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Roman

Vea Kaiser – Blasmusikpop

CN: Tod von Familienangehörigen, Gewalt, Vergewaltigung


[6.2.] Ich vermute, ihr Desinteresse an dieser neuen Glaubensform lag in ihrer hedonistischen Natur – denn sie sind auch heutzutage noch freudig bereit, ihre Sünden durch Ablaß zu begleichen, um dann neue begehen zu können. Bei den Bergbarbaren muß es stets vergnüglich zugehen, sogar in der Religion.

Aus diversen Gründen habe ich in den letzten Tagen mehr gelesen als sonst etwas getan und daher ist dieses Buch in meiner Erinnerung schon etwas verblasst. Was es eigentlich gar nicht verdient hat, es ist eine gut geschriebene Geschichte mit scharf gezeichneten Charakteren, unerwarteten Wendungen und jeder Menge Witz, der zum Ende hin neue Höhepunkte erreicht. Falls euch das noch nicht ausreichend überzeugt, lest gerne hier weiter, eure Zeit ist aber mit dem Buch besser verbracht ;-)

Zu Beginn lernen wir Johannes Gerlitzen kennen, dem der Doktor einen Bandwurm diagnostiziert, mit dem der junge Johannes noch so einige Zeit leben muss, bis das Medikament gegen den Wurm aus der Großstadt im kleinen Bergdorf eintreffen kann. Als seine Tochter mit einem dunklen Haarschopf geboren wird, der für Johannes ganz deutlich auf den Nachbarn als Vater hinweist, zieht dieser in die Bibliothek, wo er sich nun erst recht dem Studium der Wurm-Literatur widmet. Schließlich tut er das scheinbar Unmögliche: Er verlässt das heimatliche Bergdorf (und seine Frau und Tochter), um selbst Doktor zu werden. Es muss abgekürzt werden: Johannes kehrt als Doktor zurück und wird für seinen Enkel Johannes zum geliebten Doktor Opa. Im jungen Johannes weckt nicht der Bandwurm die Liebe zur Wissenschaft sondern der studierte Opa, den die Bewohner:innen des Bergdorfs immer noch mit Skepsis betrachten.

Ab jetzt begleiten wir den jungen Johannes, der abgesehen vom Großvater kaum Unterstützung für seine Interessen und seinen Wunsch nach höherer Bildung erfährt. Er fühlt sich im Bergdorf immer wie ein Fremdkörper. Ein Mönch aus dem nahen Konvent, der als Pfarrer ins Bergdorf geschickt wird, erkennt schließlich das Potenzial und beschafft dem Jungen einen Platz im Gymnasium, das er bis zur Matura besucht. Eine hellenistische Geheimgesellschaft mit älteren Schülern verschafft Johannes endlich Freundschaft, Anerkennung und Selbstvertrauen. Bei der mündlichen Reifeprüfung lässt Johannes sich vom Professor provozieren und fällt durch. Zurück geworfen in sein Heimatdorf beschließt er, mangels anderer Alternativen, die Bergbarbaren auf anthropologische Art zu studieren.

Johannes schließt Freundschaft mit dem Fußballer Peppi, durch den er ungewollt zum Schriftführer des Fußballvereins gewählt wird, was einen Besuch des (aus Bergbarbaren-Sicht) Skandalvereins FC St. Pauli aus Hamburg im Bergdorf nach sich zieht. Die Ankunft der Stadtschönheit Simona Nowak stürzt Johannes erst recht in Verwirrung, was durch den Wirt, der mit Kondomen dealt wie andere mit Drogen, erst recht verkompliziert wird. So nehmen die Dinge ihren Lauf und alles endet in einem furiosen und unerwarteten Finale. Große Empfehlung.

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Roman

Hermann Bauer – Nestroy-Jux

CN: Mord, Vergewaltigung


Wegen eines Geocaches gelesen. Belanglos. (Der Text könnte hier enden, aber das erlaubt mir meine Ehre dann doch nicht.)

