F. Scott Fitzgerald – The Great Gatsby

Dieser Roman aus dem Jahr 1926 war mir durch die Verfilmung von 2013 von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio ins Bewusstsein (und in weiterer Folge auf das Regal der ungelesenen Bücher) gerutscht. Damals hatte ich nur den Trailer gesehen, erinnere mich davon aber nur an die ausschweifenden Partys, die in Gatsbys Haus stattfinden. Auch im Buch wird Gatsby lange Zeit als sagenumwobene Figur dargestellt, niemand kennt seine Vergangenheit, Gerüchte ranken sich um die Herkunft seines Vermögens. Stück für Stück stellt sich heraus: Seine mondänen Partys dienen nur dem Ziel, seine große Liebe wiederzufinden und für sich zu gewinnen. Auf welchem Weg diese Geschichte tragisch endet, will ich nicht vorwegnehmen, es macht den Großteil des Reizes des Buches aus.

Reading Challenge: A classic romance

NOTE: Im Klappentext heißt es: The Great Gatsby is one of the great love stories of our time. Ich habe beschlossen, das qualifiziert.

Charles Dickens – David Copperfield

And now I fell into a state of neglect, which I cannot look back upon without compassion. I fell at once into a solitary condition,– apart from all friendly notice, apart from the society of all other boys of my own age, apart from all companionship but my own spiritless thoughts,– which seems to cast its gloom upon this paper as I write.

Charles Dickens also. Nachdem ich hiermit endlich durch bin, kann ich wohl sagen, er ist einfach nichts für mich. Weltliteratur – ja, vielleicht. So viele Vorleser können schließlich nicht irren. Und retrospektiv betrachtet, verstehe ich jetzt auch, warum John Irving in Gottes Werk und Teufels Beitrag seinen Dr. Larch den Waisenbuben daraus vorlesen lässt (der aktuelle Anlass für mich, diesen Wälzer endlich aus dem Regal zu nehmen). Aber für mich scheint der einfach nicht zu passen. Charles Dickens als Autor, meine ich. Das zeigte sich schon mit Große Erwartungen. Vor langer Zeit gelesen, Film gesehen, Theaterstück gesehen (im Renessaincetheater, erinnere mich nicht mehr genau, wann) und doch mit der Geschichte niemals warm geworden. Ähnlich ging es mir mit Oliver Twist.

But the agony of the mind, the remorse, and shame I felt, when I became conscious next day! My horror of having committed a thousand offenses I had forgotten, and which nothing could ever expiate – my recollection of that indelible look which Agnes had given me – the torturing impossibility of communicating with her, not knowing, beast that I was, how she came to be in London, or where she stayed – my disgust of the very sight of the room where the revel had been held – my racking head – the smell of smoke, the sight of glasses, the impossibility of going out, or even getting up! Oh, what a day it was!

Aber nun zu David Copperfield. Schon als Junge lernt er die Härten des Lebens kennen, sein Vater verstorben, seine Mutter erliegt einem Tyrannen, der sie psychisch schließlich bis in den Tod foltert und den jungen David dann schnellstmöglich los wird. So landet er auf sich selbst gestellt in London und arbeitet sich Stück für Stück hoch zum bekannten Autor. Dabei kann er immer wieder auf die Hilfe des bis zuletzt glücklosen Mr. Micawber zählen. Sein ehemaliger Schulkollege Steerforth führt David auf Abwege und entführt schließlich das Mädchen Emily, die David wie eine Schwester nahesteht. Der Schrecken seiner Jugend, Uriah Heep, verfolgt Copperfield lange Zeit, doch letztendlich findet er seine gerechte Strafe. Seine Jugendfreundin Agnes steht ihm stets zur Seite, auch, als er sich in Dora verliebt, ein pink aufgerüscheltes, dummes Blondchen, das sich nach der Heirat als äußerst unfähige Hausfrau erweist.

I had always felt my weakness, in comparison with her constancy and fortitude; and now I felt it more and more. Whatever I might have been to her, or she to me, if I had been more worthy of her long ago, I was not now, and she was not. The time was past. I had let it go by, and had deservedly lost her.

