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English Roman

Dave Eggers – Heroes of the Frontier

CN dieses Buch: sexuelle Handlungen, Geschlechtsteile
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Courage was the beginning, being unafraid, moving ahead, through small hardships, not turning back. Courage was simply a form of moving forward.

Manchmal weiß ich nicht mehr, warum ich ein Buch überhaupt auf die Liste gesetzt habe. Und hier hatte ich mir irgendwie etwas vollkommen anderes erwartet. The Circle (vom selben Autor) habe ich nur als Film gesehen und hier war ich dann von der Protagonistin Josie und ihren Zweifeln an ihrem Leben und ihren Lebensentscheidungen schon sehr überrascht. In Rückblenden erzählt sie von ihrer Kindheit und der Trennung von ihren Eltern, vom konstant abwesenden Vater ihrer eigenen Kinder, ihrer Karriere als Zahnärztin, die mit einem Rechtsstreit endet. Ihr Leben scheint eine Abfolge von schwierigen Situationen zu sein, unterbrochen nur durch kurze Momente der Ruhe, in denen sowas wie Hoffnung aufkommen kann.

Genau dasselbe passiert auch auf der Reise durch Alaska, die in der Jetzt-Zeit des Buchs stattfindet. Mit ihren Kindern Paul und Ana stolpert Josie von einem holprigen Tag in den nächsten. Auf den letzten Seiten fing ich langsam an, mich zu fragen, wie dieses Buch nur zu einem halbwegs erträglichen Ende kommen kann. Dann war ich kurz enttäuscht über den vermeintlich letzten Satz. Und dann kam noch ein Kapitel mit nur einem einzigen Satz. Der hat mich dann wieder mit dem Buch (und dem Leben) versöhnt. Ein schöner Blick auf unsere Zweifel an uns selbst und an unseren Entscheidungen. Und ein Aufruf, niemals aufzugeben und immer weiter zu gehen.

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Roman

Robert Schneider – Schlafes Bruder

CN dieses Buch: Suizid, Mord
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Heißt es nicht in der Schrift, daß Du vollkommen bist? Wenn Du aber vollkommen bist und gut, weshalb mußtest du dann das Elend, die Sünde und den Schmerz erschaffen? Weshalb weidest Du dich an meiner Trauer, an der Mißgeburt meiner Augen, am Kummer meiner Liebe?

An und für sich war ich mir ziemlich sicher, dass ich dieses Buch schon mal gelesen und damals sogar besessen habe. Aber das muss wohl vor der Entstehung dieses Blogs gewesen sein, da ich keinen Blog-Eintrag finden konnte. Daher nun eine kurze Besprechung zu diesem Re-Read (aus Gründen des Geocachens).

Der Autor entwirft eine kleinliche Dorfgemeinschaft im Vorarlbergischen, eine Bevölkerung, die hauptsächlich aus den Angehörigen zweier Familien besteht, den Alders und den Lamparters. Aus der engen Verwebung der beiden Familien entstehen immer wieder Kinder mit diversen Behinderungen. So auch der Protagonist Elias, der einerseits eine frühe Pubertät erlebt, bei der seine Augenfarbe einen beunruhigenden gelblichen Farbton annimmt und der andererseits eine besondere Begabung für Musik, spezifisch für das Orgelspiel entwickelt. In der Dorfgemeinschaft bleibt er stets ein Außenseiter.

Erlösung aber ist die Erkenntnis der Sinnlosigkeit allen Lebens.

Da das Buch selbst den Tod des Protagonisten bereits auf der ersten Seite ankündigt, kann ich hier auch etwas ausführen, ohne zu spoilern. Elias entbrennt in unsterblicher Liebe, die er jedoch nicht anders auszudrücken vermag als durch seine Musik. Als ihm seine Angebetete Elsbeth durch die Heirat mit einem anderen Mann entzogen wird, entschließt sich Elias zu einem verzweifelten Liebesbeweis.

