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Roman

Jonathan Safran Foer – Alles ist erleuchtet

Jonathan Safran Foer ist ein grandioser Erzähler. Als Beispiel sei hier nur seine Geschichte vom “Sex-Leuchten” erwähnt:

Der bläuliche Marmor verschwindet, und an seiner Stelle erscheint ein Nachrichtensprecher, der die Brille abgesetzt hat und sich die Augen reibt. “Meine Damen und Herren, Amerika hat einen Menschen auf den Mond geschickt.” Meine Großmutter kommt mühsam auf die Beine – sie ist alt, selbst damals schon – und sagt mit vielen verschiedenen Tränen in den Augen: “Nischt zu gleuben!” Sie küsst meine Mutter, verbirgt die Hände im Haar ihrer Tochter und wiederholt: “Nischt zu gleuben!” Auch meine Mutter weint, und jede ihrer Tränen ist einzigartig. Sie weinen gemeinsam, Wange an Wange. Und keine von beiden hört das Flüstern des Astronauten: “Ich sehe da etwas”, während er über den Mondhorizont hinweg auf das winzige Dorf Trachimbrod blickt. “Ganz eindeutig – da unten ist irgendwas.”

Was er sieht, ist das Leuchten der Menschen, die im Stetl Trachimbrod in dieser Nacht Sex haben. Um diese Geschichte im Ganzen zu erfassen, muss man das Buch zumindest bis zur Seite 144 lesen.

Auf drei Erzählebenen läuft die Geschichte ab und die Verknüpfung der drei miteinander löst sich erst auf den letzten Seiten auf. Mehrere Familiengenerationen werden miteinander verknüpft und dies auf sympathische und spannend erzählte Weise.

 

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Roman

Gabriel Garcia Marquez – Bericht eines Schiffbrüchigen

Eine wahre Geschichte, die Marquez da in Worte fasst, eine Geschichte, die mich leicht an “Die Schrecken des Eises und der Finsternis erliest”, den ersten Eintrag im Blog. Diesmal ist es die Sonne, die den Helden quält, sowie die Angst vor den Haien, die alltäglich ab fünf Uhr nachmittags sein Boot umkreisen. Und auch den Gedanken, den viele verspüren mögen, spricht er aus: Obwohl komplett von Hunger und Durst verzehrt, gelingt es ihm doch nicht, die vorwitzige Möwe, die er beinahe zufällig gefangen hat, zu essen. Schließlich endet sie unerwünscht als Lockmittel für die Haie. 

Eine fesselnde Geschichte, die man sich nicht vorstellen mag, selbst erleben zu müssen.

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Roman

Zadie Smitz – Der Autogrammhändler

Etwas schwammig der Einstieg und erst zum Schluss erfährt man, was es mit der Einstiegsgeschichte eigentlich auf sich hat.

“Tja”, sagte Alex, setzte sich auf den Rand des Denkmals und holte die notwendigen Zutaten für einen Joint heraus. “Du hast ihn an dem Tag kennen gelernt, als er starb. Er war ziemlich gut in Form an dem Tag.”
Die Welt besteht aus Buchstaben, Worten. Unter jeder Freundschaft lauert ein schwieriger Satz, der gesagt werden muss, damit die Freundschaft überleben kann.
Das war ihrer.

Bis zu dieser Erkenntnis quälen sich Protagonist Alex und seine Freunde durch unzählige Sauftouren und durchwachte Nächte. Bis zur Erkenntnis, dass Familie und Freunde einen unschätzbaren Wert haben, findet Alex sein Idol, erreicht den großen Wunsch, der bisher sein Leben bestimmt hat und der als endlich erfüllt, sich als gar nicht so erfüllend herausstellt (wie das mit großen Wünschen meistens so ist).

