Sabine Heinrich – Sehnsucht ist ein Notfall

Dieses Buch hat mich vermutlich interessiert, weil es im Klappentext als Road Movie bezeichnet wird. Es klingt nach einem nicht ganz dummen Frauenroman, hält aber leider das Versprechen nicht.

Evas Oma will sich von ihrem Mann trennen. Eva ist natürlich überrascht und entsetzt. Als Eva dann auch noch einen betrunkenen One-Night-Stand mit Familiennachspiel erlebt, steht auf einmal ihre eigene Beziehung auf dem Prüfstand. Spontan beschließen Eva und Oma zu verreisen. Auf der Fahrt nach Italien lernen sich Oma und Enkelin neu kennen und in vielen Rückblenden werden Details der Familiengeschichte enthüllt.

Das Buch ist flott geschrieben, ich hatte es innerhalb zweier Abende durchgelesen. Der Schluss, den ich hier nicht spoilern will, hat bei mir einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Ich kann zwar verstehen, dass die Autorin keine Richtung vorgeben will, wie Eva sich entscheidet, man will ja kein Ratgeber sein für andere, die vor der Entscheidung stehen, die bewährte Beziehung zugunsten eines neuen Abenteuers aufzugeben. Aber es hätte definitiv Möglichkeiten gegeben, das Ende ein wenig positiver zu gestalten. Der bittere Schlussakkord passt mir nicht so recht zum ansonsten positiven Grundton des Ganzen. Es ist nie zu spät, sich neu zu entscheiden und sein Leben zu verändern. Oder am Ende dann vielleicht doch.

Angelika Hager – Venus im Koma

Die Dienstags-Intensivauseinandersetzung bei der Plätscher-Tante konnte sie jetzt einmal getrost aus dem Wochenplaner streichen. So hatte doch jede Katastrophe irgendeine Form von Bonustrack. Und jetzt?

Die Polly Adler-Kolumne in der Kurier-Freizeit-Beilage lese ich nun schon seit Jahren, konnte mir allerdings nicht vorstellen, wie sich ein Roman in derartiger Wuchteldichte schreiben und vor allem lesen lässt. Beim Stöbern in den verfügbaren Neuzugängen in der Onlinebibliothek der Büchereien Wien fiel es mir dann zum richtigen Zeitpunkt entgegen. Tatsächlich erwies es sich dann als überraschend kurzweiliges Lesevergnügen. Aber …

Innerhalb einer halben Woche hatte ihre Work-Life-Balance eine kopernikanische Wende genommen. Die Chinesen betrachteten den Zustand der Verliebtheit als eine Form der Geisteskrankheit. Und womit? Mit Recht! Sie stand vor einer Bombengeschichte, der sich bei Anatol wieder auf Schiene bringen würde, und wälzte die Probleme eines verwirrten Teenagers.

… wenn ihr zu ihrer Wuchtelschlacht doch nur ein etwas originellerer Plot eingefallen wäre … der abgelebte und widerspenstige Ehemann, der schwule Kollege und Freund, der abgehobene Chef, die nervige Aufsteigerkollegin, der attraktive Polizist. Die Charaktere wirken wie Scherenschnitte, die mit aller Gewalt dem Reißbrett entsprungen sind und langweilen teilweise schon beim ersten Auftritt. Stück für Stück hat man das Gefühl, schon zu wissen, in welche Peinlichkeitskatastrophe die resolute Polly Adler als nächstes stürmen wird.

Und doch entspringen der Geschichte dann doch einige überraschende Wendungen, die die Gesamtstory zwar nicht origineller, aber den Lesefluss immerhin spannender machen. Wenn man als Maßstab herkömmliche Frauenromane von der Carly-Philipps-Stange anlegt (ich habe noch immer die Schwestern-Trilogie im Kopf, die dermaßen vorhersehbar war, dass man nach jeweils 10 Seiten alles weiß), kann man sich mit Polly Adler und ihrem Fortpflanz (deren Rolle zu klein ist) dann doch um einiges besser amüsieren. Dank Lokalkolorit und Wuchtelschlacht ergibt sich ein witziges Leseerlebnis. Zur Entspannung sozusagen perfekt.

Michelle Raven – Vertraute Gefahr

Bluemchen

Nur langsam ließ die Panik nach und sie konnte wieder atmen. Wenn sie nicht wollte, dass sich die Ereignisse wiederholten, musste sie vorsichtiger sein. Vor allem durfte ihr niemand mehr so nahe kommen. Noch einmal würde sie eine solche Qual nicht durchstehen. Nicht in der Lage, sich mit ihren Gefühlen und Erinnerungen auseinanderzusetzen, warf Autmn Shane ein gequältes Lächeln zu und flüchtete zur Essensausgabe.