Was ich gerade so kurz zusammenfasse, zieht sich über viele 100 Seiten, oft steht die altmodische englische Sprache einem einfachen Verständnis des Geschehens im Weg (jaja, mein eigenes Problem, ich weiß), oft bringen auch die altmodischen Gesellschaftsdiktate der damaligen Zeit durcheinander. Ich will mich nicht aufschwingen, zu behaupten, Dickens wäre nicht mehr zeitgeistig, aber für mich war es das mit ihm. Die Plage, diese 716 Seiten im englischen Original zu lesen, war lang und oft wollte ich es bleiben lassen. So sollte Lesen eigentlich nicht sein, daher wende ich mich in nächster Zeit erfreulicherer Literatur zu. Mein Kindle-Archiv ist bis Auf 1Q84 leer und daher müssen dringend Bücher gekauft werden. Und der Büchereiausweis verlängert … für mehr Lesespaß 2013!

Henry James – Schraubendrehungen

Brennessel

Sie eigneten sich ihre kleinen Aufgaben an wie aus Lust an ihnen; sie schwelgten, gänzlich unaufgefordert, aus reinem Begabungsüberfluß, in wahren kleinen Gedächtniswundern. Sie überraschten mich nicht nur als Tiger und als Römer, sondern auch als Shakespeare-Gestalten, als Sternkundige und Seefahrer.

Zu Anfang sei gesagt: keine Überraschung, dass solcher Art beschriebene Kinder dunkle Geheimnisse haben. Die einzig andere mögliche Erklärung wäre, dass jemand sie unter Drogen gesetzt hat …

Der Titel Schraubendrehungen schafft außerdem Verwirrung, Amazon führt das Ganze auch unter der Übersetzung „Das Durchdrehen der Schraube“, was schon deutlich andere Assoziationen schafft. Die Protagonistin, das Kindermädchen, das vom Hausherrn die volle Verantwortung für die Kinder übertragen bekommen hat, mit der Auflage, ihn unter keinen Umständen zu belästigen, sondern alles selbst zu entscheiden, was es auch sein möge. Dass ihr dies zum Verhängnis wird, braucht nicht extra gesagt zu werden …

Solchen Fragen vermochte ich nicht zu begegnen, und ebensowenig den süß trügerischen Kinderaugen. So sicher würde ich ihnen jedoch begegnen müssen, so scharf sah ich alles voraus, dass ich schließlich meinem Gefühl folgte.

Zwischenzeitlich kam bei mir die Frage auf, ob sich der Autor hier satirisch über Frauen lustig macht, die Gespenster sehen und sich dann so lange etwas zusammenfantasieren, bis sie durchdrehen und selbst in Kinderaugen das Böse sehen. Mag vielleicht damals sogar Sinn ergeben haben, eine Frau in einer solch verantwortungsvollen Position müsste eigentlich die Füße am Boden und einen klugen Kopf behalten. Aber was soll man da spekulieren … wer Geistergeschichten lesen will, findet sicher spannendere Exemplare dieser Gattung.

Nathaniel Hawthorne – Der scharlachrote Buchstabe

Wintersonne

Ich habe die Schwäche, Leute, die nicht gerade besonders unangenehm sind, gewöhnlich ganz gut leiden zu können. Ich sehe zuerst immer die guten Seiten meines Gegenübers, wenn solche da sind, und beurteile den Menschen danach. Weil die meisten dieser alten Zollbeamten gute Seiten hatten und weil die väterliche und beschützende Stellung, die ich ihnen gegenüber einnahm, freundschaftlichen Regungen zuträglich war, mochte ich sie bald alle gern.

Hier haben wir wieder mal einen Autor, der im Plauderton erst seine eigene berufliche Lage schildert, um schließlich mit einer Geschichte aufzuwarten, die von Schmerzen und Sünde nur so trieft. Jahrelanges Leiden und Büßen ereilt den Sünder, dessen Sünde offenbar wird. Vergebung war damals nicht so das Hauptthema.

Einmal trat dieser merkwürdige, unheimliche Ausdruck in Pearls Augen, als Hester gerade, wie es Mütter gern tun, ihr eigenes Spiegelbild darin suchte. Plötzlich war es ihr – denn einsame Frauen, die ein Kummer drückt, werden oft von unerklärlichen Wahnvorstellungen heimgesucht –, als sehe sie in dem kleinen schwarzen Spiegel nicht ihr eigenes verkleinertes Abbild, sondern ein fremdes Gesicht.

