Guy de Montpassant – Liebe ist anders

Kirschblueten (c)AngelaL / PIXELIO

Liebe ist immer etwas Kostbares, wer immer sie auch schenkt. Ein Herz, das bei unserem Kommen schneller schlägt, ein Auge, das weint, wenn wir Abschied nehmen, sind seltene Dinge, die man nie verachten soll.

Kurzgeschichten sind immer ein passender Begleiter auf Reisen. Diese altmodischen Liebesgeschichten spannen einen breiten Bogen über die unendliche Liebe, die unerfüllte Liebe, manchmal ist es eine Kombination aus beidem. Schwärmerei, die zur Enttäuschung wird, wenn die Erfüllung erfolgt. Geheime Liebe, die zu Krankheit und Tod führt. Liebe, die nur durch den Tod Erfüllung finden kann. Kitschig, aber irgendwie tröstlich.

Man fühlt sich plötzlich durchdrungen von dem entsetzlichen Elend des Daseins, der Einsamkeit aller Wesen, dem Nichts, das uns von allen Seiten umgibt, der namenlosen Verlassenheit des Menschenherzens, das sich durch Traum und Trug über seine Vergänglichkeit hinwegtäuschen will.

Off Topic: Bei meinen Recherchen zum Thema epub und anderen eBook-Formaten bin ich heute unter anderem auf das Programm Calibre gestoßen. Dabei fand ich es einigermaßen amüsant, dass das Calibre-Logo meinen eigenen Erstentwürfen für das Books in the fridge-Logo gar nicht mal so unähnlich sieht:

Logo_BITF.png  CalibreIcon.jpg

Selbstverständlich hat hier niemand von niemand abgekupfert. Die Idee scheint einfach nur zu naheliegend, wenn man mit Büchern zu tun hat.

Stieg Larsson – Verdammnis

Feuer (c) Raimund Berger/PIXELIO

Lisbeth Salander verbrachte die erste Woche, in der die Polizei hinter ihr her war, völlig undramatisch. Sie wohnte in aller Ruhe in ihrer Wohnung in der Fiskargatan in Mosebacke. Ihr Handy hatte sie ausgeschaltet und die SIM-Karte entfernt, denn sie hatte nicht vor, es noch einmal zu verwenden. Mit immer größeren Augen verfolgte sie die Schlagzeilen in den Internetausgaben der Zeitungen und die Nachrichtensendungen im Fernsehen.

Während im ersten Teil Verblendung der Wirtschaftskrimi um die Familie Vanger im Vordergrund stand, dreht sich hier nun alles nur um Lisbeth Salander und ihre Geschichte. Der Leser erfährt, wie Lisbeth Salander überhaupt dazu gekommen ist, einen rechtlichen Betreuer zu haben und sogar wie sie ihr Leben bestritt, bevor „all das Böse“ passierte. Mit dem durch einen Internetbetrug ergaunerten Geld will sie eigentlich nur weiter das Leben genießen, gerät jedoch schnell ins Zentrum einer Mordermittlung. Da sie sich bedeckt hält und eher allein eine Motorradgang bekämpft als mit der Polizei zu reden, wird sie bald als Teil einer lesbischen Satanistengang von der Polizei gesucht.

Während all ihre Freunde – alte wie Dragan Armanskij und neue wie der Boxer Paolo Roberto – ebenfalls nach ihr suchen, vornehmlich, um ihre Unschuld zu beweisen, ist es schließlich Mikael Blomkvist, der über die von Lisbeth gehackte Festplatte seines Laptops mit ihr Kontakt aufnimmt.

Erst wenige Seiten vor dem Ende wird klar, dass es kein Ende geben wird. Die Fortsetzung muss her und das so schnell wie möglich. Zum Glück ist sie bereits erschienen und hat bereits Platz auf dem Regal der ungelesenen Bücher bezogen.

Giovanni Boccaccio – Das Dekameron

Weintrauben (c) nkzs / SXC

„Daher bitte ich Euch um der Liebe willen, die ich Euch entgegenbringe, mir auch die Eure nicht zu versagen, sondern Euch meiner Jugend zu erbarmen, die sich nach Euch verzehrt wie Eis am Feuer!“

Würde ich meine Posts betiteln, dieser erhielte die Überschrift „Hedonismus in Zeiten der Pest“. Die Rahmenhandlung lässt sieben Damen und drei junge Herren eine von der Pest heimgesuchte Stadt verlassen, um sich in angenehmer Atmosphäre nach Möglichkeit zu vergnügen. Zu diesem Zwecke verbringen sie den Großteil des Tages mit dem Erzählen von Geschichten. Zehn Tage lang erzählt jeder der zehn Beteiligten jeweils eine Geschichte. Die Geschichten bieten dabei eine große Themenvielfalt, auch wenn sich natürlich die meisten um die Liebe drehen.

Wenn nun schon der an sich standhafte Mann nicht umhinkann, eine Frau, die ihm gefällt – von Weibern, die sich anbieten, ganz zu schweigen –, zu begehren, und alles daransetzt, diese Frau zu besitzen, was ihm nicht alle vier Wochen einmal, sondern täglich unzählige Male passiert, wie kannst du dann von einer Frau, die schon ihrer Natur nach unbeständig ist, erwarten, dass sie allen Bitten, Schmeicheleien, Geschenken und tausenderlei Verführungskünsten widerstehen soll, die ein schlauer Mann anwendet, der sie begehrt?

