Georg Seeßlen – Steven Spielberg und seine Filme

Das Licht, vielleicht ist gerade das das Entscheidende, ist bei Steven Spielberg ein Element der Differenz. Es ist weniger das, was den Raum durchdringt, als vielmehr ein Gegenüber des Raums.

Bei Disney will alles zum Ort der Einheit hin, auch wenn dies kein natürlicher Ort mehr sein kann (sondern eben “Disneyland”); bei Hitchcock dagegen gibt es den radikalen Bruch zwischen dem Innen und dem Außen, man fällt gleichsam vom Eingeschlossen- ins Ausgeschlossen-Sein. Und wieder versucht da Spielberg seinen dritten Weg aus beidem zu formen: gerade die Suche nach dem magischen Ort (Schatz und Pforte in einem), die Suche nach dem höchst persönlichen Disneyland führt führt seine Menschen tiefer in den Hitchcock’schen Bruch. Zwei “Väter”, die einander nicht ausstehen können, und sie sich doch bedingen.

Georg Seesslen analysiert anhand einer Auswahl von Spielbergs Filmen dessen Motive und deren Ausprägungen in den unterschiedlichen Filmen. Die Kombination all dieser ergibt ein interessantes Bild, das man als Normalsterblicher kaum erkennt, da man ja nicht bei jedem Film verfolgt, wer hier jetzt Regie geführt hat und wie dieser mit anderen Regisseuren zusammenarbeitet bzw. sich an diesem orientiert.

Ein interessanter Blick hinter die Kulissen von Hollywood, wenn auch etwas theoretisch gehalten.

Jürgen & Marita Alberts – Cappuccino zu dritt

Ein “Roman aus der Toskana” und genau darum geht es auch. Die Geschichte ist weder spannend noch interessant, ein Paar lernt sich kennen aufgrund eines Autodiebstahls (das Auto wird wiedergefunden ohne dass jemand zu Schaden kommt), ein ehemaliger Liebhaber taucht auf, was zu einem Streit führt, der allerdings auch gleich wieder aufgelöst wird.

Das Schöne ist die Beschreibung der besuchten Sehenswürdigkeiten und der kulinarischen Besonderheiten der Toskana, die Lust auf einen Besuch machen. Schöner kann man kaum reisen.

Jonathan Safran Foer – Alles ist erleuchtet

Jonathan Safran Foer ist ein grandioser Erzähler. Als Beispiel sei hier nur seine Geschichte vom “Sex-Leuchten” erwähnt:

Der bläuliche Marmor verschwindet, und an seiner Stelle erscheint ein Nachrichtensprecher, der die Brille abgesetzt hat und sich die Augen reibt. “Meine Damen und Herren, Amerika hat einen Menschen auf den Mond geschickt.” Meine Großmutter kommt mühsam auf die Beine – sie ist alt, selbst damals schon – und sagt mit vielen verschiedenen Tränen in den Augen: “Nischt zu gleuben!” Sie küsst meine Mutter, verbirgt die Hände im Haar ihrer Tochter und wiederholt: “Nischt zu gleuben!” Auch meine Mutter weint, und jede ihrer Tränen ist einzigartig. Sie weinen gemeinsam, Wange an Wange. Und keine von beiden hört das Flüstern des Astronauten: “Ich sehe da etwas”, während er über den Mondhorizont hinweg auf das winzige Dorf Trachimbrod blickt. “Ganz eindeutig – da unten ist irgendwas.”

Was er sieht, ist das Leuchten der Menschen, die im Stetl Trachimbrod in dieser Nacht Sex haben. Um diese Geschichte im Ganzen zu erfassen, muss man das Buch zumindest bis zur Seite 144 lesen.

Auf drei Erzählebenen läuft die Geschichte ab und die Verknüpfung der drei miteinander löst sich erst auf den letzten Seiten auf. Mehrere Familiengenerationen werden miteinander verknüpft und dies auf sympathische und spannend erzählte Weise.