Oh, Amazon, was verschenkst du für fürchterliche Schnulzenromane zu Weihnachten? Ah, ein Opfer, eine Frau, welch Überraschung. Oh, ein Held, ein Mann, jetzt bin ich aber überrascht. Sofort ineinander verliebt, sie hält sich zurück, weil schlechte Erfahrungen, muss ich mehr sagen? Doch, eines muss ich noch sagen: in Amerika dürfte das Werk wegen der saftigen aber ebenfalls völlig vorhersehbaren Sexszenen unter Pornografie abgelegt werden …

So ab 80% wartete ich nur noch darauf, wann jetzt endlich der böse Ex daherkommt, der das Opfer entführt, damit sie der Held dann im letzten Moment retten kann. Banaler geht’s echt nicht. Und dann auch noch dieser Name – Autumn … Falls Amazon nächstes Jahr wieder Kindle-Bücher zu Weihnachten verschenkt, werd ich nicht mehr alles runterladen, nur weil’s gratis ist. Jetzt liegt’s in meiner Kindle-Bibliothek und verspottet mich … Entbehrlich.

Nora Roberts – Der verborgene Stern

Zweige

Zudem war es erregend, zu wissen, dass sie sich an keinen Kuss vor diesem erinnern konnte. Dass er der einzige Mann in ihrem Kopf und in ihrem Herzen war, der sie auf diese Weise berührte. Er war der erste, der sie zum Zittern brachte, sein Name war der erste, den sie wisperte, während sie von einer Welle des Begehrens ergriffen wurde.

Hach, Frauenromane. Warum ist das immer so ein Thema, dass es wichtig ist, ob ein Mann der Erste ist? Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erweist sich die betreffende Frau, die ihr Gedächtnis verloren hat, dann auch noch tatsächlich als unberührt …

Er hatte eine sehr genaue Vorstellung von Recht und Unrecht. Es gab die Guten und die Bösen, es gab Gesetz und Verbrechen. Und doch war er nicht so schlicht gestrickt, dass er nicht auch die Graustufen erkannte und zu würdien wusste. Doch es gab gewisse Grenzen, die er niemals überschritten hätte. Zudem besaß er einen scharfen Verstand, der höchstens hin und wieder kleine Abstecher in bunte Fantasiewelten machte.

Hach, was für ein strahlender Held. Bei etwa 97% dann die entscheidende Erkenntnis. Das ist der erste Teil einer Trilogie. Warum sollte Amazon auch irgendwas anderes verschenken, als Dinge, die noch mehr Teile haben? Siehe der achte Harry Hole. Ob ich für die Fortsetzung von diesem Schinken allerdings Geld ausgeben möchte, muss ich noch mit mir selbst ausfechten. Immerhin ist die gute Bailey jetzt keine Jungfrau mehr. Mal sehen, ob ich diese damit nicht abgeschlossene Trilogie nicht irgendwie verdrängen kann.

Luanne Rice – Was allein das Herz erkennt

Rose In Madrid, Rosengarten im Parque de Retiro

May blickte auf das Eis, bemüht, sich auf die letzten Minuten des Spiels zu konzentrieren, aber ihre Augen kehrten immer wieder zu den Lippenabdrücken ihres Mannes auf der alten, zerkratzten Plexiglasscheibe zurück. Sie wünschte sich, dass alles, was sie in diesem Augenblick besaß – das Vertraute und das Neue – für immer andauern möge.

Es fällt mir immer schwer, die Liebesromane zu beschreiben, die ich zur Unterhaltung zwischendurch lese. Bei diesem ist das nicht anders, obwohl er sich vom allzu bekannten Schema – Mädchen trifft Junge, sie können sich erst nicht leiden und verlieben sich dann – deutlich abhebt. Die Kerngeschichte in diesem Liebesroman ist mehr, wie sich zwei Menschen, die beide schlechte Erfahrungen in ihrem vergangenen Leben durchgemacht haben, zusammenraufen. Zwischen ihnen steht ein lebendes und ein totes Kind. Das lebende Kind stellt die Verbindung her, die es den beiden überhaupt erst ermöglicht, sich kennenzulernen. Das tote Kind ermöglicht schließlich, dass beide über sich hinauswachsen. Erst als eine Katastrophe über die Familie hereinbricht, gibt dies den Ausschlag, die Wunden zu heilen. Auf diese Art und Weise verbreitet der Roman ein wärmendes Gefühl – wie Kerzenlicht an einem düsteren Winterabend.

