Marc Levy – Solange du da bist

Das Wagnis in der Liebe ist, die Schwächen des anderen ebenso zu lieben wie seine Stärken, beide gehören untrennbar zusammen.

“Nichts ist unmöglich, allein unserem beschränkten Geist erscheinen bestimmte Dinge unbegreiflich. Man muss oft mehrere Gleichungen lösen, um einer neuen Theorie zur Anerkennung zu verhelfen. Es ist allein eine Frage der Zeit und der Grenzen unserer Intelligenz. … Wenn also unsere allwissenden Gelehrten es für unmöglich erklären, ein Gehirn zu verpflanzen, sich mit Lichtgeschwindigkeit fortzubewegen oder einen Menschen zu klonen, dann sage ich mir, dass sie die Grenzen ihres eigenen Geistes noch immer nicht erkannt haben, dass sie nach wie vor nicht bereit sind, alles für möglich zu halten und es nur als eine Frage der Zeit anzusehen, die man braucht, um zu verstehen, wie es möglich sein wird.”

Er sollte sich vorstellen, dass er bei einem Wettbewerb folgenden Preis gewonnen hätte: Jeden Morgen würde ihm bei einer Bank ein Konto mit 86400 Dollar zur Verfügung stehen. … “Die erste Regel ist, dass dir alles, was du im Laufe des Tages nicht ausgegeben hast, wieder weggenommen wird” … Zweite Regel: Die Bank kann das Spiel ohne Vorwarnung beenden. … “Was würdest du mit so einem Geschenk tun?” Er antwortete, ohne nachzudenken, dass er jeden Dollar dafür verwenden würde, sich selbst und den Menschen, die er liebte, eine Freude zu machen. … “Wir alle haben so eine magische Bank”, erwiderte Lauren, “es ist die Zeit!” … “Was wir an diesem Tag nicht gelebt haben, ist verloren, gestern ist vergangen.”

Als der Film herauskam, hielt ich die Geschichte für ziemlich langweilig und einfältig (daher hab ich den Film auch niemals gesehen). Das Buch fiel mir dann auch eher zufällig in die Hände, ich hab es zuerst nicht mit dem Film in Verbindung gebracht (sonst hätt ichs vielleicht gar nicht gelesen …).

Herausgestellt hat sich das Buch dann als eine humorvolle und berührende Liebesgeschichte, dass das Zusammentreffen der beiden eigentlich unmöglich ist, weil ihr Geist in der Wohnung herumschwirrt, während sie im Koma liegt, vergisst man aufgrund der einfühlsamen Beschreibung der Gefühle, die sich vollkommen natürlich zwischen den beiden entwickeln.

Tatsächlich enthält das Buch die wichtige Lehre, das Leben zu genießen, da es jederzeit vorbei sein kann.

T. C. Boyle – Dr. Sex

Das Buch beschreibt die Lebensgeschichte des Sexualforschers Dr. Alfred Kinsey aus der Sicht eines seiner Assistenten (der im Buch immer wieder vorkommende “innere Kreis” ist auch der Titel der englischsprachigen Originalausgabe: “The Inner Circle”).

Der deutsche Titel ist dabei leicht zur Irreführung geneigt, den mit Pornographie hat Dr. Sex nun gar nichts am Hut. Selbst die Beschreibungen der wenigen Sex-Szenen wirken wissenschaftlich, wenn nicht gar klinisch, wie eigentlich das gesamte Buch. Emotionen bleiben bewusst außen vor.

Etwas unbefriedigend ist der Schluss, als Dr. Kinsey (“Prok”) in Windeseile seine Kraft verliert und stirbt, womit man als Leser in dieser Form wohl nicht rechnet. Trotz allem ist es ein interessantes Werk, das dieses Thema wirklich gut und auch unterhaltsam aufbereitet.

 

Cecilia Ahern – P.S. I love you

She knew her friends would disapprove after she’d been so positive on holiday, but when he was alive she had lived for him and now he was gone she lived for his messages.

Immer wieder habe ich mir beim Lesen gedacht, wie furchtbar erbärmlich diese Frau doch ist, dass sie meint, ohne ihren Mann keinen Grund zum Leben zu haben. Natürlich kann ich nicht ermessen, wie man sich fühlt, wenn man den Ehemann verliert, aber Sätze wie dieser haben mich schon sehr geärgert.

Das dämpft dann auch etwas den Effekt, dass es eigentlich schon eine gut strukturierte Geschichte ist und vom Sprachstil her ist es sehr ansprechend und einfach zu lesen, auch wenn man nicht gerade Englischprofi ist. Ob es sich jedoch tatsächlich als Filmmaterial eignet, wage ich zu bezweifeln, da es wohl schwer sein dürfte, Hollys Innenleben, das den Großteil des Buchs beherrscht, in ähnlicher Form darzustellen.

Fazit: Viel Rummel um einen halbwegs unterhaltenden Liebesroman.

