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Fantasy Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Prisoner of Azkaban

He let me into Hogwarts as a boy, and he gave me a job, when I have been shunned all my adult life, unable to find paid work because of what I am.

Wenn ich früher in Gesprächen erwähnt hatte, dass ich nie Harry Potter gelesen bzw. mich beim ersten Band gelangweilt hätte, war die Antwort oft, dass die Bücher besser, die Geschichten düsterer würden. Das kann ich nun definitiv bestätigen. Schon im zweiten Band zeichnete sich eine Tendenz ab und der Twist mit der Zeit am Ende des dritten Bands geht da nicht nur einen Schritt sondern einen ganzen Meilenstein weiter.

In der Gestalt des Werwolfs Lupin wird ein soziales Thema abgebildet: Menschen (Wesen?), die anders sind und aufgrund ihrer Andersartigkeit ausgegrenzt werden. Zwischen den Zeilen ist deutlich zu lesen, dass es nicht darauf ankommt, WAS wir sind, sondern WIE wir uns verhalten. Nicht unsere Herkunft oder unsere Vergangenheit sind was, was uns definiert, sondern unsere Handlungen und Reaktionen auf die Welt und ihre Widrigkeiten.

Isolation Tag 6. 19. März 2020

Die ersten beiden Tage der Heim-Isolation war ich wie gelähmt. Ich hätte eigentlich auf Urlaub sein sollen und hatte das Gefühl, ich müsste und sollte jetzt auch nichts tun. Und habe viel Zeit mit Lesen verbracht. Je mehr Zeit vergeht, umso mehr habe ich das Gefühl, ich MÜSSTE E-T-W-A-S tun. 

Isolation Tag 7. 20. März 2020

Etwas tun. Das Naheliegendste ist der Frühjahrsputz. Tatsächlich habe ich inzwischen die Fenster geputzt. Eine sehr unliebsame Arbeit. Es fällt mir auch kaum auf, wenn sie dann geputzt sind. Der Effekt ist also wenig befriedigend. Beim Zerkleinern einer Süßkartoffel mit dem scharfen Messer und beim Fensterputzen dachte ich daran, dass so viele Unfälle im Haushalt passieren und wie ungünstig es gerade jetzt wäre, sich zu verletzen. 

Heute war ich nach einer Woche zuhause wieder mal einkaufen. Im lokalen Supermarkt waren ausschließlich Mitarbeiter*innen im Einsatz, die ich bereits kenne (keine Aushilfen, kein Bundesheer, whatever). Die Kassier*innen sitzen hinter einer Schutzschicht Frischhaltefolie. Die Gewohntheit des Einkaufsvorgangs hat mir eine Ruhe vermittelt, die ich die ganzen letzten Tage nicht hatte. Es gab nur noch Eier aus Bodenhaltung (ich habe keine gekauft).

Dinge, die wir schon lange mal tun wollten und für die wie jetzt Zeit hätten, tun sich nicht von selbst, nur weil wir jetzt Zeit dafür hätten. Wir müssen uns auch tatsächlich aufraffen, sie zu tun. 

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Fantasy Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Chamber of Secrets

It is our choices, Harry, that show what we truly are, far more than our abilities.

Für den zweiten Band habe ich mir schon bewusst etwas mehr Zeit gelassen. Interessant fand ich, wie der Aspekt des Rassismus thematisiert wurde: Hogwarts-Schüler*innen mit Eltern, die selbst Zauberkräfte haben, fühlen sich jenen, die Muggle-Eltern haben oder je ein Elternteil Zauber und eines Muggle, überlegen. Narrative, die wir aus der realen Welt kennen, finden sich nun in Gestalt der Zauberschüler*innen wieder, wo sie ebenfalls ihre Wirkung nicht verfehlen.

Randnotiz: Ab heute gibt es hier zusätzlich zu den Buchbesprechungen Gedanken aus der Covid19-Isolation.

Isolation Tag 4. 17. März 2020

Freitag Nachmittag war ich im Supermarkt. Freitag Abend noch bei Freundinnen. Was vermutlich nicht vernünftig war. Samstag früh hätte ich nach Japan fliegen sollen. Wir sind nicht geflogen. Was definitiv vernünftig war.

Seit Samstag bin ich allein zuhause. Mit dem Hund. Natürlich gehen wir für Spaziergänge raus. Draußen ist der Hund fröhlich unterwegs. Drinnen ist ihr teilweise schon anzumerken, dass diese Situation ungewöhnlich ist. Wir haben seit drei Tagen keinen Kontakt mit anderen Menschen. Der Hund liebt Menschen.

