Julie Buntin – Marlena

We knew that time would force us into sacrifices – we wanted to flame out before making the choices that would determine who we became. When you were an adult, all the promise of your life was foreclosed upon, every day just a series of compromises mitigated by little pleasures that distracted you from your former wildness, from your truth.

Die Autorin beschreibt in diesem Buch eine lebensprägende Jugendfreundschaft zwischen zwei Mädchen. Eines überlebt, das andere nicht. Das klingt gerade wie eine sehr langweilige Geschichte und tatsächlich gibt es Stellen im Handlungsverlauf, die absehbar sind. Das Ende wird vorweggenommen, die erwachsene Erzählerin blickt zurück auf ihre Jugendfreundschaft mit Marlena. Das Spannende daran sind die vielen Erlebnisse, die in der Jugendzeit einen Einfluss auf die Menschen haben. Große Teile der Persönlichkeit sind unfertig, Jugendliche suchen nach ihrem Platz in der Welt und probieren aus, wohin und zu wem sie passen. Die Menschen, an denen sie sich orientieren, üben einen bleibenden Einfluss aus, der sich noch schwerer wieder abschütteln lässt, wenn die Person nicht mehr am Leben ist. Eine komplexe Geschichte, die sich auch in mehr Absätzen nicht sinnvoll beschreiben ließe.

I wanted to be her most important person, because she was mine.

Eva Rossmann – Wahlkampf

Es geht weiter mit der Recherche in Sachen Literatur-Geocaches und auch in diesem Werk wurde ich fündig. Mehr gibt’s da gerade nicht zu sagen, es handelt sich um einen Krimi im Politik-Milieu, lächelnde Menschen ohne jegliche menschliche Gefühlsregung, korrupte Berater, Geldflüsse hinter den Kulissen, Drohungen und so weiter.

Ann Patchett – Commonwealth

Franny couldn’t help but believe that she had brought every discomfort she experienced down on herself. Had she done something with her life no one would be asking her to make them cappuccino, and had she done something with her life she would be perfectly happy to make them cappuccino, because it would not be her job. She would make the coffee because she was a gracious and helpful person.

Ann Patchett begeistert mich verlässlich mit ihren Romanen (Bel Canto ist noch immer mein Favorit, aber auch State of Wonder überzeugt mit einer unkonventionellen Geschichte), im Blog ihrer Buchhandlung Parnassus finde ich immer wieder interessante Leseempfehlungen. Und die Geschichten über die Shop Dogs machen natürlich auch großen Spaß.

In diesem Buch verflechtet die Autorin die Geschichten zweier Familien. Im Rahmen von Frannys Tauffeier kommt es zur schicksalhaften Begegnung zwischen Beverly (Frannys Mutter) und Bert, die dazu führt, dass zwei Ehen in die Brüche gehen und die Lebensgeschichten der Keating-Kinder Franny und Caroline mit denen der vier Cousins-Kinder nicht direkt verschmelzen, aber sich doch unweigerlich immer wieder kreuzen. Frannys spätere Beziehung zu einem alternden Roman-Autor führt schließlich dazu, dass große Teile der nun gemeinsam verbrachten Kindheit der sechs Kinder in einem Roman und schließlich in einem Film landen.

Der Roman erzählt aus den unterschiedlichen Perspektiven der Kinder Caroline, Franny, Holly, Jeanette und Albie (Cal, der Älteste, stirbt als Jugendlicher tragisch an einem Bienenstich). Der physische Umfang des Buches lässt es nicht vermuten, doch die Geschichte erstreckt sich über mehr als vier Jahrzehnte. Es lässt sich als unterhaltsame Familiengeschichte mit Höhen und Tiefen lesen oder die Leserin kann zwischen den Zeilen den existentiellen Fragen des Lebens nachgehen. Welche Entscheidungen beeinflussen den weiteren Verlauf unseres Lebens? Wieviel davon können wir überhaupt kontrollieren?

Bernard Cornwell – Wolfskrieg

Das Internet hat mich darüber in Kenntnis gesetzt, dass ich in meiner Buchhandlung den neuesten Roman der Uhtred-Serie bestellen kann. In diesem erscheint ein neuer Feind: nachdem sich die Dänen mehr oder weniger angesiedelt haben und auch schon viele zum christlichen Glauben konvertieren, stehen nun die Norweger an den Küsten auf der Suche nach Beute und fruchtbarem Land. Jedoch auch der alte Feind Aethelhelm trachtet Uhtred weiterhin nach dem Leben. Mit viel Taktik werden Schlachten geschlagen und manchmal auch nur mit etwas Glück gewonnen.

