Ephraim Kishon – … und die beste Ehefrau von allen

Eheringe (c) berwis/PIXELIO

Andererseits hat das handbremsenfeindliche Verhalten meiner Frau auch seine Vorteile. Sie ist dadurch leichter zu orten. Wenn ich sie zu Hause vergebens suche und wissen möchte, wo sie sich gerade befindet, brauche ich nur aufs Dach zu steigen und meine Blicke in Richtung Stadt zu lenken. Dort, wo eine kleine Rauchsäule aufsteigt, ist Frau Kishon. Eine sehr praktische Methode; allerdings keine sehr originelle, denn auch Indianer und Kardinäle verwenden Rauchzeichen.

In gewohnt zynischer und (selbst-)ironischer Art beschreibt Kishon das Zusammenleben mit seiner Sarah – der besten Ehefrau von allen. Nicht nur ihr Tick bei der Auswahl der Kleider bzw. dem Styling für eine rauschende Silvesterparty können von etwa jedem Mann und jeder Frau nachvollzogen werden. 

Hübsche Episoden aus dem Eheleben, schnell gelesen und immer wieder etwas für zwischendurch. Wer sich an Alltagssatiren erfreuen kann, ist mit Kishon immer auf der sicheren Seite.

Jeffrey Zeldman – Taking your talent to the web

Internet (c) pepsprog/PIXELIO

What you’ll learn in this book is only the beginning. (If you’re not comfortable with the idea that a career in web design necessitates continual learning, put this book down now and back slowly away.)

Bereits 2001 schrieb Jeffrey Zeldman (www.zeldman.com, Twitter: @zeldman) diesen Leitfaden für den Printdesigner, der sich in die Welt des Internets bewegen will. Vieles davon ist heute noch immer gültig, vieles davon ist nicht mehr aktuell, hatte aber damals durchaus seine Berechtigung.

Designer, die ihre Sporen im Printdesign verdient haben, unterschätzen oft die Unterschiede, die Herausforderungen, mit denen das Web sie konfrontiert. Das Web funktioniert anders als Print und dies ist wohl die wichtigste Lektion, die man sowohl aus der Praxis als auch aus Zeldmans Buch lernen kann. Technisch gesehen sind natürlich alle Tipps in Zeldmans Werk nicht mehr aktuell, aber das Besinnen auf Web Standards und das Trennen von Content und Design propagierte er schon damals, obwohl es technisch noch kaum umzusetzen war.

On the Web, as in talking to a policeman, clarity is a virtue. While it is tempting to get really creative with such elements, the most creative solutions are often the clearest.

Wer heute vom Printdesign ins Web einsteigen möchte, ist bestens damit beraten, sich einfach selbst im Web umzusehen. Aufmerksam zu beobachten, wie man selbst das Web benutzt und was dabei stört und nervt, ist das Wichtigste überhaupt. Dabei darf man weiters nicht vergessen, dass man mit wachsender Beschäftigung mit dem Thema den einfachen Blick verliert. 

Wer die notwendige Technik zum aktuellen Webdesign lernen möchte, muss zu anderen Standardwerken greifen. Wer etwas über das Web allgemein und auch über die Entstehung der unterschiedlichen Technologien wissen möchte, ist bei diesem Zeldman-Werk richtig. In seiner gewohnt witzigen Art beschreibt er die Arbeitsweise von Webdesignern und Programmieren inklusive dem Umgang mit Kunden. Für den tatsächlichen Einstieg ins Web sei in erster Linie Zeldmans Designing with Web Standards empfohlen.

Marc Levy – Bis ich dich wiedersehe

Louvre Pyramide 

„Ich liebe dich und werde nie aufhören können, dich zu lieben, ich weiß nicht, wie und warum. Ich liebe dich so, weil ich keine andere Art kenne. Wo du nicht bist, kann ich auch nicht sein.“ Jonathan drückte seine Lippen auf Claras Mund, und zum letzten Mal in seinem Leben begann sich alles um ihn herum zu drehen.

Marc Levy ist Spezialist für Liebe zwischen Zeiten und Welten und da macht auch „Bis ich dich wiedersehe“ keine Ausnahme. Jonathan und Clara meinen beide von der ersten Begegnung an, sich bereits zu kennen. Die Liebe zum russischen Maler Wladimir Radskin verbindet sie. Sein mutmaßliches letztes Bild blieb jedoch unsigniert und um seinem Freund Peter, der das Bild versteigern soll, zu helfen, versuchen die beiden, die Urheberschaft des Bildes zu beweisen. Als sich ihre Hände zum ersten Mal berühren, haben beide Visionen aus der Vergangenheit.

Langsam entrollt sich die Geschichte des Malers und damit auch die Geschichte von Clara und Jonathan sowie Jonathans Verlobter Anna und deren Familie. Eine Geschichte über mehrere Generationen hinweg.

