Amanda Palmer – The Art of Asking

Um ehrlich zu sein, ich hatte mich mit Amanda Palmer und ihrer Musik bisher nicht besonders befasst. Coin Operated Boy hab ich damals™ (2009) mitbekommen, wurde mir aber durch die Verwendung in einer TV-Werbung eines Fruchtsirupherstellers effektiv verleidet. Im Anschluss an das Lesen des Buches hab ich mir die dazugehörige Playlist durchgehört und kann jetzt sagen, dass mir ihre neueren Werke auch deutlich besser gefallen.

Das Buch befasst sich weit ausholend mit allen Fragen zum Thema Bitten: wer darf um Hilfe bitten, worum darf jemand bitten, wer darf wen um Hilfe bitten und wie funktioniert das Ganze überhaupt. Viele Menschen haben Skrupel, um Hilfe jeglicher Art zu bitten. Ich kann das persönlich gut nachvollziehen, ich möchte auch niemandem zur Last fallen. Ähnliches schrieb auch die Kaltmamsell kürzlich in ihrem Blog: es fällt ihr nicht leicht, um Hilfe zu bitten, meistens fällt es ihr zu spät ein, dass das überhaupt eine Option ist. Und einige Tage später erzählt sie dann von einer Nachbarin:

Eine verhältnismäßig neue Nachbarin (etwa in unserem Alter) kennengelernt: Sie klingelte, weil sie ihren Wohnungsschlüssel in der Arbeit vergessen hatte. Und fragte, ob sie ihre schwere Tasche bei uns unterstellen könne, um schnell zurück ins Büro und zu ihrem Schlüssel zu radeln. (So verhalten sich also Menschen, für die das Bitten um Hilfe eine naheliegende Option ist – toll!)

Die Gründe, warum viele Menschen sich mit dem Bitten schwer tun, sind vielfältig:

… die Angst, sich verletzbar zu machen, die Angst vor Zurückweisung, die Angst bedürftig oder schwach zu wirken. Die Angst, der Gemeinschaft zur Last zu fallen, statt sie zu bereichern.

Es gibt jedoch auch die andere Seite des Bittens: das Geben und das Helfen. Wer nicht bittet, dem wird nicht geholfen (werden können). Gleichzeitig kann eine Bitte auch als Geschenk an die Person betrachtet werden, die um Hilfe gebeten wird. Nicht nur das Geben und Helfen ist ein Geschenk und eine Gabe. Auch das Bitten ist eine Gabe. Es gibt der anderen Person das Gefühl, etwas Gutes, Wichtiges und Sinnvolles tun zu können. Das Gefühl, gebraucht zu werden. Und manchmal auch das Gefühl, ein Teil von etwas Größerem zu sein.

Das Buch beleuchtet in mehr oder weniger chronologischer Form die Entwicklung von Amanda Palmers Karriere von ihren Anfängen als lebende Statue über die frustrierenden Erfahrungen mit ihrer Plattenfirma (zu Zeiten der Dresden Dolls) und schließlich ihren großen Erfolg mit Crowdfunding: ihre Kickstarter-Kampagne war die Erste, die die Millionen-Marke erreichte. Damit verwoben sind aber auch ihre persönlichen und privaten Erfahrungen: ihre eigenen Skrupel, sich von ihrem (berühmten) Ehemann Neil Gaiman in knappen Zeiten finanziell aushelfen zu lassen, aber auch das Bitten um eine Umarmung im richtigen Moment. Sie beschreibt Freundschaften, die auf der Basis des Einanderhelfens entstanden sind und verknüpft dies mit einer intensiven Betrachtung der Frage, was Vertrauen ausmacht und wie wichtig Vertrauen ist, wenn es darum geht, eine Person um etwas zu bitten.

Als Einstieg für Interessierte ist dieser TED-Talk von Amanda Palmer zu empfehlen, der die Grundzüge des Konzepts „Bitten und Crowdfunding im Music Business“ in 13 Minuten anschaulich erklärt. Die bereits per Crowdfunding finanzierten Alben von Amanda Palmer sind auf Bandcamp als „free / name your price“ zum Download zu finden. Für langfristige Unterstützung von Musikern, Podcastern, Künstlern aller Art, hat sich aktuell Patreon etabliert, auch hier ist Amanda Palmer zu finden.

Abschließen möchte ich mit diesem Zitat, ein weiteres Puzzleteil zur Antwort auf die Frage, was eigentlich Kunst ist:

Man ist ein Künstler, wenn man sagt, dass man einer ist. Und man ist ein guter Künstler, wenn man jemandem ein tiefes Gefühl oder eine unerwartete Erfahrung beschert.

PS: Warum sind die Zitate auf deutsch? Ich habe die deutsche Version des Buches von einem Freund geliehen bekommen, ich empfehle jedoch die Lektüre des englischen Originals, die deutsche Übersetzung ist stellenweise schmerzhaft.

