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Biografie

Berndt Schultz: Marlene – Die Biographie einer Legende

CN dieses Buch: Krieg, Nationalsozialismus, Sterben, Tod, Alter
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Marlene sollte nach dem Willen der Hollywood-Verantwortlichen eine Art Trendsetterin sein für die Mann-Frau-Beziehung, sie sollte dem individuellen Selbstverständnis der Frauen in den 30er Jahren Angebote machen, und sie sollte die Rollen und gesellschaftliche Etikette der Liebe und Erotik aufnehmen und mit ihrer Persönlichkeit umformen.

In meiner Erinnerung habe ich diese Biografie vor einigen Jahren auf einem Bücher-Flohmarkt gekauft. Vorne im Buch klebt ein Foto eines älteren Herrn am blumenbedeckten Grab von Marlene Dietrich. Dieses persönliche Element wird ergänzt durch ein mit Spitze verziertes Lesezeichen. Sowas bekommen wir in unserem eReader nicht, das möchte ich mal erwähnt haben.

Als Zeitzeug*innenbericht über den zweiten Weltkrieg und die Sicht auf Nazi-Deutschland aus der Emigration in den USA ist das Buch durchaus interessant. Im zweiten Weltkrieg tourte die in Deutschland geborene, aber nach Amerika emigrierte Marlene Dietrich an der Front, um die amerikanischen Soldaten zu unterhalten, die ihr Leben im Kampf gegen Nazi-Deutschland riskierten.

Aus künstlerischer Sicht schreibt der Autor jedoch viel zu schwärmerisch, kein schlechtes Licht lässt er auf seine angebetete Marlene fallen. Er zitiert häufig aus Filmkritiken und lässt dabei durchaus auch kontroverse Meinungen stehen. Diese werden jedoch immer konterkariert durch Erklärungen, warum denn Marlene Dietrich in dieser oder jener Rolle überhaupt gar keine Chance hatte, ihre Talente zur Geltung zu bringen.

Interessant ist auch das Kapitel über die vielen negativen Leserbriefe (heutzutage würden wir sagen: Hass-Postings), die Marlene Dietrich während ihrer Karriere erhielt. Wer also geglaubt hat, dass der im Internet verbreitete Hass eine neue Erfindung ist, täuscht sich. Früher erforderte es einfach nur mehr Aufwand, um seine Hass-Botschaften an die betreffende Person zu bringen. Der Hass (auf die anderen oder diejenigen, die eine andere Meinung vertreten) jedoch war immer schon da.

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Roman

Matthias Sachau – Linksaufsteher

Gesteck

„Aber deswegen muss es doch nicht verkehrt sein. Also komm. Unsere Lage: drei Läden, immer noch keine Hose. Was würden Frauen jetzt tun?“ – „Prosecco trinken.“

Man kann über Unterhaltungsromane viel Schlechtes sagen, aber dieser ist in der Tat ein herausragendes Exemplar – oder ich befinde mich einfach genau in der Zielgruppe. Der männliche Protagonist stolpert von Komplikation zu Komplikation, um das Herz seiner Angebeteten zu gewinnen und dabei kommt ihm schließlich der Zufall zu Hilfe. Soweit so banal. Der Weg, den er dabei zu absolvieren hat, ist allerdings mit so vielen spaßigen Episoden gewürzt, dass man mit jeder Seite erneut ins Schmunzeln kommt.

Werbesprecher Oliver ist ein extremer Montagsmuffel und gerade an so einem Morgen kreuzt er den Weg einer Frau, die er erst beschimpft und anschließend nicht mehr aus dem Kopf bekommt. Auf ihren Spuren lernt er nicht nur die Untiefen des Social Webs kennen. Seine verzweifelte Suche nach der perfekten Hose wird schließlich von französischen Schülern dokumentiert und landet so auf Youtube. Das ist aber nicht die letzte Heldentat Olivers, die es ins weltweite Web schafft.

Mir wird gerade ein bißchen schlecht, so als hätte ich zu lange ein Karrussel angestarrt.

Social Media-Guru Rüdiger plappert unverständliches Zeug, der erfundene iKoffer darf als ironisches Statement auf die Hardcore Apple Fanboys verstanden werden. Dieser Roman macht sich derart genüsslich über die Eigenheiten der Internetszene lustig, dass es sowohl für Eingeweihte als auch für Neulinge Spaß macht. Hardcore-Nerds werden über die übertriebenen Beschreibungen sicher den Kopf schütteln, aber die gehören ohnehin nicht zur Zielgruppe und finden sich vermutlich im wesentlich trockeneren Nerd Attack! (Rezension demnächst) wieder. Der Anspruch macht einen Vergleich der beiden Werke natürlich an und für sich unzulässig, aber die Leichtigkeit, mit der hier moderne Lebensformen auf die Schippe genommen werden, nimmt für sich ein und sorgt für einige Stunden Lesevergnügen..

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Sachbuch

Stefan Wachtel – Schreiben fürs Hören

Schreiben fürs Hören behandelt die Frage, wie man Texte aufbereitet, die nicht gelesen, sondern gehört werden. Dabei geht es nicht nur um Beiträge oder Nachrichten im Radio, sondern genauso ums Fernsehen, denn die Moderationen von Nachrichtenbeiträgen werden trotz des dazugehörigen Bildes des Sprechers in erster Linie über das Hören wahrgenommen. Auch für das neue Medium Podcast können diese Informationen von Vorteil sein, oft genug muss man seine Texte vorformulieren und zumindest Stichworte vorbereiten.

Dabei sind viele Faktoren zu beachten, viele davon sind nicht intuitiv, bei so manchem denkt man sich, ja, eigentlich eh klar, aber beim Überprüfen vergangener eigener Texte merkt man, dass man sich an gerade diese Dinge selten hält.

Wichtig beim Überprüfen eigener Texte sind vor allem die folgenden Fragen:
1. Ist der Stil insgesamt dem Genre angemessen?
2. Wird der Text der voraussichtlichen Hörsituation gerecht? (Sendeplatz, Programm)
3. Ist der Text anschaulich genug für das Hören?
4. An welchen Stellen gibt es Verstehensprobleme?
5. Ist der Text sprechbar?
6. Führt er anschaulich in das Thema ein?
7. Bindet er am Anfang an die Zuhörer- oder Zuschauererwartungen an (außer Nachrichten und evtl. Kurzberichte)?
8. Ist der evtl. Originalton rhetorisch sinnvoll oder nur formal eingesetzt?

Für alle, die sich mit dem Schreiben von Texten für Radio, Fernsehen oder Podcast beschäftigen, kann dieses Buch eine große Hilfestellung sein und auf häufig begangene Fehler aufmerksam machen.