Seinem Stil bleibt Marc Levy auch in diesem Roman treu, die Rückblenden bleiben etwas kurz und nur langsam zeigen sich die Anzeichen der hintergründigen Familiengeschichte. Dann kommt die Auflösung beinahe zu schnell. 

Ein Liebesroman, an dem man sich in dunklen einsamen Nächten das Herz wärmen kann.

 

Hong Ying – Der chinesische Sommer

Abend am Westsee (c) Walter Babiak/PIXELIO

„Welche Ehre“, sagte ich, während ich ihm zur Hand ging. „Ich glaube, Avantgardismus hat nichts damit zu tun, sich von den Erfahrungen gewöhnlicher Menschen zu distanzieren. Es ist die Zusammenfassung der Erfahrung aller unserer Leben. Erfahrung ist Besessenheit und Schwärmerei, Kunst ist Einsicht. Schwärmerei hat etwas mit Kenntnissen zu tun, Einsicht mit Weisheit. Zu Schwärmerei und Besessenheit kommst du durch Dinge und Erfahrungen, zu Einsicht durch Vernunft, mit Hilfe deines Verstandes. Die Einsicht der Kunst ist sowohl schwärmerisch als auch Ausdruck höchster Vernunft. Das ist wahre Transzendenz.“

Zwischen Politik und Männern sucht die junge Dichterin Lin Ying ihren Weg durch Peking inmitten der niedergeschlagenen Studentenunruhen des Jahres 1989. Betrogen von ihrem Freund, muss sie bei Freunden unterschlüpfen. Freizügigkeit ist verboten und doch leben die überlebenden Studenten ihre Vorstellungen aus, geschmuggelte Pornos, Alkohol und Drogen sind im Spiel. Sie alle leben den Aufbruch einer neuen Generation.

Jetzt endlich wusste ich eine Antwort auf die Frage, die mir keine Ruhe ließ und über die ich immer ergebnislos nachgedacht hatte: Wieso ich mich Hals über Kopf in die Bewegung gestürzt hatte. Natürlich – weil ich die ewige Heuchelei in dieser Welt nicht mehr ausgehalten hatte.

Einige Längen zeigen sich in den Rückblicken auf Lin Yings Familie, oft scheint die Handlung nirgendwohin zu führen, nicht alle Personen erfahren eine klare Charakterisierung. Für den mit China nicht vertrauten Leser sind nicht alle Verbote nachvollziehbar, ein Glossar erklärt Begriffe, die unklar sein könnten. Das Ende bleibt etwas unbefriedigend und abrupt. Verzichtbar.

 

Daniel Glattauer – Gut gegen Nordwind

Tastatur mit Rose - E-Mail-Lovestory (c) Rosel Eckstein / PIXELIO

Leo, Leo, Leo, angenommen, der Abend ist schöner, als Sie erwarten. Angenommen, Sie verlieben sich in die Frau, die Sie sehen, in die Mimik, die ihre Ironie begleitet, in den Ton ihrer Worte, in die Bewegungen ihrer Hände, in die Augen, in die Haare (Busen klammere ich aus), in ihr rechtes Ohrläppchen, in ihr linkes Schienbein, ganz egal. Angenommen, Sie spüren, dass uns beide doch viel mehr verbindet als der Internet-Server, dass es kein Zufall gewesen sein konnte, dass wir aneinandergeraten sind. – Leo, kann es nicht sein, dass Sie mich wieder sehen wollen? Kann es nicht sein, dass Sie mit mir zusammen bleiben wollen? Kann es nicht sein, dass Sie mit mir leben wollen?

Ein Beziehungsroman der Internet-Generation. Emmi und Leo lernen sich durch eine fehlgeleitete E-Mail kennen und führen mit der Zeit immer längere Gespräche miteinander. Zu einem Treffen kommt es jedoch lange nicht.

Während Leo Single ist, hat Emmi Mann und Kinder. Für sie ist es ein Spiel, ein Flirt, ein Ausbruch aus Ihrer Alltag gewordenen Ehe (mit einem älteren Ehemann). Als Leo ihr im Rausch seine Sehnsucht gesteht, bekommt sie erst Angst, findet aber dann Gefallen an der Leidenschaft des Unbekannten. Sie spielt mit ihm und vernachlässigt gleichzeitig ihre Familie. Emmi ist eindeutig die Böse in diesem Spiel, obwohl es niemals zum tatsächlichen Betrug kommt. Das geht soweit, dass sich Emmis Mann schließlich in die Konversation einschaltet und Leo bittet, den Kontakt einzustellen. 

Leo entschließt sich letztendlich, den Kontakt abzubrechen, jedoch soll es davor noch ein erstes und letztes Treffen geben. Nach langen Gesprächen willigt Emmi schließlich ein, sich auf das Treffen und den blinden, anonymen Kuss einzulassen. Lest das Buch und vor allem den Schluss selbst. Die Buchstaben fließen nur so dahin und die überschaubare Länge der einzelnen E-Mails machen das Buch außerdem perfekt für den öffentlichen Nahverkehr.