Katie Kitamura – A Separation

But until a decision is acted upon, it is only hypothetical, a kind of thought experiment.

Die Trennung eines Ehepaars, kaum böses Blut, Leben in getrennten Wohnungen. Einzig die Scheidung steht noch aus. Und das öffentliche Eingestehen der Trennung. Denn die Schwiegereltern sind noch nicht eingeweiht. Bevor es zur Scheidung kommen kann, wird der Ehemann auf Recherchereise in Griechenland tot aufgefunden. Die Protagonistin wird dadurch zu einer trauerenden Witwe, eine Rolle, die ihr aufgrund der bereits vollzogenen Trennung und der bevorstehenden Scheidung nicht zuzustehen scheint. Die Entscheidung ist gefallen, kann jedoch nicht mehr umgesetzt werden.

Erzählt wird all das aus dem Blickwinkel der Protagonistin, die nicht nur über ihr eigenes Verhalten und ihre Gefühle intensiv reflektiert, sondern auch mit wachem Auge ihre Umgebung beobachtet. Im Verlauf der Geschichte verändert sich ihre Rolle von der betrogenen, in Trennung lebenden Ehefrau zur trauernden Witwe. Und obwohl sie den Trennungsprozess vermeintlich schon absolviert zu haben scheint, führt der überraschende Tod des Ehemanns in einen Trauerprozess, der niemals so abgeschlossen werden kann, wie eine Ehe durch eine Scheidung beendet wird.

The emulation became the thing itself, […].

Rachel Cusk – Outline

Der Wunsch nach Freiheit und Bewegung trieb mich an, als würde ich an einem Faden vorn an meiner Brust gezogen. Ich kannte den Impuls nur zu gut; inzwischen hatte ich gelernt, dass es sich, anders als ursprünglich gedacht, nicht um den Ruf der weiten Welt handelte. Es war einfach nur der Wunsch, meinem eigenen Leben zu entkommen. Der Faden führte nirgendwohin, außer vielleicht in die grenzenlose Ödnis der Anonymität.

Gestern Abend als ich diesen Roman zu Ende gelesen hatte, war ich kurzfristig echt sauer. Nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, meine ich, das literarische Konstrukt entziffert zu haben, das dazu geführt haben mag, dass mich dieser Standard-Artikel auf das Buch neugierig machte.

Die Erzählerin des Romans reist nach Athen, um einen Kurs für Schriftsteller zu geben. Der Leser erlebt sie im Gespräch mit Unbekannten, Freunden, die sie in Athen trifft und ihren Schülern, die alle Teile ihres Lebens preisgeben, während wir von der Erzählerin nahezu nichts erfahren. Einzelne Bruchstücke muss man finden und festhalten: sie hat (oder hatte?) Ehemann und Familie, ihre Kreditberaterin ruft an, um ihr die Erhöhung des Kreditrahmens zu verweigern.

Beim zweiten Lesen enthält das letzte Kapitel einige Hinweise. Keine Spoiler von meiner Seite. Der oben zitierte Artikel gibt mehr Preis, als ich es hier tun werde. Auf dem Klappentext wird TheGuardian zitiert: „Einer der sonderbarsten, originellsten und aufregendsten Romane seit Langem.“. Sonderbar definitiv, originell lasse ich auch gelten. Aufregend fand ich im ärgerlichen Sinne jedoch nur das Ende. Aber vielleicht ist das der Cliffhanger als Auftakt für die geplante Trilogie.

Vea Kaiser – Makarionissi

Mit ihrem ersten Roman Blasmusikpop wurde Vea Kaiser einem größeren Publikum bekannt, mich hat das jedoch nicht interessiert, bis sie anlässlich der Veröffentlichung ihres zweiten Romans Makarionissi bei Claudia Stöckl im Frühstück bei mir zu Gast war. Dort hat sie erzählt, wie sie sich als attraktive Frau, die ihre Reize auch nicht verstecken will, teilweise bemühen muss, um in der Verlags- und Geschäftswelt ernst genommen zu werden.

