüllen haben. Mit Bildern von Blumen etwa und seien sie noch so schön, hat man keine Chance mehr, auch nur in den Katalog aufgenommen zu werden.

Da kann natürlich ein eigenes Heim-Fotostudio von Vorteil sein. Durch geeignete Ausrüstung lassen sich viele Bilder verwirklichen, die anders nicht möglich wären. Helma Spona hat diesen Trend erkannt und bietet mit ihrer Zusammenfassung einen guten Leitfaden für die Planung des eigenen Fotostudios. Ihre Tipps beginnen bereits bei der Wahl der geeigneten Kamera und der entsprechenden Objektive. Ihrem Tipp, dass professionelle Fotos auch mit einer normalen Kompaktkamera möglich sind, stimme ich nicht zu, das wird jedoch jeder selbst schnell herausfinden, der es versucht. Mit Witz und Humor gibt sie Tipps für unterschiedliche Aufnahmesituationen:

Bei solchen Aufnahmen ist aber Vorsicht geboten, denn bei einem Abstand von ca. 5 cm zur Schnauze des Hundes kann das schnell ins Auge gehen. Wenn der Hund hochspringt, um ein Küsschen zu geben, knallt er Ihnen die Kamera vor Ihr Auge.

Übersichtliche Checklisten erleichtern das Anschaffen des richtigen Equipments für unterschiedliche Aufnahmesituationen. Helma Spona hat ein Standardwerk erschaffen, dass allen interessierten Hobbyfotografen den Weg zu besseren und spannenderen Fotos erleichtern kann. Natürlich kann es nur eine Richtung vorgeben, dies funktioniert aber bestens und ich werde demnächst mit der Umsetzung Ihrer Tipps in meinem eigenen Studio beginnen.

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Essays

Susan Sontag – Über Fotografie

Fotografie Silhouette vor Aquarium (c) Ernst Rose / PIXELIO

Diese Methode kommt insbesondere jenen Touristen entgegen, die zu Hause einer erbarmungslosen Arbeitsethik unterworfen sind – den Deutschen, Japanern, Amerikaner. Die Handhabung einer Kamera dämpft die innere Unruhe, die ständig unter Stress arbeitende Menschen empfinden, wenn sie Urlaub machen und sich nur amüsieren sollen. Aber nun haben sie „etwas zu tun“, das auf angenehme Weise an Arbeit erinnert: sie dürfen fotografieren.

Schuldig im Sinne der Anklage. Susan Sontag untersucht in ihren Essays zum Thema Fotografie sowohl die künstlerischen Strömungen in dieser jungen Kunst als auch die Motive der Fotografen. Dabei nimmt sie nicht nur die kamerabewaffneten Touristen aufs Korn, sondern beweist Sprachwitz in allen Situationen.

Der Fotograf, eine bewaffnete Spielart des einsamen Wanderers, pirscht sich an das großstädtische Inferno heran und durchstreift es – ein voyeuristischer Spaziergänger, der die Stadt als eine Landschaft wollüstiger Extreme entdeckt.

Außerdem geht sie der Frage auf den Grund, ob Fotografie überhaupt Kunst ist und beweist schließlich, warum Fotografie Kunst ist. Sie betrachtet das Verhältnis zwischen Malerei und Fotografie als mythischen Pakt: Durch die wirklichkeitsgetreue Darstellung der Fotografie wurde die Malerei von ihren Fesseln befreit und konnte sich dem höheren Ziel der Abstraktion zuwenden. In weiterer Folge beeinflusste wiederum die Fotografie intensiv das Kunstgeschehen. Jeder kennt die Mona Lisa, aber der Großteil der Menschen hat sie nur auf Fotografien gesehen.

Wiederkehrendes Thema ist die Besitzergreifung durch die Fotografie. Was wir als Bild speichern, glauben wir zu besitzen. Sehen wir ein Bild von einem Ereignis, meinen wir, dabei gewesen zu sein. Ein Foto einer geliebten Person oder eines geliebten Gegenstands kann für uns zum einmaligen Objekt werden. Erinnerungen werden in Bilder projiziert, oft genug sind es falsche Erinnerungen, die die Vergangenheit verklären.