The Art of the American Musical – Edited by Jackson R. Bryer and Richard A. Davison

Das Thema Musical beschäftigt mich inzwischen seit etwa 20 Jahren. Gelesen habe ich zu diesem Thema seit Längerem nichts mehr, dieses Buch mit Interviews habe ich seit zwei Jahren im Regal stehen (habe extra nachgeschaut, wann ich es gekauft hatte) und irgendwie hat mich der schlichte schwarze Einband etwas abgeschreckt. Das Lesen gestaltet sich wegen des steifen Hardcover-Einbands tatsächlich etwas mühsam, der Inhalt jedoch hat mich sofort gefangen genommen.

In der schnelllebigen (Musik-)Theaterwelt sind zehn Jahre eine lange Zeit, diese Interviewsammlung wurde 2005 veröffentlicht. Die Fragen sind jedoch geschickt formuliert und entlocken den Interviewten durchaus Statements, die auch über Jahre hinweg Bestand haben. Etwa Stephen Flaherty erklärt auf die Frage, ob es nicht frustrierend sei, von Theaterkritikern, die eigentlich keine musikalische Expertise haben, Kritik für seine Kompositionen entgegennehmen zu müssen, dass es eigentlich mehr darauf ankommt, ob man seine eigenen Ideen verfolgt hat und das Beste daraus gemacht hat. Und falls das nicht gelungen sein sollte, kann man noch immer daraus lernen.

Ultimately, it comes down to you as an artist sitting with yourself and being honest about what you’re trying to achieve and whether you’ve achieved it or not – and if you haven’t how you can build upon that and learn from it.

(Stephen Flaherty)

Jason Robert Brown erzählt unter anderem darüber, wie er bewertet, welches Material Musicalpotential hat. Wenn die Krise, die Emotion, das Gefühl der Figur nicht groß genug, nicht episch genug ist, dann wirkt ein Song fehlplatziert und übertrieben und wird vom Publikum potentiell nicht ernst genommen.

Singing, ultimately, magnifies everything you’re feeling; when you sing it, it becomes epic.

(Jason Robert Brown)

In seinem Interview fand ich auch sehr interessant, wie er den Prozess des Orchestrierens beschreibt. Im Musicalbereich ist es oft so, dass der Komponist zwar die Melodien der Musiknummern schreibt, diese jedoch von jemand anderem für Orchester umgesetzt werden. Er erzählt, dass der Orchestrator aus einer Palette (ich nehme an an Instrumenten bzw. Stilmitteln) auswählt und somit den endgültigen Sound sehr prägt. Auch zum Thema Tony Awards nimmt sich Jason Robert Brown kein Blatt vor den Mund. Er spricht von einer Gruppe von Mitgliedern der Tony Award Jury, die Tourneeproduzenten sind und ihre Tony Award Votings zu ihrem persönlichen Vorteil nutzen. Für den Erfolg einer US-Tournee ist ein Tony Award ein unverzichtbares Marketinginstrument.

Arthur Laurents erzählt im Gespräch über drei fatale Probleme, die bei einem seiner Projekte zu einem Misserfolg geführt haben (und er bezieht sich dabei sowohl auf finanziellen, künstlerischen als auch persönlichen Misserfolg). Als seinen ersten Fehler bezeichnet er, das Projekt nur gemacht zu haben, weil der Produzent ein guter Freund von ihm war. Er zieht daraus die Lehre, dass es künstlerisch falsch ist, ein Projekt ausschließlich eines Gefallens wegen zu verfolgen. Sein zweiter Fehler: obwohl er lange vor der Premiere erkannte, dass es nicht funktionieren würde, zog er sich nicht aus dem Projekt zurück („I am very tenacious, I won’t quit“). Ich kann das sehr gut nachvollziehen.

The third thing is the most important of all. I didn’t care deeply about the material, and if you don’t care about anything that you’re doing creatively, you’re a fool to go on with it. It takes so much time and so much hard work that if in the end it fails, you have to be able to say, “I don’t care. I’m proud of it.”

(Arthur Laurents)

Im einem weiteren sehr interessanten Abschnitt beschäftigt sich Arthur Laurents mit dem Thema „Aktualisierung“ von Stücken. In der heutigen Zeit sehen wir immer öfter moderne Versionen der West Side Story (die ja selbst damals schon eine moderne Version der Romeo-und-Julia-Geschichte war). Laurents meint nun, man darf nicht die Geschichte aus ihrer Zeit nehmen, aber man kann den Schauspielern (bzw. ihren Rollen) eine andere Einstellung geben und damit das Gesamtbild beeinflussen:

You can’t remove a piece from the period in which it was written, but you can induce a kind of sophistication in the attitude. But I didn’t change the material; I changed the attitude of the actors. For example, in Gypsy, with the first scene where the man and the woman meet: The way I did it this time is I said to them, “Instantly, they want to go to bed together.” And that was very clear in the way they played it. You couldn’t have done that in the fifties. People didn’t go to bed; they had twin beds.