Kurzgefasst: Die Sünderin Hester Prynne wird an den Pranger gestellt, sie hat ein Kind geboren, will nicht sagen von wem, ihr Mann ist verschollen. Für ihr Leben wird sie mit dem scharlachroten A gekennzeichnet, dass sie fortan immer an ihrer Brust zu tragen hat. In einer einsamen Hütte zieht sie das Kind auf, ein Mädchen, das ihr Ein und Alles ist. Erst nach vielen Jahren enthüllt der Autor die Vaterschaft, gerade als sich für die an der Sünde Beteiligten ein Ausweg zu bieten scheint, greift das Schicksal ein und vereitelt die Pläne der Liebenden.

Es wäre der Betrachtung und Untersuchung wert, ob Haß und Liebe nicht im Grunde dasselbe sind. Beide können sich nur bei einem hohen Grad von Vertrautheit und Herzenskenntnis voll entfalten; im Haß und in der Liebe ist ein jeder in seinem triebhaften und geistigen Leben auf den anderen angewiesen, und der leidenschaftlich Liebende wie der nicht weniger leidenschaftlich Hassende bleiben verzweifelt und elend zurück, wenn ihnen ihr Gegenüber entzogen wird.

Wikipedia nennt das Buch „eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen Literatur“. Ich kann das nicht ganz nachvollziehen. Ich kann mir diese Geschichte sehr gut dramatisiert vorstellen, als Film oder als Musical, da es soviel Interpretationsspielraum zulässt. Die Gefahr durch den Arzt Chillingworth erschien mir beim Lesen der Geschichte nicht so plastisch, eine Bedrohung nicht greifbar. Eine Musicalfassung gibt es laut Wikipedia nicht, das wäre doch vielleicht mal ein spannendes Projekt für Frank Wildhorn und seine großen Balladen? Dann würde vielleicht auch ich die tieferen Töne dieser Geschichte verstehen.

Jaroslav Hasek – Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk

Kirche Russland (c) Yarik Mishin/SXC

Die Hauptsache is, den Moment abpassen, wenn so ein hoher Herr vorübergeht. Wie zum Beispiel, wenn Sie sich noch an den Herrn Lucheni erinnern, der, was unsre selige Elisabeth mit der Feile erstochen hat. Er is mit ihr spazierengegangen. Dann traun Sie noch jemandem. Seit der Zeit geht keine Kaiserin mehr spazieren.

Ich bezweifle mal stark, dass es mir gelingt, über den Schwejk etwas zu schreiben, was nicht schon mal geschrieben wurde. Der tapfere Soldat, der vom Arzt zwar für „blöd“ aber trotzdem kriegstauglich erklärt wird, erzählt abwechselnd Geschichten und bringt sich selbst in welche. Damit bringt er nicht nur seine Vorgesetzten bei der Armee regelmäßig in Rage. Besonders leidgeplagt ist hier Oberleutnant Lukasch, dem Schwejk als „Putzfleck“ assistiert. Lukasch hat Schwejk im Kartenspiel vom Feldkuraten gewonnen. Obwohl Schwejk dem Oberleutnant treuherzigste Dienste leistet, geht er auf der Reise nach Budweis verloren und landet schließlich im Arrest.

Der Wachtmeister blickte Schwejk freundlich an, der ruhig und würdig sagte: „Und ich geh doch nach Budweis.“ Das war mehr als Galileis: „Und sie bewegt sich doch!“ Denn dieser muss dies offenbar sehr zornig gesagt haben.

So mancher originelle Geselle findet sich in dieser österreichischen Armee. Im Arrest lernt Schwejk den Einjährigfreiwilligen Marek kennen, der uns im letzten Buch als Geschichtsschreiber wieder begegnet, wo er epische Siegesgeschichten für alle Offiziersassistenten sowie deren Vorgesetzte entwirft. Ständig leidend ist der gefräßige Baloun, der seinem Offizier Teile der Menage entwendet und doch niemals satt wird. Sein natürlicher Gegenspieler ist damit der Koch Juradja, der Baloun ständig im Blick behalten muss, will er selbst die Verteilung der knappen Fleischstücke befehligen.

Er blickte dabei so sehnsüchtig auf die beiden Rucksäcke seines Oberleutnants wie ein von allen verlassenes Hündchen, das hungrig ist wie ein Wolf, vor der Tür eines Selcherladens sitzt und den Geruch kochenden Selchfleischs spürt.

Schwejks Kompanie erreicht die Front nie. Da Schwejk sogar aus der österreichischen Kriegsgefangenschaft (!) sogar mit nicht mal einem blauen Auge davonkommt, kann er sich leicht einen Weltkrieg herbeiwünschen.

