Rachel Cohn & David Levithan – The Twelve Days of Dash & Lily

„Because this is only going to get worse,“ she said. „So we must buck up, put on a kind face, and get on with it.“ – „Get on with what?“ – „Life. In all its bittersweet glory.“

Es sind drei Jahre vergangen, seit ich Dash & Lily’s Book of Dares gelesen habe, für Dash und Lily ist es jedoch nur ein Jahr. Die Fortsetzung hat mir große Freude bereitet. Auch wenn es für die beiden gerade nicht so flauschig ist, wie erhofft, hält das Buch jede Menge Absurditäten wie obszöne Lebkuchen und eislaufende BibliothekarInnen bereit. Auch wenn Dash und Lily auf dem Papier immer noch brave amerikanische Teenager sind, die ihre körperliche Nähe auf Händchenhalten und Küssen beschränken, zeigt das Buch einen deutlichen Entwicklungsverlauf. Lily ist mit Veränderungen in ihren Lebensumständen konfrontiert, die sie nicht akzeptieren will und trotzdem nichts daran ändern kann. Daraus ergeben sich jede Menge Optionen, um zu lernen. Zu lernen, das Leben in seiner ganzen Absurdität zu akzeptieren und sich dabei selbst treu zu bleiben, auch wenn einer oder einem dabei die Luft zum Atmen weg bleibt. Eine Fortsetzung des „Dash&Lily“-Weihnachtsmärchens.

John Green – An Abundance of Katherines

John Green ist für mich einer jener Autoren, zu denen ich zurückkehren kann, wenn ich einen vertrauten Freund brauche. Dieses Buch ist deutlich fröhlicher angelegt und mit weniger schwierigen Themen behaftet als etwa The Fault in our stars. Und damit gerade das Richtige für eine Pause in der turbulenten Vorweihnachtszeit.

Der etwas schräge und nerdige Colin begibt sich nach der Trennung von seiner Freundin Katherine (XIX) mit seinem Freund Hassan auf einen Road Trip. Recht weit kommen sie dabei nicht, sie landen in einem kleinen Ort in Tennessee, wo sie Lindsey, deren Mutter Hollis und einen Haufen andere Originale kennenlernen. Colin versucht nahezu zwanghaft, eine mathematische Formel zu entwickeln, die seine gescheiterten Beziehungen zu 18 Mädchen namens Katherine (Katherine I ist gleichzeitig Katherine XIX) erklären soll. Davon lenkt ihn zum Glück die Realität ab und ausgehend von einer gescheiterten Wildschweinjagd nehmen die Dinge ihren Lauf.

John Green war übrigens kürzlich im Podcast Death Sex and Money zu Gast.

Janne Teller – Komm

So wie der Mensch nicht entweder gut oder böse ist, sondern beides, muss die Kunst sowohl gut als auch böse sein, gerade weil sie alles Menschliche spiegeln soll. Sie soll uns zeigen, wie wir sind, nicht, wie wir sein sollen.

In diesem Roman begleitet die Leserin einen Mann durch eine Nacht. Er sollte eigentlich zu einem gesellschaftlichen Termin mit seiner Frau, der Integrationsministerin, hat jedoch noch eine Rede für den kommenden Tag zu schreiben. Davon wird er jedoch abgelenkt, da er Besuch erhalten hat, von einer Frau, die ihn davon abzubringen versucht, ein Manuskript zu veröffentlichen, das „ihre“ Geschichte erzählt, die ein Autor gestohlen hat.

Die Gedankenverläufe des Verlagsleiters enthüllen die Umstände nur Stück für Stück. In seinen Überlegungen zum Manuskript und seiner Entstehung, die mit Entwürfen für seine Rede verflochten sind, wechselt er ständig die Position. Er hinterfragt das Wesen und die Aufgabe der Kunst sowie seine persönlichen Lebensentscheidungen. Er lotet die Gratwanderung zwischen Kunst und Kommerz aus und landet schließlich bei der Frage nach der persönlichen Verantwortung.