Das Lesevergnügen hängt hier meiner Einschätzung nach hauptsächlich davon ab, ob einem die Figur des neugierigen Oberkellners Leopold (und dessen Spezis) sympathisch ist. Beim Lehrer Korber war mir relativ bald klar, dass ich den definitiv nicht leiden kann, ist sein Welt- und Frauenbild doch so eindeutig im vergangenen Jahrhundert verhaftet. Ein Blick auf die Wikipedia-Seite des Autors bekräftigt meine Annahme, dass wir es hier mit einem weißen Mann zu tun haben, der das Gesellschaftsmodell seiner Jugendzeit nur mangelhaft angepasst hat. Dafür finden sich offenbar ausreichend Leser:innen, Stand 2025 gibt es bereits 18 Kaffeehauskrimis von Hermann Bauer. Mich hat die Geschichte nicht abgeholt, ich fand auch die Auflösung des Plots, die auf einer simplen Namensverwechslung aufsetzt, eher schwach.

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English Roman

Kate Sawyer – Getting Away

CN: Vergewaltigung, Panikattacke, Fehlgeburt, Beziehungsgewalt, Alkoholkonsum


Manchmal scrolle ich einfach durch die Neuerscheinungen in der OverDrive eLibrary. Diesmal fiel mir dieses Buch ins Auge und die Grundidee hat mich dermaßen interessiert, dass ich sofort auf Borrow geklickt habe: Das Buch erzählt die Geschichte einer Familie über Jahrzehnte hinweg. Erzählt wird immer nur die Zeit, die die Familie auf Urlaub verbringt, was dazwischen passiert, wird angedeutet oder aus den Konversationen deutlich.

Zu Beginn steht eine Liebe, die aufgrund gesellschaftlicher Unterschiede nicht sein darf, gefolgt von einer Schwangerschaft eine Generation später, die erst recht versteckt werden muss. Erst Jahrzehnte später werden die wahren Verwandtschaftsverhältnisse aufgedeckt.

Kinder, Kindeskinder und wechselnde Partner:innen machen die Geschichte zunehmend komplex, in den späteren Kapiteln fiel es mir manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Ein Stammbaum hätte da geholfen.

Die vielen verschiedenen Urlaubsschauplätze tragen ihr Eigenes zur Geschichte bei. Da wird auf dem Jakobsweg gewandert, Europa auf dem Fahrrad durchquert oder im Wohnwagen campiert. Verschiedene Strandurlaube sind natürlich auch mit dabei.

Vielleicht hat die Geschichte bei mir nicht ganz gezündet, weil ich sie über so lange Zeit und mit wechselnder Aufmerksamkeit gelesen habe. Die Grundidee finde ich aber nach wie vor sehr spannend und auch interessant umgesetzt.

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Roman

Lena Wolf – Winterzauber auf Sylt

CN: Tod der Partnerperson (lange vor der Romanhandlung passiert)


„Ein Buch so herzerwärmend und einladend wie Schokolade vorm Kamin.“ So hieß es in der Beschreibung in der Onleihe und genau das habe ich zu dem Zeitpunkt gebraucht. An nur zwei Abenden vertiefte ich mich in diese Geschichte, die extrem lange braucht, um zum Punkt zu kommen. Es war ein bißchen, wie in manchen Krimiserienfolgen oder Horrorfilmen, wo du die Protagonist:innen anschreien willst, dass sie nicht in dieses Haus gehen sollen, weil es müsste ihnen doch längst klar sein, dass das ihr Verderben wird. Hier wollte ich schreien, dass doch längst klar ist, dass irgendwas nicht stimmt und dass es mit Geld und dem Haus zu tun hat, war auch schon lange offensichtlich. Die Auflösung überschaubar, am Ende alles paletti.

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Roman

Robert Schneider – Die Offenbarung

CN: Suizid, Alkoholmissbrauch, Krebserkrankung, Erwähnung Nationalsozialismus


Der Fund im Wäscheschrank verbreitete eine stumme, ungeheuerliche Macht. Sehnsüchte und Ängste, Euphorie und Entsetzen, Jubel und Allmachtsphantasien wirkten und woben durch- und ineinander. Die Zeit war wie angefroren, und er selbst in ihr.

