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English Roman

James Salter – All That Is

He loved her for not only what she was but what she might be, the idea that she might be otherwise did not occur to him or did not matter. Why would it occur? When you love you see a future according to your dreams.

Ohne wirkliche Kaufabsicht spazierte ich zum Zeitvertreib am Flughafen Hamburg vor dem Rückflug in die Buchhandlung. Die Frauenromane, die Fantasyromane, nichts konnte mich interessieren, doch schließlich stand ich vor dem Regal mit englischsprachigen Büchern und damit war mein Interesse geweckt. Mitch Albom hat sich als im Original angenehmer zu lesen erwiesen, beim Stundenzähler hatte ich mich eher gelangweilt (obwohl es auch an der Geschichte gelegen haben mag). Außerdem hatte mich der Titel All That Is angesprungen. Er klingt deterministisch, endgültig, man möchte wissen, was denn nun alles ist. Endgültig zum Kauf überzeugt hatte mich dann die John Irving Review auf dem rückseitigen Cover.

Die Erwartungen wurden teilweise erfüllt. Die Hauptfigur Philip Bowman hat auf einem amerikanischen Kriegsschiff in der japanischen See gedient. Er kehrt zurück nach Amerika und versucht, sein Leben in geordnete Bahnen zu lenken, einen Job zu finden, zu heiraten. Seine erste Ehe erweist sich als Fehler, hier sieht der Leser den Protagonisten ins Unglück rennen. Immer wieder erzählt der Autor die Geschichten von Personen, die mit Philip Bowman irgendwie in Kontakt stehen. Auch in diesen Nebenhandlungen sehen wir zumeist traurige, einsame Menschen, die Verluste erleiden müssen und sich davon mehr oder weniger erholen.

Irgendwie konnte ich für Philip Bowman keine Sympathie entwickeln. Weder als naiver junger Mann, noch als abgeklärter, desillusionierter Dandy tut er mir in seinem Unglück leid. Vielleicht war mir hier die englische Sprache im Weg und ich konnte deshalb die emotionalen Höhepunkte nicht ausreichend wahrnehmen.

Das erste Buch des Jahres. Wenn es so weitergeht, schaut das schlecht aus für die 2015 Reading Challenge.

Reading Challenge: A book set in a different country

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Krimi Roman

Jo Nesbo – Der Erlöser

„…Sie hatten diesen Ruf, weil sie als vollkommen furchtlos galten. Er engagierte kroatische Söldner. Wussten Sie, dass das Wort „Krawatte“ ursprünglich Kroate bedeutet und damit die furchtlosen Krieger gemeint waren?“
Harry schüttelte den Kopf.

Anstatt der inneren Hunde, die üblicherweise von innen an Harry zerren, bekommt er es diesmal mit einem äußerst realen Hund zu tun, Harry zu Beginn verletzt und zum Schluss im Magen des Erlösers endet. Die Wege in diesem Kriminalroman sind verschlungen. Zum Glück weiß Harry gar nicht von allen Gelegenheiten, wo er dem Mörder ganz nahe ist, ohne ihn zu erwischen. Bereits die Momente, wo er mitbekommt, dass er ganz knapp davor war, sind in höchstem Maße frustrierend. Auch die Geschichte um die korrupten Kollegen, die mit dem Tod von Tom Waaler im vorhergegangenen Roman ein Ende finden hätte können, wird zwischen den Zeilen fortgeführt. Es wird gefühlt dunkler. Da passt das Ende nahezu perfekt.

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Roman

Bernard Cornwell – Der Heidenfürst

Ich glaube an den christlichen Gott, aber ich glaube nicht, dass er der einzige Gott ist. Er ist ein eifersüchtiges, missmutiges, einsames Wesen, das die anderen Götter hasst und Ränke gegen sie schmiedet.

Man könnte beinahe den Eindruck bekommen, Uthred würde alt und milde. Doch in der Schlacht und mit List gegen seine Feinde ist er noch immer der gefürchtete Krieger. Erstmals nach Jahrzehnten gelangt Uthred wieder nach Bebbanburg, seine Festung, die ihm sein Onkel als Kind streitig gemacht hat.