Wir alle haben die Verantwortung für das, was wir beeinflussen können.

Kurz danach habe ich in einer schlaflosen Nacht nochmal Nichts. Was im Leben wichtig ist gelesen. Mir war in Erinnerung geblieben, wie sich die Schulklasse auf der Suche nach Bedeutung immer mehr hineinsteigert und sich jede und jeder Schritt für Schritt dem Gruppenzwang beugt. Diesmal ist mir mehr ins Auge gefallen, wie subjektiv und flüchtig Bedeutung eigentlich ist. Was für die eine von Bedeutung ist, kann für den anderen völlig bedeutungslos sein. Was uns heute von Bedeutung erscheint, kostet uns nur wenige Tage später oft keinen einzigen Gedanken mehr. Was tatsächlich von Bedeutung war, erschließt sich oft erst viel später. Was wir für bedeutsam halten, kann sich von einem Moment auf den anderen völlig ändern.

Ein weiterer Aspekt ist das Gewicht, dass wir der Bedeutung beimessen. Das Buch endet damit, dass Menschen bereit sind, für das zu töten, was für sie von Bedeutung ist. Was uns zu der Frage bringt, was kann im Leben so von Bedeutung sein, dass es ein Menschenleben aufwiegt?

David Levithan – Love Is the Higher Law

This, I think, is how people survive: Even when horrible things have been done to us, we can still find gratitude in one another.

Auch wenn ein Buch über die Auswirkungen von 9/11 auf den ersten Blick eher deprimierend ausfallen sollte, gelingt es dem Autor, die Perspektive auf positive Bereiche zu richten. Die negativen Auswirkungen wie der „Krieg gegen den Terror“ und die dafür notwendige Aufrüstung sind weithin bekannt. David Levithan hingegen lässt seine jugendlichen Protagonisten dorthin schauen, wo Menschen Trost finden und sich gegenseitig Trost spenden, unabhängig davon, wo sie herkommen, wo sie hingehen oder welche Hautfarbe sie haben. Er lässt sie zweifeln – aber nicht verzweifeln – an der Unberechenbarkeit des menschlichen Handelns und an der Ungewissheit des Lebens, die uns daran hindern könnte, überhaupt morgens aufzustehen, wäre unser Gehirn nicht in der Lage, auf aktuell anstehendes praktisches Handeln zu fokussieren. Auch im Angesicht des Undenkbaren geht das Leben weiter. Irgendwie.

We keep waiting for the next attack, and then we go and make the next attack. … Now I still want to know what I can do. It’s never enough, and it feels like nothing.

Brené Brown – The Gifts of Imperfection

Mir ist kürzlich klar geworden, dass ich mich in einer Art Krise befinde. Schon seit einigen Wochen hatte ich das Gefühl, dass ich nie mit allem fertig werde, dass ich zu jeder Zeit, egal was ich tue, immer auch noch mindestens drei andere Sachen tun sollte. Ein konstantes Gefühl der Überforderung, das ich aber hartnäckig dadurch zu bekämpfen versuchte, so viel wie möglich erledigt zu bekommen. Bis dann der Moment da war, an dem mir klar war, dass es so nicht weiter gehen kann. Dass ich eine Pause einlegen muss, um mir darüber klar zu werden, was ich ändern muss.

Eines der Symptome dieser konstanten Überforderung war, dass ich kaum Zeit zum Lesen hatte. Wenige Augenblicke zwischendurch oder spät am Abend, wenn keinerlei Energie mehr da war, um die Zeit irgendwie produktiv zu nutzen. Die Verarbeitung dieser Krise hat mich daran erinnert, dass ich diese Zeit brauche, um zur Ruhe zu kommen, um einerseits Abstand von mir selbst und dem ganzen Leben zu gewinnen und andererseits um neue Einsichten zu gewinnen über mich selbst und über das ganze Leben.