Mit vielen Menschen bin ich online oder telefonisch in Kontakt. Sie arrangieren sich mit der Situation, nahezu alle sind vernünftig. Manche wollen immer noch nicht wahrhaben, dass diese Situation ernst ist und uns noch lange beschäftigen wird. 

Die Unsicherheit darüber, wie es weitergehen wird, welche Probleme uns noch konfrontieren werden, ist spürbar. In UK sind die Schulen noch geöffnet, in DE saßen am Wochenende noch größere Menschengruppen in Parks und auf Spielplätzen. Ich kann das verstehen. Ich wollte auch nicht wahrhaben, was diese weltweite Katastrophe für die nahe Zukunft bedeutet. Aber vernünftig ist das nicht. 

Isolation Tag 5. 18. März 2020

Mein Podcast-Backlog ist so groß, dass ich heute das Ö3 Frühstück am Sonntag am 1. März 2020 mit Rudolf Anschober gehört habe. Bei seinen Aussagen habe ich mich des Öfteren gefragt, ob die Entscheidungsträger damals wirklich so optimistisch waren oder ob er insgeheim schon wusste, dass er die Dinge so darstellen muss, um keine Panik aufkommen zu lassen. Beide Varianten finde ich auf ihre eigene Art unangenehm.

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Fantasy Jugend Roman

J. K. Rowling – Harry Potter and the Philosopher’s Stone

Schon als ich noch dachte, ich würde auf Urlaub fahren, hatte ich mir überlegt, ob ich dabei wohl eine der Reihen anfangen würde, von denen ich bisher immer das Gefühl hatte, nicht ausreichend Zeit dafür zu haben. Neben Harry Potter waren auch noch A Song of Ice and Fire, The Cronicles of Narnia und Eragon im Rennen. Spontane Entscheidung für Harry Potter.

In meiner Erinnerung habe ich vor vielen Jahren (als der Hype noch frisch war) mal den ersten Band auf deutsch gelesen und konnte mich nicht recht damit anfreunden. Beim jetzigen Lesen des erstens Bandes auf englisch war mir kaum etwas bekannt. Den Sog, der zum Hype geführt hat, kann ich noch immer nicht nachvollziehen, aber zumindest war ich ein paar Stunden abgelenkt von der ganzen Situation.

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Fantasy Roman

Terry Pratchett – Making Money

They told him that he could give it up any time he liked. Any hour, any minute, any second. And because he could, he didn’t … every hour, every minute, every second. There had to be a reason why.

Erstaunlich sperrig. Tatsächlich war ich schon fast bei der Hälfte des Buches, bis die Geschichte tatsächlich eine Geschwindigkeit erreichte, die mich auch interessierte. Liegt es am Thema, frage ich mich? Ist das Bankgeschäft einfach so langweilig, dass es nicht mal Terry Pratchett gelingt, sich angemessen darüber lustig zu machen? Im zweiten Teil stellt sich dann heraus, er bietet alles auf, was die menschliche Vorstellungskraft hergibt und verkauft es dem Leser auch noch so, dass dieser glauben darf, dass es doch alles einen Sinn ergibt.

You had to admire his directness, at least. He’d worked out what he wanted to get from life, and had set out to get as much of it as he could. Moist had to take his hat off to the man.

Man kann spekulieren, dass sich etwas von Terry Pratchett im Protagonisten Moist von Lipwig wiederfindet. Dieser wurde wegen seiner kriminellen Vergangenheit (zum Schein) gehängt und mit einer neuen Identität zum General der Post ernannt, wo er versehentlich das Briefmarkensammeln erfindet und sich mangels Herausforderungen langweilt. Seine geheime Superkraft sind Worte. Er formuliert so geschickt, dass ihm seine Mitmenschen nicht nur alles Mögliche abkaufen (sei es auch noch so absurd: Papiergeld! wer kann sich sowas ausdenken?), sondern ihm auch jeden Fehler mehr oder weniger verzeihen.

I’m in a world where that just happened, Moist thought. Nothing matters. It was an insight of incredible liberation.

Gewürzt ist das Ganze mit versteckten Lebensweisheiten und den üblichen Protagonisten der Scheibenwelt: Wachleute (inklusive Werwolf, der mit dem hündischen Chairman der Bank kommuniziert), Attentäter (namens Cranberry), nekromantische Zauberer, (mehr oder weniger) emanzipierte Golems, als Clowns geborene Banker. Wenn man die etwas langatmige erste Hälfte des Buches überstanden hat, rast der Rest dann nur so dahin.

