Laurie Penny – Unspeakable Things

Asking nicely for change gets you nowhere.

Im Lila Podcast wurden immer wieder mal die Bücher von Laurie Penny und Caitlin Moran erwähnt, da hatte ich irgendwann beschlossen, mir selbst ein Bild über diese feministische Literatur machen zu wollen. Bei Laurie Pennys Unspeakable Things handelt es sich um ein ordentliches Stück Gesellschaftskritik.

In this nominally freer and more equal world, most women end up doing more work, for less reward, and feeling pressured to conform more closely to gender norms.

Sie analysiert die (westliche) Gesellschaft dieses neuen Jahrhunderts auf Veränderungen im Verhältnis zwischen Frauen und Männern und vor allem auf die Nachteile, die für viele Frauen in einer vermeintlich freier gewordenen Welt nach wie vor bestehen.

The best way to stop girls achieving anything is to force them to achieve everything.

In dieser vermeintlich besseren und erneuerten Welt können Mädchen und Frauen auf dem Papier alles werden, was sie wollen. Gesetze zur Gleichbehandlung legen fest, dass Frauen in allen Bereichen dieselben Chancen haben sollen wie Männer. Obwohl dies in der Realität ohnehin nicht zutrifft, führt es dazu, dass auf Frauen ein größerer Druck ausgeübt wird: Sie können nicht nur alles werden und haben, es wird auch von ihnen erwartet, dass sie ALLE Lebensbereiche unter einen Hut bringen. Erfolgreich Karriere machen, Kinder bekommen und erziehen, dabei immer gut aussehen und auch noch Zeit für Selbstverwirklichung und Hobbies haben. Die 24 Stunden, die jedem von uns dafür täglich zur Verfügung stehen, reichen jedoch einfach nicht aus und die Tatsache, dass wir alles haben KÖNNTEN, lässt jede Frau, die nicht ALLES schafft, wie eine Verliererin dastehen.

Women and girls in particular don’t need any more rules for living and working and grooming and loving. There are already too many rules, most of them contradictory.

Unser Leben ist geprägt von gesellschaftlichen Regeln, was man tun darf und was man tun soll und vor allem was man alles NICHT tun soll. Ein weibliches Aussehen, aber bitte kein zu kurzer Rock, sonst braucht sich eine Frau über Belästigungen nicht zu wundern. Kinder bekommen, aber bitte sofort zurück in den Job (wegen der Pensionszeiten und der eigenen finanziellen Unabhängigkeit), wer jedoch seine Kinder nicht täglich mit einer pädagogisch wertvollen Geschichte ins Bett bringt, gilt als Rabenmutter.

What the stereotype of the bra-burning, hairy-legged feminist is really supposed to suggest is that feminism, that politics itself, makes a woman ugly. That women’s liberation is a threat to traditional ideas of femininity, of a woman’s social role.

Feminismus ist noch immer mit Vorurteilen behaftet. Nach wie vor fühlen sich viele Männer sofort zurückgewiesen und angegriffen, wenn Frauen ihren eigenen Weg gehen und sich nicht darum scheren, was Männer von ihnen denken. Daraus ergibt sich eine Verteidigungshaltung: „Ich bin ja nicht so ein Mann, der Frauen unterdrückt, ich bin nicht Teil des Problems und sollte deshalb auch in Ruhe gelassen werden und mich nicht damit beschäftigen müssen.“ Natürlich kann ein einzelner Mann nicht für strukturelle Misogynie verantwortlich gemacht werden. Aber es ist wichtig, dass sich jede und jeder Einzelne bewusst macht, dass selbst ein Mann, der sich im Alltag Frauen gegenüber korrekt verhält, von den Privilegien des weißen Mannes auf Kosten von Frauen profitiert.

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Frauen selbst glauben, sie hätten jetzt alle Möglichkeiten. Sie reden sich erfolgreich ein, dass es ihnen nichts ausmacht, den Großteil der Familien- und Hausarbeit zu erledigen und machen ihr eigenes Glück vom reibungslosen Funktionieren der Familie abhängig. Dabei sollten jedoch auch wir Frauen nicht vergessen, dass es unzählige andere gibt, die mit weniger finanziellen Möglichkeiten ausgestattet sind, die in Ländern leben, wo die Gleichberechtigung nicht mal auf dem Papier existiert oder die schlicht durch besondere Umstände (wie zum Beispiel chronische Krankheiten) dem Erwartungsdruck unmöglich standhalten können. Dabei müssen wir nicht mal ins Ausland schauen, alleinerziehende Frauen (und Männer) sind in Österreich die am meisten von Armut bedrohte Gruppe. Gleichberechtigung ist erst dann hergestellt, wenn sie tatsächlich auch alle gesellschaftlichen Schichten umfasst. Chancengleichheit existiert als Idee auf dem Papier und erfordert täglichen Kampf, um sie tatsächlich Realität werden zu lassen.