In solchen Situationen greifen dann vielleicht auch andere Menschen zu Büchern, um die sie im Prinzip schon des Öfteren herumgeschlichen sind, aber sich durch den luftigen Untertitel (Let Go of Who You Think You’re Supposed to Be and Embrace Who You Are) oder dieses Gefühl, keine Selbsthilfebücher zu brauchen, abschrecken haben lassen. Obwohl das Buch viele Tipps beinhaltet, habe ich es dann noch nicht direkt als Selbsthilfebuch empfunden. Diese induzieren bei mir meist Reaktionen wie etwa:

  • Jo eh, das ist ja logisch, da brauch ich doch kein Buch dafür.
  • Jo eh, aber bleiben wir realistisch, das funktioniert doch in der Realität niemals.
  • Jo eh, für bestimmte besonders begabte oder beschenkte Personen wird das sicher funktionieren.

Bei diesem Buch geht es mehr um eine Einstellung zu sich selbst und zum Leben. Der übergreifende Bogen ist der Umgang mit dem Gefühl, nicht (gut/schön/erfolgreich) genug zu sein. Es geht darum, unseren Perfektionismus hinter uns zu lassen. Dabei geht es jedoch nicht um tatsächliche Perfektion sondern mehr um unsere Vorstellung davon, wie Dinge zu sein haben. Wir alle haben Standards und Maßstabe, die wir an uns selbst und an unser Leben anlegen und wenn es uns nicht gelingt, diese zu erfüllen, fühlen wir uns nicht gut genug. Wenn wir nur härter arbeiten würden, dann wären wir endlich glücklich. Diese Gefühle verhindern jedoch, sich tatsächlich glücklich zu fühlen.

Sufficiency isn’t an amount at all. It is an experience, a context we generate, a declaration, a knowing that there is enough, and that we are enough.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Tatsache, dass wir oft zu viel Wert darauf legen, was andere von uns denken. Neben unseren eigenen Maßstäben sollten wir uns auch von den Maßstäben anderer Menschen nicht abwerten lassen. Das Konzept true to yourself hat bei mir nie wirklich Wurzeln geschlagen. Jetzt sehe ich es als das Festhalten an den eigenen Werten, auch wenn diese Werte anderen nicht so wichtig sind oder von ihnen sogar mit Augenrollen bedacht werden.

We want to be able to control what other people think about us so that we can feel good enough.

Es wird nicht die letzte Krise gewesen sein und ich werde mir dieses Buch für meine eigene Bibliothek besorgen müssen, damit ich im Ernstfall darauf zurückgreifen kann, um mich wieder daran zu erinnern, was true to yourself eigentlich bedeutet. Zum Abschluss sei noch gesagt, dass die Autorin soziologische Forschung betreibt, ihre Erkenntnisse beruhen also nicht nur auf ihren eigenen Erfahrungen, sondern auf der Analyse von Interviews mit unzähligen Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensumständen. Sie verwendet dazu die Methodik der Grounded Theory und hat damit mein Interesse geweckt, mich mit dieser Forschungsmethodik näher auseinanderzusetzen.

Jennifer Zeynab Joukhadar – The Map of Salt and Stars

She said to her daughter, “Every place you go becomes a part of you.” – ” But none more so than home.” Rawiya meant this more than anything else she’d said.

Zwei miteinander verwobene Geschichten werden in diesem Buch erzählt. Beide beschäftigen sich mit dem Verlauf einer Reise und trotzdem hat dieses Buch nichts von einem Roadmovie an sich. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht des Mädchens Nour. Nour ist in New York geboren und aufgewachsen, nach dem Tod ihres Vaters kehrt die Familie in ihre Heimat (?) Syrien zurück und lebt in Homs, bis das Haus von einer Bombe getroffen wird. Nour muss mit ihrer Mutter, ihrem Onkel und ihren beiden Schwestern fliehen. Auf der Flucht wird die Familie getrennt und Nour zweifelt immer mehr daran, ob es für sie jemals wieder ein sicheres Zuhause geben wird.

“No one is like everybody else.“ Abu Sayeed taps the tips of his fingers to the railing. “All the stars are different, but when you look up, you see them just the same.”

