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Krimi Roman

Jussi Adler-Olsen – Selfies

CN: Mord, Gewalt, selbstverletzendes Verhalten, psychische Gewalt, Depression, psychische Krankheit, Waffen, Alkoholismus, Drogenkonsum, Psychiatrie, Krebs, Sexismus


Am heißesten Wochenende, an das ich mich erinnern kann, war ich sowohl körperlich als auch mental komplett am Sand. Draußen legte sich die Hitze wie eine Gewichtsdecke über alles, die Luftqualität war so schlecht, dass das Atmen spürbar schwerer fiel. Auch drinnen war jede Bewegung eine zuviel. Daher las ich an einem Tag einen weiteren Geocache-relevanten Krimi.

Wie schon zuletzt bei Sissis Tod konnte ich leider auch hier mit der Darstellung der Geschlechterrollen nichts anfangen. Alle relevanten weiblichen Frauenfiguren wurden auf irgendeine Weise negativ portraitiert. Die Sozialarbeiterin, die nach einer Krebs-Diagnose in einen Gerechtigkeitswahn verfällt; ihr Feindbild – die Sozialschmarotzerinnen –, die sich auf Staatskosten vor der Arbeit drücken und nicht zuletzt die Ermittlerin, die auf grausamste Weise vom Trauma ihrer Kindheit eingeholt wird. Ein weiteres Beispiel bringt das folgende Zitat über eine unfreundliche Sekretärin:

Bis diese Klimakteriumshölle überstanden war, würde er besser einen Bogen um die Furie machen.

Die männlichen Protagonisten sind nicht perfekt, aber einfach deutlich anders dargestellt. Es handelt sich hier um den 7. Fall einer Reihe um die Ermittlungsgruppe des Sonderdezernat 0, vielleicht habe ich hier also zufällig einen Ausreißer erwischt und die anderen Bücher der Reihe sind weniger sexistisch. Ich kann mir aber nicht vorstellen, das in absehbarer Zeit herausfinden zu wollen.

Der primäre Kriminalfall ist für die Leser:innen von Anfang an gelöst, wir kennen bereits die verdrehte Entwicklung der Serienmorde. Dazwischen gibt es jedoch noch die Verwicklung eines der Opfer in einen anderen Mordfall sowie die familiären Hintergründe für Roses psychischen Zustand. Die titelgebenden Selfies spielen in der Geschichte überhaupt keine Rolle. Nicht mein Geschmack.

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Klassiker Roman

Charles Dickens – Oliver Twist

StPauls_(c)_tokamuwi / PIXELIO

„Haltet den Dieb! Haltet den Dieb!“ Der Schrei wird von hundert Stimmen aufgenommen, und an jeder Ecke wächst die Menge an. Dahin eilen sie, durch den Schmutz patschend und über das Pflaster klappernd; die Fenster fliegen auf, Leute rennen hinaus, der Pöbel drängt vorwärts, eine ganze Zuschauermenge verlässt im spannendsten Augenblick des Stücks den Punch, schließt sich der stürmenden Menge an, steigert das Gebrüll und gibt der Losung „Haltet den Dieb! Haltet den Dieb!“ neue Kraft.

Die Geschichte des Waisenjungen Oliver Twist sollte man im Großen und Ganzen als bekannt voraussetzen. Hätte ich gedacht. Dass ich selber eigentlich kaum mehr darüber wusste, als den Beginn der Geschichte, als Oliver in die Hände des räuberischen Juden Fagin fällt, hat mich dann jedoch eines Besseren belehrt. Tatsächlich entfaltet sich hier eine Krimigeschichte, die die komplizierte Lebensgeschichte des Jungen Oliver erst ganz zum Schluss auflöst.

Kurzum, der verschlagene alte Jude hatte den Knaben in seinem Netz. Nachdem er durch Einsamkeit und Düsternis so auf sein Gemüt eingewirkt hatte, dass Oliver jede andere Gesellschaft der seiner traurigen Gedanken an diesem trostlosen Ort vorzog, träufelte er ihm nun nach und nach das Gift in die Seele, von dem er hoffte, es werde ihr für immer die natürliche Farbe nehmen und sie schwarz machen.

Das gelingt dem Juden nachweislich nicht, der gute Junge Oliver bleibt bei seiner herzensguten Einstellung und schlägt sich nachhaltig auf die Seite des Guten. Dafür wird er von seiner ihm nicht so wohlgeneigten Familie verfolgt, doch letztlich siegt wie so oft das Gute, mehr kann ich dazu kaum noch verraten.

„Ach“, sagte die alte Dame, „Maler stellen die Damen immer hübscher dar, als sie sind, sonst würden sie keine Kundschaft bekommen, Kind. Der Mann, der den Apparat zum Aufnehmen von Ebenbildern erfand, hätte wissen können, dass damit nie ein Erfolg zu erzielen ist, sie sind viel zu ehrlich. Viel zu ehrlich“, sagte die alte Dame und lachte herzlich über ihren Scharfsinn.

Mit dieser Vorhersage hat sich Dickens offensichtlich geirrt. Natürlich kannte er auch noch nicht die modernen Möglichkeiten, die uns die Bildbearbeitung beschert hat. Das folgende Beispiel dürfte allgemein bekannt sein, sollte hier aber der Vollständigkeit halber nochmal erwähnt werden:

Wer hätte gedacht, dass man so ein Video in einem Beitrag über Charles Dickens unterbringen kann?

Und wo wir schon bei Videos sind, hier hätten wir auch noch den Trailer zu einer Verfilmung von Roman Polanski aus dem Jahr 2005, die dem Thema aber eher den Charme eines Heimatfilms verleiht:

Weitere Informationen: WikipediaIMDBThe Complete Works of Charles Dickens