Luise Berg-Ehlers – Unbeugsame Lehrerinnen

Von allen ihren Ausführungen aber scheint eine kaum hinreichende Beachtung gefunden zu haben, vielleicht weil sie gleichermaßen schwer und leicht zu realisieren ist: Lehrerinnen und Lehrer können nur dann überzeugend und einfühlsam wirken, wenn sie sich an ihr eigenes Kindsein, an die Sorgen, Ängste und Freuden erinnern, die ihre Kindheit bestimmten. Oder, wie es Key ausdrückt: „Selbst wie das Kind zu werden, ist die erste Voraussetzung, um Kinder zu erziehen.“

Meine „Ferien“ wollte ich unter anderem dazu nutzen, etwas Sekundärliteratur – in unterschiedlichen Richtungen mit meinem Thema verwandt – zu lesen, um so den Horizont und den Umfang besser erfassen zu können. Möglichkeiten dafür gibt es ohne Ende.

Dieser Band befasst sich mit Frauenpersönlichkeiten in der Geschichte des Lehrens. Wenig überraschend dabei ist, dass sich Frauen, die Lehrerin sein wollten, oft in irgendeiner Form mit der Gesellschaft auseinandersetzen mussten. Erst im 19. Jahrhundert war es für Frauen möglich, einen Universitätsabschluss zu absolvieren. Bildung ist ein zentrales Element für Freiheit, oft waren es Lehrerinnen, die für die Rechte der Frauen und Mädchen kämpften und diesem Kampf ihr Leben widmeten. Ein interessantes Detail ist etwa, dass Frauen als Lehrerinnen in Deutschland lange Zeit zur Ehelosigkeit gezwungen wurden. Mit der Heirat verloren sie ihre staatliche Stelle als Lehrerin – als verheiratete Frau brauchten sie im Verständnis der damaligen Zeit nicht mehr zu arbeiten.

Und wenn eine Lehrerin wie Tagrid Yousef an einer Schule arbeitet, die zahlreiche Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen, dann wird sie zu einem Rollenvorbild für all jene Mädchen, die noch ihren Weg zwischen den Welten finden wollen, wie es die junge Tagrid einst erfolgreich tat.

Einen wichtigen Punkt stellt die Vorbildwirkung dar, die Lehrerinnen speziell für Mädchen immer einnahmen und auch heute noch einnehmen. Schon mit Erzieherinnen im Kindergarten aber noch mehr später mit Lehrerinnen in der Schule verbringen Kinder große Mengen an Zeit. Sie prägen entscheidend, wie sich ein Kind in der Gesellschaft wahrnimmt und sind für viele Kinder die erste Bezugsperson außerhalb der Familie.

Im letzten Kapitel befasst sich die Autorin mit der Rolle der Lehrerin oder Erzieherin in Literatur und Film. Die Beschreibung des Lehrpersonals in Harry Potter (und anderer bekannter Figuren wie Mary Poppins) fand ich persönlich etwas plump geraten. Allerdings lassen sich hier Parallelen zu den Erziehungsmetaphern finden und die Rollen analysieren, die Lehrerinnen von den Medien und damit der Gesellschaft zugeschrieben werden. Frauen generell unterliegen ja unterschiedlichsten Erwartungen der Gesellschaft, für Lehrerinnen gilt das noch in besonderem Maße, da sie eine offizielle Vorbildwirkung für ihre Schützlinge haben. Der Lehrberuf ist damit nicht nur bloß ein Arbeitsplatz sondern eine Berufung, die nicht jeder ausfüllen kann.

Katrin Rönicke – Bitte freimachen

Katrin Rönicke beschäftigt sich seit Längerem mit dem Thema Feminismus, nicht nur in diesem Buch, sondern auch in ihrem Lila Podcast. Darüber bin ich überhaupt erst auf das Buch gestoßen. Mit einer Freundin diskutiere ich immer wieder über das Thema, wir sind auch oft nicht einer Meinung. Daher hatte ich gehofft, mir etwas Input zu holen – Hintergründe zum Thema, andere Meinungen, Argumente zu bestimmten Aspekten und so weiter. Diese Erwartungen wurden nur so halb erfüllt.