Parallel wird die Geschichte des Mädchens Rawiya erzählt, die sich im 12. Jahrhundert als Mann ausgibt, um in die Dienste des Kartenmachers al-Idrisi zu treten. Nour hat Rawiyas Geschichte von ihrem Vater erzählt bekommen und hält damit die Erinnerung an ihn wach. Rawiya beweist in unzähligen Situationen ihren Mut und rettet die Expedition sowieso das Werk des Kartenmachers al-Idrisi mehr als einmal. Sie lässt sich durch nichts aufhalten und gibt nicht auf – und findet schließlich den Weg zurück zu ihrer Familie.

The farther I go, the bigger the world seems to be, and it always seems easier to leave a place than it is to come back.

Der Titel lässt eine gewisse Romantik vermuten, viele Teile der beschriebenen Flucht von Syrien bis nach Spanien sind jedoch das absolute Gegenteil. Da es sich hier um einen Roman handelt, der aus der Sicht eines Kindes erzählt wird, können wir davon ausgehen, dass die Realität der Kriegsflüchtlinge noch viel schlimmer ist, als hier beschrieben.

Es macht mich sprachlos, dass so viele Politiker nach wie vor ruhig schlafen, während täglich Menschen im Mittelmeer ertrinken, Rettungsschiffe am Auslaufen gehindert und freiwillige Helfer kriminalisiert werden. Noch immer lässt mich der Gedanke nicht los an die entfernte Bekannte, die ich nach einem Segelurlaub im Mittelmeer im Gespräch mit anderen habe erzählen hören, sie habe sich Sorgen gemacht, sie könnten auf Flüchtlingsboote treffen, denn dann müssten sie die ja auch noch mitnehmen. Gerade bei Menschen, die so viel haben, denen es in ihrem Leben an nichts fehlt, kann ich diese Haltung nicht nachvollziehen. Menschlichkeit wäre das Gebot der Stunde.

Nina LaCour – We Are Okay

I used to cry over a story and then close the book, and it all would be over. Now everything resonates, sticks like a splinter, festers.

Einer der Nachteile an digitalen Büchern ist ja, dass man vorher nicht abschätzen kann, wie lange sie sein werden. Nach den ersten paar Seiten schaue ich meist, wieviel Prozent ich bereits gelesen habe und das gibt mir dann einen Hinweis, wie lang das Buch wohl sein wird. Bei diesem Buch stellte ich fest, dass es überraschend kurz ist und trotzdem werden so viele unterschiedliche Themen behandelt, die für Jugendliche relevant sein können (Anders-Sein, zwischen freundschaftlichen und romantischen Gefühlen unterscheiden, Unsicherheit über die eigene Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung, Zugehörigkeitsgefühl, Einsamkeit, …).

Der Leser lernt die Hauptperson Marin kennen, die gerade an ihrem College alleine die Winterferien beginnt, weil sie (scheinbar) keine Familie hat, mit der sie die Weihnachtsferien verbringen kann. Stück für Stück erfährt der Leser vom komplizierten Verhältnis zur besten Freundin Mabel, dem Geheimnis von Marins jüngst verstorbenem Großvater und der großen Einsamkeit, die so schwer auf Marin lastet, dass sie niemanden mehr an sich heranlassen kann.

Das Ende kommt überraschend und hat zumindest bei mir das Gefühl hinterlassen, dass auch die dunkelsten und einsamsten Tage vorbeigehen und es immer einen Weg gibt.

Everything’s a gift and we’ll be alright.

Barry Swartz – The Paradox of Choice

Der Autor beschäftigt sich in diesem Buch mit der Frage, wie Menschen eine Entscheidung treffen und welche Faktoren diesen Entscheidungsfindungsprozess beeinflussen. Die Ausgangssituation: Noch nie gab es so viel Freiheit für Menschen, zu wählen, wie sie ihr Leben gestalten wollen. Das beginnt bei der Frage der Ausbildung, des Wohnorts, des Partners und endet bei den kleinen alltäglichen Entscheidungen wie dem Kauf einer Hose oder der Auswahl einer Mahlzeit in einem Restaurant.