Noch so einiges mehr lässt Boccaccio seine Protagonisten über das Wesen der Frau sagen. Dies mag der damaligen Zeit angemessen erscheinen, erscheint aber heute doch zutiefst befremdlich. Das obige Zitat wird von einer Frau gesprochen, diese bezichtigen sich also selbst aller möglichen Schwächen und Unarten. Die Herren üben sich da eher noch in vornehmer Zurückhaltung und zeigen ihre Verachtung der Damen nur indirekt über die erzählten Geschichten.

Vielleicht wäre ich in dieser Hinsicht nicht so großzügig gewesen, wenn man auch Frauen so selten und mit soviel Schwierigkeiten fände wie einen guten Freund.

Diese Stelle sticht insofern hervor, als dass sich der Bezug auf das Sprichwort herstellen lässt, das besagt, Männer/Frauen mögen kommen und gehen, Freunde jedoch bleiben für immer. Das ist ein interessanter Kontrast in all diesen Geschichten, in denen immer wieder aus Liebe gestorben oder zumindest die Absicht dazu bekundet wird. So zeigt sich hier ein breites Feld an Geschichten, das alle möglichen Emotionen im Portfolio hat.

Jostein Gaarder – Vita brevis: Das Leben ist kurz

Schmetterlinge (c)Martin Ostheimer / PIXELIO

Denn du hast mir Leib und Seele gegeben, so, wie ich dir Leib und Seele verpfändet habe. Wo du warst, da war ich, und wo ich war, da wolltest auch du sein.

Die Rahmenhandlung bestreitet in diesem Roman Jostein Gaarder selbst: Er erzählt, wie er in einem Antiquariat eine Kassette findet, die ein scheinbar altes Schriftstück enthält. Geschrieben wurde es von Floria an Aurel Augustin, Bischof von Hippo. Schrieb Sie diesen Brief an den Bischof als Antwort auf seine Bekenntnisse, in denen er um das Jahr 400 seine endgültige Abkehr vom weltlichen Leben und seine vollständige Hinwendung zur Religion begründet.

Laut diesem Brief war Floria jahrelang Aurels Geliebte, die beiden hatten auch einen gemeinsamen Sohn, der bereits in jungen Jahren einer Krankheit zum Opfer fiel. Auch Aurels Mutter Monika steht zwischen ihnen, denn sie möchte den Sohn angemessen verheiraten. Floria schreibt sich hier ihren Ärger über Aurel von der Seele. Aus ihrer Sicht hat er nicht nur sie, sondern auch ihre Liebe und den gemeinsamen Sohn verraten.

Ich glaube, damals hast du wirklich angefangen, nach einer Wahrheit zu suchen, die deine Seele vor der Vergänglichkeit retten konnte. Ich sagte: Nimm mich in den Arm. Das Leben ist so kurz, und es steht nicht fest, ob es für unsere schwachen Seelen eine Ewigkeit gibt. Aber das wolltest du mir nicht glauben, Aurel. Du wolltest nichts unversucht lassen, eine Ewigkeit für deine Seele zu finden. Es schien dir wichtiger zu sein, deine Seele vor der Verdammnis zu retten als meine.

Noch immer leidet Floria unter dem Verlust des Geliebten, der sie aus ihrer Sicht durch seine Bekenntnisse auch verleugnet. Immer wieder führt sie seine Argumentation aus den Bekenntnissen ad absurdum. Gerade die Unsterblichkeit der Seelen, auf die Augustin nun durch den vollkommenen Verzicht auf alle leiblichen Genüsse zu erreichen hofft, erscheint ihr das falsche Ziel. Immer wieder bezieht sie sich auf die gemeinsamen Erinnerungen. Ihr Brief ist ein Befreiungsschlag und gleichzeitig ein Hohelied auf die Liebe.

Giacomo Casanova – Gefangenschaft und Flucht aus den Bleikammern

Dogenpalast (c) Achim Lückemeyer / PIXELIO

„Ich beschwöre Sie“, sagte ich, „ersparen Sie mir den herzzerreißenden Anblick Ihrer Tränen.“ Er sammelte sich und umarmte mich, während er mit gütigem Lächeln sagte: „Fata viam inveniunt.“ (Das Schicksal geht seinen Weg.)

Das Schicksal schickt Casanova in diesem Fall direkt ins Gefängnis. Aus seiner Sicht wird er unschuldig wegen eines erdichteten Verbrechens festgesetzt. Die Einzelzelle, die ihn mürbe machen soll, erfindet er zuerst als Vergünstigung, erkennt jedoch schnell, dass es sich dabei nicht um die zuerst angenommene Gnade handelt. Erst als seine Fluchtpläne Gestalt annehmen, wünscht er sich die Einsamkeit zurück.

Der erste Fluchtplan schlägt fehl, nur mit List gelingt es ihm, den Wärter davon zu überzeugen, den entdeckten Fluchtweg zu verstecken und den Fluchtversuch nicht zu melden. Schließlich gelingt ihm durch die Komplizenschaft mit den Mitgefangenen auf unerwartetem Wege die Flucht.

Eine Leseempfehlung vermag ich nicht auszusprechen. Das Buch hat mich zwei Tage lang durch die Londoner U-Bahn begleitet, aber neben Stieg Larsson und Pascal Mercier wirkt der gute Casanova leider wie ein elender Langweiler.