Ein Roman über die Macht und den Zauber der Musik, den ich leider trotzdem nicht mochte. Der Protagonist ist einfach extrem unsympathisch in seiner selbstverliebten Art. Es wird zwar klar, dass sein Verhalten auf das Verhältnis zum Vater zurückgeht, das mag seine verwirrte Persönlichkeit erklären, kann aber seine Handlungen nicht rechtfertigen.

Egal, was ihn da erwartete, es war nicht böse. Es konnte gar nicht böse sein und zerstörerisch, denn es war aus der Tiefe der Musik zu ihm heraufgestiegen. In den unerschöpflichen Gedanken der Partitur hatte es gewohnt, in ihren Worten, Melodien, Stimmen und Klängen.

#12in2025: 10/12

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Roman

Françoise Sagan – Blaue Flecken auf der Seele

CN: sexuelle Handlungen (angedeutet), Suizid


Dieses Buch hatte ich aus irgendeinem Bücherschrank genommen. Der Titel hatte mich angesprochen, und dann auch die reduzierte Covergestaltung, die an Text nur den Nachnamen der Autorin und den Titel des Buches enthält zusätzlich zu einer Zeichnung zweier menschlicher Köpfe. Es handelt sich um liebliche Gesichter, das vordere mit längeren gelockten Haaren strahlt eindeutig feminine Vibes aus, beim hinteren Gesicht ist dies nicht so klar.

Beim Lesen ergibt sich, dass auf dem Cover wohl das Geschwisterpaar Eléonore und Sébastien zu sehen ist, zwei, die sich und einander genug sind. Um jedoch in Paris ein luxuriöses Leben zu führen ohne zu arbeiten, müssen sie sich in Gesellschaft begeben, wobei manchmal auch Herzen zu Bruch gehen.

Dies ist das Salz der Erde und dieses jämmerlichen Daseins. Nicht die Strände tauchen in den Traumkulissen auf, nicht der Club Méditerranée und nicht die Kameraden, sondern irgend etwas Zerbrechliches, Kostbares, das man heutzutage freiwillig verwüstet und das die Christen »Seele« nennen.

Der interessantere Teil des Buchs sind jedoch die Reflexionen der Autorin, die sie aus der Geschichte ihres Geschwisterpaares ableitet. Mir sagte der Name der Autorin nichts, obwohl Françoise Sagan einen Roman geschrieben hat, dessen Titel viele Menschen schon einmal gehört haben dürften: Bonjour tristesse. Sie schrieb diesen Roman im Alter von 17 Jahren und gelangte dadurch unmittelbar zu Berühmtheit. Blaue Flecken auf der Seele (original: Des bleus à l’ame) ist hingegen als Spätwerk zu betrachten (lt. Wikipedia im französischen Original 1972 erschienen). In ihren Exkursen philosophiert die Autorin etwa über die Gesellschaft, den Buchmarkt und das Schreiben. Gerade fällt mir keine bessere Umschreibung ein als dieses Zitat aus dem Klappentext:

Mit dieser Mischung aus scheinbar oberflächlich hingetupfter Handlung und Reflektion über ihr eigenes Leben hat Françoise Sagan endlich den Roman geschrieben, der sie von der Verfasserin von Bestsellern zur wirklichen Schriftstellerin herangereift zeigt.

#12in2025: 8/12

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English Roman

Gabrielle Zevin – Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow

CN: Tod eines Hauptcharakters, Gewalt, toxische Beziehung, sexuelle Belästigung, Suizid, Depression, Essstörung, Sexismus


Ein wundervoller Roman über eine wundervolle Freundschaftsbeziehung, kreativen Austausch und Videospiele. Wenn euch das irgendwie anspricht, dann hört hier auf und lest lieber das Buch ;-)

Im Weiteren werde ich ein paar Dinge beschreiben, die mir besonders gefallen haben (und versuchen, dabei nichts von der Geschichte zu verraten, aber siehe oben …).