Obwohl sich die Dänen über die britannische Insel ausbreiten, gewinnt der christliche Glaube die Überhand. Viele Dänen nehmen den „neuen“ Glauben bereitwillig an und auch unter Uthreds Männern sind so viele Christen, dass die Anwesenheit von Priestern auch in der Schlacht unvermeidlich ist. Doch die Kriege werden nicht mehr aus Glaubenskriegen geführt. Es geht um Land, Macht und Einfluss. Zumeist kämpfen Christen gegen Christen und auch die Trennung Sachsen gegen Dänen ist nicht mehr eindeutig abgrenzbar.

Während des Lesens musste ich mich fragen, ob die Welt überhaupt Kriegsfiktion wie diese braucht und warum mich Uthreds Geschichte überhaupt so mitreißt. Ja, Cornwell schreibt locker und die Buchstaben rinnen einem nur so durchs Gehirn. Aber im siebten Band wird dann doch klar, dass sich das Schlachtengeheul wiederholt. Auch wenn sich der Autor immer wieder neue Feinde und neue Listen einfallen lässt, sehen wir Band für Band wie Uthred in irgendwelche schwierigen Situationen gerät und dann zumeist von einem wenig bis gar nicht erwarteten Deus ex machina gerettet wird. Und dann denke ich mir, warum nicht, wenn es doch Spaß macht, warum nicht im Sommer mal was Entspannendes lesen … man muss auch nicht immer alles bis zum bitteren Ende analysieren. Draußen scheint übrigens die Sonne.

Die Christen reden von einer Seele, auch wenn ich so etwas wie eine Seele nie gesehen, gerochen, geschmeckt oder gespürt habe, aber vielleicht ist die Seele der Geist eines Mannes, und in der Schlacht steigt dieser Geist in die Lüfte empor wie ein Falke.

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Krimi Roman Thriller

Mo Hayder – Tokio

Bei Krimis ist es immer schwer, etwas über das Buch zu schreiben, ohne zu Spoilern. Bei diesem ist es fast unmöglich. Die Studentin Grey ist gerade in Tokyo gelandet. Sie ist auf der Suche nach einem chinesischen Professor, von dem sie vermutet, dass er im Besitz eines Films ist, nach dem sie seit Jahren sucht. Sie ist allein in der Stadt, auf sich gestellt, kennt niemanden und hat kein Geld. Ihr Motiv, warum sie sich diesem Risiko und diesen Strapazen aussetzt, ohne jedwede Garantie auf Erfolg, bleibt bis zu den letzten Seiten im Dunkeln. Eine Meisterleistung. Obwohl Stück für Stück Teile ihrer Vergangenheit enthüllt werden, die letztendlich ein schlüssiges Motiv ergeben, kann der Leser bis zum Schluss nicht erraten, was mit ihr geschehen ist. Natürlich hat sie auf ihrer Reise viel Glück. Aber auch ihre Beharrlichkeit verhilft ihr schließlich zum Erfolg. In einem Hostessenklub verdient sie sich ausreichend Geld, um in Tokio überleben zu können. Die Auflösung am Ende des Buches fügt vieles zusammen, es wirkt aber nie gekünstelt (Deus ex machina), sondern wie von vornherein vorgesehen. Eine Technik (oder nennen wir es Präzision), die nicht viele Krimiautoren so perfekt beherrschen. Das exotische Ambiente von Tokio gemischt mit den Rückblenden aus dem Tagebuch des Professors im kriegsgeschüttelten China machen die Spannung perfekt. Ich weiß schon, wem ich dieses Buch weiterreichen werde.

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Roman

Peter Henisch – Mortimer und Miss Molly

Hinkünftig werde ich bei Empfehlungen aus Frauenzeitschriften wieder vorsichtiger sein. Hier hat mich entweder eine romantische Stimmung mitgerissen oder der/die Redakteur(in) und ich haben einfach nicht denselben Geschmack.