„Das möcht nicht mal dafür stehn, Krieg zu führen“, sagte Schwejk nachdrücklich. „Wenn schon Krieg, so solls ein ordentlicher Krieg sein. Ich wer entschieden nicht früher von Frieden reden, solang wir nicht in Moskau und in Petersburg sind. Das steht doch nicht dafür, wenns schon einen Weltkrieg gibt, nur hinter den Grenzen herumzustänkern. …“

Es soll nicht verschwiegen werden, dass ich da jetzt doch relativ lange gebraucht hab, weil Schwejks ewige Geschichtenerzählerei letztendlich auch den Leser bei längerem Genuss mal nervt. Ich erinnere mich auch dunkel an eine Schultheateraufführung, als Lektüre ist es für jüngere Menschen keinesfalls geeignet. Als kleine Häppchen genossen können Schwejks Abenteuer jedoch zwischendurch durchaus erfreuen. Und es hinterlässt natürlich das zufriedenstellende Gefühl, ein Kulturgut genossen zu haben.

Jeremias Gotthelf – Die schwarze Spinne

Blick auf die U4-Strecke bei der Station Meidling Hauptstrasse, Wien, Sonnenuntergang, HDR made with Pro HDR

Keiner konnte es wehren; einer nach dem andern schrie auf, von Glut verzehrt, und von des Pfaffen Glatze nieder glotzte sie in den Greuel hinein, und mit dem Becher, der nicht aus seiner Hand wollte, wollte er Pfaffe den Brand löschen, der loderte vom Kopfe herab durch Mark und Bein.

Da mir schon die Einleitung zu dieser Rezension schwerfällt, ein kurzer Blick auf Wikipedia: Jeremias Gotthelf. Ah, ein Pfarrer. Welch Überraschung. Kann man diese Novelle nämlich als Aufruf eines Pfarrers an seine Gemeinde sehen, sich an die Gesetze Gottes zu halten, so erklärt dies einiges und man kann sich entspannt zurücklehnen. Gleich mehrere Generationen müssen der schwarzen Spinne zum Opfer fallen, da sich jeweils nur ein oder zwei Gerechte in einem Meer von schlechten und sündigen Menschen finden. Gerade diese Gerechten sind es wie so oft, denen es zufällt, das Böse in ein Loch zu stopfen und mit einem Zapfen einzusperren, wobei sie leider selbst ihr Leben lassen.

Hier hält sich leider sowohl der Unterhaltungswert als auch der Erkenntnisgewinn in Grenzen. Wenigstens war es kurz.

Nikolaj Gogol – Die toten Seelen

Verschiebebahnhof Wien made with CAM+

Überall kreuzt die strahlende Freude lustig all die Leiden, aus denen sich unser Leben zusammenflicht, so wie manchmal eine glänzende Equipage mit goldenem Geschirr, bildschönen Pferden und blitzendem Fensterglas plötzlich unerwartet an einem entlegenen armen Dörfchen vorüberjagt, das nichts kennt außer dem Bauernwagen: lange noch stehen die Bauern mit offenen Mündern da, die Mützen in den Händen, obwohl die wunderbare Equipage längst davongefahren und den Blicken entschwunden ist.

Ein russischer Klassiker. Meine Begegnung mit Anna Karenina ist schon ein paar Jahre her und fand auch unter denkbar ungünstigen Bedingungen statt (aber immerhin weiß ich jetzt, dass ich zwei Wochen herumliegen an einem Strand nichtmal mit Anna Karenina ertrage), aber der Gogol kann da so ganz und gar nicht mithalten. Epische Breite haben sie durchaus gemeinsam und wenn man nach dem Punkt sucht, muss man ganz schön lange suchen.

„Was heißt hier Unschuld! Ich habe sie solche Dinge reden hören, dass ich es, ehrlich gesagt, nicht einmal über mich bringe, sie zu wiederholen.“

Ganz am Ende, wenn man den Punkt gefunden hat, dann ist es natürlich eine klare Kritik am Kapitalismus und am Streben nach Reichtum, der „Held“ Tschitschikow muss erkennen, dass all sein eisernes Sparen, seine dunklen Machenschaften ihm nicht das erhoffte Ergebnis bringen. In epischer Breite beschreibt Gogol auch die herrschende Korruption im russischen Beamtenstaat, man kann bloß den Kopf schütteln, wenn man sich die Beamtenschaft an ihren Schreibtischen vorstellt, wie sie auf das Flattern von Geldscheinen lauschen.