Generell scheint es logisch und wird vom Autor auch mit wissenschaftlichen Studien belegt, dass die Möglichkeit, zu wählen, auf Menschen einen positiven Effekt hat. Wir wollen die Kontrolle haben und uns frei entscheiden können. Wenn die Möglichkeiten, die uns zur Auswahl zur Verfügung stehen, jedoch so umfangreich sind, dass wir sie nicht mehr überblicken können, dann kehrt sich diese Möglichkeit der freien Entscheidung in einen negativen Effekt um.

Ein wissenschaftliches Beispiel dazu: Studenten dürfen aus einer Auswahl an Schokoladensorten kosten und bekommen anschließend eine Schokoladensorte ihrer Wahl oder ein anderes Geschenk als Dankeschön. Dabei zeigte sich, dass Studenten, die aus einer kleineren Auswahl an Schokoladensorten auswählen durften, eher dazu neigen, die Schokolade als Dankeschön zu wählen anstatt des anderen Geschenks. Mit ihrer Auswahl waren sie dann auch noch viel zufriedener als jene Studenten, die mit einer größeren Auswahl an Schokoloadensorten konfrontiert waren.

Daraus leitet Schwartz ab, dass eine größere Auswahl eher zu dem Gefühl führt, etwas verpasst zu haben oder möglicherweise die falsche Auswahl zu treffen. Er beschreibt das Konzept der Opportunity Costs: jede Auswahl bedeutet auch, andere Optionen nicht gewählt zu haben, diese entgangenen Möglichkeiten werden als Opportunity Costs (Alternativkosten) bezeichnet.

Comparisons are the only meaningful benchmark.

Der Autor beschreibt weiters, warum Vergleiche zur Unzufriedenheit beitragen. Einerseits steht uns nur der Vergleich als Möglichkeit zur Verfügung, um die Qualität einer Entscheidung zu bemessen. Andererseits kann ein Vergleich dazu führen, dass wir mit einer Entscheidung unzufrieden sind, die wir ohne Vergleich gar nicht erst in Frage gestellt hätten. Wenn im Restaurant das Gericht, für das wir uns nicht entschieden haben, an den Nebentisch getragen wird und viel ansprechender aussieht als dasjenige, das vor uns steht, dann wird die eigene Entscheidung dadurch erst abgewertet, die entgangene Möglichkeit vor Augen zu haben.

Das Buch schließt mit einigen Empfehlungen, wie wir uns der Fülle an Möglichkeiten und notwendigen Entscheidungen stellen können. Die Zusammenfassung: entscheiden, welche Entscheidungen wirklich wichtig sind. Ein Gericht in einem Restaurant auszuwählen, ist eine Entscheidung, die genau für diesen einen Tag wichtig ist, aber definitiv keine langfristigen Auswirkungen haben wird (potenzielle Salmonellenvergiftungen mal ausgenommen …). Die Entscheidung für eine Ausbildung oder einen Arbeitsplatz hingegen sollte abgewogen und nach rationalen Kriterien bewertet werden.

We must decide, individually, when choice really matters and focus our energies there, even if it means letting many other opportunities pass us by. The choice of when to be a chooser may be the most important choice we have to make.

Für alle, die an Speisekarten nicht nur wegen der Rechtschreibfehler verzweifeln, kann dieses Buch Hilfe auf der Basis wissenschaftlicher Fundierung bereitstellen. Trotz der vielen Beschreibungen von Experimenten ist es nicht trocken geschrieben und bietet viele Beispiele aus der Praxis. Ein deutschsprachiges Werk zum selben Thema habe ich übrigens bereits 2015 gelesen: Bas Kast – Ich weiß nicht, was ich wollen soll. Auch wenn sich die Inhalte teilweise überschneiden, ist es keine Zeitverschwendung, beide Bücher zu lesen, da sich die Zugänge unterscheiden und unterschiedliche Aspekte beleuchtet werden.

Adam Haslett – Imagine Me Gone

If you think of memory not just as looking back but as being aware of time and how it passes and what the passage of it feels like, then there is something about being in motion that does cause it.