«Es ist besser, zu reden, als zu töten», hatte Erzbischof Hrothweard häufig zu mir gesagt, doch wie redet man mit einem Mann wie Sköll, der nach Ansehen strebte und ein Königreich forderte und bereit war, beliebig viele junge Männer sterben zu lassen, um seine Gier zu befriedigen?

Bei diesem Absatz musste ich daran denken, dass mich Kind Nr. 4 vor ein paar Wochen gefragt hat, was denn Krieg ist und warum Menschen das machen. Es hatte irgendwas im Fernsehen aufgeschnappt und konnte überhaupt nicht einordnen, was Krieg überhaupt sein soll, ich hatte den Eindruck, es hat sich Krieg eher wie eine Naturkatastrophe vorgestellt, wie ein Gewitter, das jederzeit zu uns kommen könnte, wenn der Wind sich dreht. Neben der Frage, wie weit der Krieg von uns entfernt ist, hat es auch noch interessiert, warum es überhaupt zu einem Krieg kommt. Mir fehlten echt die Worte, um einem 6-jährigen Kind zu erklären, dass es Menschen gibt, die so sehr nach Macht streben (noch so ein kaum zu erklärendes Wort), dass sie dafür Menschen mit Waffen auf andere Menschen schießen lassen. Es ist ein unfassbares Privileg, dass unsere Kinder sich darüber keine Gedanken machen müssen. Und es sollte selbstverständlich sein, dass Menschen, die vor Krieg flüchten, aus Seenot gerettet werden und eine Chance auf ein menschenwürdiges Leben erhalten. (Guardian, sea-watch.org)

Andy Weir – The Martian

Ich hatte das Buch schon im Regal stehen, als es sich letztes Jahr ergeben hat, dass ich den Film gesehen habe. Der war eigentlich recht unterhaltsam, wenn man bedenkt, dass ich mich für Raumfahrt eigentlich nicht so besonders interessiere. Das Buch hatte ich mir eher deshalb besorgt, weil mich der Aspekt des Überlebens interessierte. Wie kann ein einzelner Mensch überleben, allein auf einem unbewohnten und lebensfeindlichen Planeten? Es wäre eine interessante Frage gewesen, was das mit der Psyche eines Menschen macht, dieses Thema sparen jedoch sowohl das Buch als auch der Film großräumig aus.

Making a sextant isn’t hard. All you need is a tube to look through, a string, a weight, and something with degree markings. I made it in under an hour. … I’m in my space suit on Mars and I’m navigating with 16th century tools. But hey, they work.

Ausführlich beschrieben werden jedoch all die anderen Überlebensmaßnahmen, die der aufgrund eines Unfalls während eines Sandsturms allein auf dem Mars gestrandete Astronaut Mark Watney unternimmt. Auch auf der Erde wird um sein Überleben gekämpft (zumindest ab dem Punkt, an dem die NASA von seinem Überleben erfährt, er wird zuerst für tot gehalten). Der Botaniker Mark Watney versucht erfolgreich, auf dem Mars Erdäpfel zu kultivieren, er findet den Pathfinder, einen US-amerikanischen Mars Lander, der 1996 den ersten Mars Rover auf die Marsoberfläche brachte. Durch diesen gelingt auch für eine Zeitspanne die Kommunikation mit der Erde. Er repariert, er plant, er zeichnet seine Tätigkeiten in seinem Logbuch auf. Über seine Ängste, seine Gedanken, die Quelle seines nahezu übermenschlichen Überlebenswillens angesichts seiner hoffnungslosen Situation erfährt der Leser nicht mehr als seine Beschwerden über den schlechten Musik- und TV-Geschmack seiner vorherigen Mit-Austronauten, die es ins Raumschiff geschafft haben.

Auch wenn ich im Allgemeinen dazu neige, das Buch dem Film vorzuziehen, muss ich in diesem Fall sagen, dass der Film wohl die bessere Wahl war. Ohne den Film vorher gesehen zu haben, hätte ich mir das Setting nicht vorstellen können, die vielen technischen Geräte wären ein Mysterium geblieben und das Buch hätte mich vermutlich gelangweilt. Nun hat es mich immerhin durch drei Sommerabende auf dem Balkon begleitet.