Donna Leon – Die dunkle Stunde der Serenissima

Nach der schweren Kost brauchte ich zur Entspannung etwas Leichtes. Das Leichteste auf meinem Bücherregal war definitiv der letzte der geerbten Brunetti-Bände. Achtung, es folgt ein Spoiler: dass aus einer Geschichte, die sich zuerst um gestohlene bzw. ergaunerte Gemälde und andere Kunstgegenstände dreht und dabei viele geschichtliche Fäden Richtung Kriegsgeschehen aufnimmt, am Ende ein Eifersuchtsdrama wird, fand ich schon eher enttäuschend. Alle schwierigen Themen werden nur angerissen, alles bleibt an der Oberfläche. Damit bin ich jetzt definitiv durch.

Donna Leon – Beweise, dass es böse ist

Vor ewigen Zeiten hatte ich mir mal diese Zeilen aus einem Interview mit Donna Leon notiert, das ich in einer Zeitung gelesen hatte. Es passt an dieser Stelle recht gut, weil gerade bei diesem Buch es genau so wirkt: als hätte sie sich vorher nicht überlegt, wer die böse Nachbarschaftshexe ermordet haben könnte.

Sie sagen, dass Sie beim Schreiben nie wissen, wie ein Fall ausgehen wird …
Ich denke nicht darüber nach, das kommt von selbst.

Was gibt Ihnen diese Sicherheit?
Ich verlasse mich darauf, dass ich als Studentin Hunderte solcher Werke gelesen habe. Es ist wie mit einer Haydn-Sinfonie: Wenn Sie 103 gehört haben und die 104. erklingt, wird Sie nichts überraschen, Sie wissen blind, wohin Sie welcher Ton führt.

Roter Faden sind die sieben Todsünden, die in den Gesprächen zwischen Brunetti und seiner Frau immer wieder gestreift werden. Leider muss ich sagen, dass dies für mich wirklich der langweiligste Brunetti-Roman ever ist. Zwei (geerbte) Bände stehen immer noch auf dem Regal der ungelesenen Bücher. Vielleicht packe ich sie gleich in einen Karton …

Reading Challenge 2015: A book you own but have never read

Donna Leon – Blutige Steine

Es könnte eventuell wieder ein kurzer Beitrag sein, zum Zwecke der weihnachtlichen Entspannung wollte ich mir wieder mal einen gepflegten Krimi vom Regal nehmen, diesen Zweck hat der Brunetti auch diesmal wieder erfüllt. Der Spannungsfaktor ist diesmal eher dezent, es kommt bis zum Schluss zu keinem Showdown. Trotzdem finde ich diesen Krimi besser aufgebaut als viele andere. Brunetti kämpft diesmal weniger gegen die tatsächlichen Mörder sondern gegen die internen Querelen. Sein Chef untersagt ihm die Ermittlungen, sowohl Innen- und Außenministerium mischen sich ein und sogar auf den Computer der kompetenten Sekretärin Elettra wird von außen zugegriffen. Von allen Brunetti-Krimis der letzten Zeit hat mir dieser deutlich besser gefallen, aber es bleibt natürlich nach wie vor dabei, dass der Brunetti einfach Geschmackszache ist. Mit einem Harry Hole ist er sowieso nicht zu vergleichen. Steht da nicht auch noch was im Regal? Ich muss weg …

Donna Leon – Wie durch ein dunkles Glas

Mit diesem Brunetti-Roman habe ich etwas Neues versucht. Am Kindle hatte ich aktuell A Million Little Pieces, das eignete sich nicht zum Lesen kurz vor dem Schlafengehen und auch der Typografiewälzer von Robert Bringhurst erwies sich als ungeeignet für die Bettlektüre. Also den Brunetti direkt neben das Bett und das war die perfekte Entscheidung. Nur ein Toter, der erst in der zweiten Hälfte des Romans das Zeitliche segnet, eigentlich kann man hier beinahe nicht von einem Krimi sprechen. Und trotzdem zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Donna Leon – Das Gesetz der Lagune

Wie jedes Mal weiß ich nicht so recht, was ich über den Brunetti-Krimi schreiben soll. Gerade bei einem Krimi soll man ja die Handlung nicht verraten und den Brunetti mag man eben oder man mag ihn nicht (kenne Personen beider Lager). Ich lese ihn immer wieder mal zwischendurch und als Nebenbei-Buch für die Pausen zwischen 1Q84 (es ging so schnell vorbei), eignete es sich perfekt.