In einem Nachwort versucht Rainer Moritz den unerwarteten Erfolg dieses 1992 erschienenen Buchs zu erklären. Er erwähnt den besonderen Schreibstil, die ironischen Züge, mit denen Schneider die Dorfgemeinschaft versieht und die hartherzige Darstellung des Lebens im Dorf, die keinerlei Platz für bäuerliche Idylle vorsieht. Er stellt Schlafes Bruder in eine Reihe mit „ähnlich spektakulären Büchern der jüngeren deutschsprachigen Literaturgeschichte, mit Patrik Süskinds Das Parfum (1985, war bei mir damals Schullektüre), Christoph Ransmayrs Die letzte Welt (1988), Bernhard Schlinks Der Vorleser (1995) und Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt (2005)“. Je länger ich über diese Einordnung nachdenke, umso passender erscheint sie mir. Es ist definitiv eine besondere Geschichte, ein Roman, den die Leserin nicht so schnell vergisst.

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English Roman

Celeste Ng – Little Fires Everywhere

CN dieses Buch: sexuelle Handlungen
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Sometimes just when you think everything’s gone, you find a way.

Mir fehlen beinahe die Worte, um die Großartigkeit dieses Romans zu beschreiben. Ich fühlte mich erinnert an Liane Moriartys Big Little Lies, das ich auch euphorisch gefeiert habe. Die Geschichte beinhaltet so viele Zwischentöne, behandelt so viele Themen und verwebt sie in ein beeindruckendes Spannungsgeflecht. Die Charaktere sind so fein gezeichnet, dass ich mich abwechselnd mit unterschiedlichen Protagonist*innen identifiziert habe, je nach der Situation, mit der sie gerade konfrontiert waren. Die Geschichte werde ich keinesfalls erzählen, da müsst ihr das Buch schon selbst lesen, ich möchte aber unbedingt einige Aspekte hervorheben, die hier thematisiert werden.

After all, were they not smarter, wiser, more thoughtful and forethoughtful, the wealthiest, the most enlightened? Was ist not their duty to enlighten others? Didn’t the elite have a responsibility to share their well-being with those less fortunate?

Die Familien, die hier miteinander interagieren, entstammen unterschiedlichen sozialen Milieus. Vielschichtige Emotionen prägen die Begegnungen: Die finanziell gut gestellten Richardsons bemitleiden die finanziell weniger stabile Familie, fühlen sich überlegen und gleichzeitig verpflichtet, zu helfen und zu teilen. Mia legt jedoch schlicht mehr Wert auf das, was für sie wichtig ist: ihre Tochter und ihre Kunst. Ein riesiges Haus und jede Menge Besitztümer haben für sie einfach nicht denselben Wert wie die Zeit, die sie ihrer Kunst widmen kann.

Anything had the potential to transform, and this, to her, seemed the true meaning of art.

Mias Kunstwerke spielen eine große Rolle in der Entfaltung der Geschichte. Das Foto aus der Kunstausstellung führt schließlich auf die Spur ihrer Vergangenheit. Die Autorin lässt ihren Blick auf die Welt durchscheinen, die Perspektive der Künstlerin, die alles einer näheren Betrachtung für würdig hält, die genauer hinschaut, die die nicht offensichtlich sichtbaren Teile aufdeckt, die nicht an der Oberfläche bleibt. Im das Buch abschließenden Interview erklärt Celeste Ng, warum gerade die Fotografie sie persönlich interessiert:

Photography is particularly interesting to me because it’s often seen as objective – after all, the camera captures what it sees – but it’s also inherently subjective: so much depends on the framing of the photograph, deciding what gets included and what gets left out, how it’s shown.

Irgendwann hatte ich mal darüber geschrieben, welche interessanten Verbindungen sich oft finden lassen zwischen Büchern, die wir in knappem Abstand voneinander lesen. Ich hatte mich gefragt, ob diese Verbindungen zufällig zustande kommen bzw. ob wir sie überhaupt nur sehen, weil wir die Bücher in diesem Zusammenhang lesen oder ob wir die Bücher gerade deshalb unbewusst auswählen, weil sie uns Zusammenhänge aufzeigen. Bei diesem Zitat musste ich an Change Agent denken, wo die Frage, wo wir unterschiedlich urteilen, wenn wir selbst betroffen sind, ebenfalls gestellt wurde:

Yet when personally affected by the issues, even idealists often end up making selfish choices with far-reaching effects. […] Where do we follow the rules, and where do we justify breaking theam?