Adam kniete sich unvermittelt hin, und einem kurzen Moment lang fürchtete Alex schon, er würde ihn auffordern zu meditieren oder zu beten, und er wusste jetzt – mit stärkerer Gewissheit als je zuvor -, dass er zu beidem keinen Zugang hatte, nein, mehr noch: Er wollte auch gar keinen Zugang. Er wollte in der Welt sein und nehmen, was kam: Enden, hier und überall, Schlusspunkte, Abschlüsse, Blicke gekränkter Enttäuschung und den alltäglichen Kampf. Er mochte den alltäglichen Kampf. Er nahm ihn mit Pommes. Zum Mitnehmen.

Und doch erfüllt Alex letztendlich den Wunsch seiner Freunde und Familie, an dem Verabschiedungsritual für seinen lang verstorbenen Vater teilzunehmen. Wie es weitergeht, bleibt offen. Aber jedenfalls hat sowohl Alex als auch der Leser einiges über das Leben gelernt.

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Roman Unterhaltung

Carly Phillips – Her mit den Jungs!

Und der zweite Teil von Carly Phillips Trilogie über die Jordan-Schwestern. Jetzt schon beinahe etwas langweilig, weil nach genau demselben Muster gestrickt wie der erste Teil. Trotz allem kann man sich ein paar Stunden damit amüsieren, während man darauf wartet, dass endlich die Kollegen mit den letzten Unterlagen herüberkommen. Auch fürs Ärztewartezimmer wärs ein guter Tipp. Wie bereits unten erwähnt, lockerleichte Sommerlektüre ohne Anstrengungen.

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Krimi Roman

Manfred Wieninger – Rostige Flügel

Nicht unbedingt ein Krimi wie er im Buche steht, Manfred Wieninger orientiert sich bei der Charakterisierung seines Detektivhelden lose an Mankells Wallender, sein Marek Miert ist ein massiger, dem Alkohol nicht abgeneigter Prügel, der in einer üblen Gegend wohnt und sich sowohl gegen seine Ex-Kollegen bei der Polizei als auch gegen die ukrainische Mafia zu wehren weiß. 

Schauplatz ist Harland, eine Katastralgemeinde der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten, wer die Gegend kennt, kann sich über jede Menge Lokalkolorit amüsieren.

Eine Auflösung aller gezogenen Fäden vermisst man hier, möglicherweise lässt Wieninger sie auch absichtlich offen, um sie in weiteren Büchern aufzugreifen. 

In jedem Fall hält man einen unterhaltsamen Krimi in der Hand, der sich mit großen Namen in jedem Fall messen kann.

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Roman Unterhaltung

Carly Philipps – Mach mich nicht an!

Zum Drüberstreuen ein harmloser netter Frauenroman, bestens geeignet als Sommerlektüre zwischendurch. Carly Philipps’ Geschichten sind einander nicht ganz so ähnlich wie die von Susan Andersen (hat man eins gelesen, kennt man alle), wenn auch bereits auf der ersten Seite (oder beim Lesen des Klappentextes) klar ist, wer hier zusammenfinden wird. Nett geschrieben, witzig und unterhaltsam.

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Fantasy Roman

Tad Williams – Der Engelsturm

Nun endlich der vierte Teil der grandiosen Trilogie und selten habe ich erlebt, dass sich alle Handelsstränge und alle Geheimnisse derart schlüssig auflösen wie bei diesem Meisterwerk. Die letzten 300 Seiten musste ich in einem durchlesen, weil ich es einfach nicht mehr zur Seite legen konnte.

Nicht nur alle Geheimnisse, auch die Leben der (überlebenden) Personen haben sich alle so schlüssig aufgelöst und zusammengefügt, wie man es nur selten sieht. 

Empfehlenswert für alle, die gerne in lange Geschichten eintauchen (obwohl im Buch tatsächlich nur zwei Jahre vergehen, kommt es einem viel länger vor). Durch den zähen Start im ersten Buch sollte man sich nicht entmutigen lassen, es lohnt sich, dranzubleiben.

