CN: Unfall, Krankheit, Fehlgeburt, Revolution, Blut
Beim letzten Bücherei-Besuch musste konnte ich etwas improvisieren und habe mir dabei auch dieses Buch mitgenommen. Frida Kahlo ist sicher die berühmteste Malerin Mexikos. Mit ihren intimen Gemälden, die ihre inneren (Schmerz-)Zustände verdeutlichen, hat sie einen ganz eigenen Stil erschaffen.
Aus den Texten erfuhr ich einige Details, wie etwa, dass Fridas Großeltern väterlicherseits aus Deutschland nach Mexiko gekommen waren. Ihr Vater Wilhelm Kahlo („deutsch-ungarischer Herkunft“) war Berufsfotograf und ließ seine interessierte Tochter an seinen Spaziergängen teilhaben, wobei sie Erfahrungen für ihre spätere Malerei sammelte. Ihre gesundheitlichen Probleme beginnen bereits im Alter von sechs Jahren (etwa 1913), als sie an Kinderlähmung erkrankte. Ihr rechtes Bein blieb davon dauerhaft deformiert zurück. Im Jahr 1925 wird sie bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Ihr Körper wird sich davon nie mehr vollständig erholen. Während der langen Zeit, in der sie bewegungslos im Bett liegen muss, beginnt sie, zu malen.
Bereits als junge Frau zeigt sie große Eigenständigkeit. Ein Foto aus dem Jahr 1926 zeigt sie im Männeranzug neben Schwestern und Cousine (selbstverständlich in Kleidern). Später wird sie ihrem Ehemann Diego Rivera zuliebe oft die traditionell-mexikanischen Tehuana-Gewänder tragen und sich auch in diesen malen. Ihre vielen Selbstporträts enthalten meist Symbole, die auf ihre mexikanische Herkunft und die indigenen Traditionen verweisen. In späteren Jahren lässt sie sich zunehmend weniger auf die traditionelle Frauenrolle ein. Zeit ihres Lebens engagiert sie sich politisch und nimmt noch wenige Tage vor ihrem Tod im Rollstuhl an einer Demonstration gegen den Sturz der demokratischen Regierung des guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz Guzmán durch den CIA teil.
Mir fällt der harte Kontrast zwischen ihren Selbstporträts und den teilweise verstörenden Darstellungen auf, mit der Frida Kahlo ihre gesundheitlichen Leiden illustriert. Vielen bekannt ist vermutlich das Bild La Columna Rota (1944). Es zeigt die Malerin mit offenem Brustkorb, der den Blick auf eine gebrochene Säule freigibt. Ihr Körper ist außerdem von einem Lederkorsett gestützt. Zahlreiche Nägel bohren sich in die nackte Haut ihres Oberkörpers, aus ihren Augen fließen Tränen. Es gibt jedoch auch Bilder, in denen sie mit verschiedenen Symbolen eine Fehlgeburt darstellt oder das Bild Die zwei Friedas (1939), das kurz nach ihrer Scheidung von Diego Rivera entstand. Es zeigt Frida in zwei verschiedenen Kleidungsstilen mit freiliegenden Herzen, die mit einer Ader miteinander verbunden sind. Die „europäisch“ gekleidete Frida hält eine Klemme in der Hand, aus der damit verbundenen Ader tropft Blut auf ihr weißes Kleid.
„Meine Themen waren schon immer meine Empfindungen, meine Geisteszustände und die heftigen Reaktionen, die das Leben in mir hervorruft.“ (Frida Kahlo)
Gerade habe ich große Lust, mich wieder mehr mit Kunst zu beschäftigen. Hoffentlich schaffe ich es bald ins Kunsthistorische Museum. Die Ausstellung A Bite of Art – Genuss in der Kunst klingt sehr spannend.