Reading Challenge: A book with magic

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Roman

A. L. Kennedy – Das blaue Buch

Doch euer jeweiliges Selbst ist verschmolzen, verwischt, verbunden. Er hat ein vereintes Begehren aus dir gemacht, ein Stück Verzweiflung, nur durchs Dasein und Existieren – mühelos.

Da liest man den Klappentext. Man meint sich an ein anderes Werk der Autorin zu erinnern (mein Blog spuckt nichts aus und auch die Titel laut Wikipedia sagen mir nichts) und erwartet sich eine Lovestory, etwas Entspannendes für zwischendurch. Und wird enttäuscht. Aber auch nicht.

Das mag dir hässlich und unangenehm vorkommen, fremd – denn du besitzt Integrität, Unehrlichkeit passt einfach nicht zu dir, wie könnte sie auch? Aber kein Mensch nimmt es immer ganz genau, ist unablässig tapfer: Du kannst dich von diesem oder jenem Rand der Wahrheit abschrecken lassen – so wie jeder.

Anstatt einer entspannenden Kreuzfahrt-Liebesgeschichte bekomme ich also ein komplexes Psychogramm inkl. Rückblick in die Kindheit zwecks Ergründung der Entstehung der Persönlichkeitszüge der beteiligten Erwachsenen. Nicht erwartungsgemäß. Bis zum Schluss bleibt unklar, wem die Geschichte im blauen Buch erzählt wird. Es scheint stets ein Außenstehender zu sein. Der in der Geschichte noch nicht vorkam. Ein Irrtum.

Ich versuche nicht bloß, von ihnen wegzukommen, weg von der Hilfe, die sie womöglich anbieten, die mir nicht wirklich helfen kann und die ich nicht ertragen kann, weil mir nicht mehr zu helfen ist, ich mich aber nur ungern daran erinnern lasse. Ich laufe nicht bloß weg, ich suche. Ich suche ihn. Idiotin.

Die Situation erweist sich als spannend. Eine kluge Idee, die beiden Verschwörer durch Zahlen miteinander kommunizieren lassen. Es erlaubt so viele Zwischentöne, so viel Interpretation. Es erschafft eine eigene Welt, die nur diesem Paar gehört. Und doch sind sie kein Paar. Gehören aber vielleicht doch zusammen. Ohne es mit Sicherheit wissen zu können.

Also nicht mehr Gedanken als nötig. Was gut ist. Eins nach dem anderen, nur über das, was wir denken müssen. Nicht über alles. Alles wäre zuviel.

Immer wieder beschleicht mich das Gefühl, dass je nach Lebenslage bestimmte Bücher „zu mir kommen“. Dass ich unwillkürlich zu einem Buch greife, das mir etwas sagt, das zur aktuellen Situation passt. Die kritische Stimme denkt natürlich anders: viel wahrscheinlicher ist es, dass man unbewusst diese Bücher auswählt oder dass man Inhalte anders interpretiert, so dass sie zur eigenen Lebenssituation passen. Im Prinzip könnte man auch das Horoskop lesen … das stellt sich jedoch selten so aufwühlend und am Ende überraschend heraus wie diese Geschichte.

Die lächerlichen, nackten, lächerlichen Dinge, die wir sagen.

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Roman

Terry Pratchett – Rollende Steine/Echt zauberhaft

Liebesschloss am Lendkanal, Klagenfurt

„Du musst bestimmter auftreten“, sagte der Rabe. Er hockte nun auf einem Felsen. „Das ist das Problem mit Frauen in gehobenen Berufen. Sind nicht energisch genug.“

In diesem Pratchett-Doppelpack beschäftigt sich der erste Band mit Musik und deren potentieller Wirkung auf Musiker und Menschen. Tatsächlich lautet der englische Originaltitel „Soul Music“, es erscheint daher als komische Idee, das für die deutsche Ausgabe gerade die nicht eindeutige Übersetzung vom deutlich plakativeren „Rolling Stones“ gewählt wurde.

„Siehst du denn nicht, was passiert? Die Musik veranlasst Leute, sich närrisch zu benehmen, törichte Kleidung zu tragen, unhöflich und ungehorsam zu sein. So was gehört sich einfach nicht. Außerdem … denk an das, was mit Herrn Hong geschah.“

Auch Tod und die Zauberer der Unsichtbaren Universität können sich dem Zauber der Musik nicht entziehen. Wobei Tod tatsächlich auf Selbstfindungstrip versucht, sich zu Tode zu langweilen, während seine Enkelin Susanne mit der Sense die Pflicht versehen muss. Das alles während sie versucht, die Mitglieder der „Band Mit Steinen Drin“ zu beschützen. Eine nahezu unmögliche Aufgabe. Im Zuge deren Erlebnisse schafft es Pratchett auch, sich gefinkelt über die Urheberrechtsdebatte lustig zu machen. Wie in seinen von mir hoch geschätzten Büchern zum Thema Zeit steckt auch hier mehr in der Geschichte als auf den ersten Blick zu erkennen ist.