(Arthur Laurents)

Eine ähnliche Geschichte erzählt auch Charles Strouse über sein Stück Applause. Bei einer Liebesgeschichte stellt sich oft am Ende die Frage, kommt das Paar wieder zusammen oder trennen sie sich endgültig. In diesem Zusammenhang fällt mir auch My Fair Lady ein, wo im Originalstück Pygmalion von George Bernard Shaw Eliza am Ende den Professor verlässt. In der Musicalversion kommt sie jedoch zumeist zurück und bring dem Professor demütig die Pantoffeln, die sie ihm in einer früheren Szene wutentbrannt entgegen geschleudert hat. Laut Charles Strouse kann die richtige Antwort auch mit dem aktuellen Empfinden des Publikums zu dieser Zeit zusammenhängen:

We wrote the ending two ways. The original ending to Applause was that the great star says to her fiancé, “Sorry. The theater is what I love,” and dumps him. That was very true to life and very true to Bacall herself and that kind of person who is so committed. When the show started to work, the audience liked it but didn’t love it. We said, “Let’s try the sentimental ending.” So we tried the sentimental ending, which is she gets back with her fiancé and gives up the theater and gives her part to Eve. The audience leaped to its feet. It says a lot about America in the 1970s. With the revival we’re planning, we’re going to go back to the original ending. Everybody now feels very strongly that giving up th theater for love is not what a woman who is impelled to be a great star necessarily would do.

(Charles Strouse)

Über Stephen Sondheim habe ich bereits eine umfangreiche Biographie gelesen. Im Interview erklärt er unter anderem, warum seine Stücke stets außerhalb der Norm stehen, warum keines seiner Werke mit seinen anderen oder denjenigen anderer Künstler vergleichbar ist:

I think you should frighten yourself. You should try to wade into territory you haven’t waded into before. That doesn’t necessarily have to be new musical territory; it can be a new approach to the show or to the way of telling a story.

(Stephen Sondheim)

Autor George C. Wolfe beschreibt einen völlig anderen Ansatz, mit Geschichten umzugehen. Für ihn dreht sich alles um einen perfekten Moment, um den herum dann der „Rest“ der Geschichte Stück für Stück gebaut wird. Jede Szene muss darauf geprüft werden, ob sie auch mit dem perfekten Moment mithalten kann.

If you can locate a perfect moment or the moment that is close to perfect in a play, that gives you the rules for every single thing that comes before and follows after. I have very specific kinds of analytical skills – only because I’ve had so many wonderful experiences in working with so many smart people – that enable me to go to that moment and say, “Does this scene over there have the same integrity, truth, buoyancy, depth, and outrageousness as this perfect scene?” It’s important to have not just an intuitive sense, but also a craft like understanding of how it’s all connected.

(George C. Wolfe)

Ein kleiner Wermutstropfen: unter den 20 Interviewten sind nur 4 Frauen. Trotzdem alles in allem ein sehr aufschlussreiches Buch, aus dem man viel über den amerikanischen Musicalprozess und die Entstehungsgeschichten von Musicals lernen kann.

Morgan Matson – Amy & Roger’s Epic Detour

I knew in that instant the trip had suddenly gotten a lot more complicated.

Das war dann auch der Moment, wo mir klar war, das Ende ist vorhersehbar. Was auch stimmte. Aber der Weg dorthin war einfach magisch. Zufriedenstellend in jeder Hinsicht.

Die Kurzfassung: Amy soll gemeinsam mit Roger, den sie angeblich aus der Kindheit kennt, das Auto ihrer Mutter von Kalifornien nach Connecticut fahren. Amy selbst fährt eines Unfalls wegen nicht Auto. Sie ist nicht begeistert von der Aussicht, vier Tage lang mit einem Unbekannten in einem Auto eingesperrt zu sein. Aber natürlich entwickelt sich alles in eine gute Richtung. Es stellt sich heraus, dass nicht nur Amy mit sich zu kämpfen hat. Ihre Familie ist zerbrochen während Roger an der fehlgeschlagenen Beziehung zu Hadley knabbert.

Strange perfume lingered in the air, things were put in the wrong place, and a few more of the memories that resided in the walls seemed to have vanished.

Amy zweifelt an sich selbst. Ein schönes Symbol ist ihr Zimmer im Haus, das sie nun verlassen soll: die Immobilienmaklerin hat daraus ein Mädchenzimmer gemacht. Amy vergleicht sich mit der Amy! die sie sein könnte. Oder von der sie glaubt, dass sie es eben niemals schaffen wird, so zu sein.

… it seemed like the room had become a version of myself that I would never live up to.

Tatsächlich entdeckt Amy auf der Reise eine andere Version von sich, die sie auch sein könnte. Es ist schön zu lesen, wie sie sich Stück für Stück verändert. Anhand der Menschen, die sie trifft, werden neue Teile von Amy enthüllt, die der Leser noch nicht kennt und sie selbst zu vergessen oder zu verdrängen scheint.

I looked down at all the beautiful things that were suddenly mine and realized that Bronwyn hadn’t given me clothes – she’d taken away my camouflage. She’d made it impossible to keep hiding.