Dieser Roman thematisiert psychische Krankheit und wie sie sich nicht nur auf die betroffene Person sondern auch auf die Angehörigen auswirkt am Beispiel einer Familie. Die Betroffenen sind hier zuerst der Vater und später der älteste Sohn. Die Mutter hat zuerst mit der Krankheit ihres Partners zu kämpfen, sie trägt die Last auf ihren Schultern, die Familie zusammenzuhalten und macht es sich zur Aufgabe, die Kinder vor der Realität der nicht näher bezeichneten Krankheit des Vaters zu beschützen. Die Kinder bekommen natürlich trotzdem mit, dass etwas nicht stimmt und suchen sich ihre eigenen Wege, um mit dem abwesenden Vater klarzukommen.

Während Celia und Alec ihren Weg finden, wird Michael im Erwachsenenalter selbst von Angstzuständen und Panikattacken gequält. Seine Familie wünscht sich einerseits, dass es ihm besser geht, findet aber andererseits keine Möglichkeit, ihn zu verstehen und tatsächlich zu unterstützen. Die medikamentöse Behandlung bringt immer nur kurze Phasen der Linderung, bis sich der Körper an das Medikament gewöhnt. Der verwirrte Geisteszustand und die verzerrte Wahrnehmung von Michael werden durch ein ausführliches Therapieprotokoll verdeutlicht.

Letztendlich versuchen alle drei Geschwister, in ihrem Leben etwas zu finden, das ihnen zurückgibt, was sie an ihrem Vater verloren haben. Die Geschichte findet auch hier einen Mittelweg, um zu illustrieren, dass enge Beziehungen einerseits essentiell für die geistige Gesundheit und das persönliche Wachstum sind, aber andererseits auch nicht als Heilmittel für psychische Krankheiten dienen können. Diese trocken formulierte Botschaft versteckt sich zwischen den Zeilen dieser anrührend, aber nicht kitschig verfassten Familiengeschichte.

Depending on the hour, the insight either maddens or clarifies, sending you into despair, or clearing your vision by releasing you from the bonds of hope.

Tove Jansson – The Summer Book

An island can be dreadful for someone from outside. Everything is complete, and everyone has his obstinate, sure and self-sufficient place.

Ein perfektes Buch für das Ende des Sommers. In einzelnen Episoden erzählt das Buch vom Leben auf einer Insel in Skandinavien, eine Insel klein genug, um gemütlich von einem Ende zum anderen zu spazieren (also kleiner als Aegna bei Tallinn, wo ich vergangenen Sommer war). In der Insellandschaft wohnen andere Menschen, aber im Prinzip jede Familie auf ihrer eigenen Insel, es gibt nur wenig Kontakt mit der Außenwelt, zum Einkaufen wird ein Boot benötigt, um zur nächsten größeren Insel zu fahren.

Der Charme besteht im Verhältnis der handelnden Personen, des Kindes Sophia zu ihrer Großmutter, die das Kind einerseits zur Selbständigkeit erzieht, andererseits aber auch nicht mit Lebensweisheiten geizt. Die Mutter ist abwesend, scheint verstorben, der Vater in seine Arbeit vertieft, kann aber gleichzeitig die alte Frau und das junge Mädchen nicht allein lassen. Es sind Sommer mit Ablaufdatum, nur während der Sommermonate lebt die Familie auf der Insel, über das Leben außerhalb dieser Zeit erfährt die Leserin nichts. Wetter, Pflanzen und das Vergehenlassen der Zeit prägen den Alltag von Sophia und ihrer Großmutter. Es ist eine Welt ohne Straßenverkehr, ohne Nachrichten, ohne Gefahren abseits der Wetterverhältnisse. Es scheint ein Leben außerhalb der Zeit zu sein und ist doch beschränkt durch den Wechsel der Jahreszeiten.

Sometimes people never saw things clearly until it was too late and they no longer had the strength to start again. Or else they forgot their idea along the way and didn’t even realise that they had forgotten.