Die Geschichte fängt gut an, aus Mortimer und Molly kann etwas werden. Mortimer ist amerikanischer Soldat. Sein Flugzeug wird von den Deutschen abgeschossen, er muss mit dem Fallschirm abspringen und landet in Miss Mollys Garten. Das könnte jetzt ein schlechter Porno werden oder eine durchdacht entwickelte Liebesgeschichte. Doch diese wird nicht erzählt. Erzählt wird stattdessen die Geschichte von Julia und Marco, die sich 40 bis 50 Jahre später in Siena kennenlernen, den Sommer miteinander verbringen, dabei Mortimer kennenlernen und den Anfang seiner Geschichte hören, und dann versuchen, eine Fernbeziehung am Leben zu halten. Was mehr schlecht als recht gelingt. Und irgendwann nicht mehr.

Auch wenn die Geschichte lebhaft und bunt erzählt wird, hat sie mich leider nicht mal ein winziges Bißchen mitreißen können. Der Schluss hat mich dann erst recht genervt zurückgelassen. Leider ein Fehlgriff.

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English Roman

David Benioff – City of Thieves

They have decided nothing can kill them but God himself, and they don’t even believe in him.

Allem anderen voran sei gesagt: es heißt immer wieder, das wichtigste Element für einen guten Film (oder ein gutes Theaterstück oder ein gutes Musical) ist ein gutes Buch. Die Story muss stimmen. Ohne eine gute Story kann man noch so viel Glitzer und Licht und Effekte drauf werfen, es wird niemals ein gutes Endprodukt rauskommen. Hier stimmt die Geschichte. Sie ist so großartig, dass das Fehlen jeglichen Glitzers (bzw. das Ignorierend des Glitzers im Angesicht von Hunger und Entbehrung) die Geschichte eher noch besser macht. Warum mein Eingangszitat so wichtig ist, wird man erst erkennen können, wenn man die Geschichte zu Ende gelesen hat. Es wird schwierig werden, nicht zu spoilern.

I’ve always envied people who sleep easily. Their brains must be cleaner, the floorboards of the skull well swept, all the little monsters closed up in a steamer trunk at the foot of the bed.

Lev lebt mit seinen Freunden in der belagerten und beschossenen Stadt Leningrad. Es gibt kaum noch essen, der Schwarzmarkt blüht. Als eines Nachts ein toter deutscher Soldat mittels Fallschirm in ihrer Straße landet, wird Lev verhaftet und landet in einer Zelle mit dem vermeintlich desertierten Soldaten Kolya. Anstatt erschossen zu werden, erhalten sie vom General die Aufgabe, für die Hochzeit seiner Tochter ein Dutzend Eier zu beschaffen. Ein Ding der Unmöglichkeit in der ausgehungerten Stadt.

„What’s the second thing you asked for?” –
“Hm?” –
“You said if I win, first he sets us free. So what’s the second thing you asked for?”
He looked down at me, his eyebrows tilted toward each other, incredulous that I could not guess.
“Isn’t it obvious? A dozen eggs.”

Ihr Weg führt sie auf den Schwarzmarkt, in die Arme von Kannibalen, aufs Land zu den Rebellen und schließlich in die Arme der deutschen Besetzer. Womit fast schon zu viel gesagt ist. Natürlich ist es eine Geschichte von Auszehrung, von Hunger, von Krieg, von Brutalität und Grausamkeit. Aber sie enthält dermaßen viel Witz und Lebensfreude, das der Leser an den Buchstaben hängt. Ein Roman für alle. Ein frühes Highlight des Lesejahrs 2014.

There is a place beyond hunger, beyond fatigue, where time no longer seems to move and the body’s misery no longer seems fully your own.

