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Novelle

Arthur Schnitzler – Traumnovelle

Mit den so genannten Klassikern ist es ja immer so eine Sache. Schon im Deutschunterricht habe ich (oft vergeblich) nach der eigentlichen/tieferen/versteckteren Bedeutung gesucht, die dann im Referat enthalten sein sollte, weil die Lehrkraft das gerne hören will. Diese reflexhafte zielgerichtete Aufmerksamkeit hat sich bis heute nicht verändert.

Da ich nun aber gleichzeitig nach den Variablen für ein Geocache-Rätsel suchte, sind mir die tieferen Inhalte definitiv verborgen geblieben. Gerade habe ich den Klappentext gelesen, der die Worte „symbolischer Opfertod“ enthält und auf die Tiefenpsychologie Sigmund Freuds verweist, die in diesem Werk in Literatur umgesetzt wurde. Die unerfüllten Begierden waren schon ziemlich offensichtlich, die anderen Verbindungen erschließen sich aber möglicherweise nur, wenn entweder schon eine vertiefte Kenntnis von Sigmund Freuds Werken vorhanden ist oder gleichzeitig mit der Lektüre die Auseinandersetzung damit erfolgt. Bei mir verbleibt das Gefühl, dass mehr dahinter steckt, als allein die Lektüre der Novelle enthüllt.

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Klassiker Novelle

Henry James – Schraubendrehungen

Brennessel

Sie eigneten sich ihre kleinen Aufgaben an wie aus Lust an ihnen; sie schwelgten, gänzlich unaufgefordert, aus reinem Begabungsüberfluß, in wahren kleinen Gedächtniswundern. Sie überraschten mich nicht nur als Tiger und als Römer, sondern auch als Shakespeare-Gestalten, als Sternkundige und Seefahrer.

Zu Anfang sei gesagt: keine Überraschung, dass solcher Art beschriebene Kinder dunkle Geheimnisse haben. Die einzig andere mögliche Erklärung wäre, dass jemand sie unter Drogen gesetzt hat …

Der Titel Schraubendrehungen schafft außerdem Verwirrung, Amazon führt das Ganze auch unter der Übersetzung „Das Durchdrehen der Schraube“, was schon deutlich andere Assoziationen schafft. Die Protagonistin, das Kindermädchen, das vom Hausherrn die volle Verantwortung für die Kinder übertragen bekommen hat, mit der Auflage, ihn unter keinen Umständen zu belästigen, sondern alles selbst zu entscheiden, was es auch sein möge. Dass ihr dies zum Verhängnis wird, braucht nicht extra gesagt zu werden …

Solchen Fragen vermochte ich nicht zu begegnen, und ebensowenig den süß trügerischen Kinderaugen. So sicher würde ich ihnen jedoch begegnen müssen, so scharf sah ich alles voraus, dass ich schließlich meinem Gefühl folgte.

Zwischenzeitlich kam bei mir die Frage auf, ob sich der Autor hier satirisch über Frauen lustig macht, die Gespenster sehen und sich dann so lange etwas zusammenfantasieren, bis sie durchdrehen und selbst in Kinderaugen das Böse sehen. Mag vielleicht damals sogar Sinn ergeben haben, eine Frau in einer solch verantwortungsvollen Position müsste eigentlich die Füße am Boden und einen klugen Kopf behalten. Aber was soll man da spekulieren … wer Geistergeschichten lesen will, findet sicher spannendere Exemplare dieser Gattung.

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Klassiker Novelle

Jeremias Gotthelf – Die schwarze Spinne

Blick auf die U4-Strecke bei der Station Meidling Hauptstrasse, Wien, Sonnenuntergang, HDR made with Pro HDR

Keiner konnte es wehren; einer nach dem andern schrie auf, von Glut verzehrt, und von des Pfaffen Glatze nieder glotzte sie in den Greuel hinein, und mit dem Becher, der nicht aus seiner Hand wollte, wollte er Pfaffe den Brand löschen, der loderte vom Kopfe herab durch Mark und Bein.

Da mir schon die Einleitung zu dieser Rezension schwerfällt, ein kurzer Blick auf Wikipedia: Jeremias Gotthelf. Ah, ein Pfarrer. Welch Überraschung. Kann man diese Novelle nämlich als Aufruf eines Pfarrers an seine Gemeinde sehen, sich an die Gesetze Gottes zu halten, so erklärt dies einiges und man kann sich entspannt zurücklehnen. Gleich mehrere Generationen müssen der schwarzen Spinne zum Opfer fallen, da sich jeweils nur ein oder zwei Gerechte in einem Meer von schlechten und sündigen Menschen finden. Gerade diese Gerechten sind es wie so oft, denen es zufällt, das Böse in ein Loch zu stopfen und mit einem Zapfen einzusperren, wobei sie leider selbst ihr Leben lassen.

Hier hält sich leider sowohl der Unterhaltungswert als auch der Erkenntnisgewinn in Grenzen. Wenigstens war es kurz.