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English Krimi Roman

Louise Penny – How The Light Gets In

CN dieses Buch: Drogenmissbrauch, Tod, Totschlag, Gewalt, Suchterkrankung
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Addiction’s a terrible thing. It’ll steal your health, your friends, family, careers. Judgement. It’ll steal your soul. And when there’s nothing left, it takes your life.

Nachdem ich mit dem letzten Band nicht so glücklich war, musste ich mir gleich den nächsten zur Hand nehmen. Der war nun wieder eine besondere Freude. Schon allein das Cover ist eine Wohltat, der Titel wird im Text schön hergeleitet (Brüche [cracks] können schmerzhaft und gefährlich sein, aber durch sie dringt auch das Licht herein). Die Erzählung verbindet die sympathischen Bewohner:innen von Three Pines mit der Geschichte einer unglücklich berühmten Familie, die mit einem Mordfall endet und einem Knalleffekt aufgrund der sich zuspitzenden Korruption in der Sûreté de Québec. Sowohl geliebte als auch verhasste Charaktere kommen in dieser Geschichte zu ihren Auftritten. Für mich ein Highlight der gesamten Serie.

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English Krimi Roman

Louise Penny – The Beautiful Mystery

CN dieses Buch: Drogenmissbrauch, Tod, Totschlag, Gewalt, Erwähnung von Pädophilie (keine grafische Beschreibung)
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Armand Gamache knew the power of a father’s love. Whether it be a biological father or a father by choice. And fate.

Der erste Band der Gamache-Reihe, der vollkommen abseits vom abgelegenen Örtchen Three Pines spielt, in dem so viele sympathische und besondere Charaktere leben. Gamache und Beauvoir sind einem Mörder in einem Kloster auf der Spur. Der Kreis der Verdächtigen beschränkt sich auf 23 Mönche, einer wie der andere ein sehr unwahrscheinlicher Mörder. Bald stellt sich heraus, dass gerade unter einem Schweigegelübde die Konflikte nur so vor sich hin brodeln. Und auch der schwelende Konflikt zwischen Gamache und Beauvoir wird schließlich von einem unerwarteten Besuch neu befeuert. Die Geschichte ist spannend, aber mir fehlten tatsächlich die bekannten Gesichter aus Three Pines, weshalb ich gleich mit dem nächsten Band anschließen musste.

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English Krimi

Louise Penny – A Trick of the Light

CN dieses Buch: Mord, Gewalt, Alkoholismus, Abhängigkeit
CN dieser Post: Mord


“But isn’t that more growth than change? Like harmonics, but the note remains the same.”
“Just a variation on a theme?” asked Myrna, interested. “Not really change?” She considered. “I think that’s often the case. Most people grow but they don’t become totally different people.”

In diesem Buch steckt sehr viel mehr drin als nur ein Kriminalfall. Viele tief gehende Fragen. Wie (sehr) können sich Menschen verändern? Bleiben wir dieselben, die wir immer waren, nur in anderen Variationen, erzeugt durch die Erlebnisse, die wir haben? (It’s the challenges we face, that make us who we are?)

You know that, and I know that. He even knows that. But what we know and what we feel can be two different things.

Claras große Ausstellung stellt auch ihre Beziehung zu ihrem Mann Peter in Frage. Als ob die Leiche in ihrem Garten nicht genug wäre, um ihren großen Tag zu verderben. Aber nicht nur Clara und Peter kämpfen mit ihren eigenen Dämonen. Auch die Beziehung zwischen Gamache und Beauvoir erhält Ecken und Kanten.

Gestern hab ich entdeckt, dass zwei Bände in der Overdrive eLibrary fehlen. Wie kann das eigentlich sein? Was ergibt das für einen Sinn, bitte? Mein Bedürfnis nach Vollständigkeit findet das inakzeptabel.

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English Krimi Roman

Louise Penny – Bury Your Dead

CN dieses Buch: Mord, Gewalt, Terrorismus
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That was often the equation, give up the few to save the many. From a distance it seemed so simple, so clear. And yet, from a distance you might see the big picture, but not the whole picture, you missed the details. Not everything was seen, from a distance.

Im sechsten Buch um Inspektor Armand Gamache, sein Team und die Bewohner:innen des versteckten Örtchens Three Pines gelingt es der Autorin gleich drei Kriminalfälle auf einmal aufzurollen. Im Rückblick erzählt wird der Fall, der dazu geführt hat, dass sowohl Inspektor Gamache als auch sein Stellvertreter Beauvoir gezwungenermaßen eine Auszeit nehmen, um sich zu erholen. Auf diesen Fall bezieht sich das obige Zitat. Was oft von Weitem so eindeutig aussieht, wird komplizierter, wenn wir näher hinschauen.