RANDNOTIZ: Es dürfte inzwischen zu spät sein, dass diese Folge noch im Podcast Verzeichnis zu haben ist. Im Ö3 Frühstück bei mir vom 5. Jänner 2014 erzählt Skisprungtrainer Alexander Pointer von der Depressionserkrankung seines Sohnes, er selbst hatte ebenfalls mit einer Depression zu kämpfen. Claudia Stöckl verharmlost in diesem Interview mehrmals diese ernsthafte Krankheit mit den Begriffen „schwermütig“ bzw. „es ging ihm nicht gut“. Ihre gesamte Haltung zu diesem Thema klingt danach, als ob es sich um eine kurzfristige Verstimmung handelt, wie ein Schnupfen, der mit Medikamenten zwar leichter zu ertragen ist, aber sowieso nach einer Woche wieder verschwindet. Gerade im Mainstream-Radio wäre es wichtig, diese Krankheit deutlich als solche zu bezeichnen. In vielen Fällen sind Medikamente der einzige Ausweg. Noch immer wird die Depression tabuisiert, Betroffene und Angehörige werden diskriminiert, trauen sich nicht, Hilfe zu suchen und anzunehmen. Ich empfehle allen, die wissen wollen, wie sich eine Depression anfühlt und wie schwer der Heilungsprozess sein kann, das Buch Mängelexemplar von Sarah Kuttner. Rat für Betroffene und Angehörige gibt es zum Beispiel bei Nein zur Depression.

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Roman

Lucinda Riley – Der Lavendelgarten

Es könnte einfach nur eine kitschige Lovestory sein. Aber der historische Background und die Geschichte der „Großmutter“ Constanze, die als SOE-Agentin vom englischen Regime nach Frankreich geschickt wird, um im Untergrund gegen die Deutschen zu arbeiten, wertet diesen Roman enorm auf. Die Hauptprotagonistin der Jetztzeit ist Emilie de la Martinières, die sich ziemlich naiv in die Arme eines Mannes wirft, der sich am Ende als grandioser Hochstapler herausstellt. Was der Leser durchaus schon auf den ersten Seiten ahnen kann. Doch der historische Background und wie sich letztendlich das Familiengewirr der de la Martinières auflöst, kann durchaus gefallen. Als „sicherer Hafen“ hat mich dieses Buch durch die letzten Wochen begleitet und damit schon einen überaus wichtigen Zweck erfüllt. Manchmal braucht man eine „schicksalhafte Liebe“ (siehe dramatisch-romantischer Klappentext …), um sich mal kurz aus dem eigenen Alltag zu verabschieden.

RANDNOTIZ: Dieses Jahr scheint das Jahr des Wiederlesens zu werden. Seit dem Wochenende verfolgt mich die Idee, die Saga vom Dunklen Turm nochmal zu lesen. Das hatte mich vor Jahren durch meine Studienzeit begleitet und Teile davon hatten durchaus eine Anziehungskraft, obwohl ich nicht so begeistert davon war, wie der damalige Lebensbegleiter. In der Onleihe hab ich leider nicht alle Bücher gefunden (was soll das? warum nur Teil 2, 3, 5 und 7 einer Serie vorrätig haben? wer denkt sich sowas aus?). Vielleicht werd ich doch eine digitale Investition tätigen.

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English Roman

Kurt Vonnegut – Slaughterhouse-Five

„That’s one thing Earthlings might learn to do, if they tried hard enough: Ignore the awful times, and concentrate on the good ones.“
„Um,“ said Billy Pilgrim.

Immer wieder begegnet einem der 2007 verstorbene Kurt Vonnegut als einer der bekanntesten amerikanischen Autoren der jüngeren Vergangenheit. Vor zwei Jahren hatte ich auf dem iPad Cat’s Cradle gelesen und ich erinnere mich richtig, es hatte mir sehr gut gefallen.

Slaughterhouse-Five ist Vonneguts bekanntestes Werk. Es ist teils autobiografisch. Die Luftangriffe, die Dresden 1945 großteils zerstörten, hat Vonnegut in Kriegsgefangenschaft miterlebt und verarbeitet diese auf äußerst skurrile Weise in diesem Roman. Seine Hauptfigur namens Billy Pilgrim ist ein scheinbar etwas zurückgebliebener Mann, stets abwesend, in seiner eigenen Welt lebend. Er unternimmt Zeitreisen und ist überzeugt davon, von Außerirdischen auf den Planeten Tralfamadore entführt worden zu sein. Dort wurde er mit einer ebenfalls von der Erde entführten Pornodarstellerin in einem Zoo ausgestellt, zur Unterhaltung der Tralfamadorianer.

