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English Fantasy Roman

Shannon Chakraborty – The Adventures of Amina al-Sirafi

CN: Mord, Gewalt, Tod, Body Horror, Alkoholkonsum


Demnächst starten wir wieder mit unserem Hugo Award Nominees Buchclub, unser erstes Buch wird Death of the Author von Nnedi Okorafor sein. Davor hab ich mir vom Radfahrer noch ein Buch für meine Ortsabwesenheit1 ausgeliehen, dieses war 2024 für den Hugo Award nominiert. Und wieder geht es mir so, dass ich jetzt fühle, ich muss das Gewinner-Buch 2025 (Emily Tesh: Some Desperate Glory) lesen, weil ich mir kaum vorstellen kann, dass es besser sein könnte als dieses.

Protagonistin ist die titelgebende Amina al-Sirafi. Zu Beginn des Buchs ist sie eine Piratin, die ihr Handwerk nieder gelegt hat (retired) und sich nun mit einfachen Aufträgen durchschlägt, um ihre Familie zu unterstützen. Doch das alles ändert sich, als eine betuchte Großmutter sie aufsucht und erpresst: Amina soll ihre Enkelin suchen, die mutmaßlich von einem Franken2 entführt wurde. Tut sie es nicht, will die Lady Aminas Identität enthüllen und ihr alle Feinde ihrer Vergangenheit auf den Hals hetzen. Amina hat keine Wahl, wenn sie ihre Mutter und Tochter nicht diesem Schicksal aussetzen will.

Men and women who were more offended at the audacity of a poor local demanding a cut of the riches they built on our sea than by the possibility of losing their lives. How dare we? Did we not know that our place was to shut up and stay silent?

Zwischen Schiffen, Kämpfen und Magie flicht die Autorin immer wieder moralische Fragen und Dilemmata ein. Amina will keine Verbrechen mehr begehen, ihr eigenes Kind (und ihre Crew) zu beschützen, geht ihr jedoch über alles. Gerade im Konflikt zwischen Amina und der reichen Lady zeigt sich euch deutlich der Klassenunterschied, der im zeitlich undatierten Indischen Ozean die Gesellschaft prägt. Übermäßig Reiche haben Privilegien, während die Armen ums nackte Überleben kämpfen. Moralische Entscheidungen sind jedoch von der reichen herrschenden Klasse nicht zu erwarten. Während für Amina Loyalität und Verbundenheit zählt, will die reiche Lady nur ihren Willen durchsetzen. Die vermisste Enkeltochter soll nämlich mit einem einflussreichen Mann verheiratet werden, um das Renommee der Familie zu sichern.

Amina selbst ist gläubige Muslimin, die jedoch auch mal die Regeln bricht. In ihrer Crew arbeiten jedoch Muslime, Christen und Juden Hand in Hand zusammen, Religion ist kein trennendes Element. An einer Stelle, die ich nicht mehr finde, erklärt Amina, dass Gott die Menschen nicht so verschieden erschaffen hätte, wenn es nicht von ihm gewollt wäre. Eine so einfache Erklärung, die zur Akzeptanz alles von Gott Geschaffenen führen könnte, wenn die Menschen es nur annehmen würden.

Ein wesentliches Element ist auch Aminas Konflikt zwischen ihrer Mutterschaft und ihren anderen Ambitionen. Im Gespräch mit Raksh – einem undefinierten magischen Wesen, das Aminas tot geglaubter Ehemann und Vater ihrer Tochter ist – enthüllt Amina, dass sie nie eine Piratin sein wollte, sie wollte Abenteurerin, Entdeckerin, Forscher*in sein (explorer). Doch wie kann sie sich an der Freiheit an Bord ihres geliebten Schiffes erfreuen, wenn sie doch von ihrer Tochter getrennt ist?

Wollte ich kritisieren, könnte ich anmerken, dass es etwas übertrieben wirkt, wie oft Amina dem sicheren Tod doch noch entrinnen kann. Am Ende wird mir auch die Magie etwas zu intensiv zur Auflösung der Geschichte eingesetzt. Nichtsdestotrotz habe ich mich ausgezeichnet unterhalten und freue mich auf die Fortsetzung, die für Oktober 2026 angekündigt ist.

  1. Da ich normal arbeite, ist es kein Urlaub, ich bin einfach nur woanders. ↩︎
  2. Mir ist nach wie vor unklar, welches Volk hier mit „Franks“ gemeint sein könnte und das darf auch so bleiben. ↩︎
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Erfahrungsbericht Memoir

Torre DeRoche – Love with a Chance of Drowning

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You’ll never feel a hundred percent ready. You just have to go.

Wenn mich jetzt mal wieder die Reiselust packt, dann greife ich meistens zu einem der vielen Reisebücher, die ich auf meiner Liste gesammelt habe. In diesem Buch beschreibt die Autorin, wie sie ihren Partner Ivan kennenlernt, der gerade eine ausgedehnte Segeltour im Südpazifik vorbereitet. Obwohl sie mit dem Segeln bisher keine Berührung hatte und auch die Seekrankheit sie sehr plagt, entschließt sie sich schließlich zum Sprung ins kalte Wasser: Sie wird Ivan auf seinem Trip begleiten.

I did it! It seems so hard to believe. All of the pain, discomfort, and torture it took to get here is beginning to face. I faced my greatest fears and I’m still alive. The buzz of this accomplishment brings on a deeply satisfied joy that I’ve never felt before. Even if I never go to sea again, I can keep this sense of empowerment for life.

In vieler Hinsicht geht es immer wieder um die Frage, welche Risiken wollen wir im Leben eingehen. Wie gut können oder müssen wir uns vorbereiten? Und wann ist es Zeit, endlich los zu segeln und darauf zu vertrauen, dass sich für alle auftretenden Probleme immer eine Lösung finden wird?

“You’re here for a good time, not for a long time.” I’ve tried to remind myself of this more than once out on the ocean.

Das obige Zitat kann in meinen Augen sowohl ein Argument für eine solche Reise sein als auch dagegen. Wenn ich auf See die ganze Zeit seekrank bin, ist das wohl kaum eine gute Zeit … Da stellt sich dann wieder die Frage, ob die guten Momente – diese Highlights des Ankommens an einem traumhaften Strand – die Strapazen aufwiegen, die notwendig waren, um dorthin zu kommen. Monatelange Abwesenheit von Freund*innen und Familie geht einher mit der ersehnten Abgeschiedenheit von den Katastrophen der Gesellschaft. Abwesenheit von der Zivilisation bedeutet auch Einschränkungen in der Ernährung (mangels Kühlmöglichkeit auf dem Boot können die beiden frisches Obst und Gemüse immer nur vor Anker konsumieren, wenn es überhaupt zu bekommen ist).

Ich frage mich immer wieder, welche Arten von Reisen ich wohl noch machen werde, wenn das die Situation wieder erlaubt. Ein Segeltrip durch den Südpazifik wird eher nicht dabei sein.