Doesn’t mean I don’t love Canada. I do. Who couldn’t love a country that allows such diversity of thought, of expression? But I want my own country.

Beide können oder wollen jedoch das Ermitteln nicht lassen und lösen während dieser Auszeit ihren jeweils eigenen Fall. Armand Gamache ist dabei in Québec mit dem Mord an einem Fanatiker konfrontiert, der auf der Suche nach dem Grab des Gründervaters der Stadt, Samuel de Champlain, war. Dieser Fall bietet jede Menge Möglichkeiten, um Einblicke in das komplizierte Verhältnis zwischen französischen und angloamerikanischen Einwohner:innen in der Gegend zu nehmen. Das obige Zitat habe ich deshalb herausgeschrieben, weil es mir etwas klar gemacht hat, was ich bisher in allen Separatismusbewegungen nie verstanden habe. Diese Menschen fühlen sich dem Land, in dem sie leben, nicht zugehörig. Sie fühlen sich heimatlos, so lange sie nicht in dem Staat leben können, der scheinbar ihnen „gehört“. Ich hatte immer die Vermutung, dass ich mit Nationalismus und Nationalstolz deshalb nichts anfangen konnte, weil mir das Konzept, stolz auf etwas zu sein, das ich geschenkt bekommen habe (meine Herkunft aus Österreich und die damit verbundenen Privilegien), immer fremd war. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mich hier zuhause fühlen kann. Es ist kompliziert.

Yes it was a tragedy, it was terrible, but it happened to them, not you. You’re alive. This is what you’ve been handed, nothing’s going to change that. You have to let it go.

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English Krimi

Louise Penny – The Brutal Telling

CN dieses Buch: Mord, Gewalt
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Chaos had found Three Pines. It was bearing down upon them and all that was safe and warm and kind was about to be taken away.

Im Urlaub wollte ich nicht wirklich was anderes lesen als die Fortsetzung der Armand-Gamache-Reihe von Louise Penny. Bis zum Schluss (und zwar buchstäblich) bleibt diesmal unklar, wer tatsächlich der Mörder ist. Es fühlt sich an wie der Cliffhanger am Ende einer Serienstaffel. Und ja, ich denke, diesen Vergleich habe ich in dieser Reihe schon einmal so ähnlich gezogen.

Teilweise erschienen mir die Wendungen hier dann schon etwas absurd. Ohne Spoiler kann ich dazu nicht mehr schreiben, aber selbst abseits des Mordes haben da einige Menschen ordentlich was zu erklären. Ich bin gespannt, ob sich das Ergebnis dieser Geschichte in den weiteren Romanen noch ändern wird.

But there was no hiding from Conscience.
Not in new homes and new cars. In travel. In mediatation or frantic activity. In children, in good works. On tiptoes or bended knee. In a big career. Or a small cabin.
It would find you. The past always did.

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English Krimi Roman

Louise Penny – A Rule Against Murder

CN dieses Buch: Mord
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Because it’s the last house on the road. We’ve tried everywhere else, and don’t fit in. Here we fit. Here we belong.

Im letzten Buch gab es einen Mord, für den sich lange kein Motiv abzeichnete. In diesem Buch ist es genau umgekehrt: Eine ganze Familie scheint ein Mordmotiv zu haben. Genauso unklar wie im letzten Buch ist jedoch die Art, wie der Mord begangen wurde. Wieder einmal entwirft die Autorin eine sehr kreative Art des Tötens, bei der viele kleine Faktoren zusammenwirken müssen, damit es überhaupt zum Todesfall kommt.

Die Leser*in erhält auch einen weiteren Einblick in die Familiengeschichte von Inspektor Armand Gamache. Es fällt Licht auf die komplizierte Beziehung zwischen Vater und Sohn, eine Parallele zu den Familienbeziehungen der Morrows, die den Hauptstrang der Geschichte bilden. Hier wie dort wirken komplexe Familiendynamiken, die über viele Jahre lang das Leben und die Entscheidungen der Betroffenen prägen.

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English Krimi Roman

Louise Penny – The Cruelest Month

CN dieses Buch: Krankheit, Sterben, Tod, Mord
CN dieser Post: Mord


Gamache knew people were like homes. Some were cheerful and bright, some gloomy. Some could look good on the outside but feel wretched on the interior. And some of the least attractive homes, from the outside, were kindly and warm inside.
He also knew the first few rooms were for public consumption. It was only in going deeper that he’d find the reality. And finally, inevitably, there was the last room, the one we keep locked, and bolted and barred, even from ourselves. Especially from ourselves.

