Olivia Laing – The Lonely City

Sameness, especially for the immigrant, the shy boy agonisingly aware of his failures to fit in, is a profoundly desirable state; an antidote against the pain of being singular, alone, all one, the medieval root from which the word lonely emerges. Difference opens the possibility of wounding; alikeness protects against the smarts and slights of rejections and dismissal.

Ein Spontankauf, vor Monaten in Berlin. Etappenweise gelesen, denn wer kann Einsamkeit schon auf längere Zeit aushalten? Die Autorin beschreibt anhand der Lebensgeschichten von sehr verschiedenen Künstlern das Phänomen der Einsamkeit und wie es sich in der künstlerischen Auseinandersetzung Bahn bricht. Sie beschreibt etwa die sich physisch manifestierende Einsamkeit in einem Gemälde von Edward Hopper. Ihre Beschreibung der Positionen der Personen zueinander und des Lichteinfalls in das nahezu leere Gebäude hat mich die Einsamkeit in dem Bild fühlen lassen, schon bevor ich es mir im Internet angesehen habe.

A weak or damaged ego cannot integrate, because it is too afraid of being overwhelmed by destructive feelings, which threaten to endanger or annihilate the prized and carefully preserved good object.

Nicht jeder, der allein ist, ist auch gleichzeitig einsam. Es gibt Menschen, die besser mit sich selbst allein sein können, als andere. Das mag teilweise Veranlagung sein, kann aber auch ein Sozialisationseffekt sein. Gerade bei Künstlern könnte ich laienhaft annehmen, dass sie sowohl die Auseinandersetzung mit der Außenwelt (als Inspiration) als auch das Alleinsein mit ihren Gedanken brauchen, um künstlerische Werke hervorbringen zu können. Dies beschreibt die Autorin anhand verschiedener Künstler, sie hat jedoch auch ein Gegenbeispiel gefunden, Henry Darger, der seine Werke zeit seines Lebens im Verborgenen geschaffen hat und dessen Kunst erst nach seinem Tod als solche erkannt wurde. Was wiederum die Frage aufwirft, ob Kunst erst durch Anerkennung als solche zur Kunst wird. Hat Henry Darger sich mit seinen Geschichten und Collagen nur beschäftigt, um in seiner Einsamkeit nicht den Verstand zu verlieren? Seine Werke zeigen teilweise beunruhigende Wesenszüge, die erahnen lassen, dass ihm der Wahnsinn vielleicht gar nicht so fremd war.

Loss is a cousin of loneliness. They intersect and overlap, and so it’s not surprising that a work of mourning might invoke a feeling of aloneness, of separation. Mortality is lonely.

Ein intensives und trauriges Kapitel beschäftigt sich mit dem Beginn der AIDS-Krise in den 1980ern. Die Krankheit trat gehäuft in männlich geprägten Künstlerkreisen auf, in denen Homosexualität und Drogengebrauch damals verbreitet waren. Die Krankheit und ihre Übertragungswege waren zu dieser Zeit unbekannt, wenn sich Anzeichen zeigten, war der Tod unausweichlich. Da die Wege der Ansteckung nicht bekannt waren, wurden Betroffene isoliert, in vielen Krankenhäusern nicht behandelt und oft sogar von Freunden und Familie im Stich gelassen.

Auf der letzten Seite schreibt die Autorin sinngemäß: „Einsamkeit ist persönlich, sie ist aber auch politisch. Einsamkeit ist kollektiv, ist eine Stadt.“ Die Großstadt ist eine perfekte Visualisierung für die Einsamkeit, gerade in der Großstand gibt es kaum eine Möglichkeit, wirklich allein zu sein, es sind immer Menschen überall und sei es hinter der dünnen Wand der eigenen Wohnung. Trotzdem kann eine Großstadt der einsamste Ort der Welt sein.

Im Angesicht des Todes ist jeder Mensch einsam. Selbst wenn geliebte Menschen zur Stelle sind, bleibt der Tod ein Schritt, den jeder Mensch allein tun muss.

We are in this together, … what matters is solidarity.