Schaut man genau hin, findet man auch allgemeine Lebensweisheiten (aka Kalendersprüche), die nicht nur in einer Trauerphase helfen, sondern prinzipiell irgendwohin tätowiert gehören. Tomorrow will be better.

Und die Musik … Natürlich brauchen Roger und Amy Musik für ihre Tour durch Amerika. Die Kapitel werden begleitet von Roger’s Playlists und später kommen auch Amys Musicals dazu. Bei jeder Playlist war zumindest ein Song einer mir bekannten (aber im hiesigen Mainstream völlig unbekannten) Band dabei, was mich jedes Mal in quiekenden Jubel ausbrechen ließ. Jack’s Mannequin – Miss California. The All-American Rejects – Drive Away. New Found Glory – Familiar Landscapes. We Are Scientists – Nobody Move, Nobody Get Hurt. Quietdrive – Time after time (nicht meine Lieblingsnummer und schon gar nicht mein Lieblingscover, aber Quietdrive!!!). Fall Out Boy – Sugar, we’re goin’ down (nach dem 4. FOB-Album noch immer ein all-time-favourite). The Fray – Where The Story Ends. Und dann schließlich Amis Musical-Playlist. Wicked. Spring Awakening. Avenue Q. Ich möchte mir bei Gelegenheit noch die kompletten Playlisten anhören, eventuell reiche ich Youtube-Playlists nach (hat das schon jemand gemacht vielleicht? jemand hat!)

Dieser kommt zwar nicht in der Songliste vor, aber als Staatsmotto: Per aspera ad astra. Ein Song von Acceptance, den ich auf Youtube nicht finden konnte. Und außerdem das Staatsmotto von Kansas. Through adversity to the stars. Und offenbar auch der Universität Klagenfurt. Wieder was gelernt.

What I wanted was some kind of guarantee, and he couldn’t give that to me. Nobody could.

Am Ende war ich dermaßen in die Story gefallen, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte und die zweite Hälfte praktisch an einem Tag weggelesen hab. Was mir jetzt fast schon wieder leid tut, weil so gut unterhalten werde ich in nächster Zeit vermutlich nicht mehr. Es kann einfach nicht viele Geschichten geben, die SO gut sind. Ein Kandidat für das Buch des Jahres, möglicherweise bereits das Buch des Sommers.

Axel Marc – Beide Welten

Natürlich hoffte ich, in Wien meine Träume zu finden. Diese Hoffnung konnte mir niemand nehmen, und das war mein Trumpf. Also wartete ich. Und jeden Morgen suchte ich. Nach einem Traum, nach meinem Traum, von dem ich glaubte, er sei nur verloren gegangen wie eine Melodie im Menschengeschrei.

Ein dünner Band, den ich mir eigentlich für eine Reise zurechtgelegt hatte, tatsächlich hatte ich ihn auch auf meiner vorletzten Reise nach Stuttgart dabei, damals ergab sich jedoch nicht die Gelegenheit. (Keine Gelegenheit zum Lesen auf ungefähr 14 Stunden Zugfahrt, das muss man sich mal vorstellen. So viel Stress sollte niemand haben.)

Tatsächlich saß ich dann auf der Couch lauschend auf die schlafenden Kinder meiner Freundin, die ich zu beaufsichtigen hatte. Beinahe wurde mir die Geschichte zu kurz, doch dann gewann doch der Schlaf über meinen Willen, ein Buch in einem Rutsch durchzulesen. Es liest sich auch leicht. Ein Buch für eine einsame Nacht. Außer wenn man sich nach einem ausgelesenen Buch einsam fühlt.

Emil kommt als illegaler Einwanderer nach Österreich. Er spielt Geige und schlägt sich in Wien durch, in dem er bei Aurelia und Mihai im Restaurant aushilft und als Straßenmusikant Geld sammelt. An einem regnerischen Abend lernt er Anna und Elly kennen. Elly überredet beide. Emil soll Anna Geigenunterricht geben.

Die Gefühlswelten von Anna und Emil werden in abwechselnden Kapiteln beleuchtet. Natürlich haben sie kaum etwas gemeinsam und doch verbindet ein Gefühl der Trauer, der Einsamkeit die beiden. Sie scheinen ihren Platz im Leben noch nicht gefunden zu haben. Sie verstehen sich trotz der sprachlichen Differenzen. Ein Buch, das Hoffnung macht. You’re not alone.

Terry Pratchett – Rollende Steine/Echt zauberhaft

Liebesschloss am Lendkanal, Klagenfurt

„Du musst bestimmter auftreten“, sagte der Rabe. Er hockte nun auf einem Felsen. „Das ist das Problem mit Frauen in gehobenen Berufen. Sind nicht energisch genug.“

In diesem Pratchett-Doppelpack beschäftigt sich der erste Band mit Musik und deren potentieller Wirkung auf Musiker und Menschen. Tatsächlich lautet der englische Originaltitel „Soul Music“, es erscheint daher als komische Idee, das für die deutsche Ausgabe gerade die nicht eindeutige Übersetzung vom deutlich plakativeren „Rolling Stones“ gewählt wurde.