One of the main effects of war, after all, is that people are discouraged from being characters. But old Derby was a character now.

So it goes. Die ständigen Zeitsprünge machen es für den Leser einigermaßen anstrengend, der Geschichte zu folgen. Allerdings scheint eine fortlaufende Erzählung über Billy Pilgrims Leben auch nicht das Ziel zu sein. Über Krieg an dich und Kriegsgefangenschaft im Besonderen lässt sich kaum etwas Gutes sagen, erklärt Autor Kurt Vonnegut in seiner Einleitung.

Ich kann den Hype um dieses Buch nicht ganz nachvollziehen. Ja, es ist witzig und skurril und es gab Momente, wo ich sehr schmunzeln musste. Ja, es ist Anti-Kriegs-Literatur und hat damit zweifellos seine Berechtigung. Aber für mich reichte es an Cat’s Cradle nicht heran.

Bei diesem Buch habe ich außerdem festgestellt, dass ich ein Problem mit der Papier- und Druckqualität englisch-sprachiger Taschenbücher entwickelt habe. Ich dachte zuerst, es ist der Font, den ich nicht mag, aber beim nächsten Buch wurde mir dann klar, dass es wohl eine Kombination aus der Papierqualität und der dadurch beeinflussten Lesequalität ist. Das Papier ist offensichtlich Recycling (was ich prinzipiell befürworte), ungebleicht und eher grobfaserig, die Buchstaben verschwimmen beinahe etwas. Gerade, wenn man nach einem langen Arbeitstag auf der Heimfahrt im Zug noch lesen möchte, kann so ein Schriftbild schon sehr stören. Ich überlege, bei englischsprachigen Romanen zukünftig komplett auf Kindle Books zu setzen.

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Roman

Astrid Rosenfeld – Adams Erbe

„Adam, wie könnte mich das langweilen? Das sind die Momente, die zählen. Davon hat man immer nur eine Handvoll.“

Was wie eine scheinbar harmlose Familiengeschichte beginnt, entpuppt sich langsam als Blick auf die Schrecken der Nazizeit. Doch Hauptthema ist stets die Liebe. Wir lernen erst Edward Cohen kennen, seine Mutter, seine Großmutter Lara, die uns später in der Rückblende als resolute junge Frau begegnen wird. Ein faszinierender Kunstgriff, den Menschen, den man schon als Großmutter kennt, plötzlich als jungen Menschen beschrieben zu sehen. Diese Großmutter Lara erkennt in Edward stets die Ähnlichkeit zu seinem Großonkel Adam, dessen Schicksal Großvater Moses niemals verwinden konnte. Edward wächst im Schatten dieser Ähnlichkeit auf, doch niemand erzählt Edward die Geschichte dieses Adam. Nach dem Tod der Großmutter findet Edward ein Buch, das Licht auf Adams Geschichte wirft.

Hitler war die Sphinx unter unseren Nazis. Seine schwammigen Gesichtszüge schienen sich jeder Deutung zu entziehen. Wir hatten mittlerweile zumindest eine Theorie über den Führer aufgestellt. Wir waren uns sicher, dass er heimlich trank, obwohl immer behauptet wurde, dass er wie ein Asket lebte.

Auch Adam hat eine resolute Großmutter, Edda, die ihm nicht nur beibringt, in den Gesichtern der Leute zu lesen, um so festzustellen, ob man ihnen vertrauen kann. Nein, Edda ist Adams Hauptbezugsperson, denn seine Mutter weint stets um die toten Männer, erst Adams Vater, der gebrochen aus dem Krieg zurückgekehrt ist, dann den Doktor, der sie verlässt, bevor die Schrecken der Nazizeit tatsächlich beginnen. Edda ist es auch, die Adam schließlich die Flucht nach Polen ermöglicht. Denn Adam sucht Anna, in die er verliebt ist und die nach Polen deportiert wurde. Seine Familie hingegen plant die Emigration nach London.