Die Geschichte spielt Ende der 90er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, einer Zeit, in der Pager gerade erst modern wurden und Menschen nicht in ständigem Kontakt waren und unter anderem durch Zettelnachrichten Verabredungen trafen. Das ermöglicht unter anderem eine Auseinandersetzung mit der in den letzten Jahrzehnten weit verbreiteten Aussage, dass Hautfarbe bzw. ethnische Herkunft keine Rolle spiele. Viele Menschen behaupteten damals (und manche behaupten es noch), sie würden keine Unterschiede sehen, womit sie vermutlich meinen, sie selbst würden alle Menschen gleich behandeln unabhängig von ihrer Hautfarbe und ethnischen Herkunft. Tatsächlich führt das Ignorieren dieser Unterschiede aber eher zum Ignorieren der Ungerechtigkeiten, die auch heute immer wieder zu Tage treten (siehe #BlackLivesMatter).

Now we’re starting to be aware of the problems with not “seeing race”: ignoring race means ignoring longstanding problems and history, as well as ignoring important aspects of a person’s identy.

Nicht zuletzt enthält die Geschichte auch eine feministische Komponente. Einerseits sind alle beteiligten Frauenfiguren auf ihre Art emanzipiert. Gleichzeitig verkörpert aber Mrs. Richardson den Typ, der sich an die Regeln hält, während Mia sich die Freiheit herausnimmt, ihr Leben nach ihren eigenen Regeln zu gestalten. Dieses Zitat verdeutlicht diesen Konflikt, der oft dazu führt, dass Frauen sich gegenseitig verurteilen, anstatt sich zu unterstützen (get back in line):

You can’t just do what you want, she thought. Why should Mia get to, when no one else did?

Nicht umsonst wurde diese Geschichte als Serie verfilmt. Wirklich aufmerksam wurde ich auf das Buch jedoch durch den Podcast Unlocking Us von Brené Brown, die dieser Geschichte gleich zwei Episoden gewidmet hat: Ein Interview mit der Autorin Celeste Ng sowie ein Gespräch mit den Hauptdarstellerinnen der Serie Reese Witherspoon und Kerry Washington. Sowohl für das Buch als auch für den Podcast möchte ich eine herzliche Empfehlung aussprechen.

All her life, she had learned that passion, like fire, was a dangerous thing. It so easily went out of control.

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Sachbuch

Susan Orlean – The Library Book

The library is a gathering pool of narratives and of the people who come to find them. It is where we can glimpse immortality; in the library, we can live forever.

Schon der Titel lässt erahnen, dass es sich bei diesem Werk um eine Liebeserklärung an die Institution Bibliothek (Library) handelt. Die Autorin erzählt jedoch nicht nur von ihren eigenen Erfahrungen, sondern nimmt diese zum Anlass, tief in das Thema einzutauchen.

My mother imbued me with a love of libraries. The reason why I finally embraced this book project – wanted, and then needed, to write – was my realization that I was losing her.

Ein wichtiger Handlungsstrang ist der Brand der Los Angeles Public Library im Jahr 1986. Die Autorin beleuchtet in tiefgehenden Recherchen den Zustand der Bibliothek vor und nach dem Brand, lässt Zeitzeugen zu Wort kommen und webt ein dichtes Netz, das zum Ziel hat, Licht auf das Feuer und die darauf folgenden Aufbauarbeiten zu werfen. Die Brandursache konnte niemals vollständig geklärt werden. Ein Verdächtiger wurde festgenommen, vor Gericht gestellt und aus Mangel an Beweisen nicht verurteilt. Die Lebensgeschichte dieses mutmaßlichen Brandstifters nimmt ebenfalls eine wichtige Rolle im Buch ein. Aus den Recherchen der Autorin lässt sich schließen, dass der junge Mann eher zufällig mit dem Brand in der Bibliothek in Zusammenhang kam und sich der auf ihn fallende Verdacht hauptsächlich wegen seiner ständig wechselnden Aussagen erhärtete. Obwohl das Gerichtsverfahren mit einem Freispruch endete, beeinflusste die öffentliche Wahrnehmung seiner Verbindung mit dem Bibliotheksbrand sein weiteres Leben.

People think of libraries as the safest and most open places in society. Setting them on fire is like announcing that nothing, and nowhere, is safe. The deepest effect of burning books is emotional.

