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Krimi Roman

Jussi Adler-Olsen – Selfies

CN: Mord, Gewalt, selbstverletzendes Verhalten, psychische Gewalt, Depression, psychische Krankheit, Waffen, Alkoholismus, Drogenkonsum, Psychiatrie, Krebs, Sexismus


Am heißesten Wochenende, an das ich mich erinnern kann, war ich sowohl körperlich als auch mental komplett am Sand. Draußen legte sich die Hitze wie eine Gewichtsdecke über alles, die Luftqualität war so schlecht, dass das Atmen spürbar schwerer fiel. Auch drinnen war jede Bewegung eine zuviel. Daher las ich an einem Tag einen weiteren Geocache-relevanten Krimi.

Wie schon zuletzt bei Sissis Tod konnte ich leider auch hier mit der Darstellung der Geschlechterrollen nichts anfangen. Alle relevanten weiblichen Frauenfiguren wurden auf irgendeine Weise negativ portraitiert. Die Sozialarbeiterin, die nach einer Krebs-Diagnose in einen Gerechtigkeitswahn verfällt; ihr Feindbild – die Sozialschmarotzerinnen –, die sich auf Staatskosten vor der Arbeit drücken und nicht zuletzt die Ermittlerin, die auf grausamste Weise vom Trauma ihrer Kindheit eingeholt wird. Ein weiteres Beispiel bringt das folgende Zitat über eine unfreundliche Sekretärin:

Bis diese Klimakteriumshölle überstanden war, würde er besser einen Bogen um die Furie machen.

Die männlichen Protagonisten sind nicht perfekt, aber einfach deutlich anders dargestellt. Es handelt sich hier um den 7. Fall einer Reihe um die Ermittlungsgruppe des Sonderdezernat 0, vielleicht habe ich hier also zufällig einen Ausreißer erwischt und die anderen Bücher der Reihe sind weniger sexistisch. Ich kann mir aber nicht vorstellen, das in absehbarer Zeit herausfinden zu wollen.

Der primäre Kriminalfall ist für die Leser:innen von Anfang an gelöst, wir kennen bereits die verdrehte Entwicklung der Serienmorde. Dazwischen gibt es jedoch noch die Verwicklung eines der Opfer in einen anderen Mordfall sowie die familiären Hintergründe für Roses psychischen Zustand. Die titelgebenden Selfies spielen in der Geschichte überhaupt keine Rolle. Nicht mein Geschmack.

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Erfahrungsbericht

Svenja Beller, Roman Pawlowski – Einfach loslaufen

Mit so vielen unterschiedlichen Lebensentwürfen kontrontiert zu sein eröffnet einem positiv ausgedrückt eine Menge Perspektiven, negativ ausgedrückt kann es auch ganz schön verunsichern. Leben wir überhaupt so, wie wir leben wollen? Warum nicht auf einer Insel aus Eis? Oder in einer Surfschule? Oder auf einem Segelschiff? Wer wollen wir eigentlich sein? Und können wir uns das überhaupt aussuchen?

Irgendwann im vergangenen Jahr bin ich auf das Travel Blog von Kristin Addis Be My Travel Muse gestoßen. Daraus wurde dann eine umfassendere Beschäftigung mit dem Thema, Inspirationen hole ich mir unter anderem auch bei Carolines Pack The Suitcases oder Elizabeths A Suitcase Full of Books (sie verbindet das Thema Lesen und Reisen, eine Idee, mit der ich selbst vor ein paar Jahren gespielt hatte).

Reisen ist leider im Hinblick auf den Klimawandel eines der größten Probleme. Durch den Siegeszug der Billigfluglinien haben mehr Menschen die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen und ihren Horizont zu erweitern. Da ich selbst noch in diesem Jahr eine größere Reise unternehmen werde, liegt es mir fern, Einzelpersonen wegen ihres Flugverhaltens zu verurteilen. Auch in diesem Bereich liegt es an der Politik, Regelungen zu treffen, die Steuern so verteilen, dass beispielsweise Bahnfahrten durch Steuern auf Flüge günstiger gemacht werden können. So lange beispielsweise Flüge zwischen Berlin und Wien um mehr als die Hälfte billiger sind als Bahnfahrten, können wir Einzelpersonen nicht dafür verurteilen, dass sie nicht gleichzeitig mehr Zeit UND Geld in eine Reise investieren wollen oder können.

Die Journalistin Svenja Beller und der Fotograf Roman Pawlowski haben für ihre Reise einen radikal anderen Ansatz gewählt. Sie haben große Rucksäcke gepackt und sind von der Haustür einfach losmarschiert. Keine Hotels, Pensionen, Hostels, keine öffentlichen Verkehrsmittel (ausgenommen Fähren), keine Campingplätze, kein Plan außer der Himmelsrichtung: nach Norden. Sogar die Smartphones haben sie durch einfache Mobiltelefone ohne Internet ersetzt. Das führt dazu, dass sie zwangsläufig mit unterschiedlichsten Menschen in Kontakt kommen. Sie reisen per Anhalter (PKWs, Wohnmobile und sogar ein Segelschiff), zelten in Gärten (natürlich nur mit Erlaubnis der Anwohner) und besuchen in Kopenhagen die autonome Gemeinde Christiania. Zwischen Schweden und Norwegen hin und her pendelnd gelangen sie schließlich an den nördlichsten Punkt ihrer Reise: die norwegische Stadt Tromsø.

Für mich selbst kann ich mir eine solche Reise nicht vorstellen. Ein Versuch des (teilweise) ungeplanten Reisens endete vor 2 Jahren aufgrund widriger Umstände (und meiner Ungeduld) in einer großen Hotelkette. Die Freiheit, die Svenja Beller im Buch mehrmals beschreibt, das Nichts-Müssen, das empfinde ich selbst eher (oder nur), wenn ich weiß, wo ich am Abend meinen Kopf niederlegen kann. Trotzdem habe ich diesen alternativen Reisebericht mit Freude gelesen. Reisen per Buch und Landkarte schadet auch dem Klima nicht.

Mehr zum Thema:

Dieser Text von Svenja Beller hat mich ursprünglich auf das Buch aufmerksam gemacht.

Der Autor Jaroslav Rudiš ist mit dem Zug von Berlin nach Prag gereist und erzählt davon.