Wie nimmt man Abschied von einer Dame mit Blau-schwarzen Haaren, die einen die Freiheit gelehrt hat? Wie sagt man adieu zu einer Frau in rotem Samt, die einen blutrünstigen Tyrannen in einen komischen Säufer verwandeln kann?

Adams Geschichte führt ihn nach Polen, wo er als Rosenzüchter seine jüdische Herkunft verbergen muss. Die Suche nach Anna bleibt vorerst erfolglos. Doch Adams gesamtes Leben ist nur von der Suche nach Anna beherrscht. Obwohl er sie schon so lange nicht mehr gesehen hat, bleibt Annas Leben sein einziges Ziel. Immer wieder muss er von seiner Liebe erzählen, den ein anderes Leben kennt er nicht. Zuletzt führt ihn die Suche nach Anna ins Warschauer Ghetto, ein Schicksal, dessen Ende man sich denken kann. Der Autorin gelingt es dabei, so eindrückliche Bilder zu schaffen. Das Findelkind Herakles hat noch nie in seinem Leben eine echte Blume gesehen und will Adam nicht glauben, dass Blumen nicht aus Papier sind. „Du bist verrückt.“ Er kennt nur die Realität des Ghettos und wird zeit seines Lebens die Wunder der Welt niemals sehen.

Auch wenn Adams Geschichte zu keinem Happy End führt, so führen doch die letzten leuchtenden Seiten die Liebesgeschichte zu einem versöhnlichen Ende. Denn Adam hat sein Leben der Liebe gewidmet. Und auch wenn er es nicht weiß, hat er auf seine Art alles richtig gemacht.

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Roman

Bernard Cornwell – Der sterbende König

Einst war ich im Land der Dänen gewesen und hatte eine Gegend aus Sand und karger Erde gesehen, und obwohl ich nicht daran zweifle, dass die Dänen auch besseres Land als das haben, was ich sah, bezweifle ich sehr wohl, dass es sich mit dem messen könnte, durch das wir nun auf unserer stillen Fahrt mit der Tyrs Tochter glitten. Der Fluss trug uns zwischen üppigen Feldern und dichten Wäldern dahin.

Ich kann nicht ganz verhehlen, dass sich ein gewisser Gewöhnungseffekt bei Cornwells Uthred-Romanen einstellt. Ich hatte „Der sterbende König“ schon im Frühjahr vorbestellt mit dem Gedanken, mich im Herbst dann von der Amazon-Lieferung überraschen zu lassen (was Amazon vereitelt hat, indem sie mich vorher per Mail informierten, dass sie die Bestellung jetzt versenden …). Gefreut hab ich mich natürlich trotzdem und das Buch relativ schnell verschlungen …

Manchmal liege ich wach in den langen Nächten des Alters und denke an die aberwitzigen Dinge, die ich getan habe, an die Gefahren, weil ich mit dem Schicksal gewürfelt und die Götter herausgefordert habe.

Der Fokus liegt hier auf dem lange erwarteten Tod des Königs Alfred. Natürlich ist damit Uthreds Krieg nicht zu Ende, inzwischen drängt sich der Gedanke auf, dass er Bebbanburg vielleicht nie zurück erobern wird. Mit kreativen Kriegslisten versucht Uthred die Dänen aus der Reserve zu locken und schließlich kommt es auch zur nur knapp gewonnenen Schlacht im Schildwall.

Im Nachwort erklärt Cornwell seine Faszination für diese Zeit und warum er sich so intensiv mit der Geschichte beschäftigt:

Das ist die Geschichte, die hinter den Erzählungen von Uthred steht: die Geschichte von der Entstehung Englands. Es hat mich immer erstaunt, dass wir Engländer so wenig an der Entstehung unserer Nation interessiert sind. In der Schule scheint es manchmal so, als würde die Geschichte Britanniens AD 1066 beginnen, und alles, was vorher geschah wäre bedeutungslos, dabei ist die Geschichte von der Entstehung Englands groß, aufregend und nobel.