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Sachbuch

Douglas Thomas, John Seely Brown – A New Culture of Learning

Drei Anläufe hat es gebraucht, bis ich dieses Buch tatsächlich fertig gelesen habe. Das liegt nicht daran, dass es nicht interessant wäre oder schwer zu lesen, es ist mir einfach aus dem Blickfeld gerutscht. Entdeckt hatte ich es im Rahmen meines Bildungswissenschaftsstudiums vor zwei Semestern und das Konzept und der zukunftsweisende Titel haben mich überzeugt, dass ich es lesen sollte.

The key to questioning is not typical problem solving. It is innovation.

Die Autoren beschreiben anhand verschiedener Beispiele, warum traditionelle Lerntheorien in unser heutigen Wissensgesellschaft nicht mehr ausreichend funktionieren. Anhand des Beispiels einer World-of-WarcraftRaid-Gemeinschaft wird erklärt, wie Menschen heute komplexe Prozesse lernen und sich verändernden Umgebungsbedingungen anpassen.

In the new culture of learning, people learn through their interaction and participation with one another in fluid relationships that are the result of shared interests and opportunity.

Diese Form des Lernens erfordert keine Lehrperson, die einen Lehrstoff vermittelt. Lernende lernen voneinander, in dem sie zusehen, wie andere Menschen Probleme lösen, selbst Dinge tun und experimentieren, um herauszufinden, was am besten funktioniert. Jahrhundertelang funktionierte unser Bildungssystem derart, dass Schüler*innen Fragen gestellt bekommen, deren Antworten die Lehrenden bereits kennen. Auf die komplexen Fragen der heutigen Zeit (Klimawandel) gibt es jedoch keine einfachen Antworten.

The point is that no matter what direction he goes in or what he finds, more questions await. And the questions he asks are limited only by his imagination. We call this style of learning inquiry.

Beim Lesen habe ich mich immer wieder an den Lernstil von John Dewey erinnert. John Dewey schrieb der Erfahrung im Lernen den höchsten Wert zu. Kinder sollten gemeinsam in der Gruppe Dinge erschaffen und daran lernen. Sowohl der Gemeinschaftsaspekt als auch das Erfahrungslernen finden sich in der neuen Kultur des Lernens wieder. Es geht nicht darum, was wir bereits wissen, es geht darum, was wir noch lernen können und vor allem wie wir das lernen können (schreibt Siemens in seiner Konnektivismustheorie).

Die praktische Anwendung dieser Erkenntnisse steht jedoch weitgehend in den Sternen.

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Sachbuch

Andreas Flitner – Reform der Erziehung

Das Entscheidende in allen Vorgängen der Erziehung ist offenbar die Art und Weise, wie ein Kind den Mut zum Selbstsein, wie es Vertrauen in sein Lernvermögen und wie es ein Bewusstsein der eigenen Individualität gewinnen und »erlernen« kann.

Etwas verspätet bin ich nun auch mit meiner Ferienergänzungslektüre fertig geworden. Der Autor versammelt in diesem Buch diverse Reformtendenzen in der Erziehung im 20. Jahrhundert. Er beruft sich zu Beginn auf Ellen Key, die das Jahrhundert des Kindes vorhergesagt hatte. Der Trend der Pädagogik vom Kinde aus beeinflusste tatsächlich die meisten Strömungen, mit denen sich Flitner in diesem Buch thematisch auseinandersetzt.

Wer sich dafür interessiert, wird ohnehin selbst zum Buch greifen müssen. Ich hab mir 2.700 Wörter notiert und will hier nur das Grundthema widergeben:

Grundgedanken der Reformpädagogik:

  • Eine Veränderung der Welt durch Erziehung ist möglich.
  • Jugend als Potenzial der Erneuerung der Gesellschaft.
  • Das Natürliche erhalten, anstatt es zu unterwerfen und anzupassen.
  • Folge: Unsicherheit des Traditionsverlusts. Zweifel an allen Regeln.

In den folgenden Kapiteln beschäftigt sich der Autor unter anderem mit dem Verhältnis von Kunst und Erziehung und der Entwicklung des Gestaltens innerhalb des Schulbetriebs, mit der Verknüpfung von Schule und Arbeit und den Entwicklungen, die durch den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft hervorgerufen wurden. Mit Bezug zu Dewey wird auch das Verhältnis von Schule und Demokratie hinterfragt und auf die Wichtigkeit verwiesen, die das Erleben von Demokratie auf das Demokratieverständnis ganzer Generationen haben kann. Einen wichtigen Einfluss auf die Pädagogik bildete auch die Psychoanalyse Sigmund Freuds. Entwicklung und Lebenswelten von Kindern wurden aus einer neuen Perspektive betrachtet.