Mir hat gefallen, wie Sams Behinderung nicht nur die Geschichte beeinflusst, sondern dass auch erklärt wird, wie sie sich auf seine Emotionen und Beziehungen auswirkt. Er möchte nicht schwach auf seine Mitmenschen wirken und gleichzeitig ist er so frustriert über seinen Körper, der ihn immer wieder im Stich lässt. An einer Stelle wird das so formuliert, dass Sam sich am glücklichsten fühlt, wenn er vergessen kann, überhaupt einen Körper zu haben. Dieses Unwohlsein in seinem eigenen Körper, diese große Verletzlichkeit bringt er in die Spiele ein, die er mit Sadie entwickelt.

Sometimes she didn’t even like him, but the truth was, she didn’t know if an idea was worth pursuing until it had made its way through Sam’s brain, too. It was only when Sam said her own idea back to her – slightly modified, improved, synthesized, rearranged – that she could tell if it was good.

Sadie und Sam lernen sich als Jugendliche kennen. Als sie als junge Erwachsene ihr erstes eigenes Spiel veröffentlichen, wird Sadie mit dem Patriarchat in der Gaming-Industrie konfrontiert. Sie fühlt sich nicht ernst genommen, die Verdienste werden Sam zugeschrieben, schließlich macht sie selbst Sam dafür verantwortlich, sie in den Hintergrund gedrängt zu haben. Gabrielle Zevin hat ein ausgezeichnetes Gespür dafür, wie sich strukturelle Ungerechtigkeiten auf eine kreative Freundschaftsbeziehung auswirken können. Sadies Unsicherheit über ihre eigenen kreativen Entscheidungen (wie sie sich im obigen Zitat auch widerspiegeln) gepaart mit der sexistischen Atmosphäre der Gaming-Industrie führen in ihrer kreativen Freundschaft langfristig immer wieder zu Konflikten.

She had thought she arrived. But life was always arriving. There was always another gate to pass through. (Until, of course, there wasn’t.)

Sadies Frustration mit ihren (Miss-)Erfolgen kann ich gut nachvollziehen. Ich muss mich immer wieder erinnern, dass es keinen Zustand geben wird, den ein Mensch erreichen kann und dann ist alles gut. Es bleibt alles immer im Fluss.

Auch der Titel wird im Buch ausgezeichnet erklärt: Ein Spiel kann immer wieder von vorn begonnen werden. Es ist eine unendliche Serie von Tomorrows, beim nächsten Versuch könnten wir gewinnen.

Für mich war besonders schön, dass der Fokus auf der kreativen Freundschaftsbeziehung zwischen Sadie und Sam lag. Es wird verdeutlicht, dass romantische Beziehungen nicht zwingend immer das Wichtigste im Leben sein müssen. Wie die gemeinsam ausgelebte Kreativität sich in Sadies und Sams Leben in Erfolge und Misserfolge verwandelt, wie diese Zusammenarbeit kreativer Geister ihrer beider Leben prägt, zeigt eindrucksvoll, dass romantische Gefühle nicht das Einzige sind, das Menschen fürs Leben aneinander binden kann. Herrlich illustriert wurde das auch in der Szene, als Sam von Sadie und Marx im Krankenhaus besucht wird und die diensthabende Krankenschwester rätselt, in welcher Beziehung die drei wohl zueinander stehen.

Große Empfehlung meinerseits!

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Fantasy Roman

Eleanor Bardilac – Knochenblumen welken nicht

CN: sexuelle Belästigung (verbal), Gore (Sezieren von menschlichen Schädeln), Töten eines Tiers und Verspeisen seines Herzens (Flashback), Charaktertod, Blut, Gewalt

[Ich finde es sehr angenehm, die Content Notices aus dem Buch abschreiben zu können, die Autorin hat sie sogar kapitelweise aufgelistet. 💜]


Um mich wieder mehr ins Lesen zu bringen, griff ich zu einem Buch auf der „falschen“ Seite des Regals der ungelesenen Bücher. Es handelt sich um jene Bücher, die erst seit diesem Jahr im Regal stehen und damit nicht zu meiner Buch-Challenge #12in2025 zählen. Das Experiment hat jedoch gefruchtet und ich fühle mich wieder mehr im Fluss sowohl fürs Lesen als auch fürs Schreiben. Dieses Buch ist außerdem in den Leseempfehlungen enthalten, die ich im April 2014 gesammelt habe. Danke an dieser Stelle auch an das liebe Wesen, das mir drei Bücher aus seiner Sammlung geliehen hat, von denen nun nur noch zwei auf der „falschen“ Seite des Regals stehen.