Daphne du Maurier – Rebecca

“Rebecca” hab ich gelesen, um herauszufinden, wie nah am Buch das Musicallibretto von Kunze/Levay geblieben ist. Wenn man den Ausgang der Geschichte schon kennt, entfaltet sich die Spannung im Buch eher zäh.

Der gravierendste Unterschied ist der, dass es im Musical dargestellt wird, als hätte Maxim Rebecca versehentlich getötet, während es im Buch klar und deutlich heißt, er hat sie erschossen. Ansonsten hält sich das Libretto geradezu sklavisch an das Buch, man erkennt jede einzige Szene des Musicals im Buch wieder. Die Auswahl der Szenen für die Songs erscheint aus diesem Vergleichsblickwinkel noch besser, als wenn man nur das Musical gesondert betrachtet. Einzig der Song “Zeit in einer Flasche” erscheint mir jetzt auch nicht notwendiger als vorher.

Trotzdem ist “Rebecca” ein großer Roman, dessen unterschwellige Gefahr einen in Atem halten kann.

 

Kurt Weichler – Redaktionsmanagement

Leider sehr theoretisches Werk zum Management von Redaktionen und den erweiterten Aufgaben, denen sich (Chef-)Redakteure in der heutigen Zeit gegenüber sehen.

Wirklich brauchbares Material, um es im Redaktionsalltag sofort umzusetzen, liefert das Buch leider nicht, es beschäftigt sich eher mit übergeordneten Strukturen, die vom “kleinen Redakteur” ohnehin nicht beeinflusst werden können und mit der wegen der hohen Kosten und auch der einfach fehlenden Möglichkeit im laufenden Betrieb einer kompletten Umstrukturierung auch die Chefredakteure wohl eher wenig anfangen können.

Interessant sind die Interviews im hinteren Buchteil mit Chefredakteuren und Redaktionsmanagern aus dem Printbereich, dem Hörfunk und dem Fernsehen. Diese berichten über Abläufe und Organisation in ihrem Medium, hier erfährt man einiges Interessantes, das man möglicherweise als Journalist aus dem eigenen Arbeitsumfeld kennt.

Fazit: Theorethische Betrachtung von Redaktionsorganisation, interessant als Backgroundwissen, zu praktischen Umsetzung ungeeignet.

Zenkei Shibayama – Zen – Eine Blume spricht ohne Worte

Am nächsten Morgen nahm er alle seine Berichte und Aufzeichnungen über die Diamant-Sutra, die er mitgebracht hatte, verbrannte sie vor dem Kloster und erklärte: “Alles Wissen oder Lernen ist, verglichen mit der Tiefe der Erfahrung, wie ein Tropfen Wasser, der ins Meer fällt.”

“Jeder wird vor dem Spiegel in gleicher Weise behandelt. Er macht keinen Unterschied zwischen reich und arm. Er lässt nicht den Reichen und Vornehmen schön erscheinen, weil er etwas Besonderes sei. Er macht den Armen nicht besonders hässlich. Männer und Frauen, Alte und Kinder werden vor dem Spiegel gleich behandelt. ……… Ein solches unbeflecktes klares Bewusstsein, das durch und durch rein ist und völlig unparteiisch, ohne irgendeinen Unterschied, wird Buddha-dharma oder Selbst-Natur genannt. Zen lehrt, dass wir menschlichen Wesen ursprünglich diese Buddha- oder dharma-Natur in uns selbst besitzen.

Eines Tages ging er die Straße entlang und traf einen Bettler, dem er schon öfters begegnet war. Ohne viel zu überlegen, sagte er: “Guten Morgen!” Aus irgendeinem Grund antwortete der Bettler: “Gibt es einen Morgen, der nicht gut ist?”

Das Leben der Schönheit offenbart sich in der schöpferischen Kraft eines freien natürlichen Menschen, und diese Schöpferkraft erstrahlt aus der Tiefe seiner alles umfassenden Aktivität, in der er das zum Idol Erhobene vernichtet.

Eine grundlegende Einführung in den Zen-Buddhismus, der in China und Japan praktiziert wird und sich in erster Linie auf die Erfahrung stützt. Gleichnisse verdeutlichen, dass alles Wissen im Vergleich zur persönlichen Erfahrung unbedeutend ist. 

Fazit: Interessantes Thema, ansprechend aufbereitet.

David Baldacci – Absolute Power

Wer der englischen Sprache zwar mächtig, aber kein Native Speaker ist, wird anfangs so seine Probleme haben, einerseits in die Geschichte einzusteigen, andererseits die vielen amerikanischen Redewendungen zu verstehen. Jedoch machen gerade diese Redewendungen bei genauerer Betrachtung reichlich Spaß! (“You scared the hell out of me!”)

Inhaltlich ist das Ganze ein spannender Thriller, man kann die Verfilmung beinahe schon vor sich sehen, durch die Nähe zum Anwaltsbusiness erinnert das Setting beinahe an John Grisham und den Vergleich braucht man definitiv nicht zu scheuen.

Fazit: Ein spannender Thriller, spannende englische Originalfassung.