CN: Hunger, Gewalt, Krankheit, Mord, Vergewaltigung, Kolonialismus
Das wird nicht ohne Spoiler gehen. Das Ende dieser Geschichte hat mich dermaßen frustriert, dass ich unmöglich darüber schreiben kann, ohne zu spoilern.
The soreness in her body from her six days running was such that she felt infinitely older than her years, a wizened hag, and she knew that, even should she have long months of only rest, there had been things in her body that had been changed forever. She was but sixteen or seventeen or perhaps eighteen years of age, but the wilderness had so moved upon her that she would never be young again.
Das Buch beginnt mit der Flucht der Protagonistin – sie wird the girl genannt, ihr Name nur in Rückblenden thematisiert – aus einem belagerten Ort. Im Dunkel der Nacht läuft sie in die Wildnis. Während ihrer Flucht durch die Natur, die ungefähr zwei Wochen dauert, wird in Rückblenden erzählt, wie sie dorthin gekommen ist. Wir befinden uns in Amerika, irgendwann in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (es wird Queen Bess erwähnt, lt. Wikipedia ist damit Elizabeth I (1533–1603) gemeint). Englische Einwander:innen wollen sich im „entdeckten“ Amerika ansiedeln und legen sich dabei mit den Einheimischen an. Das ist auch der Grund, weshalb das Lager, aus dem die Protagonistin flieht, unter Belagerung steht und die Siedler:innen Hunger leiden.
Das Mädchen ist eigentlich eine Jugendliche in ihren späten Teenagerjahren, wie sich aus den Rückblenden ergibt. Sie träumt von einem niederländischen Glasbläser, in den sie sich während der Überfahrt nach Amerika verliebt hat. Seinen Namen kannte sie nicht und er ist während eines Sturms über Bord gegangen und vermutlich ertrunken. Sie erinnert sich daran, wie ihre Mistress sie aus dem Waisenhaus geholt hat. Schon im Alter von vier Jahren muss sie als Dienerin arbeiten.
Auf ihrer Flucht durch den Wald in Richtung der französischen Siedlung, die sie im Norden vermutet, findet sie auf erstaunliche Weise Nahrung. Sie grillt Eichhörnchenbabies, stiehlt Eier aus Nestern, isst die ersten Frühlingstriebe der Nadelbäume, sammelt Beeren, fängt Fische. Deshalb ist es auch so furchtbar frustrierend, dass sie am Ende an einer Infektionskrankheit stirbt, die sie sich vermutlich durch die gestohlenen Stiefel geholt hat. Sie hätte es verdient, dass sich ihre ganze Mühe lohnt. Und direkt davor hatte ich auch ein Buch mit einem frustrierenden Ende gelesen …
Die eigentliche Geschichte wird in den Rückblenden erzählt, es wird enthüllt, welches schockierende Ereignis überhaupt zu ihrer Flucht geführt hat. Es zeigt die Grausamkeit von Menschen unter extremsten Bedingungen und wie das ungebildete Mädchen aus dem Waisenhaus ein stärkeres Moralverständnis hat als die – vermeintlich „besseren“ – Menschen, die sie an diesen Ort verschleppt haben.