CN: Mord, Nationalsozialismus
In diesem schmalen Band erzählt Volker Kutscher bisher unbekannte Details aus seiner Geschichte um den Kommissar Gereon Rath, seine Frau Charly und den Jungen Fritze Thormann. Von Oktober bis Dezember 1936 schreibt Fritze Briefe an Charly sowie an seine Freundin Hannah, die nach ihrer Flucht aus der Irrenanstalt in Breslau untergetaucht ist. Diese Nebenhandlung spielt also zeitlich etwa nach Olympia, es wird auch auf Ereignisse in diesem Buch Bezug genommen. Wir lesen nur Fritzes Briefe, ohne Kenntnis der vorangegangenen Ereignisse ergeben die Briefe vermutlich wenig Sinn. Gerahmt werden sie zu Beginn und am Ende von Dokumenten der Geheimen Staatspolizei, die zu diesem Zeitpunkt nach Friedrich Thormann fandet.
Die „Erzählung in Briefen“ wurde von Kat Menschik mit vielfältigen Illustrationen ausgestattet. Die Farbsprache ist speziell: Bilder und Texte sind in Gelb-, Orange- und Violett-Tönen gehalten, was den Illustrationen eine Art Duotone-Effekt verleiht. Oft sind die Inhalte als Postkarten gerahmt, auf einer Seite finden sich auch gezeichnete Buchcover der verbotenen Bücher, die Fritze Hannah leihen will (zB Erich Kästners „Pünktchen und Anton“). Eine Seite zeigt eine Ansicht der Prager Burg, darunter liegt halb verdeckt Fritzes (falscher) böhmischer Pass, weiter darunter eine Fahrkarte mit der Nr. 74156. Die Bildsprache passt zur Handlungszeit im Jahr 1936. Text und Illustrationen verbinden sich zu einem großen Ganzen und machen so die Geschichte greifbarer.
Eigentlich bin ich durch diesen Schreibgewitter-Post darauf gestoßen, dass Volker Kutscher nach dem Ende seiner Reihe mit Rath noch zusätzliches Material veröffentlicht hat. Auch Westend und Moabit sind in der Hauptbücherei lagernd. Ich bin gespannt, welche Details sich dort noch verbergen.