„Siehst du denn nicht, was passiert? Die Musik veranlasst Leute, sich närrisch zu benehmen, törichte Kleidung zu tragen, unhöflich und ungehorsam zu sein. So was gehört sich einfach nicht. Außerdem … denk an das, was mit Herrn Hong geschah.“

Auch Tod und die Zauberer der Unsichtbaren Universität können sich dem Zauber der Musik nicht entziehen. Wobei Tod tatsächlich auf Selbstfindungstrip versucht, sich zu Tode zu langweilen, während seine Enkelin Susanne mit der Sense die Pflicht versehen muss. Das alles während sie versucht, die Mitglieder der „Band Mit Steinen Drin“ zu beschützen. Eine nahezu unmögliche Aufgabe. Im Zuge deren Erlebnisse schafft es Pratchett auch, sich gefinkelt über die Urheberrechtsdebatte lustig zu machen. Wie in seinen von mir hoch geschätzten Büchern zum Thema Zeit steckt auch hier mehr in der Geschichte als auf den ersten Blick zu erkennen ist.

„Rincewind ist kein Käse, verdammt und zugenäht!“ rief der Dekan, dessen Geduld nun zu Ende ging. „Er ist auch kein Joghurt oder irgendein anderes Sauermilchderivat! Rincewind ist ein verfluchtes Ärgernis! Es gibt keine größere Schande für die Zauberei! …“

Im zweiten Band muss der unfähige Zaubberer Rincewind wieder mal unfreiwillig von einem Abenteuer ins andere stolpern und wird dabei Schritt für Schritt vom deus ex machina „gerettet“. Obwohl ebenfalls spannend aufgebaut, sagen mir die Rincewind-Geschichten nicht besonders zu. Keine Ahnung, warum.

William McBrien – Cole Porter

Grossmugl Herbst made with CAM+

Be a clown, be a clown,
All the world loves a clown

Dass diese Feststellung aus einem Cole-Porter-Song nicht stimmt, hat mir der Mann bewiesen, der in einem Fast-Food-Restaurant mit Grabesstimme verkündet: „Hoffentlich kommt kein Clown.“

Ähnlich amüsante (und vermutlich weit spannendere) Anekdoten hat auch die Cole-Porter-Biographie von William McBrien zu bieten. Der Autor vertieft sich in die Lebenswelten des populären Komponisten seiner Zeit und lässt auch seine privaten Probleme nicht außer Acht. Das Verhältnis zu seiner Frau Linda – die Ehe mehr eine Freundschaft als eine richtige Ehe –, seine wechselnden Beziehungen zu Männern, seine gesundheitlichen Probleme nach einem Sturz vom Pferd, die schließlich nach Jahren der Schmerzen zum Verlust des Beins führten.

But then, this is not a review for stupid people. Such would not understand the weltschmerz that must have led the writer of those lines to only seem to scoff at Manhattan by calling it a dirty town, while he really was choking back a wave of deep emotion that insisted on finding expression in the use of “dear” and “old”.

McBrien zitiert unter anderem aus den damaligen Kritiken zu Porters Werken, die ich nicht nur wegen der fantasievollen Schreibe der amerikanischen Rezensenten spannend finde, sondern auch wegen dem wiederholten Einwurf von deutschen Worten, die sich in den amerikanischen Sprachgebrauch eingeschlichen haben wie etwa in diesem Beispiel ”Weltschmerz“. Auch der „Zeitgeist“ begegnet uns immer wieder in allen möglichen Zusammenhängen.

He startet writing a song by selecting a title. “From this title I work out the psychology of the tune. Next I write a lyric backwards, and in this way build it up to a climax … if I can’t find a good climactic line I throw out the tune.“

Auch die Arbeitsweise des Komponisten wird thematisiert. Dies ist vor allem für andere Kreative interessant, ich finde es immer wieder spannend, über die Arbeitsweise anderer zu lesen. Die Enthüllung, dass Cole Porter für seine Texte Reimwörterbücher zu Hilfe nahm, überrascht und beruhigt gleichzeitig. Wenn ein großer Komponist wie Cole Porter manchmal Schwierigkeiten hatte, die Teile zusammenzusetzen, kann das dem eigenen Kreativschaffen etwas den Druck nehmen.

The show opened in Philadelphia on December 2, 1948, and underwent scarcely any revisions. Five minutes of the book were cut to make room for extra choruses of “Brush Up Your Shakespeare“. “No rewriting of the libretto or songs; no songs added or dropped; no trying out of songs in different places … It is the only musical in the history of American musicals that can claim this heavenly distinction.

