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Fantasy Roman

Robert Jackson Bennett – A Drop of Corruption

CN: Mord, Gewalt, Leichenteile, Sklaverei, Suizidgedanken


But to me, your plans taste like the fantasies of a young man, attempting to invent a way out. We are small things, Kol. We are given no charity in this world.

Letztes Jahr hat Robert Jackson Bennett mit The Tainted Cup den Hugo Award gewonnen, dieses Jahr ist bereits die Fortsetzung nominiert. Auf dem Cover meines geliehenen eBooks steht „An Ana and Din Mystery“, was darauf hindeutet, dass eine Reihe geplant ist. Da meine Mitleser:innen im Hugo-Award-Buchclub keine großen Murder-Mystery-Fans sind, habe ich dieses unabhängig gelesen. Unser nächstes gemeinsames Buch wird The Everlasting von Alix E. Harrow sein.

Wir begleiten Ana und Din in eine unbekannte Region des Empires, in der ein Mitglied einer Delegation getötet wurde, die über den Anschluss des Königreichs an das Empire verhandeln soll. Die politische Komponente einerseits und die geheimnisvolle Umsetzung des Verbrechens andererseits machen Anas Fähigkeiten in diesem Fall unentbehrlich. Daraus ergibt sich schnell eine komplexe Intrige, die Din in den Dschungel führt, wo Menschen scheinbar in Pflanzen verwandelt worden sind.

Die Geschichte ist flüssig erzählt und bleibt bis zum Ende spannend. Während sich The Tainted Cup für mich wie ein Buch über Armand Gamache und Three Pines anfühlte, verspürte ich hier eher den Vibe einer kompletten Staffel Criminal Minds.

Mit zunehmendem Zeitverlauf fühlt sich ein Aspekt etwas angestrengt an: Die Auflösung von unnachvollziehbaren Zusammenhängen wird stets von Ana erzählt. Jede:r mag eine eigene Meinung zum klassischen Schriftsteller:innen-Rat show, don’t tell haben; in diesem Fall fühlt es sich einfach zunehmend repetitiv an, wie Ana alle in ihrer Umgebung mit ihren Erkenntnissen „erleuchtet“.

Neben oder zwischen der Lösung des Kriminalfalls werden auch wieder gesellschaftliche Ungerechtigkeiten angesprochen. Din wird von einer Schuldeneintreiberin verfolgt, was seine Zweifel an seiner Stellung als Anas Assistent antreibt. Als Soldat auf den Mauern, die die Leviathans abhalten, würde er nicht nur mehr verdienen; er hält diese Aufgabe auch für wichtiger. Als Ermittler klärt er Verbrechen auf, die bereits geschehen sind; das erscheint ihm weniger wichtig als das Verhindern von menschlichem Leid. Ana hat ihn natürlich längst durchschaut und teilt ihre eigenen Erfahrungen mit ihm: Manche kommen zur Justiz und lernen dort den Wert dieser Arbeit; andere – wie Ana selbst – kommen schon mit der Überzeugung dorthin, dass Gerechtigkeit nur auf diesem Weg erreicht werden kann.

Ein weiterer Aspekt ist die gesellschaftliche Struktur des Königreichs, das ins Empire eingegliedert werden soll. Wir haben es hier mit einer nahezu mittelalterlichen Monarchie zu tun, in der eine strenge Hierarchie besteht. Unter der königlichen Familie steht der Adel sowie hohe Beamte, ganz unten die naukari, deren Leben rein darin besteht, zu dienen. Durch die Eingliederung des Königreichs ins Empire würde sich auch diese Gesellschaftsordnung verändern. Die naukari sind aktuell nichts anderes als Sklaven. Im Empire gibt es diese Art der Leibeigenschaft nicht. Daher sind die Verhandlungen zwischen Königreich und Empire für alle Beteiligten immens wichtig.

That though a person’s mind may be shaped differently, their hearts and souls are all too human.

Nachdem wir im Buchclub über Death of the Author gesprochen haben, ist mir noch viel mehr klar geworden, auf wie vielen Ebenen dieses Buch großartig ist. G. hatte sehr in die Tiefe recherchiert, den gleichnamigen Essay aus dem Jahr 1967 von Roland Barthes gelesen und alles miteinander in Verbindung gesetzt. Nnedi Okorafor hat ein sehr komplexes Werk geschaffen, dass sich zumindest für mich beim ersten Lesen nicht in seiner Vollständigkeit erschlossen hat. Daran kommt Robert Jackson Bennett in meinen Augen nicht heran. Versteht mich nicht falsch, ich habe A Drop of Corruption gern gelesen. Aber wie bereits im letzten Jahr (als Someone You Can Build a Nest in mein Favorit war) ist es mir nicht originell genug, um den Hugo Award zu verdienen.