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English Fantasy Roman

George R. R. Martin – Game of Thrones

I am doing the right thing, he told himself, so why do I feel so bad?

An und für sich finde ich ja die Reading Analytics, die die Libby App so ausspuckt, nach wie vor eher beunruhigend. Sie zeichnet einfach genau auf, wann ich wie lang gelesen habe, und berechnet daraus, wie lang ich für ein Buch gebraucht habe und wie lang ich vermutlich noch brauchen werde, bis ich damit fertig bin. Bei diesem Buch hat es mich dann doch interessiert, wie lange ich gebraucht habe und es waren 21 Stunden und 21 Minuten, verteilt über 8 Tage. (Ja, es ist November inmitten einer Pandemie, ich hatte neben Erwerbsarbeit nicht viel anderes zu tun.)

Neil Pasricha zitiert in seinem Podcast 3 Books immer wieder mal George R. R. Martin, der sinngemäß geschrieben haben soll, ein Mensch, der Bücher liest, lebt während seiner Lebenszeit 1000 verschiedene Leben, ein Mensch, der nicht liest, lebt nur ein einziges Leben. Obwohl es in diesem Buch hauptsächlich um Intrigen, Schlachten und Kämpfe geht (wer verbündet sich mit wem, wer intrigiert gegen wen, wer wird die Thronnachfolge antreten?), konnte ich zumindest ein Zitat finden, das mir zum Thema Bücher und Lesen ins Auge gestochen ist:

My mind is my weapon. My brother has his sword, King Robert has his warhammer, and I have my mind … and a mind needs books as a sword needs whetstone, if its to keep its edge.

Irgendwann diese Woche dachte ich beim Spazierengehen darüber nach, wie wohl eine utopische Welt aussehen könnte, in der das Streben nach Geld und Macht nicht existiert. Sehr weit bin ich in dem Gedankenexperiment nicht gekommen. Weil irgendwie jeder Mensch nach irgendwas strebt, selbst wenn es nicht Geld oder Macht ist. Und oft ist das wahre Ziel nur zu erreichen über den Umweg Geld oder Macht. Selbst wenn das hehre Ziel ist, ein Heilmittel für Krebs zu erfinden, dann lässt sich dieses vermutlich eher nur über den Umweg von Geld (Möglichkeit, eine umfassende Forschung zu finanzieren) oder Macht (Möglichkeit, die Geschicke eines Pharmaunternehmens zu steuern) erreichen. Eine Welt ohne das Streben nach Geld oder Macht müsste daher so fundamental anders aussehen, dass es mir an Fantasie mangelt, sie mir vorzustellen. Und selbst dann würden Menschen vermutlich noch aus Gründen der Liebe und der Eifersucht aufeinander losgehen …

That should be enough for any woman … but not for the dragon. With Viserys gone, Daenerys was the last, the very last. She was the seed of kings and conquerers, and so too the child inside her. She must not forget.

Streben nach Macht ist eines der zentralen Motive dieses Buchs. Die Mittel, die die einzelnen Personen einsetzen, sind unterschiedlich, ebenso die Ergebnisse. In einer mittelalterlich geprägten Welt, in der Status anhand des Schwertes gemessen wird, haben Frauen erwartungsgemäß einen niedrigeren Stellenwert. Es zeichnet sich jedoch bereits ab, dass die bereits eingeführten Frauenfiguren durchaus interessante Entwicklungen durchmachen dürften. Ich werde demnächst mit dem zweiten Teil der Reihe weiterlesen.

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Klassiker Roman

Jaroslav Hasek – Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

Kirche Russland (c) Yarik Mishin/SXC

Die Hauptsache is, den Moment abpassen, wenn so ein hoher Herr vorübergeht. Wie zum Beispiel, wenn Sie sich noch an den Herrn Lucheni erinnern, der, was unsre selige Elisabeth mit der Feile erstochen hat. Er is mit ihr spazierengegangen. Dann traun Sie noch jemandem. Seit der Zeit geht keine Kaiserin mehr spazieren.

Ich bezweifle mal stark, dass es mir gelingt, über den Schwejk etwas zu schreiben, was nicht schon mal geschrieben wurde. Der tapfere Soldat, der vom Arzt zwar für „blöd“ aber trotzdem kriegstauglich erklärt wird, erzählt abwechselnd Geschichten und bringt sich selbst in welche. Damit bringt er nicht nur seine Vorgesetzten bei der Armee regelmäßig in Rage. Besonders leidgeplagt ist hier Oberleutnant Lukasch, dem Schwejk als „Putzfleck“ assistiert. Lukasch hat Schwejk im Kartenspiel vom Feldkuraten gewonnen. Obwohl Schwejk dem Oberleutnant treuherzigste Dienste leistet, geht er auf der Reise nach Budweis verloren und landet schließlich im Arrest.

Der Wachtmeister blickte Schwejk freundlich an, der ruhig und würdig sagte: „Und ich geh doch nach Budweis.“ Das war mehr als Galileis: „Und sie bewegt sich doch!“ Denn dieser muss dies offenbar sehr zornig gesagt haben.

So mancher originelle Geselle findet sich in dieser österreichischen Armee. Im Arrest lernt Schwejk den Einjährigfreiwilligen Marek kennen, der uns im letzten Buch als Geschichtsschreiber wieder begegnet, wo er epische Siegesgeschichten für alle Offiziersassistenten sowie deren Vorgesetzte entwirft. Ständig leidend ist der gefräßige Baloun, der seinem Offizier Teile der Menage entwendet und doch niemals satt wird. Sein natürlicher Gegenspieler ist damit der Koch Juradja, der Baloun ständig im Blick behalten muss, will er selbst die Verteilung der knappen Fleischstücke befehligen.

Er blickte dabei so sehnsüchtig auf die beiden Rucksäcke seines Oberleutnants wie ein von allen verlassenes Hündchen, das hungrig ist wie ein Wolf, vor der Tür eines Selcherladens sitzt und den Geruch kochenden Selchfleischs spürt.

Schwejks Kompanie erreicht die Front nie. Da Schwejk sogar aus der österreichischen Kriegsgefangenschaft (!) sogar mit nicht mal einem blauen Auge davonkommt, kann er sich leicht einen Weltkrieg herbeiwünschen.

„Das möcht nicht mal dafür stehn, Krieg zu führen“, sagte Schwejk nachdrücklich. „Wenn schon Krieg, so solls ein ordentlicher Krieg sein. Ich wer entschieden nicht früher von Frieden reden, solang wir nicht in Moskau und in Petersburg sind. Das steht doch nicht dafür, wenns schon einen Weltkrieg gibt, nur hinter den Grenzen herumzustänkern. …“

Es soll nicht verschwiegen werden, dass ich da jetzt doch relativ lange gebraucht hab, weil Schwejks ewige Geschichtenerzählerei letztendlich auch den Leser bei längerem Genuss mal nervt. Ich erinnere mich auch dunkel an eine Schultheateraufführung, als Lektüre ist es für jüngere Menschen keinesfalls geeignet. Als kleine Häppchen genossen können Schwejks Abenteuer jedoch zwischendurch durchaus erfreuen. Und es hinterlässt natürlich das zufriedenstellende Gefühl, ein Kulturgut genossen zu haben.