Ein langes Kapitel befasst sich mit dem größten Hit Cole Porters, dem heute noch oft gespielten Kiss Me, Kate. Ich selbst habe in den letzten Jahren drei Inszenierungen dieses Klassikers gesehen und diese scheinen das obige Zitat zu bestätigen. Die deutsche Version „Schlag nach bei Shakespeare“ wird in jeder Inszenierung bis aufs Mark ausgereizt. Ohne die Gangster würde diese Komödie nicht nur nicht funktionieren, sie wäre wohl niemals über eine Off-Broadway-Bühne hinausgekommen. Meine Beobachtungen haben auch ergeben, dass das Publikum bei diesem Stück häufig aus Nostalgiegründen kommt. Kaum jemand kennt die Geschichte nicht, man kommt eher, um die bekannten Melodien wie das auch außerhalb der Musicalwelt weithin bekannte „Wunderbar“ live gespielt und gesungen zu hören und in Erinnerungen zu schwelgen. Kein anderes Cole-Porter-Musical hat einen ähnlichen Klassiker-Status erreicht, am häufigsten kann man im deutschsprachigen Raum noch Anything Goes sehen.

Really, until Rodgers and Hammerstein, if you had to change a scene, a girl could come out in front of the curtain and sing anything or dance anything … Porter created all of his songs to spring naturally out of the book.

Cole Porter liebte das Theater. Er schuf nicht nur fantastische Melodien, die heute noch verzaubern sondern veränderte mit seinen Werken auch die Musicalwelt an sich. Es wäre zu hoffen, dass heutige Intendanten sich ein Beispiel nehmen und einige seiner weniger bekannten Werke wieder ausgraben und ihnen so zu neuem Leben verhelfen. Nicht, dass My Fair Lady ein schlechtes Stück wäre. Aber es braucht auch mutige Theatermacher, die den Beweis antreten, dass das Musical auch abseits der ausgetretenen Pfade spannende Stücke und Melodien zu bieten hat. Cole Porters unbekannte Werke wiederzuentdecken, wäre da auch einmal ein spannender Ansatz.

Am Rande: ein interessantes Phänomen des Kindle Books zeigt sich hier erstmals: der Autor hat seine Quellen ausführlich dokumentiert, in einem Papierbuch werden diese Quellen üblicherweise mit kleiner Schrift am Ende des Buches zusammengepfercht. Da dürfte beim Umwandeln ins eBook-Format wohl etwas schief gegangen sein, denn die Quellenangaben im eBook umfassen die letzten 20% des Buchs.

Austrofred – Ich rechne noch in Schilling

Rotor, Parque des Atracciones, Madrid

Letzte Woche haben sie in Wien einen neuen Möbel Lutz aufgesperrt, und zwar mit einer absolut lässigen Aktion, nämlich einem Schnitzel um 95 Cent. Das finde ich umso lobenswerter, als viele andere Firmen bei solchen Anlässen mittlerweile ja fast nur mehr Handys oder „iPods“ verschenken. Nur: Handy braucht man nur eines, aber ein Schnitzel braucht man jeden Tag!

Da drückte mir der Waldläufer dieses Büchlein mit dem seltsamen Mann auf dem Cover in die Hand, ich nahm es mit nach Madrid, wo es mir als Verbindung in die zurückgelassene Heimat diente. Und diesen Zweck hat es gut erfüllt. Grundsätzlich bin ich ja kein Fan davon, Blogbeiträge gesammelt in Buchform zu veröffentlichen, es widerspricht in meinem Verständnis dem Sinn und Zweck des Blogs, nämlich, aktuelle Themen zeitnah zu behandeln (Anwesende offenbar ausgenommen). Aber auch rückblickend macht es Spaß, den Schnitzel- und Bühnenexzessen des „Champions“ beizuwohnen, der mir bisher mehr von seiner Mitarbeit beim FM4 Frequency ABC bekannt war. Ich bin ja nicht mehr up to date …

Jedenfalls liefert der Austrofred in seinem Blog/Buch Geschichten und Anekdoten aus der Musikwelt sowie allgemeine Betrachtungen zum Wiener Schnitzel. Ich war ja selbst zu etwa dieser Zeit auch häufiger Gast bei der Hermi auf ein Schnitzel, kann mich also bestens identifizieren. Als Queen-Fan beschäftigt sich der Autor auch mit dem damals gerade angekündigten Queen-Musical „We will rock you“, von dem ich sehr gerne wüsste, ob es den hohen Ansprüchen gerecht werden konnte:

Was mir Hoffnung macht: Letzte Woche hat mir ein Radio Wien-Mitarbeiter erzählt, dass er das Musical in London schon gesehen hat und dass es, rein von der Musik her, enorm geschoben hat. Hoffentlich haben sie im Raimundtheater eine gescheite Endstufe stehen.

Bei einem aktuellen (Oktober 2011) Check musste ich leider feststellen, dass das Tagebuch/Blog nicht mehr so aktuell ist (letzter Eintrag im Moment vom 29. August 2011) und noch dazu kein RSS-Feed zur Verfügung steht. Das mag aus dem Wissen, dass das Tagebuch 2004 gestartet wurde, in Ordnung sein, aber ohne RSS-Feed geht’s halt heutzutage in meinem Verständnis einfach nicht mehr. Wer eine Reflexion auf die Jahre 2004 bis 2006 mit unterhaltsamen Analysen aus der österreichischen Musikwelt sucht und sich am amüsanten, sympathischen Stil erfreuen kann, macht hier sicher keinen Fehler.

