Heather Havrilesky – What If This Were Enough?

From the day we are born, the world tells us lies about who we are, how we should live, and what we should sacrifice to cross some imaginary finish line to success and happiness. More powerful than the outright lies we’re told, though, are the subtler, broader poisons of our culture, how we ingest and metabolize them until they feel like a part of us, yet we still can’t figure out why we’re sick.

Selten beschreibt der erste Absatz einer Einleitung so genau, worum es in einem Buch geht. In dieser Sammlung von Essays untersucht die Autorin die Auswirkungen der gesellschaftlichen Realität auf unser Leben, unsere Persönlichkeit und vor allem auf unser Wohlbefinden in unterschiedlichen Bereichen. Social Media ist dabei natürlich ein Thema, aber es wäre zu einfach, nur Instagram und Facebook dafür verantwortlich zu machen, warum wir uns so oft mit anderen vergleichen, anstatt einfach unsere Realität wirklich wahr zu nehmen.

We have to connect with what already is, who we already are, what we already have.

Es ist bei Weitem nicht nur Social Media, das wir in unserem Alltag dazu benutzen, um uns von der uns tatsächlich umgebenden Realität abzulenken. Bereits lange vor Instagram und Facebook gab es Zeitschriften, Fernsehen und Radio – andere Medien, die uns vorgeben, wie wir zu leben haben und was wir brauchen, um ein glückliches Leben zu führen. Daraus beziehen wir die Vorstellungen, die uns kurz- und langfristig unglücklich machen: Wenn ich nur erst [5kg abgenommen habe], [einen anderen/besseren Job habe], [mir den Urlaub auf den Malediven leisten kann], [bitte setzen Sie Ihr eigenes Beispiel ein], dann werde ich glücklich sein. Kurzfristig führen diese Vorstellungen immer dazu, sich nicht gut genug zu fühlen, weil wir das Gewünschte noch nicht erreicht haben. Langfristig kann es entweder zu Frustration führen, wenn sich das Gewünschte trotz Bemühungen nicht einstellen will, oder andererseits zu Enttäuschung, wenn sich herausstellt, dass das Gewünschte auch nicht zu längerfristiger Zufriedenheit verhilft.

We now recognize that getting the lives we want depends on cultivating the right attitude, so we beat ourselves up every time our state of mind is less than 100 percent optimistic.

Die Autorin nimmt sich selbst nicht aus der Kritik heraus und gibt auch zu, dass sie sich selbst bisweilen an den Klickzahlen ihrer Artikel oder den Verkaufszahlen ihrer Bücher erfreut (it makes me feel less invisible and irrelevant). In meinen Augen macht das ihre gesellschaftskritischen Ansätze nicht weniger glaubwürdig sondern mehr, da sie sich selbst den Mechanismen nicht vollständig entziehen kann, die sie kritisiert. Die Gurus, die das Leben angeblich verstanden haben wollen, die sich selbst als über den Dingen stehend betrachten (und damit auf alle anderen, die es noch nicht geschafft haben, und die damit den Gurus ihre privilegierte Position überhaupt erst ermöglichen, herunterblicken), sind übrigens auch Gegenstand eines sehr pointierten Essays.

This is the shape my mid-life crisis is taking: I’m worried about what I have time to accomplish before I get too old to do anything. I’m fixated on what my life should look like by now.

Dieses Gefühl, im Leben nicht das erreicht zu haben, was die Gesellschaft von uns erwartet, war kürzlich bereits in No One Tells You This Thema. Erwartungen, was wir mit 30, mit 40, mit 50 Lebensjahren erreicht haben sollten, passen einerseits nicht mehr auf die unterschiedlichen Lebensmodelle unserer pluralistischen Gesellschaft. Sie lassen andererseits auch vollkommen außer acht, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen ins Leben starten, sei das jetzt finanzielles, kulturelles oder soziales Kapital (nach Bourdieu) oder spätere Veränderungen wie die Wahl des „falschen“ (weil finanziell nicht lukrativen oder gesellschaftlich nicht angesehenen) Studienfachs oder Schicksalsschläge, die dem Lebensweg nicht nur eine neue Richtung geben sondern auch die Geschwindigkeit massiv drosseln.

The more I have, the more I realize that all that matters is the small discoveries, the little interactions, the improvised, messy, glued-together moments that lie at the center of our happiness. Everything else is just a distraction.