Wiederum spitzte sich hier die Handlung gegen Ende auf einen Knalleffekt zu, lange bleibt der Täter im Dunklen und letztendlich ist der Verlust eines langjährigen Brunetti-Begleiters zu beklagen, der sich vermutlich auch noch in den nächsten Romanen schmerzhaft bemerkbar machen wird.

Donna Leon – Feine Freunde

Er dachte an Paola, die gesagt hatte, wie froh sie sei, dass sie an Drogen nie etwas gefunden hatte, weil sonst alles mögliche hätte passieren können; er selbst besaß nicht ihre Aufgeschlossenheit und hatte Drogen nie probiert, auch als Student nicht, als alle um ihn herum dieses oder jenes rauchten und ihm versicherten, nur so könne er seinen Geist von den beengenden Vorurteilen des Bürgertums befreien. Sie hatten sich nicht vorstellen können, wie sehr er damals nach bürgerlichen Vorurteilen strebte, nach allem Bürgerlichen überhaupt.

Da hat sich diesmal ein sehr bezeichnender Satz gefunden, der möglicherweise auch eine Antwort an all jene schickt, die den Kommissar Brunetti stets für seine Bürgerlichkeit verachten. Auch ich kann nicht verhehlen, dass ich abgründige Charaktere im Allgemeinen spannender finde. Wenn man sich jedoch auf Brunetti einlässt, dann findet man mit „Feine Freunde“ einen relativ vielseitigen Krimi, der mit Drogensucht, Zinswucher und Korruption gleich mehrere heiße Themen behandelt und zu einem großen Ganzen verknüpft. Nicht überragend ist allerdings das Ende, das sich anfühlt, als hätte die Autorin noch dringend einkaufen müssen. Beinahe erwartungsgemäß.

Donna Leon – In Sachen Signora Brunetti

Sonne im Winterwald

Ach, welch beruhigende Normalität entfaltet sich in Donna Leons Venedig. Selbst bei einem einigermaßen originellen, wenn auch wenig spannenden Kriminalfall, selbst wenn Brunettis Frau wenn schon nicht betroffen, doch zumindest involviert sein könnte … selbst dann plätschert Brunetti ruhig und entspannt vor sich hin. Eine Erholung sozusagen …

Brunettis Frau Paola ist eine sehr moralische Frau mit starken Wertvorstellungen. Die Kirche ist ihr ein Dorn im Auge, wie man in mehreren der Krimis lesen kann. In diesem Fall wendet sich ihr Ärger gegen ein Reisebüro, das Reisen nach Thailand anbietet – ein Deckmantel für Kinderprostitution. Die Reisen anzubieten ist in Italien keine Straftat, was in Thailand geschieht, bleibt in Thailand. Was genau Paola bezwecken will, indem sie dem Reisebüro die Scheibe einwirft, bleibt im Unklaren. Die Medienaufmerksamkeit hätte sich doch wohl auch ohne diese Straftat auf diese Ungerechtigkeit lenken lassen? Im Gegensatz zur Lösung des Kriminalfalls gibt es für diesen Konflikt zwischen dem Ehepaar keine Lösung. Wie real, aber leider auch langweilig. Wieder mal. Aber schnell vorbei. Und erholsam. Irgendwie.

Donna Leon – Nobilta

Venedig (c) robe68/SXC

Das altrömische Thema fand drinnen seine Fortsetzung, denn Patta saß im Profil und präsentierte seine wahrhaft römische Imperator-Nase. Als er den Kopf zu Brunetti umwandte, wich das Kaiserliche etwas eher Schweinsähnlichem, was daher kam, dass Pattas Augen mit der Zeit immer tiefer in dem ewig gebräunten Gesicht verschwanden.