Carol De Giere – Defying Gravity

Sibelius Monument Helsinki

“The problem with musicals”, Stephen Schwartz suggests, “is that you are only as strong as your weakest element. You can have a good show that gets sunk by one performance or an intrusive design element.“ Every artist faces form issues: a painter laments when a painting is poorly framed; an author worries that an unsuitable cover will misrepresent his or her book. For musicals, any number of things can obscure what the writers were trying to communicate: bad casting, distasteful costumes or sets, in appropriate orchestrations, or unappealing choreography.

Schon oft habe ich erlebt, dass Musicals nicht so richtig berühren, wenn man sie nicht auf der Bühne sieht, sondern nur (oder zuerst) auf CD erlebt. Manchmal berühren sie nicht mal von der Bühne aus (wie es mir beispielsweise bei The Woman in White erging). Bei Wicked aber war es für mich Liebe auf den ersten Ton, wenn man so will. Es war das erste Musical, dessen Aufnahme ich aus dem iTunes Store kaufte, wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich zuvor Defying Gravity bei einem Soloabend von Maya Hakvoort gehört. So richtig erfassen konnte ich Wicked dann erst im Londoner Apollo Victoria Theatre, ein herrlicher Nachmittag (es war eine 14:30 Vorstellung).

Carol de Gieres Biographie beschäftigt sich nicht nur, aber schwerpunktmäßig mit der Entstehung von Wicked, gleichzeitig ein positiver wie negativer Effekt des Buches. Einerseits freut sich der Wicked-Fan, die verschiedenen Entwicklungsstadien des Musicals nachvollziehen zu können, andererseits kann man von einer ausgewogenen Berichterstattung eben nicht sprechen. Es fasziniert, wo Stephen Schwartz noch überall mitgewirkt hat, ich wusste beispielsweise nicht, dass unterem anderem die Songs zu The Prince of Egypt inklusive dem großartigen When You Believe auch von Stephen Schwartz stammen.

Beim Lesen stellt man fest, dass hier eine großartige Kombination aus Fan-Tum und dokumentarischen Fähigkeiten der Autorin vorliegt. Dass sie Stephen Schwartz offensichtlich zugeneigt ist, tut der Biographie keinen Abbruch, eine kritische Auseinandersetzung will der Wicked-Fan ohnehin nicht lesen und wer sollte sonst zu diesem Buch greifen? Es gelingt der Autorin, zu vermitteln, wie tief Stephen Schwartz im kreativen Arbeiten verwurzelt ist, sie zeigt manche Tricks seiner Arbeit auf, sie hat extra das Element Creativity Notes entwickelt, um seinen Arbeitsprozess zu erläutern und anderen Kreativschaffenden seine Tipps zu übermitteln.

Das Buch bietet einen guten Überblick über das Musicalschaffen von Stephen Schwartz, seine Beiträge auf dem Gebiet der Filmmusik werden ebenfalls erwähnt, allerdings im Vergleich zur detaillierten Analyse der Musicals eher nur gestreift. Gerade die Entwicklung von Wicked, dessen scheinbar endlose Folge von Revisionen wird detailliert erläutert. Ein (ent-)spannend zu lesendes Werk, von dem andere Kreativschaffende zweifellos ebenfalls profitieren können.

There were things that I knew right away. I knew how it was going to begin, I knew how it was going to end, I knew who Elphaba was, and I knew why – on some strange level – this was autobiographical even though it was about a green girl in Oz. Stephen Schwartz

Martin Gregor-Dellin – Richard Wagner

Kugelflower

Wagner ging auf den Fluchtplan ein, und Abraham Müller, dieser wunderliche Königsberger Mephisto, den ein Faustus-Autor in Wagners Lebensgeschichte hineingeschmuggelt zu haben scheint und der daraus alsbald für immer verschwinden wird, reichte ihm noch einmal hilfreich die Hand.

Lebensgeschichten sollten eigentlich eine spannende Materie sein und ich finde es immer wieder interessant, in das Leben eines „echten Menschen“ einzutauchen anstatt in die Gefühlswelten von Romanfiguren. Leider gerät Martin Gregor-Dellins Beschreibung der Lebenswelt Richard Wagners über alle Maßen trocken. Poetische Anwandlungen wie das folgende Zitat mischen sich nur äußerst spärlich in die detaillierte Beschreibung der Lebenswelt des Komponisten.

Die Seligkeit solcher Produktivität spannte ihn wie einen Bogen. Das Bewusstsein zu leben griff so tief in ihn, dass er sich vorkommen musste wie mit leerem Magen vor einer brechend vollen Tafel.

Man fragt sich unvermittelt, wie intensiv der Autor in das Leben des Autors eintauchte. Immer wieder ergibt sich der Eindruck, die Freunde des Komponisten wären ihm schon persönliche Freunde geworden. Zeitgenossen wie Friedrich Nietzsche und Thomas Mann webt er in die Geschichte ein, als würden sie täglich bei ihm zum Kaffee vorbeikommen.