Sehr berührt hat mich auch der Text mit dem Titel True Romance. Den gleichnamigen Film habe ich vor unzähligen Jahren aufgrund einer jugendlichen Schwärmerei für Christian Slater mehr als einmal gesehen. Der Versuch, den Inhalt des Films zu beschreiben, kostet mich gerade große Mühe. Ein Mann und eine Frau verlieben sich spontan ohne jede Vorgeschichte ineinander und die natürlich trotzdem vorhandene Vorgeschichte führt dann aber zu Mord, Drogendiebstahl, Flucht Richtung Mexico. Der Vergleich, den die Autorin zieht, funktioniert daher in meinen Augen nur auf einer sehr körperlichen Ebene:

True romance, though, is more like the movie True Romance: Two deluded, lazy people face a bewildering sea of filth and blood and gore together, but they make it through it all somehow without losing their minds completely.

Worauf sie damit hinaus will, ist die Tatsache, dass wahre Liebe nicht funktioniert wie in Titanic (und in meinen Augen eben auch nicht wie in True Romance … denn beide Filme beschreiben im Prinzip nur den Beginn einer möglichen Beziehung). Wahre Liebe funktioniert im Alltag, sie beruht darauf, dass sich zwei Menschen immer noch in die Augen schauen können, wenn sie durchwachte Nächte, Magen-Darm-Grippe und vor allem jede Menge ganz normale, langweilige Tage miteinander durchgestanden haben. Tage, die im Bett enden, ohne dass noch bedeutungsvolle Gespräche geführt werden, Tage, an denen es in Ordnung ist, einfach nur müde zu sein.

You want to muddle through the messiness of life together as long as you possibly can. That is the summit. Savor it. That is the very definition of romance.

Die Gesamtmoral kommt wiederum beinahe der Botschaft eines Gurus gleich: Besinnung auf das Alltägliche, auf das Glück, das wir empfinden könnten, während wir unser eigenes banales Leben mit dem (scheinbar) glamourösen Leben vergleichen, das andere Menschen im Internet, im Fernsehen, in Zeitschriften zur Schau stellen. Anstatt immer nur nach dem nächsten Ziel Ausschau zu halten, auf den Moment zu vertrauen, die Gegenwart anzunehmen und sich selbst zu sagen: Das ist genug. Ich habe genug. Ich bin genug.

My father’s wallet reminds me that nothing lasts. Just when you’re starting to get comfortable, you disappear. And maybe only one or two of your things will seem important to someone else when you’re gone. That’s sad, but it’s also a reason to wake up to the enormity of the moment, to the unbelievable gift of being alive, right now. You don’t need more than this. All of heaven is within you.

Thomas Glavinic – Wie man leben soll

Dies ist der Moment, in dem einem bewusst wird, wie gern man irgendwo dazugehören würde. Egal wo. Zu den gehenden Tänzern, zu den breitschultrigen Türstehern, zu den beliebten Barkeepern. Zur Gewerkschaft der Brillenträger, zur Zunft der Rothaarigen, zur Liga der Linkshänder. In diesem Moment spürt man, wie allein man in der Welt steht, und wie gern man Teil eines größeren Ganzen wäre.

1. Beobachtung: Selten hatte ich bei einem Buch so eine Schwierigkeit, Tags zu finden, die den Inhalt des Buches irgendwie sinnvoll beschreiben.

Rückschau: Warum kam ich überhaupt zu diesem Buch? [Im vergangenen Jahr, dachte ich …] schon 2011 erschien der Film von David Schalko, in dem neben vielen Größen der österreichischen Filmszene (wie Manuel Rubel, Maria Hofstätter und der von mir sehr verehrte Michael Ostrowski) auch die Tochter einer guten Freundin mitspielt: Julia Jelinek. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Film noch immer nicht gesehen habe und daher auch nichts zur filmischen Umsetzung des Romans sagen kann. Wird nachgetragen, falls ich jemals dazu komme.

Wenn man sich am 24. Dezember an den Tisch setzt, besteht der Weihnachtssschmaus wie eh und je aus Spaghetti Bolognese mit Kartoffelsalat. Da Tante Kathis Kochkünste seit den kargen Tagen des Zweiten Weltkriegs keinerlei Wandlung unterworfen wurden, sind die Nudeln eine breiige Masse, über der eine puddingartige Substanz zittert, und der Kartoffelsalat erinnert auch nur entfernt an die Qualität jenes im Jack Point.