Beleuchtet wird aber auch die Rolle der Bibliothek in den vergangenen Jahrhunderten bis zum heutigen Tag. Bibliotheken sind offene Orte, sie bieten Platz für Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und anderen persönlichen Merkmalen. Sie sind Orte des Wissens und des Lernens, der Ruhe, aber auch der Gemeinschaft. Die Autorin begleitet viele Menschen, die in der Los Angeles Public Libary arbeiten, durch ihren Arbeitsalltag und beschreibt die Begegnungen mit den BesucherInnen der Bibliothek und die vielen anderen angebotenen Aktivitäten wie zum Beispiel Story Times für Kinder unterschiedlicher Altersgruppen oder Sprachkurse. Im letzten Kapitel berichtet die Autorin von einem Besuch beim Marktführer im Bereich Online-Verleih-Systeme Overdrive. Die letzten Jahrzehnte haben bereits gezeigt, dass Bibliotheken durch das Internet nicht aussterben werden. Genau genommen sind sie wichtiger denn je. Neue Technologien vereinfachen den Zugang, machen jedoch die traditionellen Funktionen von Bibliotheken nicht obsolet.

Als Beispiel möchte ich noch ein Detail hervorheben, das mich persönlich begeistert hat. Das historische Gebäude der Los Angeles Public Library wurde von Bertram Goodhue geplant. Im Buch beschreibt die Autorin in mehreren Absätzen seinen Ansatz, dass ein Gebäude eine Geschichte erzählen sollte. Seine Form, seine Kunst, Ornamente, alle Elemente zusammen sollten wie ein Buch gelesen werden können und die Geschichte darüber erzählen, was in dem Gebäude passiert. In meinen Augen ist das ein wunderbarer, fachübergreifender Zugang, der Architektur von reiner Zweckmäßigkeit auf eine künstlerische Ebene hebt. Bertram Goodhue war jedoch nicht nur Architekt, sondern hat unter anderem auch die Schriftart Cheltenham erschaffen.

It declares that all these stories matter, and so does every effort to create something that connects us to one another, and to our past and to what is still to come.

EDIT [20. Dezember 2019]: Es gibt eine Podcast-Episode von The Maris Review, in der Susan Orlean über die Geschichte des Buches spricht und unter anderem erzählt, warum ein Feuer in einer Bibliothek in Los Angeles eine besondere Bedeutung hat (mit Verweisen auf die aktuellen Waldbrände). Via Lithub.

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Roman

Ray Bradbury – Fahrenheit 451

It was a look, almost, a pale surprise; the dark eyes were so fixed to the world that no move escaped them. Her dress was white and whispered. He almost thought he heard the motion of her hands as she walked.

In letzter Zeit habe ich das Bloggen etwas vernachlässigt. Schon zum Lesen komme ich bei Weitem nicht so oft, wie ich möchte und wenn dann die fertig gelesenen Bücher ewig herumliegen, bis sie im Blog landen, dann ist das schon ein Zeichen, das wieder mal zu viel los ist.

‘You weren’t there, you didn’t see,’ he said. ‘there must be something in books, things we can’t imagine, to make a woman stay in a burning house; there must be something there. You don’t stay for nothing.’

Es ist erstaunlich, wie aktuell diese Geschichte heute wirkt. Ray Bradbury beschreibt eine dystopische Zukunft, in der Bücher verboten sind. Zur Unterhaltung haben die Menschen jede Menge Technik, mit der sie sich Tag und Nacht berieseln lassen können. Nachbarn denunzieren sich gegenseitig, wer Bücher in seinem Haus versteckt, dessen Haus wird von den Firemen niedergebrannt.

This was all he wanted now. Some sign that the immense world would accept him and give him the long time needed to think all the things that must be thought.

Fireman Guy Montag wird aus seinem Leben gerissen. Eine Serie an Ereignissen weckt ihn auf und lässt ihn an seiner Existenz, seiner Arbeit, seinem ganzen Leben zweifeln. Er findet plötzlich Sinn in den Büchern, die er bisher ohne Nachzudenken verbrannt hat. Durch die Erkenntnis wird er zum Außenseiter, es gelingt ihm nicht, auch nur eine weitere Nacht so zu tun, als wäre nichts passiert. Seine Welt zerbricht.

Im Nachwort schreibt Ray Bradbury einen Satz, der so treffend auf die heutige Zeit passt:

Because you don’t have to burn books, do you, if the world starts to fill up with non-readers, non-learners, non-knowers?

Es klingt, als hätte er vorausgesehen, wie die Menschen in den Wiener U-Bahnen tagtäglich ihre Zeit in den U-Bahn-Schmierblättern versenken oder in ihre Smartphones starren.

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Roman

Noelle Harrison – Wie die Sterne am Himmel

Vielleicht kann ich in der Zukunft leben, die Vergangenheit vergessen und eine andere werden.