Doch nicht das war das eigentlich Neue am Lohengrin. Wenn Thomas Mann schwärmend von der blau-silbernen Schönheit der Lohengrin-Musik sprach, so bezeichnete er damit unbewusst den Schritt vom Tannhäuser zum Lohengrin: die Entdeckung der Farbe. Wagner erschloss sich die koloristische Dimension der Musik und der Instrumentierung.

Für Gregor-Dellin scheinen nicht nur Wangers musikalische Ergüsse den Maßstab darzustellen. Auch seine Aufzeichnungen zur Gestaltung des Theaters an sich kommen ausführlich zur Sprache. Wagner war offenbar nicht nur ein genialer Komponist sondern gleichfalls ein Bühnen-Perfektionist in einer Art und Weise, die Stanley Kubrick Jahrzehnte später auf seine Filme anwandte. (Kürzlich hörte ich die Anekdote, dass er einen geplanten Film vor seinem Tod nicht mehr drehen konnte, weil er unbedingt mit dem Setting angemessenem Kerzenlicht drehen wollte und es damals keine Kameratechnik gab, die seinen Ansprüchen genügte. Er gab dafür die Entwicklung einer Speziallinse in Auftrag und wollte mit dem Film warten, bis seine Vorstellungen technisch umgesetzt werden konnten.) Auch Wagners Bühnenkonstruktionen dürften die Maßstäbe der damaligen Zeit sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in ihrer Dimension gesprengt haben.

Erstaunlich ist nur, wie unbemerkt ihm blieb, dass er die Utopie verfehlte: er schuf gar nicht das Drama der Zukunft, das eine griechische Klassik evoziert, sondern episches Theater. Seine Helden sind nicht eigentlich Dramenfiguren, das unterscheidet ihn sehr von Shakespeare und Verdi.

Und dann finden sich bisweilen auch noch Perlen, die direkt einem Standard-Artikel, der sich mit der experimentellen Inszenierung einer Wagner-Oper beschäftigt, entstammen könnten.

Der große Vergessenmacher seiner selbst erneuerte sich aus dem, was andre längst vergessen hatten, und stellte sich aus den Antagonismen seines Lebens stets wieder her zu lebenden Bildern aus Ästhetik, Philosophie und Politik: zur gefälligen Bedienung. Die dogmatischen Wagnerianer waren desavouiert, bevor sie noch recht Tritt gefasst hatten.

Und ich möchte nicht verhehlen, dass ich angesichts dieses langatmigen Werkes wieder mal Verständnis empfinde für die Internetgeneration, die selten etwas Längeres als durchschnittliche Wikipedia-Artikel liest. Biografien eignen sich wohl kaum als Material für Leseeinsteiger.

Eric-Emmanuel Schmitt – Mein Leben mit Mozart

Salzburg(c)michaelaw/SXC

Man verlässt nicht einfach eine Welt, auf der man so wunderbare Dinge hören kann, man bringt sich nicht so einfach um auf einer Erde, die solche und andere ähnliche Früchte hervorbringt.

Eric Emmanuel-Schmitt begleitet mich schon länger und auch mit diesem dünnen Band trifft er wieder mitten ins Herz. Er beschreibt in Briefform, wie Mozart ihm durch schwierige Momente seines Lebens geholfen hat. Er beschreibt hingebungsvoll seine Liebe zur Musik, speziell zur Musik von Mozart und wie sie sein Leben immer wieder in positiver Weise beeinflusst hat.

Dass Musik einem das Leben erleichtern kann, dürfte außer Frage stehen, auch, dass uns Musik in schwierigen Situationen wie ein Freund zur Seite steht, möchte ich einfach mal behaupten. Natürlich muss man sich heute die Frage stellen, welche Musik noch die Qualität erreichen kann, die es dazu braucht. Kann das „Getöse“, das sich so viele Jugendliche täglich in die Ohren dröhnen, auch eine derartige Funktion erfüllen? Oder dient sie nur dazu, sich von der Umwelt abzuschotten? Die wenigsten von uns haben die Zeit, sich hinzusetzen und ohne Ablenkung einer Oper oder einem Klavierkonzert zu lauschen.

Aber trotzdem habe ich selbst immer wieder das Gefühl, dass Musik unser Leben besser macht. Wenn man einen Song hört, der einen aus der Arbeit herausreißt, der die Seele dermaßen anspricht, dass die Musik sich vom Hintergrund in den Vordergrund des Bewusstseins drängt. Und das muss jetzt nicht Mozart sein. Mein aktueller Favourite: das neue Yellowcard-Album When you’re through thinking, say yes. Anspieltipp: Soundtrack.

Was ich da höre, ist kein Instrument, es ist das Erbeben einer Seele. Die Stimme eines Kindes übertönt allen Lärm und alles Getöse der Welt. Sie ist es. Die Frau, die ich geliebt habe, ist mit ihrem zarten Gesicht und ihren leuchtenden Augen mit einem Mal wieder gegenwärtig. Sie sieht mich liebevoll an. So finden wir einander wieder.