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English Fantasy Jugend

Ransom Riggs – Library of Souls

Im dritten Teil der Serie um die peculiar children wird es deutlich düsterer. Jacob, Emma und Addison machen sich auf den Weg in die dunkelste und gefährlichste Zeitschleife, die ihnen über den Weg läuft: Devil’s Acre. Dort lernen sie Neues über die Welt und die Fähigkeiten der peculiars, aber auch die Schlechtigkeit der Menschen (normal und peculiar) kennen. Drogenabhängigkeit wird in Form der aus Seelen destillierten Droge Ambro thematisiert, peculiars werden als Sklaven gehalten und ihre Fähigkeiten an zahlungskräftige Kunden vermietet. Der Glaube an das Gute und die Hoffnung auf die Rettung ihrer Freunde und ihrer Welt treibt die drei auf ihrer Rettungsmission vorwärts bis zum großen Showdown.

Leider hab ich mich mit einem Blick auf das vierte Buch der Reihe selbst gespoilert, bevor ich das dritte zu Ende gelesen hatte, ich rate davon an dieser Stelle dringlichst ab. Das vierte Buch heißt Map of Days und kommt in der Geschichte vor und ich wollte wissen, ob es sich um eine Fortsetzung handelt oder um ein Ergänzungsbuch mit Karten und Informationen zur Welt der peculiars. Der kurze Blick reicht für einen intensiven Spoiler, es sei an dieser Stelle daher vermerkt, dass es nach einer Fortsetzung aussieht.

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Fantasy Jugend Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Deathly Hallows

‘Of course it is happening inside your head, Harry, but why on earth should that mean that it is not real?’

Irgendwie hatte ich schon befürchtet, dass der letzte Teil keinesfalls meine Erwartungen erfüllen könnte. Aber es ist ein großartiges Ende für die Geschichte (bis auf die letzten paar Seiten …). Nahezu alle Fragen wurden beantwortet. Ausgezeichnete Eignung für Eskapismus.

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Jugend Roman

Julie Buntin – Marlena

We knew that time would force us into sacrifices – we wanted to flame out before making the choices that would determine who we became. When you were an adult, all the promise of your life was foreclosed upon, every day just a series of compromises mitigated by little pleasures that distracted you from your former wildness, from your truth.

Die Autorin beschreibt in diesem Buch eine lebensprägende Jugendfreundschaft zwischen zwei Mädchen. Eines überlebt, das andere nicht. Das klingt gerade wie eine sehr langweilige Geschichte und tatsächlich gibt es Stellen im Handlungsverlauf, die absehbar sind. Das Ende wird vorweggenommen, die erwachsene Erzählerin blickt zurück auf ihre Jugendfreundschaft mit Marlena. Das Spannende daran sind die vielen Erlebnisse, die in der Jugendzeit einen Einfluss auf die Menschen haben. Große Teile der Persönlichkeit sind unfertig, Jugendliche suchen nach ihrem Platz in der Welt und probieren aus, wohin und zu wem sie passen. Die Menschen, an denen sie sich orientieren, üben einen bleibenden Einfluss aus, der sich noch schwerer wieder abschütteln lässt, wenn die Person nicht mehr am Leben ist. Eine komplexe Geschichte, die sich auch in mehr Absätzen nicht sinnvoll beschreiben ließe.

I wanted to be her most important person, because she was mine.

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Jugend Roman

Jesse Andrews – Me and Earl and the Dying Girl

„Urrrnngh.“

„What is that noise.“

„Regretful polar bear.“

Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendbüchern, die sich zwar mit schwierigen Themen befassen, aber nicht wirklich die Sprache der Jugend sprechen, zeichnet sich dieses Buch durch eine betont flapsige Sprache aus. Das kann (für die etwas gealterte Leserin) in manchen Momenten etwas anstrengend wirken, bringt aber schön zum Ausdruck, wie sich das Leben von Jugendlichen tatsächlich darstellt. Und führt zu unfassbar lustigen Situationen und Konversationen.

Der erzählende Protagonist beschreibt etwa ausführlich seine intensiven Versuche, mit allen auf seiner Highschool existierenden Gruppen ein neutrales Verhältnis zu haben, nirgends dazuzugehören, nirgends negativ aufzufallen und sich aus allen Konflikten herauszuhalten. Dieser Versuch wird torpediert durch seine entstehende Freundschaft mit der krebskranken Rachel. Herbeigeführt wird diese Entwicklung durch seine Mutter, die ihm nahelegt, eine vormals bestehende lose Bekanntschaft mit dem nun erkrankten Mädchen wiederzubeleben.