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Roman Unterhaltung

Sascha Weber – Liebe im vierzigsten Jahr

Ein kurzweiliges und schnell gelesenes Buch über die Erlebnisse eines Mannes in einem Monat bei einer Online-Partnerbörse.

Die Tücken der Online-Partnersuche sind vielfältig und der (laut Klappentext) selbst glücklich verheiratete Sascha Weber fängt sie präzise ein, natürlich immer aus der Sicht der männlichen Hauptfigur gesehen, weibliche Blickwinkel kommen eher zu kurz.

Auch die Conclusio hat es in sich: Nach dem ersten Monat könnte die Hauptfigur ihre Mitgliedschaft verlängern, entscheidet sich aber dagegen und verabschiedet sich sogar von der einzigen Frau, mit der er näheren Kontakt hatte, um sich den Frauen zu widmen, die ihm im echten Leben begegnen. 

Ein Buch für ein Wocheende (ein Tag geht sich auch aus, wenn man schnell liest), amüsant und hoffnungsvoll.

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Fantasy Musical Roman

Gregory Maguire – Wicked

Zuerst ist wohl zu sagen, dass ich sowohl das Musical als auch das Buch großartig finde. Als nächstes ist zu sagen, dass beides nur marginal miteinander zu tun hat.

Das Musical habe ich zuerst gehört und dann gesehen, zu diesem Zeitpunkt kannte ich noch nicht mal “The Wizard of Oz”. Das Buch wird auch als “which inspired the hit musical” beworben und hat das Musical-Bild mit den beiden Hexen als Cover. Inspired ist auch das einzige, was das Buch mit dem Musical zu tun haben kann.

Dass aus diesem Buch ein Musical werden könnte, hätte erstmal für unmöglich gehalten und genauso ist es im Endeffekt auch, weil die Story komplett anders ist, aber nicht weniger genial. Das Umarbeiten einer Literaturvorlage in ein Musicallibretto ist eine beinahe unmögliche Aufgabe und hier hat man es dadurch gelöst, dass man einige Hauptfiguren und einen Teil ihrer Eigenschaften behalten hat und den Rest der Geschichte komplett umgeschrieben.

Das Buch ist auf seine Art großartig, weil es die Backgroundgeschichte der Elphaba viel ausführlicher erzählt und weniger von den anderen Personen, diese kommen alle eher nur als Weggefährten für einen kurzen Teil des Buches vor. Wie der Untertitel “The Life and Times of the Wicked Witch of the West” andeutet, geht es tatsächlich in erster Linie um Elphaba, deren Leben erzählt wird. Und auch ihr Tod durch das Mädchen Dorothy ist so beschrieben, dass man sich selbst, wenn man das Ende kennt, denkt, wer kann sich nur sowas ausdenken.

Ein Meisterwerk der Fantasyliteratur. Und im Gegensatz zum “Wizard of Oz” definitiv kein Kinderbuch.

 

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Roman

Martin Walser – Jagd

Tja, was soll ich sagen, es wundert mich nicht wirklich, dass dieses Buch liegengeblieben ist, während ich mich im zweiten und dritten Teil von Osten Ard vergraben hab. Nach dem Ende hab ich den Klappentext gelesen und erst daraus hat sich mir erschlossen, dass es von dieser Familie bereits zwei Vorgängerromane gibt, die vielleicht das Ganze einfacher machen, wenn man sie vorher gelesen hat.

Trotz allem bleibt es eine mühsame Sache, mir irrsinnig langen Schachtelsätzen, Zeit- und Gedankensprüngen und Situationen, die so seltsam beschrieben sind, dass man sie, selbst wenn man sie selber kennt (wie zum Beispiel die letzte halbe Stunde im Zug auf der Heimreise), nicht wirklich nachvollziehen kann.

Das Buch muss ich wohl unter “Literatur” ins Regal stellen, denn zur Unterhaltung taugt es nicht besonders.