CN: Prostitution, Tod durch Unfall, Religion, Drogenmissbrauch (Heroin), Krieg (Vietnam), Suizidgedanken, Prostitution, 9/11
A man high in the air while a plane disappears, it seems, into the edge of the building. One small scrap of history meeting a larger one. As if the walking man were somehow anticipating what would come later.
Dieses Buch hatte ich ganz unten auf meiner Merkliste in der Overdrive eLibrary, es muss dort also ungefähr so lange stehen, wie ich dieses Angebot der Büchereien Wien nutze. Dass ich das Buch gerade jetzt – 25 Jahre nach 9/11 – gelesen habe, war reiner Zufall. Die Geschichte beginnt mit der Beschreibung einer wahren Begebenheit: Philip Petit balancierte am 7. August 1974 auf einem Stahlseil zwischen den Türmen des World Trade Centers. Von diesem Ereignis ausgehend erfindet Collum McCann eine Geschichte, die Jahrzehnte umspannt und Protagonist:innen aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten miteinander in Verbindung bringt.
Beginnend mit zwei Brüdern, die vor den Konflikten zwischen Nord- und Südirland aus Dublin nach Amerika fliehen, entfaltet sich ein Panorama an unterschiedlichen Charakteren. Während Corrie sich als Mönch betrachtet, der den lokalen Prostituierten aus Nächstenliebe sein Badezimmer zur Verfügung stellt, hadert sein Bruder Ciaran mit dem in vieler Hinsicht lebensfeindlichen New York, das er sich ganz anders vorgestellt hat. Im Gegensatz dazu lernen die Leser:innen Claire kennen, die mit ihrem Mann, der als Richter arbeitet, auf der Park Avenue residiert. Claire teilt aber das Schicksal vier anderer Frauen: Sie alle haben einen oder mehrere Söhne im Vietnamkrieg verloren.
Es wäre ein Spoiler, die sich im Verlauf der Geschichte nur langsam aufdeckenden Verbindungen auch nur anzudeuten. Eines haben die Protagonist:innen jedoch allesamt gemeinsam: Keine:r ist wirklich glücklich. Alle haben Verluste erlitten oder bereuen falsche Entscheidungen. Jede:r kämpft mit der Vergangenheit und gleichzeitig mit einer Zukunft, die aufgrund der erlebten Vergangenheit unerträglich scheint.
Im Nachwort erklärt der Autor, dass abgesehen von Philip Petit alle Figuren und Ereignisse erfunden sind. Nichtsdestotrotz bleibt es ein trauriger Roman, weil jedes einzelne Schicksal genauso gut war sein könnte und in ähnlicher Form vermutlich immer wieder vorkommt. Der melodische Schreibstil hat mich jedoch sehr in seinen Bann gezogen. Obwohl die Kapitel keine Cliffhanger haben, wollte ich immer weiter leisen. Somit habe ich es dann in wenigen Tagen durch den nicht eben kurzen Roman geschafft. Der Schluss will versöhnlich sein. Wir brauchen schließlich einen Lichtblick, um weiterhin gegen die Dunkelheit zu kämpfen.
We stumble on, now, we drain the light from the dark, to make it last.