Die Geschichte spielt in einer Fantasie-Welt, deren Gesellschaft von einer zunehmenden Spaltung zwischen magischen und nicht-magischen Wesen bestimmt ist. Zu Beginn wird die Protagonistin Aurelia als magisch entlarvt, was ihre Eltern durch Medikamente und Isolation zu verbergen versuchten. Aurelia landet nun im magischen Teil der Gesellschaft, wodurch ihr Weltbild zutiefst in Frage gestellt wird. Dadurch lernt auch die Leser:in mehr über das Wesen dieser Welt, ihre Regeln und Gebräuche, ihre Stärken und Schwächen. Dieses Worldbuilding erfordert Zeit und Raum; die Mordfälle, in die Aurelia als Zeugin verwickelt ist, werden lange Zeit in den Hintergrund gedrängt.

Was mir zuerst zu langsam vonstatten ging, wurde aber mit der Zeit zu einem äußerst angenehmen Gefühl. Aurelia lernt verschiedene Wesen der magiebegabten Welt kennen, darunter finden sich Repräsentationen, die in vielen anderen Romanen kaum vorkommen: Wesen mit Behinderungen (zum Beispiel mit einer Beinprothese aufgrund einer Kriegsverletzung), Wesen, die auf besondere Art kommunizieren (zum Beispiel Gebärdensprache), Wesen, die aufgrund ihrer speziellen Magiebegabung selbst in der Welt der Magie eher an den Rand gedrängt werden. Die Autorin lässt Aurelia in der Begegnung mit dieser unbekannten Welt ihre eigenen Werte und ihre eigenen Persönlichkeitszüge hinterfragen. In dieser Auseinandersetzung wächst sie an sich selbst, was sich am Ende des Buchs ganz deutlich in ihren Entscheidungen zeigt.

Schwäche zu zeigen hatte noch nie zu ihren Stärken gehört, und sie hasste es, dass sie sich nicht besser unter Kontrolle hatte, dass der Lärm und die Leute und die Weite der Stadt sie so verrückt machten, dass sie selbst hier unter anderen Magiebegabten nicht normal sein konnte.

Vermutlich aus aktuellem Anlass hatte ich sehr viel Spaß mit der Idee des magischen Hauses, das sich selbstständig an seine Bewohner:innen anpasst. Diese undefinierbare magische Präsenz mag gruselig erscheinen (Überwachung?), für Aurelia empfindet sie aber offensichtlich freundschaftliche Gefühle und steht ihr helfend zur Seite. Mehr gelesen hätte ich gern vom magischen Skelett-Affen und dem Geist, der in der Schlafzimmeruhr lebt. Diese Ideen wurden für mein Gefühl nur angerissen und hätten durchaus mehr Backstory bzw. eine Rolle in der Auflösung vertragen können.

Im Vergleich zum langsamen Aufbau der Geschichte erschien mir das Ende dann zu abrupt (als wäre der Autorin die Zeit ausgegangen). Dies bleibt jedoch ein verschmerzbarer Wermutstropfen an diesem sonst sehr gelungenen Stück Fantasy-Literatur. Die Idee einer Welt, in der viele Menschen versuchen, das Richtige zu tun, auch wenn es sich manchmal im Einzelnen extrem falsch anfühlt, liegt vielen Geschichten zugrunde, ich persönlich finde sie hier besonders gut umgesetzt.

Randnotiz: In Wien Penzing wird gerade eine genossenschaftlich organisierte Buchhandlung begründet. Es soll auch ein 3. Ort für die Gegend werden. Ich habe das Crowdfunding unterstützt, vielleicht ist das ja auch was für euch.