Ildikó von Kürthy – Endlich!

Hafenpromenade Helsinki

Ob ich es jemals bereut habe? Ja, selbstverständlich. So, wie ich jede Entscheidung, die ich jemals getroffen habe, bereut habe. Ich bin einfach nicht der Typ, der sich gerne entscheidet und dann auch noch seinen Frieden macht mit der einmal getroffenen Entscheidung.

Ja, wer sich für Sommerunterhaltung auf niedrigem Niveau entscheidet (zum Ausgleich für andere Strapazen), der könnte wohl genau das bekommen. Allerdings hatte ich es mir so dann doch nicht vorgestellt. Jammern kann ich nämlich selber ganz gut.

Aber mir persönlich sind keine Frauen bekannt, die sich behaglich zurücklehnen. Frauen sind stetig vor sich hin sprudelnde Nölquellen, immer unzufrieden, immer damit beschäftigt, irgendwas zu optimieren, meistens ihren Partner oder ihre Figur.

Gerade im ersten Teil des Buches kann man sich schon mal etwas verwirren lassen, wenn man zwischendurch eventuell auch mal was anderes zu tun hat. Die Protagonistin Vera erzählt in Rückblenden nicht nur ihre eigene, sondern auch nahezu die gesamte Lebensgeschichte ihrer Freunde. Das geht dann ein Stückchen zu weit. Von einem Moment auf den anderen ist die Rede von Marcus (Veras Mann), dem Betrüger, und ich musste zurückblättern, wo ich jedoch nicht fündig wurde. Erst 10 Seiten später wird die ganze Geschichte aufgelöst, das grenzt dann fast schon an Anstrengung. Wenigstens haben die Freunde Johanna und Erdal etwas spritzigere Lebensansichten zu bieten:

„Frisch und ausgeruht, wenn ich das schon höre! Du hast keine Illusionen mehr, kaufst einen Luftbefeuchter und trinkst zu jedem Glas Wein ein Glas Wasser. Schnarch.“

Vera selbst jammert leider nur großräumig rum. Schon als ihre heile Welt noch in Ordnung ist, kann man ihr kaum was recht machen, aber als der Betruf ihres Mannes erstmal aufgedeckt ist, gibt’s außer Gejammer über die Männer noch jede Menge Gejammer über gesellschaftliche Konventionen, die Frauen auferlegt werden (Karrierefrauen, Rabenmütter, muss ich mehr sagen?) und die Probleme, diesen zu entsprechen. Und auch zum Schluss entscheidet das Schicksal über das Leben von Vera. Und nicht Vera selbst.

Ich könnte jetzt tatsächlich ganz einfach mal so sein, wie ich bin – oder so, wie ich immer schon mal sein wollte.

Franziska Stalmann – Champagner und Kamillentee

Champagner (c) mocbog/SXC

„Sie heißt ,Bleib gesund’“, sagte ich und rang mich dazu durch, schonungslos die Wahrheit zu sagen. „Es ist eines von diesen komischen Blättchen, die man in der Apotheke mitnehmen kann. Aber sie zahlen mir tausend Mark im Monat, und ich kann schreiben, was ich will, wenn es nur spannend ist, und sie haben immerhin eine Auflage von einer Million. Und ich lerne sehr viel dabei“, fügte ich hinzu, in der Hoffnung, Elisabeth würde die Vorteile gegen die Unseriosität abwiegen und mich nicht allzu sehr verachten.

Viel mehr Spezielles oder Erwähnungswertes gibt es leider zu diesem Roman nicht zu sagen. Diese Beschreibung des neuen Arbeitgebers der Protagonistin Ines erinnert mich persönlich an einen vergangenen Arbeitgeber, weshalb ich dieser Sichtweise etwas abgewinnen kann. Das mag jedoch auf die wenigsten zutreffen, daher ist dies wohl ein Frauenroman wie so viele andere.

Eine fest in ihrem gemütlichen Leben stehende Frau wird aus der Bahn geworfen, von ihrem Mann verlassen und muss ihr Leben neu ordnen. Sie landet letztendlich ganz unten und muss sich von dort wieder aufrappeln. Zuerst geht alles schief, dann wendet sich das Blatt und das Schicksal scheint sich („endlich!“ will man ausrufen) auf ihre Seite zu schlagen. Jeder Schritt, den sie vorher nach unten getan hat, klettert sie in weiterer Folge wieder hinauf. Bis zum großen Herzschlagfinale, das ihr Leben wiederum aus der Bahn wirft. Wieder mal ein Beispiel für die sommerliche Strandlektüre.