Ausführlich beschrieben wird zwischen den Zeilen, wie schwierig uns im Allgemeinen der Umgang mit kranken Menschen fällt. Mitleid scheint fehl am Platz, so zu tun, als wäre alles in Ordnung wird mit fortschreitender Krankheit unmöglich. Greg überlässt Rachel sein Verzeichnis mit möglichen weiterführenden Schulen, in seinem Verständnis, damit Rachel sich selbst eine Schule aussuchen kann (die sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht besuchen wird können). Rachel sucht stattdessen für Greg eine Filmschule aus. An der er sich nicht bewerben will, weil er sich selbst nicht für geeignet hält.

Die zweite Komponente ist Gregs Freundschaft mit Earl, der mit abwesenden Eltern und ruppigen älteren Brüdern aufwächst und seine Perspektive als Manager bei Wendy’s sieht. Die Freundschaft mit der kranken Rachel verändert beide.

Am Ende verwirklicht die Geschichte natürlich genau das, was sie zu Anfang behauptet, nicht sein zu wollen: eine Geschichte über die lebensverändernde Bedeutung von Freundschaft, Krankheit und dem Sterben eines geliebten Menschen.

Randnotiz:

Was für eine wunderbare Sammlung. Man bekommt sofort Reisefieber und will sich Bücher in beide Jackentaschen stopfen, um gleich loszuziehen.

Vor Jahren hatte ich die Idee, etwas Ähnliches auf die Beine zu stellen, ich habe dann damals auch begonnen, alle Bücher hier im Blog mit den Städten und Ländern zu taggen, mit denen sie in Verbindung stehen. Jetzt gibt es hier bei Lit Cities eine Karte, wo Städte mit Büchern verknüpft sind, eine sehr schöne Umsetzung dieser Idee. Via Mademoiselle ReadOn.

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Roman

Hanya Yanagihara – A Little Life

… but in those moments he would at times find himself, thinking, This is enough. This is more than I hoped. To be in New York, to be an adult, to stand on a raised platform of wood and say other people’s words! – it was an absurd life, a not-life, a life his parents and his brother would never have dreamed for themselves, and yet he got to dream it for himself every day.

Schon der Titel dieses Buches wirft Fragen auf: a little life, ein kleines Leben, ist damit ein kurzes Leben gemeint oder ein unbedeutendes Leben? Und wer oder was gibt überhaupt einem Leben Bedeutung? Dies ist eine der essentiellen Fragen, die in diesem Buch teils offensichtlich und teils zwischen den Zeilen aufgeworfen werden. Gegen Ende des Buches wird im Rahmen einer tatsächlichen Dinner-Konversation die Frage gestellt, ob eigene Kinder dem Leben Bedeutung geben und was dem Leben sonst noch Bedeutung geben könnte. Die eindeutige Antwort an dieser Stelle im Buch: Freundschaft.

Das Buch beginnt mit der College-Freundschaft der 4 Protagonisten: Willem, angehender Schauspieler, Jude, auf dem Weg, ein angesehener Anwalt zu werden, Malcolm, ruhelos und an Architektur interessiert und JB, bildender Künstler. Während im ersten Teil des Buches die Vorgeschichten und Familienhintergründe sowie die Entstehung der Freundschaft beleuchtet werden, fokussiert die Geschichte dann auf Jude, dessen Kindheit von den schlimmsten Erlebnissen geprägt wurde (Missbrauch, Misshandlung, Zwang zur Prostitution, CN: dies wird im Buch ausführlich beschrieben).

Or he would discover – as he often feared – that what he understood as friendship was really motivated by their pity of him?

Jude wächst im Kloster auf und erfährt dort in seinen frühen Lebensjahren ein Gefühl der Wertlosigkeit, das er sein restliches Leben nicht mehr ablegen wird. Er zweifelt an jeder Form von Wertschätzung, die ihm sein Umfeld entgegenbringt und vergräbt sich in der festen Überzeugung, dass seine Freunde ihn fallen lassen würden, wenn sie von seiner Vergangenheit wüssten. Daraus entwickelt sich ein Spannungsfeld, indem immer wieder darauf hingewiesen wird, wie sehr sich die Selbstwahrnehmung von Jude davon unterscheidet, wie seine Freunde ihn sehen. In den wenigen Momenten, in dem Judes Selbstwahrnehmung durch das unendliche Festhalten von Willem und Harold (Judes Adoptivvater) in Frage gestellt wird, steht er erschüttert vor seinem Selbstbild und kehrt dann doch immer wieder zum bekannten Muster zurück, das ihn durch die dunkelste Zeit seines Lebens getragen hat.