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Roman

Sofi Oksanen – Fegefeuer

CN: Krieg, Gewalt, Vergewaltigung, Folter, Mord, sexuelle Handlungen, sexueller Missbrauch, Prostitution


Mit diesem Buch hatte ich echt meine Schwierigkeiten. Zuerst musste ich feststellen, dass es nicht die Antworten für den Literatur-Geocache enthielt, die ich erwartet hatte. Dann fand ich die Geschichte äußerst traurig, frustrierend und schwer zu lesen. Die Handlung findet auf zwei Ebenen statt, wir lesen einerseits von der alten Aliide Truu, die allein auf ihrem Hof lebt und das Mädchen Zara aufnimmt, das plötzlich allein und hilflos auf ihrem Hof auftaucht, und andererseits von der jungen Alide Truu, die in West-Estland in einer gebeutelten Gegend aufwächst. Wäre nicht die Frage offen gewesen, wo das Mädchen Zara hergekommen ist, hätte ich vermutlich gar nicht weiter gelesen. So unsympathisch ist schon das junge Mädchen Aliide: eifersüchtig auf die Schwester, verliebt in deren Ehemann Hans, fühlt sie sich immer übersehen und nie in irgendeiner Weise wertgeschätzt.

Jetzt würde er Aliide wahrnehmen müssen. Und vor allem würde Hans endlich Liides eigenes besonderes Wesen erkennen müssen, wie fabelhaft sie die Geheimnisse der Pflanzen kannte und die Heilkunst beherrschte. […] Jetzt musste Hans das begreifen!

Zaras Schicksal ist nicht minder düster. Sie lässt sich aus ihrer Heimat in Wladiwostok weglocken, um in Europa zu arbeiten und sich Geld für ihr Studium zu verdienen. Sie landet in einem Mädchenhändlerring und wird zur Prostitution gezwungen. Auf der Flucht vor ihren Peinigern landet sie nicht zufällig auf Aliide Trus Hof: Sie ist auf der Suche nach ihrer Familie und hat ein Jugendfoto von Aliide und ihrer Schwester bei sich.

Das Ende des Buchs bilden mit dem Vermerk „Streng geheim“ gekennzeichnete Dokumente, in denen von Observationen, Spionage, Verbrechen und Agent:innen zu lesen ist. Hier kommt erneut zum Vorschein, dass Aliide sich selbst in ihrer Ehe mit Parteigänger Martin nie wirklich sicher fühlen konnte. Sowohl Martin als auch Aliide könnten selbst Spione gewesen sein, ohne voneinander gewusst zu haben. Selbst dem Ehepartner kann in einem diktatorischen Regime nicht vertraut werden.

Es muss noch ermittelt werden, ob die zu observierende Zielperson bemüht ist, geheime Informationen für das Ausland zu sammeln. Falls das so ist, wird man ihm »geheime« Desinformationen zuspielen.

Eine belastende Geschichte, über die ich auch lange nicht schreiben wollte.

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English Fantasy Roman

T. Kingfisher – A Sorceress Comes To Call

Mit einer absoluten Neuheit auf diesem Blog: ein Restaurantbericht im Anschluss an die heutige Buchbesprechung!

CN: Mord, Gewalt gegen Menschen und Tiere, Missbrauch von Elternteil an Kind (hauptsächlich psychisch), ein paar grausige Details


Ein weiteres Buch aus der Nominierungsliste für die diesjährigen Hugo Awards, inzwischen wissen wir ja auch, welches Buch gewonnen hat: The Tainted Cup. Wenig überraschend ist da jetzt eine mehrmonatige Warteliste in der eLibrary, es wird sich beim nächsten Book Club zeigen, ob wir das vielleicht noch käuflich erwerben.