Barbara Hodgson – Die Krinoline bleibt in Kairo

Pyramide(c)leonardobc/SXC

Reisen ist … eines der traurigsten Vergnügen des Lebens. Wenn man sich in einer fremden Stadt wohl fühlt, so ist es immer, weil man schon anfängt, dort einheimisch zu werden. Aber unbekannte Länder durchstreifen, eine Sprache reden hören, die man nur notdürftig versteht, menschliche Gestalten sehen, die sich weder an unsre Vergangenheit noch an unsre Zukunft knüpfen: das ist Einsamkeit und Absonderung ohne Ruhe und ohne Würde. (Mme. de Stael)

Passenderweise hat mich dieses Buch auf meiner österlichen Wochenendreise begleitet. Von Stockerau aus über Wien, Linz, Golling-Abtenau nach München und anschließend wieder retour haben ausgereicht, um sich mit reisenden Frauen von 1650 bis 1900 zu beschäftigen. Nach heutigen Massstäben erscheint es äußerst faszinierend, dass Menschen sich ohne Notwendigkeit all diesen Strapazen aussetzten. Heute sind so viele Menschen ständig mit dem Auto unterwegs und finden die öffentlichen Verkehrsmittel unzureichend und unbequem. Da möchte man doch manchmal an die äußerst unbequeme Postkutsche erinnern, mit der man Wien nach Linz seinerzeit länger brauchte als heute von Wien nach New York.

Frauen unterschiedlicher Nationalitäten begaben sich bereits damals auf die Reise, um unbekannte Gegenden auf unserer Welt zu erforschen und schreckten im Ernstfall auch nicht davor zurück, sich ohne Begleitung durch den Amahonas-Dschungel zu quälen. Krankheiten forderten gerade auf Schiffsreisen oder in tropischen Gebieten unzählige Todesopfer unter den Reisenden. Gerade in fortgeschrittenem Alter mussten die Reisenden daher immer wieder damit rechnen, die Heimat nicht wiederzusehen. Und doch erlangten gerade die Reiseberichte von Frauen eine derartige Popularität, dass sich immer neue Pionierinnen fanden, die die Welt erkundeten.

Bei der Krinoline handelt es sich übrigens um den in dieser Zeit üblichen Reifrock, den man zur Besteigung der Pyramiden besser nicht tragen sollte.

NOTE: Erstes Buch im Kindle-App am iPhone (Kurt Vonnegut: Cat’s Cradle). Erste Eindrücke brauchbar, wenn auch nicht sonnengeeignet.

Dai Sijie – Balzac und die kleine chinesische Schneiderin

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Ba-er-za-ke! Der ins Chinesische transkribierte Name des Autors setze sich aus vier Ideogrammen zusammen. Was für eine Magie, die Übersetzung! Die harten, kriegerischen, aggressiven, kratzenden Laute der zwei ersten Silben klangen mit einem Mal sanfter. Die vier zierlichen. aus wenigen Strichen zusammengesetzten Schriftzeichen reihten sich harmonisch zu einem Wort von ungewöhnlicher Schönheit, das einen exotischen, einen sinnlichen, einen betäubenden Duft ausstrahlte: das warme, volle Aroma eines jahrhundertelang im Keller gelagerten Likörs.

Recht bald wird dem Leser beim Eintauchen in die Geschichte der kleinen chinesischen Schneiderin klar, dass Dai Sijie Wörter liebt. Er liebt auch Frauen, aber Worte liebt er mehr. Der obige Absatz, der den ersten Kontakt des Protagonisten mit einem Roman von Balzac beschreibt. Er und sein Freun Luo wurden von der chinesischen Regierung zur „kulturellen Umerziehung“ in ein Bergdorf geschickt. Aufgrund der Berufe ihrer Eltern gelten sie als Intellektuelle, die dem Regime durch ihre revolutionären Ideen gefährlich werden könnten. Im Bergdorf müssen sie körperlich harte Arbeit leisten und sind abgeschnitten von nahezu jeder Zivilisation.

Balzacs Roman ergaunern die beiden schließlich aus dem geheimen Bücherkoffer des Brillenschang, der ebenfalls zur kulturellen Umerziehung im Nachbardorf einquartiert wurde. Die Bücher sind selbstverständlich verboten, weshalb ihre Existenz auch geheim bleiben muss. Aber auch die kleine Schneiderin verliebt sich in Balzac und so nimmt nicht nur das Schicksal der Burschen seinen Lauf.