In den letzten Kapiteln analysiert der Autor aktuelle Entwicklungen unserer Lebenswelt und fragt, wie sich diese auf unsere Kinder auswirken werden:

  • Gehorsam ist nicht mehr das Wichtigste in der Erziehung, Kinder sollen sich entfalten dürfen.
  • Der Zeittakt der Eltern bestimmt Disziplin und Umgangsweisen, Kinder werden schon früh in das durchorganisierte Zeitraster integriert.
  • Die Auswirkungen des Fernsehens (und heute noch viel mehr: des Internets) als Gegenprogramm zu kontinuierlicher Lern- und Bildungsarbeit sind noch viel zu wenig untersucht.
  • Räume, die Kinder selbst entdecken können, sind selten geworden, Spielplätze sind gestaltet.
  • Das Klima innerhalb der Familie ist von hohen Erwartungen bestimmt, Eltern und Kinder verstehen sich als Partner (dies kann auch zu einer Entfremdung von der Außenwelt führen).

Diese Analyse kommt zu dem Schluss, dass Pädagogik ständig der Reform bedarf. Sie muss sich anpassen an die sich immer schneller verändernde Lebenswelt der Heranwachsenden und wir beobachten an unserem Schulsystem, das die Schule mit den Veränderungen der Gesellschaft nicht Schritt halten kann. Es reicht nicht, den jungen Menschen nur Wissen einzuflößen, sie müssen lernen, wie sie sich in der Welt zurechtfinden. Nicht Wissen alleine bringt uns weiter, sondern wir müssen auch die Fähigkeit haben, Wissen anzuwenden.

»Lernen« als bloße Übernahme gegenwärtiger Wissensstände führt oft nur zu dürftigem Erfolg. Lernen fordert immer auch ein Verstehen der Wege, ein Bearbeiten der Fragestellungen, die zum gegenwärtigen Wissen geführt haben.

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Sachbuch

Adele Faber, Elaine Mazlish – How to talk so kids will listen & listen so kids will talk

Versailles in Minimundus, Klagenfurt, Kärnten

Doesn’t sound too hard, does it? But it is. And the hardest part is not the learning of the separate steps. With a little study that can be accomplished. The hardest part is the shift we have to make in attitude. We have to stop thinking of the child as a “problem” that needs correction. We have to give up the idea that because we’re adults we always have the right answer. We have to stop worrying that if we’re not “tough enough”, the child will take advantage of us.

Erziehungsratgeber klingen meistens besonders gscheit und bringen wenig Erfolg. Im Alltag erweisen sich gut gemeinte Ratschläge oft als wenig mehr als gut gemeint. Manche Hinweise funktionieren vielleicht einmal, doch sobald die Kids das Spiel durchschaut haben (und das werden sie langfristig wohl immer), muss man neue Strategien anwenden.

Tatsächlich fehlen mir die eigenen Kinder zum Ausprobieren der in diesem Ratgeber vorgestellten Strategien. Das Meiste klingt sehr vernünftig und die vielen Geschichten von Eltern, die selbst überrascht waren, wie gut die Strategien in der Praxis funktionieren, tun ihr Übriges. Die Schwierigkeit dürfte hauptsächlich darin liegen, sich die Tipps einzuprägen und dann die vorgeschlagenenen Kommunikationsmittel tatsächlich anzuwenden und nicht in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Augen öffnend ist dabei ein beispielhafter Gesprächsverlauf in einem der späteren Kapitel, indem verdeutlicht wird, was eine Mutter alles falsch machen kann und wie daraufhin der Gesprächsverlauf eskaliert. Der erste Impuls ist nicht immer der Richtige, oft gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und die Gefühle nicht überhand nehmen zu lassen. Die Autorinnen plädieren aber auch dafür, den Kindern auch die eigenen Gefühle nicht vorzuenthalten, also auch zum Ausdruck zu bringen, wenn man sich ärgert und worüber.

Ich hinterfrage gerade meine Einstellung gegenüber Ratgeber-Büchern. Macht man sich nicht in Wirklichkeit zuviel Sorgen? Sind nicht die meisten von uns zu guten Menschen herangewachsen, auch wenn unsere Eltern nicht alles richtig gemacht haben und keine derartigen Ratgeberbücher zu Rate gezogen haben? Ist nicht oft die impulsive Reaktion einer Mutter oder eines Vaters vollkommen in Ordnung? Fühlt man sich vielleicht trotzdem weniger unsicher, wenn man die Erfahrungen anderer Eltern teilen kann? Und von deren Tipps und Erfahrungen profitieren kann? Vermutlich. Vermutlich hilfreich.