Durch eine andere Crossover-Begegnung (Karte und Gebiet von Michel Houllebecq in der Garage X, das Buch möchte ich möglichst bald lesen, um die Theatererfahrung mit der Literaturerfahrung zu vergleichen) kam ich darauf, hierzu mal das Buch zu suchen und war dann so erstaunt, dass es von Thomas Glavinic ist, dass ich in der Onleihe gleich auf Ausleihen klickte. Zu diesem Thema später mehr …

Im Leben gelangt man immer wieder an einen Punkt, an dem man mit seinem Freundeskreis unzufrieden ist, neue Gesichter und neue Ansichten kennenlernen will, denn der Mensch ist von Natur aus neugierig.

Das Buch selbst erzählt die Entwicklung von Charlie Kolostrum, der sich von einem schüchternen, lüsternen Teenager zu einem kaum weniger hilflosen, lüsternen Erwachsenen entwickelt. Seine positivste Eigenschaft ist das stoische Hinnehmen aller Irren und Wirren, die ihm das Leben in Form seiner Freunde, Familie und dem Zufall so hinwirft. Dass er dabei versehentlich zwei Familienmitglieder und schließlich seine Freundin durch mehr oder weniger Unfälle verliert, wird so harmlos erzählt, als wäre nur ein Erdäpfel vom Teller gerutscht.

Ringsherum stehen Paoletta und andere Leute und tuscheln. Laura beißt sich auf die Lippen. Als sie sieht, wie man von anderen Frauen umlagert wird, läuft sie herbei. Man kommt in die Zeitung, weil aufgedeckt wird, Boban sei ein gesuchter Verbrecher. Das Fernsehen ruft an …

Im Lauf des Buches fragte ich mich immer wieder, ob wohl all diese Tagträume, mich denen sich Charlie schon in der Schule und später im Taxi die Zeit vertreibt, im Film wohl szenisch umgesetzt wurden. Müsste eigentlich verlockend für einen Regisseur sein, hier so richtig aufzudrehen und alles extrem überzeichnet zu interpretieren. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass dieses Buch nicht so richtig zu Thomas Glavinic passt, viel zu plastisch ist noch meine Erinnerung an Das Leben der Wünsche und Die Arbeit der Nacht. Doch natürlich drückt sich dadurch nur die Vielseitigkeit des Autors aus, mit Charlie Kolostrum hat er einen vollkommenen Antihelden geschaffen, wo sein Jonas aus den anderen Büchern zwar schwache Seiten hat, aber letztendlich doch vollkommen sympathisch wirkt.

Sollte ich jemals dazu kommen, den Film zu sehen, folgt ein Nachtrag.

Verspäteter Jahresrückblick

Gestern habe ich wieder das Album des vergangenen Jahres gehört und daher spontanes Mitteilungsbedürfnis über die Highlights von 2013 entwickelt. Daher hier eine kurze Zusammenfassung:

Überblick: Schon bevor der große Umbruch begann, hatte mir @pawaganak zu Ostern schon das Jahr der Veränderungen prophezeit. Und natürlich hat sie recht behalten. Von Mai bis zum Ende des Jahres war keine Ruhe mehr zu haben, eine Herausforderung jagte die nächste. Es fällt mir noch immer schwer, auf das Positive dieser Veränderungen zu fokussieren, weil vieles noch unklar ist und unsicherer als ich es gerne hätte.

Das Album des Jahres: Fast hätte ich nicht mehr damit gerechnet, nach „A Fire So Big The Heavens Can See It“ (2008) von Search The City nochmal etwas kommen würde. Das Release Datum von Flight (3. September 2013) hatte ich schon Monate davor im Kalender stehen und der vorab veröffentlichte Song The Runways lief den ganzen Sommer lang über Soundcloud. Mist, gerade bemerkt, dass auf der Wikipedia-Seite von Search the City das neue Album noch gar nicht vermerkt ist. Noch was zu tun …

Das Buch des Jahres: 5-3-6-5-4-4-6-2-4-2-3-3=47. 47 Bücher waren es also 2013, was eigentlich nicht so wenig ist, wie ich gefühlsmäßig geschätzt hätte. Beste Monate waren März und Juli, wobei dies auch daher rühren kann, dass ich mit dem Schreiben der Posts nicht mehr so konsequent gewesen bin, wie in anderen Jahren. Die Idee, überhaupt ein Buch des Jahres auszuwählen, kam aus dieser Ecke: Problems of a Book Nerd. Nach kurzem Durchschollen der Posts aus 2013 konnte ich mich zwischen zwei Werken nicht entscheiden: Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr (dessen englischer Titel Me Before You mich nach wie vor viel mehr berührt als der deutsche Titel) und Haruki Murakami: 1Q84.