Der dritte Kriminalroman im beschaulichen Städtchen Three Pines zählt zu seinen wichtigsten Protagonist*innen unter anderem das Haus, das bereits in den ersten beiden Geschichten eine wichtige Rolle spielte. Daher war es mir wichtig, die Hausmetapher aus dem obigen Zitat zu notieren. Die Suche nach der Person, die für den Mord verantwortlich ist, erfordert diesmal ein Eindringen in diese persönlichen Räume, die wir vor allen anderen und oft auch vor uns selbst verstecken.

Eine zweite längere Notiz habe ich gemacht über ein Gespräch das Inspektor Gamache mit der Buchhändlerin und früheren Psychologin Myrna führt. Sie erklärt ihm dabei das Konzept des near enemy (deutsch: naher Feind). Damit sind Begrifflichkeiten gemeint, die sich zwar in Aspekten nahe stehen, aber doch grundlegend verschieden sind. Es geht dabei aber eben nicht um Gegensätze wie hell und dunkel oder laut und leise. Sondern um Begrifflichkeiten aus dem emotionalen Bereich, die im Verhalten der Menschen auch ähnlich aussehen können, aber eben unterschiedliche Auswirkungen haben. Es sollte aus den drei Bespielen, die Myrna gibt, klarer werden:

  • Pity / Compassion: Mit dem englischen Begriff Compassion habe ich immer noch meine Schwierigkeiten, weil mir dafür kein passendes deutsches Wort einfällt. Am ehesten lässt sich diese Unterscheidung vermutlich mit den deutschen Begriffen Mitleid und Mitgefühl verdeutlichen. Wer Mitgefühl empfindet für eine andere Person, für den steht diese Person auf derselben Stufe, wir fühlen uns ihr ebenbürtig. Mitleid hingegen empfinden wir für Menschen, die wir als unter uns stehend betrachten. Wir halten uns für besser.
  • Attachment / Love: Hier erzählt Myrna als klassisches Beispiel von elterlicher Liebe. Eltern wollen ihre Kinder darauf vorbereiten, dass sie allein in der Welt klar kommen und das Beste aus ihrem Leben machen können. Das Gegenbeispiel sind Eltern, die an ihren Kindern hängen, die versuchen, ihre Kinder an sich zu binden, anstatt ihnen die Freiheit zu geben, für sich selbst zu entscheiden.
  • Indifference / Equanimity: Equanimity scheint auch ein Begriff zu sein, für den es keine eindeutige deutsche Übersetzung gibt. Während sich Indifference in meinen Augen ziemlich mit dem deutschen Begriff Gleichgültigkeit deckt, zeigt mir das Wörterbuch für Equanimity die Begriffe Gleichmut oder Gelassenheit, die zu Myrnas Erklärung im Buch nicht recht passen wollen. Ihre Argumentation beruht darauf, dass es Menschen gibt, die selbst die schwersten Schicksalsschläge überwinden. Sie sind nicht gleichgültig, aber sie haben einen inneren Kern, an dem sie sich festhalten können und der sie weitermachen lässt. Es ist keine Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben oder den Ereignissen, die ihnen diese Kraft gibt, sondern eine Art Glaube an die Zukunft.

Es ist eine sehr spezielle Art von Krimi, die die Autorin ins Leben gerufen hat. Mir gefällt das gerade sehr gut.

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English Krimi Roman

Louise Penny – A Fatal Grace

CN dieses Buch: Mord
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It starts with our beliefs, and our beliefs come from our parents, and if we have a sick parent we have sick beliefs and it infects everything we think and do.

Der erste Teil der Reihe hat mir ja sehr gut gefallen. Jetzt überlege ich, wieviel Abstand ich zwischen den einzelnen Romanen lassen sollte, damit sich nicht zu schnell ein Gewohnheitseffekt einstellt.

Tatsächlich ist die Gefahr aber eher gering, denn in diesem Buch ist die Aufdeckung des Mörders*der Mörderin noch komplexer als im ersten Teil. Genauso der Mord selbst. Verbindungen werden Stück für Stück aufgedeckt und es ergeben sich viele überraschende Wendungen.

Was die Geschichte auch noch zusätzlich interessant macht, ist der interne Spionagefall im Team der Ermittler*innen. Die Hinweise auf einen Fall, der sich VOR dem ersten Roman abgespielt hat, jedoch Folgen hat, die sich auf das aktuelle Team auswirken, lassen eine längerfristige Hintergrundgeschichte erahnen, die sich wie in einer TV-Serie über mehrere Staffeln Romane lang entwickelt.