But although he hadn’t been convinced, it was somehow sustaining that someone else had seen him as a worthwile person, that someone had seen his as a meaningful life.

Welches Leben kann ein Mensch mit Judes Vergangenheit führen? Gibt es eine Möglichkeit, über schreckliche Erlebnisse in der Vergangenheit hinauszuwachsen, sie hinter sich zu lassen? Zwischen den Zeilen steht die Frage, was eigentlich einen Menschen ausmacht. Sind es die Gene, mit denen wir geboren werden oder sind es die Erlebnisse, die uns zu dem machen, was wir sind? In seinem Beruf hat Jude die Möglichkeit gefunden, jemand anders zu sein, selbst seine körperliche Behinderung, die sein alltägliches Leben und Empfinden in allen Aspekten so sehr prägt, spielt hier keine Rolle. Seine Arbeit als erfolgreicher Anwalt ist für Jude ein Bereich seines Lebens, in dem seine Vergangenheit keine Rolle spielt.

[and he cries] for the ability, at last, of believing a parent’s reassurances, of believing that to someone he is special despite all his mistakes and hatefulness, because of all his mistakes and hatefulness.

Jude kann sich selbst nicht annehmen und daher auch nicht akzeptieren, dass er von anderen angenommen wird. Gerade diese Form des Angenommen-seins erfahren Kinder üblicherweise von ihren Eltern: dass sie geliebt werden mit allen ihren Fehlern und trotz all der Fehler, die sie bereits gemacht haben und noch machen werden. Da Jude diese elterliche Liebe nie erfahren hat, fehlt ihm ein essentieller Bestandteil, um sich selbst akzeptieren zu können.

Es ist kein unbedeutendes Leben, das in diesem Buch beschrieben wird. Jeder Tag zählt. An jedem einzelnen Tag können wir uns entscheiden, unserem Leben Bedeutung zu geben. Durch Liebe zu eigenen Kindern oder durch Unterstützung, Freundschaft und Zusammenhalt zu anderen Menschen.

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Roman

James Dashner – The Fever Code

In diesem weiteren Teil der „Maze Runner“-Reihe wird aufgelöst, wie es dazu kam, dass Thomas und Theresa zuerst an der Erschaffung des Irrgartens mitgearbeitet haben und schließlich selbst darin landen. Wirklich viel Neues wird dabei nicht enthüllt, dass WICKED ein falsches Spiel mit seinen Subjekten spielt, war bereits aus den vorangegangenen Büchern klar. Es werden Lücken aufgefüllt und einzelne Details erklärt. Rein inhaltlich gesehen wären jedoch die beiden Prequels nicht notwendig gewesen, den krönenden Abschluss gab es bereits in The Death Cure.

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Erfahrungsbericht

Amanda Palmer – The Art of Asking

Um ehrlich zu sein, ich hatte mich mit Amanda Palmer und ihrer Musik bisher nicht besonders befasst. Coin Operated Boy hab ich damals™ (2009) mitbekommen, wurde mir aber durch die Verwendung in einer TV-Werbung eines Fruchtsirupherstellers effektiv verleidet. Im Anschluss an das Lesen des Buches hab ich mir die dazugehörige Playlist durchgehört und kann jetzt sagen, dass mir ihre neueren Werke auch deutlich besser gefallen.

Das Buch befasst sich weit ausholend mit allen Fragen zum Thema Bitten: wer darf um Hilfe bitten, worum darf jemand bitten, wer darf wen um Hilfe bitten und wie funktioniert das Ganze überhaupt. Viele Menschen haben Skrupel, um Hilfe jeglicher Art zu bitten. Ich kann das persönlich gut nachvollziehen, ich möchte auch niemandem zur Last fallen. Ähnliches schrieb auch die Kaltmamsell kürzlich in ihrem Blog: es fällt ihr nicht leicht, um Hilfe zu bitten, meistens fällt es ihr zu spät ein, dass das überhaupt eine Option ist. Und einige Tage später erzählt sie dann von einer Nachbarin:

Eine verhältnismäßig neue Nachbarin (etwa in unserem Alter) kennengelernt: Sie klingelte, weil sie ihren Wohnungsschlüssel in der Arbeit vergessen hatte. Und fragte, ob sie ihre schwere Tasche bei uns unterstellen könne, um schnell zurück ins Büro und zu ihrem Schlüssel zu radeln. (So verhalten sich also Menschen, für die das Bitten um Hilfe eine naheliegende Option ist – toll!)