Paulo Coelho – Der Sieger bleibt allein

Thirty Seconds to Mars, 26. November 2011, Stadthalle Wien

In der wirklichen Welt aber sind die Mächtigen gerade dabei, ihre E-Mails zu checken, sich darüber zu beklagen, dass die Partys hier in Cannes alle immer gleich sind, dass die Freundin ihres Konkurrenten kostbareren Schmuck getragen hat als ihre eigene und dass dessen Jacht viel prächtiger ist als ihre, und sie fragen sich, wie das nur möglich ist.

Es fällt mir einigermaßen schwer, zu präzisieren, warum dies kein typischer Coelho-Roman ist. Eine Bewertung, ob das nun gut oder schlecht ist, bleibt sowieso jedem selbst überlassen. Es scheinen die plakativen Botschaften zu fehlen. Wobei plakativ sowieso das falsche Wort sein dürfte, da Paulo Coelho seine Botschaften im Allgemeinen in Geschichten verpackt, aus denen sie dann wiederum als Diamanten herausstrahlen. Hier fehlt zwar nicht die Botschaft, jedoch ist sie weniger deutlich erkennbar, es besteht deutlich mehr Interpretationsspielraum.

Schauplatz ist das Filmfestival in Cannes, die Welt der Celebrities, der Schönen und Reichen. Mehrmals wird betont, dass die Filme unwichtig sind, dass es darum geht, zu sehen und gesehen zu werden sowie die richtigen Hände zu schütteln. Im Verlauf der Geschichte vermischen sich Gesellschaftsschichten: die „nicht mehr ganz junge“ (25) Schauspielerin Gabriela etwa, die von Casting zu Casting hetzt und hofft, in Cannes endlich das große Los gezogen zu haben. Das hat sie zwar nicht in dem Sinne, in dem sie sich das vorstellt, doch letztendlich liegen Verlieren und Gewinnen oft sehr nahe beisammen. Gabriela gehört zu denen, die es schaffen wollen, die sich abrackern, die trotz aller Enttäuschungen daran glauben, es schaffen zu können. Gleichzeitig weiß sie nichts über die wahre Welt der Schönen und Reichen. Geschäfte werden ganz nah unter der Oberfläche gemacht, der so begehrte rote Teppich ist eine unzureichende Tarnung für die Geldmengen, für Macht und Einfluss, um die es eigentlich geht.

Zur Gesellschaft derer, die es geschafft haben, gehören Ewa und Hamid, beide im Modebusiness erfolgreich, verheiratet und scheinbar ein Traumpaar. Ihnen auf den Fersen ist Ewas Exmann Igor, der als „Racheengel“ schließlich nicht nur das Schicksal dieses Dreiecksgespanns entscheidend beeinflusst. Ein ungewöhnlicher Blickwinkel ist wiederum ein bekanntes Merkmal der Coelho-Romane, dem der Autor auch hier treu bleibt. Mit seinen Betrachtungen zum Thema Burn-Out, dem Spannungsfeld Arbeit–Leben sowie der Frage, was für den Einzelnen wirklich wichtig ist, entspricht dieser Roman durchaus dem Zeitgeist. Die geruhsame Erzählweise, die selbst die spannenden Momente verlangsamt, spricht somit eine ganz eigene Sprache.

Er hatte begriffen, dass im Gegensatz zu dem, was die Menschen dachten, die totale Macht totale Versklavung bedeutete. Wer so weit kommt, will nie mehr zurück. Es gibt immer einen neuen Konkurrenten, der entweder überzeugt oder ausgeschaltet werden muss.

David Gilmour – Unser allerbestes Jahr

„Genau das will ich sagen. Wenn sie es mit keinem anderen Mann macht, macht sie es auch nicht mit mir. Und deshalb habe ich dich mit ihr bekommen und nicht mit einer anderen Frau.“ – „Du hast gewusst, dass ihr euch trennt?“ – „Ich will sagen, ich finde es okay, mit einem Miststück ins Bett zu gehen, aber man soll nie mit einem Miststück ein Kind haben.“ – Da war er still.