Wie aus einem Rausch erwachten sie und sahen voller Entsetzen, was sie angerichtet hatten. Der Staatsrat ergab sich nach russischer Gewohnheit aus Verzweiflung dem Trunk, der Kollegienrat aber ließ sich nicht unterkriegen.

Bram Stoker – Dracula

Muddas Rosen made with Cam+

The dark man kept his eyes fixed on her, and when the carriage moved up Piccadilly he followed in the same direction, and hailed a hansom. Jonathan kept looking after him, and said, as if to himself …

Vampirgeschichten kennt heutzutage jeder. Schon Volksschulkinder werden durch Geschichten von kleinen Vampiren in den Mythos der Blutsauger eingeweiht, sei es nun durch Bücher oder Fernsehserien. So kommt es, dass der heutige Leser natürlich bereits alles über Vampire weiß. Zähne, Knoblauch, Kreuz, etc. Alles, was Van Helsing und seine treuen Mitstreiter erst Schritt für Schritt herausfinden müssen, weiß der heutige Leser bereits. Tatsächlich ist mir erst während der Lektüre aufgefallen, dass ich nicht weiß, wie die Geschichte ausgeht.

Die Geschichte wird aus den Tagebüchern und Briefwechseln der handelnden Personen erzählt, in der Hauptsache von Jonathan Harker, seiner Frau Mina Harker, dem bekannten Professor Van Helsing, der selbst schon Filmheld wurde (die Spezialeffekte waren durchaus beeindruckend), sowie Dr. Seward. Nachdem die von nahezu allen Beteiligten heiß geliebte Lucy Westenra ihrer seltsamen „Krankheit“ erliegt und davon schließlich nur durch einen Pflock durchs Herz erlöst werden kann, machen sich die wackeren Freunde auf die Jagd nach dem Grafen, der dieses Unglück zu verschulden hat.

With the dawn we saw the body of Szgany before us dashing away from the river with their leiter wagon. They surrounded it in a cluster, and hurried along as though beset. The snow is falling lightly and there is a strange excitement in the air. It may be our own feelings, but the depression is strange. Far off I hear the howling of wolves.

Die beteiligten Personen drücken sich dabei durchaus episch aus, auch Landschaften werden geschildert, als ob es sich um eine Synchronisierung einer Universum-Dokumentation handelte. Eine ausgesuchte Höflichkeit zieht sich durch alle Konversationen, es ist unvorstellbar, dass einer dieser edlen Herren je mal ausfällig würde. Die wenigen Konversationen mit niedrigen Menschen geraten für den Leser mit nicht-englischer Muttersprache zum Ratespiel, den diesen verleiht der Autor eine Sprache, die im geschriebenen nicht mehr viel mit Englisch gemein hat.

Wer sich die Spannung für die eigene Lektüre erhalten möchte, hört jetzt auf zu Lesen, denn es folgt zum Abschluss ein Spoilerzitat ;-) Es ist so poetisch, und daher ein wunderbares Beispiel für die romantische Sprache, die diesem Werk zugrunde liegt. Wenn die Damen und Herren sich damals wirklich so blumig ausdrückten, ist es ein Wunder, dass überhaupt Kriege geführt werden konnten, wo man doch fünf Mal so viele Worte wie nötig benutzte, um sich dann erst recht unklar auszudrücken.

I shall be glas as long as I live that even in that moment of final dissolution, there was in the face a look of peace, such as I never could have imagined might have rested there.

Johann Wolfgang von Goethe – Die Wahlverwandtschaften

Rathausturm Retz Ausblick, made with Cam+

„Das Bewusstsein, mein Liebster“, entgegnete Charlotte, „ist keine hinlängliche Waffe, ja manchmal eine gefährliche für den, der sie führt; und aus diesem allen tritt wenigstens soviel hervor, dass wir uns ja nicht übereilen sollen. Gönne mir noch einige Tage; entscheide nicht!“

Obwohl Goethe in diesem Roman ein allgemeingültiges Thema behandelt und das auch noch sehr modern, ist die Staubschicht unmöglich zu ignorieren. Es fühlt sich an, wie etwas, das einem die Deutschlehrerin fürs Referat aufgedrückt hat, weil man frech war. Immerhin zeigen die wechselnden Beziehungsgeschichten, dass schon damals die Liebe nicht immer fürs Leben war.