Ein weiteres interessantes Detail: Auch oder gerade die oberflächlich negativ gezeichneten Personen erhalten eine Hintergrundgeschichte und Gefühle, die ihre Handlungen zwar nicht verzeihlich machen, aber zumindest in den Bereich des Nachvollziehbaren rücken. Eine besondere Kunst, die die Autorin hoffentlich in den weiteren Romanen noch weiter perfektioniert.

Finally, someone cared for her. […] The thought had warmed her and sent her off to sleep wrapped in the promise of belonging, of finally taking a seat in the living room.

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English Krimi Roman

Louise Penny – Still Life

CN dieses Buch: Mord
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When the prayer stick got back to Myrna she offered it to the Golden Retriever. For the first time in a week, since Jane had died, Clara saw Lucy’s tail wag. Once. She gently took the stick in her teeth. And held it there. Her tail gave another tentative wag.

Die Aussicht auf eine Reihe von aktuell 17 Büchern hat mich zu dem Zeitpunkt irgendwie gerade angesprochen. Bekannte Charaktere für eine längere Zeit lang um sich zu haben, hat definitiv etwas für sich. Und was für Charaktere die Autorin hier erschaffen hat … sowohl das Team der Kriminalist*innen, als auch jede*r einzelne Dorfbewohner*in wird als Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen, Träumen und Ängsten gezeigt. Für den zweiten Teil stehe ich auf der Warteliste.

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Roman

Leni Zumas – Red Clocks

All the doors have closed.

The ones, at least, she tried to open.

Die Autorin beschreibt in diesem Roman 4 Frauen, die sich auf die eine oder andere Weise mit dem Kinder wollen, bekommen, nicht bekommen wollen oder haben auseinandersetzen. Das Buch erzählt aus diesen unterschiedlichen Perspektiven und spart dabei auch nicht aus, wie sich die 4 Frauen gegenseitig betrachten und be- oder verurteilen.

Eine Single-Frau über 40, die sich verzweifelt ein Kind wünscht, aber erfährt, dass sie an einer Krankheit leidet, die es für sie nahezu unmöglich macht, ohne IVF ein Kind zu empfangen. Eine Frau, die zwei Kinder hat und unter der Last ihrer lieblosen Ehe zu zerbrechen droht. Schon allein diese Kombination bietet Konfliktpotential. Die Frau, die bereits Kinder hat, wünscht sich nichts sehnlicher als Zeit für sich selbst, Zeit, in der sie sich auf sich selbst konzentrieren kann. Das dringende Streben einer kinderlosen Frau, die genau diese Möglichkeit hat, erscheint ihr unsinnig, wenn nicht sogar falsch. Warum seine Freiheit aufgeben, um sein Leben der Kinderaufzucht zu widmen? Auch die Frage, ob ein Kind zwei Elternteile haben sollte, ob das Streben einer alleinstehenden Frau nach einem Kind überhaupt moralisch vertretbar ist, wird intensiv untersucht.

Ein junges Mädchen wird schwanger und kurz darauf von ihrem Freund verlassen. Ihren Eltern will sie nichts erzählen, das Kind möchte sie nicht bekommen. Sie zweifelt jedoch: sie selbst wurde als Baby zur Adoption freigegeben, ihre Eltern sind nicht ihre leiblichen Eltern. Soll sie das Kind bekommen? Wenn sie es nicht bekommt, verhindert sie damit das Glück einer anderen Familie? Die vierte Frau lebt als Einsiedlerin im Wald und wird von den Einheimischen als „Kräuterweiblein“ konsultiert. Das Mädchen wendet sich zuerst an sie mit der Bitte um eine Kräutermischung gegen die Schwangerschaft. Ohne jedoch zu wissen, dass zwischen den beiden eine besondere Verbindung besteht.

Die Autorin lässt alle ihre Figuren an ihren Schwierigkeiten wachsen und gibt Hoffnung, dass auch in scheinbar ausweglosen Situationen eine Lösung und ein Weiterleben möglich sind. Sie bewertet nicht und lässt alle diese Lebensentwürfe gleichberechtigt nebeneinander existieren. Frauen können Kinder bekommen oder nicht, sie können entscheiden, ob sie diese aufziehen wollen oder nicht. Sie beschreibt alle ihre Protagonistinnen als vollwertige Personen mit Stärken und Schwächen und der Kraft, Entscheidungen zu treffen. Und erschafft damit Vorbilder für unterschiedliche Lebenslagen.