Das vorweihnachtliche Chaos hat ergeben, dass ich dieses Buch schon deutlich länger ausgelesen habe und bisher nicht dazu gekommen bin, den Post dazu zu schreiben. Das hat aber auch dazu geführt, dass ich schon mit etwas Abstand darauf blicken kann und meine Meinung dazu ständig besser zu werden scheint.

Zu Beginn schauen wir auf Barbara, ein verunsichertes Mädchen, das aus Irland stammend als Au-pair-Mädchen nach London geht, um aus ihrem Dorf wegzukommen. Stück für Stück wird die Familiengeschichte enthüllt. Barbaras Vater war kaum für die Familie da, ihre Mutter „nur“ seine Geliebte, im Dorf wurde getratscht. Barbaras Mutter verdient sich ihr Geld mit Kartenlegen und „Heilungen“, wird dafür von den Dorfbewohnern verachtet und trotzdem von den Frauen eifrig konsultiert. So will Barbara nicht werden. Ständig im Raum steht auch der Tod von Barbaras Bruder Mattie. Sie gibt sich die Schuld an seinem Tod, was wirklich passiert ist, wird erst auf den letzten Seiten aufgelöst.

In London angekommen soll sie sich um das Mädchen Matilda kümmern. Matilda leidet an einer mysteriösen Krankheit, deretwegen sie nicht zur Schule gehen kann und kaum ein normales Leben führen kann. Sie ist verwöhnt und zickig. Trotzdem schließt Barbara sie schnell ins Herz. Schon nach zwei Wochen bei der Familie steht der Sommerurlaub in Südfrankreich an, bei Matildas Großeltern. Dieser Urlaub wird Barbaras Leben entscheidend verändern.

Es ist schwierig, über die Entwicklung Barbaras etwas zu sagen, ohne zu spoilern. Der Hauptpluspunkt ist, wie sich am Ende alles perfekt zusammenfügt, ohne dass man vorher erraten hätte können, wie es zusammenpassen wird. Der Erzählstil ist immer ruhig, unaufgeregt, die Perspektive eigentlich auch dann gefühlt eine weit zurückliegende eine Erinnerung, wenn man durch die Augen der jungen Barbara auf die Ereignisse in Südfrankreich blickt. Gefühlsmäßig erinnert es mich an Woher wir kommen. Begründen kann ich das nicht wirklich, vielleicht ist des der Rückblick auf ein „früheres Leben“, dessen Auswirkungen sich im heute widerspiegeln. Je länger ich darüber nachdenke, umso positiver wird mein Blick auf diesen Roman, den ich eigentlich aus einer Not heraus rein aufgrund des Titels (ich erhoffte mir ein positives Leseerlebnis von Sternen am Himmel) aus der Onleihe gefischt habe.

Matilda und mir ist es vorbestimmt, erwachsen zu werden. Als ich mit Mathilda wegrannte, glaubte ich, sie zu retten und den Tod von Mattie zu sühnen. Ich täuschte mich. Ich rettete tatsächlich ein kleines Mädchen, aber dieses Mädchen war ich selbst.

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Krimi Roman Thriller

Simon Beckett – Flammenbrut

Feuer(c)Niko-Korte/PIXELIO

Mit einem lauten Wusch! schoss eine helle Flamme empor. Sie schraken vor der plötzlichen Hitze zurück. Jack versuchte ein paarmal mit spitzen Fingern nach dem Grillrost zu schnappen und ihn hochzuheben, bevor das Feuer ihn ganz verschlang, aber nach ein paar sekunden gab er es auf und blies auf seine verbrannten Finger.

Feuer übt seit jeher eine besondere Faszination auf Menschen aus. In diesem Thriller wird das Feuer zu einem wiederkehrenden Element, das die Protagonistin Kate bereits begleitet, lange bevor sie offensichtlich sehenden Auges ins Unglück rennt. Es ist eine dieser Geschichten, wo man beim Lesen geradezu schreien möchte „nein, tu es nicht“. Um noch ein Quäntchen an Überraschung in der Geschichte zu lassen (viel ist ohnehin nicht vorhanden) wage ich nichts von der Handlung zu verraten. Einzig dieser Hinweis sei gestattet: Die beste Freundin sieht in heiklen Angelegenheiten oft klarer als man selbst. Das mag sie aber nicht davor schützen, selbst in den Flammen unterzugehen.