Nach dem Lesen des Buchs kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Liebe zu Wörtern in der Verfilmung aus dem Jahr 2002 auch transportiert werden konnte. Obwohl Autor Dai Sijie selbst Regie führte und der Film beste Kritiken erhielt, möchte ich trotzdem zum Buch raten. Nach meiner Ansicht kann sich die Wirkung der Worte nur dann richtig entfalten, wenn sie auf direktem Wege vom Papier ins Herz gelangen.

Ich erinnere mich, dass ich nie einen so herzergreifenden traurigen Walzer gehört hatte, er war noch trauriger als die Requiems, die man Europäer mit Kerzen in der Hand und Frauen mit Schleiern auf dem Kopf im Fernsehen singen hört …

Die zweite Geschichte in diesem Buch handelt von Muo, der eine unglaubliche Reise unternimmt, um seine Freundin „Vulkan des alten Mondes“ aus dem Gefängnis zu befreien. Zu diesem Zweck versucht er einen Richter zu bestechen, dieser besitzt so viel Vergnügen, dass er sich nur mit einer Jungfrau zufrieden geben will. Wie soll Muo nun eine Jungfrau auftreiben, die auch noch bereit ist, diese zu opfern? Eine haarsträubende Suche beginnt, auf der der „Traumdeuter“ Muo in die bizarrsten Situationen gerät. Unter anderem verliert er dabei selbst seine Jungfräulichkeit mit einer Frau, die er eigentlich für Richter Di bestimmt hatte.

Dabei sind vor allem die Beschreibungen von Gefühlen interessant, denn nicht nur Muos Gefühlen, sondern auch denen der vielen beteiligten Damen widmet der Autor viel Interesse und Details. Innere geheime Gefühle, Träume, die uns aus dem Unterbewusstsein jagen, das sind die Ingredienzien, die Muos surreale Suche nach einer Jungfrau würzen und somit zum Leckerbissen machen.

Lauren Weisberger – Die Partyqueen von Manhattan

Ich weiß bis heute nicht, warum ich mich umgedreht habe. Es gab keinen Grund, keinen Anlass, wenn man einmal davon absieht, dass ich von einem übergeschnappten, metrosexuellen Promi auf einer Vespa entführt wurde. Trotzdem sah ich noch einmal zurück, bevor wir losdüsten. Penelope stand auf dem Bürgersteig, meinen Schal über dem starr ausgestreckten Arm. Für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich unsere Blicke, dann gab Philip Gas, und weg waren wir.

Lauren Weisberger wurde in erster Linie mit ihrem Moderoman „Der Teufel trägt Prada“ und der gleichnamigen Verfilmung mit Anna Hathaway und Meryl Streep bekannt. In „Die Partyqueen von Manhattan“ bleibt sie ihrer Erfolgsstory weitgehend treu.

Heldin ist Bette, die ihren langweiligen Job bei einer Investmentfirma hinschmeißt und daraufhin auf Empfehlung ihres Onkels bei einer Eventagentur anheuert. Dort rutscht sie von einem Moment auf den anderen mitten in die mittlere High Society und hüpft von einem Fettnäpfchen ins andere. Die Bekanntschaft mit dem Frauenschwarm und begehrten Junggesellen Philip Weston bringt ihr in dieser Gesellschaft Pluspunkte. Ihre Freunde stößt sie jedoch ein ums andere Mal vor den Kopf, sogar die Verlobungsparty ihrer besten Freundin Penelope (siehe Zitat oben) verpasst sie wegen ihres neuen Jobs, der natürlich mit den ganzen Partys, auf denen sich Bette quasi beruflich herumtreiben muss, nicht immer wie Arbeit aussieht. Bei all diesen Problemen wird sie auch noch von einer Society-Journalistin verfolgt, die sich auf Bettes Kosten selbst wichtig macht.

Dass dies schließlich in einer menschlichen Katastrophe enden muss, braucht nicht extra gesagt zu werden. Auch das Bette letztendlich erkennt, was wirklich wichtig ist, haben wir bereits in Der Teufel trägt Prada gesehen. Trotz allem beherrscht Weisberger einen erfrischenden Stil, der durchaus wie die Geschichten von Suzan Elizabeth Phillips zu einem dauerhaften Erfolg im Genre der Frauenliteratur werden könnte.