Wie man auch meinen vorherigen Posts zu den Brunetti-Krimis entnehmen kann, fällt mir meistens nicht viel ein. Würde man das beschriebene Verbrechen nacherzählen, wäre der ganze Spaß verdorben. Wie so oft ergibt sich die Auflösung erst auf den letzten Seiten, während vorher Kapitel über Kapitel nichts zu passieren scheint. Es bleibt ein ums andere Mal nur dies zu sagen: wer diese Art von Krimis schätzt, wird daran nichts auszusetzen haben. Ich selbst zähle mich bedingt zu dieser Gruppe. Für mich ist ein Brunetti-Krimi eine willkommene Abwechslung, wo nicht allzuviel Denkarbeit nötig ist, denn das Tempo, indem Brunetti die Kriminalfälle löst, reicht im Allgemeinen aus, um den Leser gerade beim Thema zu halten, aber nicht zu sehr zu beschäftigen. So kann man auch mal eine Woche Pause machen und hat keine schlaflosen Nächte, weil man den Mörder noch nicht kennt. Schließlich entfaltet sich auch hier eine Ebene unter dem offensichtlichen Mord, Motive, die mit dem Opfer nur bedingt zu tun haben. Ein geschickt getarnter, manchmal etwas langatmig aufgedeckter Kriminalfall für Kommissar Brunetti.

Donna Leon – Sanft entschlafen

Bridge Of Love, Helsinki

Wenn es ein in Rätsel gehülltes Geheimnis gab, dann Opera Pia. Brunetti wusste nicht mehr darüber, als dass es eine religiöse Organisation war, halb geistlich, halb weltlich, die sich dem Papst zu absolutem Gehorsam verpflichtet fühlte und nach einer irgendwie gearteten Erneuerung der Macht oder Autorität der Kirche strebte.

Erst war ich geneigt, dies als „weiteres Brunetti-Buch“ abzutun, man sollte einfach nicht zu viele hintereinander lesen, damit sich eine Brunetti-Müdigkeit nicht einschleichen kann. Auf der einen Seite sollte es tröstlich sein, dass dieser Commissario ein normaler Mann ist, ohne nennenswerte Probleme in seinem eigenen Leben und seiner eigenen Familie, aber für den Roman würde vielleicht ein anderes familiäres Setting mehr Würze verleihen. Aber lassen wir sie leben, sterben muss ohnehin immer jemand.

Beinahe die ersten beiden Drittel des Romans müssen vergehen, bevor Brunetti wirklich eine ernsthafte Spur hat, worum es bei den Todesfällen, die offiziell als natürlicher Tod durch Krankheit geführt werden, geht. Bis zum Schluss gibt es keine offizielle Ermittlung und Brunetti muss sich wiederum gegen seinen eigensinnigen Chef durchsetzen. Zumindest für einen Teil der Opfer geht die Geschichte gut aus. Oder eigentlich nicht gut, denn was tatsächlich weiter mit ihnen passiert, bleibt offen.

Das Thema der Vorgänge unter dem Deckmantel der Kirche ist nach wie vor aktuell. So gesehen ist das vermutlich einer der zeitloseren Brunetti-Geschichten.

Donna Leon – Venezianische Scharade

Neustiftgasse 05:18 (Cam+, So Emo)

Padovani öffnete fast augenblicklich und streckte Brunetti die Hand entgegen. Sein Händedruck war fest und warm, er zog Brunetti ins Haus. „Komm aus der Hitze. Ich muss verrückt sein, jetzt nach Rom zurückzufahren, aber wenigstens hat meine Wohnung dort eine Klimaanlage.“

Commissario Brunetti ist diesmal auf der Suche nach dem Mörder eines Transvestiten und begibt sich zu diesem Zwecke selbst ins Rotlichtmilieu. Aber nicht nur die Untiefen des venezianischen Prosituiertenmilieu bergen Hinweise, schließlich landen die Ermittlungen eher in hohen Finanzkreisen. Brunettis Familie urlaubt einstweilen in den kühleren Bergen. Soviel zudem. Ein typischer Brunetti?