Die Gründe, warum viele Menschen sich mit dem Bitten schwer tun, sind vielfältig:

… die Angst, sich verletzbar zu machen, die Angst vor Zurückweisung, die Angst bedürftig oder schwach zu wirken. Die Angst, der Gemeinschaft zur Last zu fallen, statt sie zu bereichern.

Es gibt jedoch auch die andere Seite des Bittens: das Geben und das Helfen. Wer nicht bittet, dem wird nicht geholfen (werden können). Gleichzeitig kann eine Bitte auch als Geschenk an die Person betrachtet werden, die um Hilfe gebeten wird. Nicht nur das Geben und Helfen ist ein Geschenk und eine Gabe. Auch das Bitten ist eine Gabe. Es gibt der anderen Person das Gefühl, etwas Gutes, Wichtiges und Sinnvolles tun zu können. Das Gefühl, gebraucht zu werden. Und manchmal auch das Gefühl, ein Teil von etwas Größerem zu sein.

Das Buch beleuchtet in mehr oder weniger chronologischer Form die Entwicklung von Amanda Palmers Karriere von ihren Anfängen als lebende Statue über die frustrierenden Erfahrungen mit ihrer Plattenfirma (zu Zeiten der Dresden Dolls) und schließlich ihren großen Erfolg mit Crowdfunding: ihre Kickstarter-Kampagne war die Erste, die die Millionen-Marke erreichte. Damit verwoben sind aber auch ihre persönlichen und privaten Erfahrungen: ihre eigenen Skrupel, sich von ihrem (berühmten) Ehemann Neil Gaiman in knappen Zeiten finanziell aushelfen zu lassen, aber auch das Bitten um eine Umarmung im richtigen Moment. Sie beschreibt Freundschaften, die auf der Basis des Einanderhelfens entstanden sind und verknüpft dies mit einer intensiven Betrachtung der Frage, was Vertrauen ausmacht und wie wichtig Vertrauen ist, wenn es darum geht, eine Person um etwas zu bitten.

Als Einstieg für Interessierte ist dieser TED-Talk von Amanda Palmer zu empfehlen, der die Grundzüge des Konzepts „Bitten und Crowdfunding im Music Business“ in 13 Minuten anschaulich erklärt. Die bereits per Crowdfunding finanzierten Alben von Amanda Palmer sind auf Bandcamp als „free / name your price“ zum Download zu finden. Für langfristige Unterstützung von Musikern, Podcastern, Künstlern aller Art, hat sich aktuell Patreon etabliert, auch hier ist Amanda Palmer zu finden.

Abschließen möchte ich mit diesem Zitat, ein weiteres Puzzleteil zur Antwort auf die Frage, was eigentlich Kunst ist:

Man ist ein Künstler, wenn man sagt, dass man einer ist. Und man ist ein guter Künstler, wenn man jemandem ein tiefes Gefühl oder eine unerwartete Erfahrung beschert.

PS: Warum sind die Zitate auf deutsch? Ich habe die deutsche Version des Buches von einem Freund geliehen bekommen, ich empfehle jedoch die Lektüre des englischen Originals, die deutsche Übersetzung ist stellenweise schmerzhaft.

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Roman

James Dashner – The Death Cure

But let me ask you this – are you telling me that the lives of a few aren’t worth losing to save countless more?

Im dritten Teil der Maze-Runner-Serie sind Janson und seine Komplizen von WICKED fest davon überzeugt, dass die einzige Chance, um eine Behandlung für das tödliche Flare-Virus zu entwickeln und damit das Überleben der Menschheit zu sichern, im Vollzug des Experiments liegt. Thomas, Minho und Newt weigern sich jedoch, die Operation vornehmen zu lassen, die ihnen ihre Erinnerungen zurückgeben soll. Es gelingt ihnen, zu fliehen und sich nach Denver durchzuschlagen. Denver erscheint zuerst als sichere Stadt, Einwohner und Besucher werden akribisch auf die Krankheit getestet und doch gibt es immer wieder Fälle der tödlichen Krankheit.