„Rincewind ist kein Käse, verdammt und zugenäht!“ rief der Dekan, dessen Geduld nun zu Ende ging. „Er ist auch kein Joghurt oder irgendein anderes Sauermilchderivat! Rincewind ist ein verfluchtes Ärgernis! Es gibt keine größere Schande für die Zauberei! …“

Im zweiten Band muss der unfähige Zaubberer Rincewind wieder mal unfreiwillig von einem Abenteuer ins andere stolpern und wird dabei Schritt für Schritt vom deus ex machina „gerettet“. Obwohl ebenfalls spannend aufgebaut, sagen mir die Rincewind-Geschichten nicht besonders zu. Keine Ahnung, warum.

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Roman Unterhaltung

Terry Pratchett – Heiße Hüpfer

Zeit(c)frko/SXC

Zum Beispiel behauptete der Dozent für kreative Ungewissheit auf eine recht selbstgefällige Weise, er sei gleichzeitig zugegen und abwesend, bis jemand an seine Tür klopfte und dadurch das Kraftfeld seiner besonderen Zustandsform zusammenbrechen ließ. Er wies auf die Unmöglichkeit hin, vor einem solchen Ereignis eindeutige Feststellungen treffen zu können. Logik ist eine wundervolle Sache, aber manchmal sind gewöhnliche Überlegungen noch viel bessser.

Terry Pratchett entfaltet in dieser Geschichte aus der Zauberer-Reihe eine Zeit/Raum-Vergangenheit/Zukunft-Schleife, die wie eine surreale Mischung aus dem Leben von Schrödingers Katze und Stephen Hawkings Theorie der schwarzen Löcher gewürzt mit einem Schuss Catch 22.

„Weißt du, der Sinn der ganzen Sache liegt in der ganzen Sache“, behauptete der Gott. „Obgleich …“ Er schniefte ein wenig. „Wenn wir den einen oder anderen Käfer hinzufügen können, beklage ich mich nicht.“

Sogar zur Religion bringt Pratchett eine spannende Geschichte auf, in der er nicht nur die Evolution sondern auch noch den Sinn des Lebens erklärt.

„Ist doch ganz klar“, fuhr der Erzkanzler fort. „Wenn ich auf die Ameise trete, so existiere ich nicht. Aber wenn ich nicht existiere, kann ich gar nicht auf die Ameise treten, und deshalb müsste sie am Leben bleiben, oder?“

Logik kanns bei Pratchett nicht geben und doch führen seine Fäden immer wieder zueinander. Held der Geschichte ist ein ums andere Mal der tollpatschige Rincewind, der schließlich nicht nur die Zeiten repariert, sondern auch das Wetter. Verfolgt von einem hartnäckigen Känguru schert er Schafe, trinkt zuviel Bier, kreiert die Pfirsich-Nellie und verliert dabei nie den Hut (der ihn als Zauberer auszeichnet). Der bisher beste, absurdeste, wunderbarste Pratchett, den ich bisher gelesen habe.

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Roman

Paulo Coelho – Brida

Irland(c)Nicole_N/SXC

„Wenn jemand seinen Weg gefunden hat, darf er keine Angst haben. Er muss auch den Mut haben, Fehler zu machen. Durch die Enttäuschungen, die Niederlagen, die Mutlosigkeit zeigt Gott uns den Weg. Sie sind seine Werkzeuge.“

Brida sucht nach sich selbst. Sie möchte Magie erlernen und ihre verborgene Gabe finden. Auf ihrem Weg begegnet sie dem Magier aus dem Wald sowie der Hexe Wicca, die Brida schließlich die Sonnentradition lehrt und sie auf ihrem Weg begleitet. Brida lernt nicht nur sich selbst kennen, sondern sogar ihren „Anderen Teil“.

„Schäme dich niemals“, fuhr er fort. „Nimm, was das Leben dir bietet, und versuche aus den Gläsern zu trinken, die vor dir stehen. Alle Weine sollen getrunken werden – von einigen nur ein Schluck. Von anderen die ganze Flasche.

„Brida“ erfüllt alle Vorstellungen, die man sich von einem Coelho-Roman macht, er verpackt wie gewohnt seine Lebensweisheiten in eine Geschichte um Liebe und die Suche nach sich selbst. Ein Gefühl wie der erste Schluck eines perfekten Kaffees an einem sonnigen Morgen.