So geht’s mir mit dem Feminismus allgemein immer wieder. Auf der einen Seite habe ich mich als Studentin an einer technischen Fachhochschule oft sehr geärgert über die Ungleichbehandlungen durch Lehrbeauftragte. Unser Physik-Lehrbeauftragter hatte mich in einer der ersten Vorlesungen im ersten Semester wegen einer (seiner Meinung nach dummen) Frage abgestempelt. Er wollte wissen, auf welcher Schule ich vorher gewesen war und auf meine Antwort „Handelsakademie“ meinte er (wortwörtlich, mit abfälligem Unterton): „Na solche wie Sie brauchen wir hier.“ Noch ein Beispiel gefällig: Bei meiner Diplomfeier meinte der Präsident des Fachhochschulrates zu mir: „Bei Ihnen als Frau ist es mir eine besondere Freude, Ihnen das Diplom zu überreichen.“ Diese Geschichte habe ich schon oft erzählt und unter anderem auch die Reaktion bekommen, das hätte er doch nur gut gemeint. Warum ich mich denn so darüber aufrege …

Auf der anderen Seite erlebe ich auch immer wieder die oft abfällig betrachteten Krawall-Feministinnen, die anderen Frauen vorschreiben wollen, wie sie ihr Leben zu leben haben. Wenn eine Frau freiwillig länger bei den Kindern daheim bleiben möchte, wird sie deshalb verurteilt und als „Heimchen am Herd“ abgestempelt. Im Gegenzug werden „Karrierefrauen“, die es sich leisten können, für Kinderbetreuung Geld auszugeben, abschlägig als „Rabenmütter“ bezeichnet.

„Das Problem ist, dass man das Gefühl hat, dass alles zu kurz kommt. Dass man den Job nicht richtig macht, dass man die Familie nicht richtig macht“, erzählt Kapek. „Das Gefühl, dass man immer zu wenig macht, das hat man dauerhaft. Da muss man sich dran gewöhnen. Man lernt sehr viel: den eigenen Körper zu ignorieren und die eigenen Gefühle zu ignorieren.“

Viele dieser Probleme, mit denen wir als Frau im Alltag immer wieder konfrontiert sind, beschreibt die Autorin auch in ihrem Buch. Ihre Erfahrungen können in mancher Hinsicht erleuchten, vieles haben aber vermutlich die meisten von uns selbst bereits in der einen oder anderen Form erlebt. Der feministische Ansatz in diesem Buch ist ein solidarischer. Das Wort Netzwerk möchte ich dafür nicht verwenden, weil ich entgegen vieler anderer der Meinung bin, dass Frauen ohnehin Netzwerke haben, sie setzen sie nur nicht so für die Karriere ein, wie viele Männer das tun. In meinem Umfeld sehe ich haufenweise Frauen, die größere Netzwerke unterhalten als die meisten Männer. Und diese Netzwerke sind nicht nur größer, sie halten auch wesentlich fester zusammen, sie halten auf längere Zeit und sie halten auch in schwierigen Zeiten beziehungsweise gerade dann.

Zum Abschluss mein persönlicher feministischer Ansatz: Wenn Mädchen mit Autos spielen wollen, sollen sie das dürfen. Wenn Burschen Röcke anziehen wollen, sollen sie das dürfen. Umgekehrt genauso. Wenn Männer in Karenz gehen wollen, sollen sie das dürfen. Wenn Frauen nach der Geburt ihrer Kinder bald wieder arbeiten gehen wollen, sollen sie das dürfen. Umgekehrt genauso. Ich könnte noch einen Haufen Beispiele aufzählen, aber kurz gesagt: es geht mir um die Wahlfreiheit. Frauen sollten alle Möglichkeiten haben, sich zu verwirklichen und dabei nicht schief von der Seite angeschaut werden. Die Politik hat die Aufgabe, die dafür nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, ausreichend leistbare Möglichkeiten für Kinderbetreuung stehen dabei an oberster Stelle. Die Wirtschaft wiederum ist gefordert, flexible Arbeitsmodelle zu unterstützen und zu fördern. Jeder von uns ist gefordert, Toleranz gegenüber anderen Lebensmodellen zu zeigen und niemanden für seine persönlichen Lebensentscheidungen zu verurteilen.