Und kein Instrument, mit Ausnahme der Kamera, ist imstande, solch komplexe, kurzlebige Reaktionen zu registrieren und der ganzen Herrlichkeit des Augenblicks Ausdruck zu verleihen. Keine Hand kann das zum Ausdruck bringen, weil das Gedächtnis nicht imstande ist, die unverfälschte Wahrheit eines Augenblicks so lange festzuhalten, bis die langsamen Finger die Vielzahl der übermittelten Einzelheiten aufzeichnen könnte. (Paul Rosenfeld, aus der angeschlossenen Zitatsammlung)

Auch das Sammeln von Fotografien findet ihre Beachtung. Fotos beleuchten nur kurze Momente eines Lebens, diese werden für immer festgehalten. Für Sontag stellen diese Bilder einen Widerspruch zum Leben an sich dar, während der gemeine Fotosammler meint, das Leben durch diese Standbilder aufzeichnen zu können. Die inflationäre Verwendung der Technik der Fotografie macht die Werke zum Kitsch.

Marx warf der Philosophie vor, sie mache nur den Versuch, die Welt zu verstehen, anstatt zu versuchen, sie zu verändern. Fotografen, die im Sinne des surrealistischen Lebensgefühls arbeiten, weisen lediglich darauf hin, dass es vergeblich ist, die Welt verstehen zu wollen, und schlagen uns stattdessen vor, sie zu sammeln.

Wie Fotografien Geschichten erzählen, erzählen auch Susan Sontags Essays Geschichten zwischen den Zeilen. Wer genau hinsieht, kann tiefe Emotionen und Einblicke gewinnen. Genau wie beim intensiven Betrachten einer Fotografie.

Wenn ich die Geschichte in Worten erzählen könnte, brauchte ich keine Kamera herumzuschleppen. (Lewis W. Hine, aus der angeschlossenen Zitatsammlung)

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Sachbuch

Kyra Sänger und Christian Sänger – Das Geheimnis beeindruckender Makrofotos

Ausführlich hab ich gesucht, bevor ich mich für ein Buch zum Thema Makrofotografie entschieden habe, das auch etwas in die Fotografie-Kerbe schlägt, die ich in nächster Zeit weiterzuverfolgen gedenke. Schwierig war die Auswahl, aber da zwei von den vier Büchern mich allein schon beim ersten Blick aufs Layout genervt haben, hab ich mich dann für dieses entschieden, das zwar auch nicht grade mit Struktur und Aufgeräumtheit glänzt, aber immerhin ein breites Spektrum des Themas abbildet.

In den ersten Kapiteln geht es um die Technik, die man benötigt, wie man ein Objektiv auswählt, was ein Stativ können sollte und so weiter. Dabei merkt man ziemlich schnell, dass ein gewisser finanzieller Aufwand erforderlich ist, wenn man ernsthaft in dieser Richtung etwas unternehmen will und damit meine ich über den Erwerb eines geeigneten Objektivs hinaus (das Vorhandensein der Kamera setze ich voraus, da ich selbst schon eine habe und man ohnehin ohne Spiegelreflexkamera gar nicht anzufangen braucht).

In den weiteren Kapiteln werden dann unterschiedliche Motivgruppen besprochen, was gegen Ende schon etwas ins Absurde ausartet, bis hierher werden in der Praxis wohl nur die Wenigsten vordringen, aber vielleicht sind gerade das die spannendsten Fälle. Eine Blume kann schließlich jeder fotografieren, wenn die Wetterverhältnisse passen.

Alles in allem vermittelt das Buch einen umfangreichen Überblick zum Thema Makrofotografie und im weiteren Verlauf meiner Studien werde ich es sicher wieder als Nachschlagewerk zur Hand nehmen.

 

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Sachbuch

Linda Bellingham – Food Styling for Photographers

Wirklich faszinierend, wenn man sich anschaut, wie man Lebensmittel manipulieren kann. Ich hatte es zwar gelesen, weil ich selbst mal ein bißchen Food Photography ausprobieren möchte und mir ein paar Tipps holen wollte, aber was die mit dem Essen anstellen, ist echt nicht mehr normal.

Regel Nummer 1: Protect the hero food.
Trifft auf alles zu, was irgendwie essbar ist und vor die Linse soll. Im weiteren Produktionsprozess kann es auch zum Schutz der Mitarbeiter sein, wenn die Lebensmittel so behandelt wurden, dass sie nicht mehr genießbar sind. Da wird mit allen möglichen Materialien gezaubert (die meisten muss ich noch im Lexikon nachschlagen, weil mir die englischen Wörter einfach nicht geläufig sind) und ohne Zahnstocher und Holzspieße halten die Konstruktionen sowieso nicht. Und in einem Kuchen steckt dann auch mal Pappe anstatt Creme zwecks besserer Haltbarkeit.

Definitiv auch für Hobbyköche geeignet, die sich fragen, warum ihr schön angerichtetes Essen trotzdem nie so aussieht wie in den Kochbüchern. Tröstet euch. Wenn es so aussähe, könntet ihr es nicht mehr essen.