Mit diesem Roman hat sie nun eine Familiengeschichte im Stil klassischer Heldensagen geschaffen, die einzelnen Kapital werden als Gesänge bezeichnet, Heldin und Held erleben eine wilde Irrfahrt durch die Welt und das Leben im Allgemeinen. Eleni und Lefti werden in einem griechischen Bergdorf an der albanischen Grenze geboren, ihre Familien haben bereits vor Elenis Geburt geplant, dass Cousin und Cousine später heiraten sollen, um das Familienvermögen zu erhalten. Doch Eleni hat nichts anderes im Sinn, als eine Amazone zu werden, eine Heldin, eine große Politikerin will sie werden, heiraten passt da gar nicht dazu.

Ein Abriss über die Familiengeschichte würde zu aufwändig, der Stammbaum auf den ersten Seiten wurde nicht umsonst aufgezeichnet. Am Ende (oder eigentlich schon auf dem Weg) erweist sich der Roman als so echt wie das Leben selbst: unvorhersehbar. Oft führt auch ein zuerst als falsch betrachteter Weg an ein Ziel, von dem man vorher noch gar nichts wusste. Manchmal erweisen sich scheinbare Katastrophen später als Glücksfall. So lange man sich selbst treu bleibt, kann man eigentlich nichts falsch machen. (Und aus den meisten Büchern kann man genau das herauslesen, was man gerade braucht.)

Neil Olson – Ikone

Sonnenuntergang in Griechenland (c) Gustav Kemetmüller/PIXELIO

„Wir bewegen uns im Kreis. Diese Debatte erinnert mich allmählich an eine grundsätzlichere Streitfrage. Ein Mann der Vernunft verlangt Beweise, wenn er glauben soll. Ein Mann Gottes hält vielleicht ebenfalls viel von der Vernunft, aber er weiß, dass er damit nur bis zu einem gewissen Punkt kommt, dass er irgendwann den Sprung ins Unbekannte wagen muss. Er denkt mit dem Verstand, bis er dieses unaussprechliche Geheimnis erreicht. Dann denkt er mit dem Herzen, traut sich noch einen Schritt weiter voraus oder zieht sich zurück. Sie sind ein Mann der Vernunft. Gut. Aber sagen Sie mir, als Sie vor diesem Heiligenbild standen, als Sie das Holz berührten, haben Sie da nicht eine besondere Kraft gespürt? Sagen Sie die Wahrheit.“

Was nach diesem Zitat wie eine religiöse Story klingt, ist in erster Linie ein ganz fantastischer Kriminalroman. In zwei Zeitebenen findet in Griechenland und New York eine Jagd auf die „Ikone“ – ein Bild der Gottesmutter Maria – statt. Drei Generationen einer griechischen Familie sind hinter dem Kunstwerk her.

Im Mittelpunkt steht Matthew, der jüngste Spross der Familie, der durch seine Arbeit als Experte für byzantinische Kunst mit Ana zusammenkommt, die die Ikone soeben von ihrem verstorbenen Großvater geerbt hat. Sie möchte das Bild verkaufen, die Interessenten reißen sich gerade darum. Doch als sie das Bild abgegeben hat, geht der Ärger erst richtig los. Das Bild verschwindet und alle Beteiligten sind auf der Suche danach, gerade Matthew und Ana, die kaum Details der Geschichte der Ikone kennen, geraten ins Kreuzfeuer der verbissen Suchenden. Stück für Stück wird die Geschichte aufgedeckt, der Spannungsbogen bleibt konstant erhalten. Eine spannende Kriminalgeschichte für alle Freunde dieses Genres.

U. A. O. Heinlein – Der Infekt

Was soll ich sagen, ein genialer Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt (wenn man nicht durch reale Personen davon abgelenkt wird ;-).

Also echt, die Heinlein-Bücher kann ich nur jedem empfehlen, der mit diesem Genre was abgewinnen kann.

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