The novel was inspired by the Brothers Grimm fairy tale “The Goose Girl“.[1] It takes inspiration from both regency romance novels and Gothic horror.[2]

Die Ankündigung, dass es sich um eine Neuinterpretation eines klassischen Märchens der Gebrüder Grimm handelt, hatte mich nicht unbedingt für das Buch eingenommen. Aber dann brauchte ich eine leichte Lektüre zur Ablenkung und dafür hat es dann gut gepasst. Einen Hugo Award würde ich dafür aber nicht vergeben …

Auf der positiven Seite möchte ich anmerken, dass die Hauptprotagonist:innen allesamt starke weibliche Charaktere sind. Erzählt wird aus der Perspektive von Cordelia, 12-jährige Tochter einer dominanten Mutter, die mit ihren magischen Fähigkeiten Cordelias Benehmen kontrolliert, wenn sie dies für die Umsetzung ihrer eigenen Machenschaften für notwendig hält. Als Cordelia mit ihrer Mutter ihre Heimat verlassen muss und beim Squire und seiner Schwester Hester einzieht, erkennt Cordelia immer mehr, das ihre Mutter mit ihren Handlungen bewusst anderen Menschen Schaden zufügt. Hester hingegen hat sich mit ihrem Leben als ältliche Jungfer, die im Haushalt ihres Bruders lebt, abgefunden. Als Cordelia und ihre Mutter Evangeline (von Hester in Gedanken äußerst passend Doom genannt, ich würde es hier mit Verhängnis übersetzen) in ihrem Haushalt auftauchen, wird ihre Welt durcheinander gewirbelt.

She was never certain what to do when Evangeline was in a good mood. Bad moods were at least predictable.

Es entspinnt sich eine Geschichte, in der sich Cordelia – ermutigt von Hester und ihren Hausgästen – Stück für Stück von ihrer Mutter distanziert und sich dann sogar gegen deren Handlungen auflehnt. Zu Beginn zeigt Cordelia dabei eindeutige Zeichen eines Anxious – ambivalent attachment nach der Attachment theory. Von der anfänglichen Cordelia, die zu einer starken Persönlichkeit heranwächst, ist es ein langer Weg. Das zeigt sich auch an der Geschichte, die einige Längen aufweist und da und dort sicher gestrafft werden hätte können. Bin mir nicht sicher, ob das bei Fantasy-Geschichten oft so ist oder ob es nur mir bei den Hugo Award Finalists so ging?

Fun Fact am Rande: An einer Stelle wird Rosmarin als charm against sorcery erwähnt. Mir fiel das hauptsächlich auf, weil es auch in Someone You Can Build a Nest in als Gift gegenüber Shesheshen angewandt wurde. Eine kurze Internetsuche wirft mir soviel Unsinn über die magischen Eigenschaften und Bedeutungen von Rosmarin entgegen, dass ich dieses Tab schnell wieder zumache, um mich anderem Unsinn zuzuwenden.


gelbe Modellbahnlokomotive auf Schienen, am Führhäuschen sind zwei Schilder befestigt, einmal das Logo Vytopna, einmal der Name Mariana, die Lok fährt nach links aus dem Bild, im Hintergrund ist ein Bierglas und ein längliches Essgefäß zu sehen

Kürzlich hat mich der Mitcacher spontan in ein besonderes Restaurant entführt. Ich war zuerst nicht so begeistert, dass wir uns deutlich aus unserem gewohnten Umkreis entfernten, weil ich an dem Tag schon einige Schritte absolviert hatte. Es hat sich jedoch sehr gelohnt! Im Vytopna am Naschmarkt gibt es Bier und Fleisch. Und es wird mittels Modelleisenbahn serviert!

ein großes Glas mit dem Logo Pantograph, das Glas steht in einer Halterung mit zwei freien Plätzen daneben, es enthält unten gelbe Flüssigkeit, die nach oben hin heller wird, einen schwarzen Strohhalm und eine Orangenscheibe, die oben über den Rand schaut

An diesem Abend hatten wir Glück, es war nicht viel los, wir bekamen ohne Reservierung einen Platz an der Theke in der Nähe des Servicebereichs. So konnten wir schon beobachten, wenn Essen und Getränke auf den Modellbahnen angerichtet wurden und waren bereit, wenn gerade wieder eine Bahn an uns vorbeifuhr.