Schon noch 20 Seiten fällt es schwer, das Buch aus der Hand zu legen (mich hat es genau zwei Abende lang beschäftigt). David Gilmour versteht es, den Leser sofort in seine Geschichte hineinzuziehen, er fackelt nicht lange mit Beschreibungen der Lebenswelten (diese werden mit der Zeit ohnehin immer klarer), sondern kommt sofort zum Wesentlichen: Der Beziehung zu seinem Sohn.

„Über eine Frau wegzukommen, ist ein Prozess, der seinem eigenen Zeitplan folgt, Jesse. Wie Fingernägel, die wachsen. Du kannst machen, was du willst – Tabletten, andere Mädchen, ins Fitnesscenter gehen, nicht ins Fitnesscenter gehen, trinken, nicht trinken – letztlich spielt das alles keine Rolle. Du kommst nicht eine Sekunde schneller ans Ziel.“

Den besonderen Charme des Buches macht gleichzeitig seine Einfachheit als auch seine Ehrlichkeit aus. Gilmour beschreibt seinen eigenen Sohn Jesse, der sich in der Schule so langweilt, dass er stets negativ auffällt. Nach langem Überlegen entschließt er sich, seinem Sohn den Schulabbruch zu erlauben, mit der Auflage, dass sie sich von jetzt an gemeinsam wöchentlich drei Filme ansehen. Anhand der Filme versucht er seinem Sohn etwas beizubringen. Daraus lernt er einerseits viel über Filme, aber natürlich auch Einiges übers Leben. Gilmour beschreibt grandios den Trennungsschmerz nach dem Ende einer Beziehung, einerseits mit Blick auf die Teenagerliebe seines Sohnes, aber auch anhand seiner eigenen Erfahrungen. Man möchte in die Hände klatschen und ausrufen: „Ja, genau so war es auch bei mir“, wenn er den Punkt beschreibt, an dem man plötzlich feststellt, dass der Schmerz verschwunden ist.

Als wäre die Kette am Anker gerissen (man kann sich nicht mehr erinnern, wo man war oder was man gemacht hat), merkt man plötzlich, dass die eigenen Gedanken wieder einem selbst gehören, das Bett ist nicht mehr leer, sondern einfach das eigene Bett, in dem man Zeitung lesen kann oder schlafen oder … was wollte ich heute noch erledigen? Ah, ja, der neue Haustürschlüssel.

Genau diese Ehrlichkeit macht es zu so einem überzeugenden Buch. Für mich sind es zwar nicht Filme, die mein Leben als Leidenschaft ausfüllen, aber Ähnliches ließe sich über Bücher sagen, die einem in verschiedenen Lebensphasen genau den Kick geben, den man gerade braucht. Dieses Buch kann einem einerseits über das Ende einer Beziehung hinweghelfen. Auf eine schräge Art ist es aber auch ein Loblied auf die Elternschaft – gleichzeitig ehrlich und verklärend. Und nicht zuletzt zeigt es uns, dass wir manchmal entgegen besseres Wissen auf unser Herz hören müssen.

Georg Seeßlen – Steven Spielberg und seine Filme

Das Licht, vielleicht ist gerade das das Entscheidende, ist bei Steven Spielberg ein Element der Differenz. Es ist weniger das, was den Raum durchdringt, als vielmehr ein Gegenüber des Raums.

Bei Disney will alles zum Ort der Einheit hin, auch wenn dies kein natürlicher Ort mehr sein kann (sondern eben “Disneyland”); bei Hitchcock dagegen gibt es den radikalen Bruch zwischen dem Innen und dem Außen, man fällt gleichsam vom Eingeschlossen- ins Ausgeschlossen-Sein. Und wieder versucht da Spielberg seinen dritten Weg aus beidem zu formen: gerade die Suche nach dem magischen Ort (Schatz und Pforte in einem), die Suche nach dem höchst persönlichen Disneyland führt führt seine Menschen tiefer in den Hitchcock’schen Bruch. Zwei “Väter”, die einander nicht ausstehen können, und sie sich doch bedingen.

Georg Seesslen analysiert anhand einer Auswahl von Spielbergs Filmen dessen Motive und deren Ausprägungen in den unterschiedlichen Filmen. Die Kombination all dieser ergibt ein interessantes Bild, das man als Normalsterblicher kaum erkennt, da man ja nicht bei jedem Film verfolgt, wer hier jetzt Regie geführt hat und wie dieser mit anderen Regisseuren zusammenarbeitet bzw. sich an diesem orientiert.

Ein interessanter Blick hinter die Kulissen von Hollywood, wenn auch etwas theoretisch gehalten.