He almost wanted to laugh at the irony. They had made him a killer … to save people?

Thomas wird mit den schwersten Entscheidungen konfrontiert, die ein Mensch treffen kann. Ist es gerechtfertigt, einen Freund zu töten, um ihn von seinem Leid zu erlösen? Ist es wert, das Leben eines Einzigen zu opfern, um damit (möglicherweise) viele zu retten? Diese essentiellen Fragen gehen zwar beinahe im Chaos der untergehenden Welt verloren, bleiben aber doch länger im Gedächtnis hängen.

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Jugend Roman

Carlos Ruiz Zafón – Der Mitternachtspalast

Die Erfahrung hatte sie gelehrt, dass die Zukunft ihr unerträglich viel Zeit geben würde, die Fehler der Vergangenheit zu bereuen.

Dieses Buch steht seit über zwei Jahren bei mir im Regal (damals hatte ich mir tatsächlich eine Kaufnotiz per Post-It ins Buch geklebt, eine Angewohnheit, die sich nicht lange gehalten hat). Zur Ablenkung brauchte ich eine Geschichte, die unterhält, ohne zu viel Hirnkapazität zu erfordern und Carlos Ruiz Zafon erschien mir hier als passend. Erst während des Lesens hatte ich mich daran erinnert, dass das letzte Buch, das ich von ihm gelesen hatte (Der dunkle Wächter), mich nicht sonderlich begeistert hatte.

Auch bei diesem Buch handelt es sich um einen klassischen Schauerroman. Es beginnt als Krimi, stellt sich jedoch bald als Gruselgeschichte heraus. Gleich mehrere Versionen hat sich der Autor für die Vorgeschichte der Protagonisten Ben und Sheere einfallen lassen, die von den beiden und ihren Freunden im Verlauf des Buches aufgedeckt werden. Unerwartete Wendungen, spannende Szenen in einem verfallenen Bahnhofsgebäude und ein Phantom, das direkt aus den Katakomben der Oper entfleucht sein könnte, garantieren eine hohe Verfilmbarkeit des Materials. (Während ich nach einer potentiellen Verfilmung im Internet suche, stelle ich fest, dass es sich dabei wohl um den zweiten Teil der Nebel-Trilogie handelt, dessen dritten Teil ich bereits gelesen habe. Die Trilogie scheint jedoch keine direkten Verknüpfungen untereinander zu haben.)

Wer sich an der Existenz von Geistern und deren Rachegelüsten nicht stört (oder sich vielleicht sogar daran erfreut), kann mit diesem Buch ein paar unterhaltsame Stunden verleben. Nicht mehr und nicht weniger.

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Erzählung

Paulus Hochgatterer – Eine kurze Geschichte vom Fliegenfischen

Julian schaut ein wenig verwirrt. „Es gibt Menschen, die haben keine Seele“, sagt der Ire, „wenn man auf sie hinhaut, ist es Sachbeschädigung.“

Zuerst habe ich mich gefreut, als ich relativ problemlos den Literaturcache über Paulus Hochgatterer zuordnen konnte. Kein Wunder, eines der gesuchten Werke habe ich schon gelesen (und – ich bin mir ziemlich sicher – auch besessen). In der Hausbibliothek hab ich es dann nicht gefunden, aber wozu haben wir denn die Büchereien Wien?

Die kurze Geschichte erzählt von drei Freunden, die gemeinsam am Wochenende zum Fliegenfischen fahren und ist angefüllt mit Psychologenwitzen und psychologischen Insiderscherzen, die mit dem Fach Vertraute vermutlich auf jeder Seite schallend lachen lassen. Man kann es spüren, dass zwischen den Zeilen deutlich mehr versteckt ist, leider fehlt mir das Wissen über Symbole und Traumdeutung und all die Zwischentöne der Männerfreundschaft. Da wird über das Mädchen fantasiert, dass das Frühstück bringt, die Frage geklärt, ob der Fisch überhaupt getötet werden darf, Konkurrenzkampf laut und heimlich ausgelebt und auch tüchtig getrunken. Wenn man mehr von Psychologie versteht, dürfte das Buch ein richtiger Knüller sein, für mich war es zumindest eine kurzweilige Unterhaltung (und natürlich ein Drittel des Weges zum Cache!).