Das Betragen ist ein Spiegel, in welchem jeder sein Bild zeigt.
Es gibt eine Höflichkeit des Herzens; sie ist der Liebe verwandt. Aus ihr entspringt die bequemste Höflichkeit des äußern Betragens.

Charlotte und Eduard wissen ihre Beziehung zu schätzen, denn die beiden sind nicht direkt zusammen gekommen, sondern mussten erst abwarten, bis die Beziehung tatsächlich funktioniert. Doch als Eduards Freund – der im ganzen Verlauf der Geschichte immer nur „der Major“ genannt wird – und Charlottes Nichte Ottilie ins Leben der beiden treten, wird die gemeinsame Welt auf den Kopf gestellt. Es stellt sich heraus, das Charlotte und Eduard nicht so viel gemeinsam haben, wie sie bisher dachten und Stück für Stück scheinen die vier Personen andere Paare zu bilden. Charlotte bekommt ein Kind, wer tatsächlich dessen Vater ist, bleibt im Verlaufe des Romans stets nur angedeutet. Die junge Ottilie macht sich stets Gedanken über das Leben und bemüht sich nach bestem Gewissen, den Haushalt zu führen und Charlotte auch bei der Sorge fürs Kind zur Seite zu stehen. Erst ein schlimmer Unfall lässt Charlotte das bisherige Leben überdenken.

Doch was sag ich! Eigentlich will das Schicksal meinen eigenen Wunsch, meinen eigenen Vorsatz, gegen die ich unbedachtsam gehandelt, wieder in den Weg bringen. Habe ich nicht selbst schon Ottilien und Eduarden mir als das schicklichste Paar zusammengedacht? Habe ich nicht selbst beide einander zu nähern gesucht?

Charlotte resigniert und will dem unglücklichen Eduard, der sich weiterhin nach Ottilie verzehrt, nicht mehr im Wege stehen. Doch beide Frauen gönnen sich das bißchen Glück nicht, das ihnen noch möglich wäre. Man könnte natürlich auch interpretieren, dass die Beteiligten für ihr sündhaftes Verhalten bestraft werden und dieser Roman uns nichts anderes sagen will, als dass die Ehe heilig ist und wer sich diesem Gesetz widersetzt, mit Strafe und Unglück zu rechnen hat. Goethe hatte angeblich im Sinn, „soziale Verhältnisse und die Konflikte derselben symbolisch gefasst darzustellen“. Das dürfte ihm gelungen sein, wenn auch eine derartige Patchwork-Familie heutzutage eher die Regel als die Ausnahme darstellt.

Benito Perez Galdos – Dona Perfecta

Himmel

Man sah nichts. Aber wer in Gedanken versunken ist, sieht alles, und Rey, dessen Augen sich in die Finsternis bohrten, sah zu, wie sich auf ihr die verworrene Landschaft seiner Missgeschicke abzuzeichnen begann. Die Dunkelheit gestattete es ihm nicht, die Blumen der Erde zu sehen und auch nicht die Sterne, die Blumen des Himmels.

Totale Vernichtung. Eine Familientragödie epischen Ausmaßes. Auf heutige Beziehungsprobleme umgelegt, macht dieses Drama schlicht einen seltsamen Eindruck. Wer kann sich heute vorstellen, sich in einen Menschen zu verlieben nur aufgrund der Optik und ein paar gesagten Nettigkeiten? Und dann diese Liebe so zu überhöhen, dass sich beide Partner ins Unglück stürzen. Es erinnert nahezu an Romeo und Julia. Nebenbei steht der Vater der unglücklichen Tochter, der hilf- und ahnungslos mitansieht, wie seine Frau die Liebe der Tochter sabotiert und diese Tochter schließlich wegen des Todes ihres Angebeteten im Irrenhaus landet. Auch für die Nebenfiguren geht die Geschichte nicht gut aus.

Gesellschaftliche Dramen sind in ihrer Intensität und Ausprägung von den zeitlichen Rahmenbedingungen abhängig und doch erkennt man die Motive wieder. Unerfüllte Liebe, die Familie ist nicht einverstanden mit dieser Liebe, Aufstand/Revolution verhindern außerdem das Liebesglück. Im Großen und Ganzen finden sich dann wahrscheinlich doch spannendere Romane zum selben Thema. Verzichtbare totale Vernichtung.

Damit sind wir am Ende. Das ist alles, was wir für den Augenblick von den Menschen sagen können, die gut erscheinen und es nicht sind.