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Nnedi Okorafor – Who Fears Death?

CN dieses Buch: Vergewaltigung, Völkermord, Sklaverei, Steinigung
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Says who? Says tradition. Oh, how our traditions limit and outcast those of us who aren’t normal.

Das Buch hab ich tatsächlich schon vor einigen Tagen fertig gelesen, konnte mich aber bisher nicht aufraffen, darüber zu schreiben. Die Geschichte ist schwierig und grausam und behandelt ein Thema, über das wir im Allgemeinen lieber nicht nachdenken würden.

The tinny smell of old wiring and dead motherboards was stronger up close. There were scattered keys from keyboards and pieces of thin plastic in the sand from broken screens and casings.

Dass es sich um eine dystopische Zukunftswelt handelt, wird lange nur angedeutet, das Fantastische (Menschen, die in der Lage sind, sich in Tiere zu verwandeln oder andere magische Fähigkeiten haben) überdeckt jedoch nicht die Ungerechtigkeit, mit der Menschen für Ereignisse bestraft und ausgegrenzt werden, die vor ihrer Geburt geschehen sind. Die Verzweiflung dieser von Geburt an gebrandmarkten und ausgestoßenen Menschen; das Unverständnis, mit dem diese als minderwertig angesehenen Kinder der Welt begegnen, wird deutlich spürbar.

To be something abnormal meant that you were to serve the normal. And if you refused, they hated you … and often the normal hated you even when you did serve them. 

Zu diesem Buch kann ich nur jenen raten, die sich tatsächlich in eine intensive Auseinandersetzung mit Unterdrückung, körperlicher Gewalt und dem Kampf gegen gesellschaftliche Normen, die diese Verhältnisse stützen, begeben wollen. Wer Parable of the Sower gut findet, wird auch hier nicht enttäuscht werden.

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Octavia E. Butler – Parable of the Talents

When we have no difficult, long-term purpose to strive toward, we fight each other. We destroy ourselves.

Nachdem Parable of the Sower mit einem Ausblick in ein neues Leben für Lauren und ihre Mitstreiter*innen endet, wollte ich natürlich erfahren, wie die Geschichte weitergeht. Der erste Teil wird allein aus Laurens Sicht erzählt, der zweite Teil ist eine Mischung aus Reflexionen von Laurens Tochter (die erst im Verlauf der Geschichte des zweiten Teils geboren wird), Laurens Tagebucheinträgen und kurzen Texten von Laurens Partner Bankole und Laurens Bruder Marcus. Diese Struktur gibt der Geschichte eine realistische Anmutung, als wäre die Geschichte nicht erfunden, sondern sorgfältig recherchiert und aus den verfügbaren Textbruchstücken zusammengesetzt.

How much of this nonsense does he believe, I wonder, and how much does he say just because he knows the value of dividing in order to conquer and to rule?

Lauren gründet mit ihrer Gruppe eine neue Siedlung namens Acorn. Mehrere Jahre arbeiten alle gemeinsam, bauen Häuser, lernen voneinander, versorgen sich selbst und treiben Handel mit umliegenden Dörfern. Laurens Religionskonzept Earthseed wächst und gedeiht ebenfalls. Die fanatischen Anhänger eines skrupellosen Politikers, der die USA zu einem christlichen Gottesstaat machen will, zerstören die Idylle und versklaven die Einwohner von Acorn mit ferngesteuerten Halsbändern. Eine Zeit der Qualen beginnt.

Dieses Buch behandelt so viele schwierige Themen. Da die Gesellschaft dermaßen aus den Fugen geraten ist, kann ein Politiker, der den Menschen Sicherheit verspricht, sich nahezu alles erlauben. Die Autorin legt ihm übrigens auch den Slogan Make America Great Again in den Mund. Wikipedia weiß dazu, dass der Slogan vor Donald Trump auch schon von Ronal Reagan und Bill Clinton verwendet wurde. „Ungläubige“ werden ausgestoßen und als Hexen verbrannt. Menschen sehen zu, wie ihre Nachbarn eingesperrt oder erschossen werden, weil sie Angst haben, selbst zur Zielscheibe zu werden. In der kirchlichen Organisation wollen die führenden Persönlichkeiten nichts von den radikalen Gewalttaten ihrer Anhänger wissen. Die Autorin beschreibt ausführlich das Gefühl der Gefangenschaft, das die Versklavten durch die Halsbänder, die ihre Freiheit einschränken, erfahren. Die Sklaven werden behandelt wie Tiere, die Grausamkeit der Mächtigen scheint kein Ende zu nehmen. Schon im ersten Teil wurde mit detaillierten Beschreibungen von Gewalttaten nicht gespart und auch hier sind einige Passagen enthalten, die meine Vorstellungskraft auf die Probe gestellt haben. Definitiv keine leichte Lektüre.

If she had created Acorn, but not Earthseed, then I think she would have been a wholly admirable person.

Als alles umspannender roter Faden dient das Verhältnis von Lauren zu ihrer Tochter. Das Baby wird von den christlichen Radikalen entführt und wächst bei Adoptiveltern auf. Nach Laurens Flucht aus der Gefangenschaft macht sie sich auf die Suche nach ihrer Tochter, erkennt jedoch schnell die Aussichtslosigkeit ihres Unterfangens. Ihr Bruder findet das Kind, hält dies jedoch vor Lauren geheim. Die erwachsene Asha steht der abwesenden Mutter, die ihre Religion scheinbar über das eigene Kind gestellt hat, kritisch gegenüber.

Religion kann Gutes bewirken, aber auch Menschen dazu verleiten, den Glauben über die Menschlichkeit an sich zu stellen. Diesem Vorwurf muss sich auch Lauren aussetzen, die mit ihrer Religion eigentlich nur Gutes bewirken will. Gleichzeitig zeigt die Geschichte auch, dass ein großes Ziel nur erreicht werden kann, indem auf anderen Ebenen verzichtet wird.

Trotz dieser vielen Bedeutungsebenen, der beschriebenen Gewalt und Unmenschlichkeit und den vielen Parallelen, die sich zu früheren Ereignissen, aber auch aktuellen Entwicklungen ziehen lassen, kann dieses Buch nicht nur ein Lehrstück sein sondern auch Hoffnung machen.

Partnership is giving, taking, learning, teaching, offering the greatest possible benefit while doing the least possible harm. Partnership is mutualistic symbiosis. Partnership is life.