Blick in einen Gastraum, links lange Tische, auf denen Modellbahnschienen verlegt sind, rechts verlaufen ebenfalls Schienen an der Wand entlang, in einer Nische drei Schienenende mit Puffer, zentral hinten im Raum ein Modell einer Burg

15 digital gesteuerte Züge, 600 Meter Gleis und 9 Zugbrücken

graue Modellbahnlokomotive auf Schienen, am Führhäuschen sind zwei Schilder befestigt, einmal der Name Berta, darunter die Ziffern 202-011, die Lok fährt nach links aus dem Bild, im Hintergrund ist die Hand einer Person neben einem Limonadenglas zu sehen

Das Essen wird in speziellen Gefäßen serviert, die auf das Format eines Modellbahnwaggons zugeschnitten sind. Du nimmst das Gefäß vom Waggon, kannst den Deckel des Gefäßes dann gleich wieder mit zurückschicken. Die Getränke werden in Getränkehaltern auf den Waggons serviert. Ein Highlight: Beer Train. Vier kleine Biergläser mit unterschiedlichen Biersorten zum Kosten.

drei Modellbahnschienen nebeneinander auf einem Tisch verlegt, von oben beleuchtet mit in Metallgefäße eingefassten Lampen im Vordergrund verlaufen die Schienen in einer Kurve ins Bild und verschwinden nach hinten ins Bild im Hintergrund, ganz vorne in roter Schrift zwischen den Schienen steht „17B“

Die Preise sind nicht gerade niedrig, unsere Burger waren ausgezeichnet. Das Ambiente hat mir persönlich so viel Freude gemacht, dass ich auch problemlos noch mehr bezahlt hätte (obwohl ich sowieso eingeladen war …). Interessant waren auch die Interaktionen mit anderen Besucher:innen. Jede neue Modellbahnfahrt wird von den zuletzt neu angekommenen mit leuchtenden Augen (und in meinem Fall herzhaftem Quietschen) verfolgt und gefeiert. Das zaubert wiederum ein Lächeln in die Gesichter derjenigen, die schon länger dort sitzen und diesen Moment auch erst vor Kurzem erlebt haben.

Frontalansicht von 8 Modellbahnlokomotiven bzw. -waggons, die auf an der Wand montierten Schienen ausgestellt sind, 1. Reihe: eine ganz kleine Lok mit 2 Drehgestellen und einem winzigen brauenen Häuschen darauf mit 3 Fenstern, eine etwas größere braune Lok mit 3 Drehgestellen, ein Waggon mit 6 Drehgestellen und 2 Stromabnehmern, 2. Reihe: große dunkelblaue Lok mit der gelben Aufschrift „SantaFe“, kleine hellblaue Lok mit der weißen Aufschrift „Conrail“, rotbraune Lok mit einem winzigen zentralen Führhäuschen, 3. Reihe: große grünliche Lok mit auffälligem rotem Fahrgestell und zwei Stromabnehmern, dahinter ein blauer Passagierwaggon mit der grauen Aufschrit „Gourmino“

Nach dem Essen verfolgen wir die Schienen und finden heraus, dass das Lokal nach hinten hin noch überraschend viel Platz hat. Es würde mich total interessieren, hier mal zu beobachten, wie alles funktioniert, wenn viel mehr Leute dort sitzen. Dann würden logischerweise auch öfter Bahnen fahren, was wiederum siehe oben …

metallisch bronzefarbene Modellbahnlokomotive auf Schienen, sie steht an der Servierstation und zieht zwei Waggons mit jeweils 4 leeren Getränkehaltern, am Führhäuschen sind zwei Schilder befestigt, einmal der Name Pepa, darunter die Ziffern 202-006, die Lok fährt nach rechts aus dem Bild, nach vorne leuchten drei LEDs als Zugspitzensignal, das oberste hat einen bläulichen Schein

Das waren jetzt viele Worte für ein Restaurant, aber wer mich kennt, weiß eh schon, dass ich mich für Modellbahnen halt übermäßig begeistern kann. Für manche mag es Unsinn sein, mich hat es sehr glücklich gemacht!