Evelyn Schlag – Architektur einer Liebe

Noch ein Buch, das ich speziell für die Reading Challenge ausgewählt habe: A book written by an author with your same initials. Der Einfachheit halber habe ich mich auf der Wikipedia durch die Liste österreichischer Autoren geklickt und mal geschaut, was die so geschrieben haben. Nachdem ich einige in Frage kommende Autoren ausgeschlossen hatte (Gedichte sind einfach nicht so meins und halbwegs modern durfte es schon auch sein), stieß ich auf Evelyn Schlag. Der Titel war schon mal interessant, weil Architektur und Liebe in meiner Vorstellung eigentlich eher gegensätzlich sind. Mit Architektur verbinde ich ein Gefühl von Kälte, von harten Linien, das Zeichnen auf dem Reißbrett. Im Gegensatz dazu stellt man sich unter Liebe im Allgemeinen etwas Flauschiges vor, ein wärmendes Gefühl, das einem Sicherheit gibt. Selbstverständlich haben beide Begriffe auch jeweils eine andere Seite, wie mir dieser Roman in Bezug auf die Architektur auch klar machte. Architektur kann genauso etwas Lebendiges, Organisches sein, sie wirkt sich massiv auf die Gefühle aus, die Menschen an einem bestimmten Ort empfinden. Genauso hat wiederum die Liebe auch eine dunkle Seite, Verlassenwerden, die geliebten Menschen vermissen, Unsicherheit und viele weitere Facetten.

Dieser Roman verbindet zwei Architekten durch den Zufall miteinander. Vittoria Monti besucht St. Petersburg, da sie auf die Teilnahme am Wettbewerb für den Bau eines neuen Theaters hofft, Wolf Lewinter wegen eines Auftrags, ein Restaurant zu gestalten. In ihrer Architekturkarriere stehen sie auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen. Sie treffen sich zufällig in der Eremitage und teilen einen perfekten Moment, bevor sie auseinandergehen, ohne einander angesprochen zu haben. Einige Wochen später erkennt Wolf die unbekannte Frau aus dem Museum auf dem Podium eines Architektursymposiums in Philadelphia wider, diesmal will er sie nicht gehen lassen.

Die Perspektive wechselt immer wieder, wir lernen Torias Welt kennen, ihre Familie, die ein dunkles Geheimnis birgt. Wolf wiederum lebt als Teilzeitvater mit seinem elfjährigen Sohn Christoph und zweifelt schnell sowohl an seiner Karriere als auch an der Möglichkeit, mit der berühmten Architektin Vittoria Monti eine langfristige Fernbeziehung aufrecht erhalten zu können.

Einen Überraschungsauftritt hat der russische Dichter Joseph Brodsky:

„War der Westen Athen, so war Petersburg im zweiten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts Alexandria.“

Überraschend deshalb, weil er mir erst kürzlich schon in Skippy stirbt begegnet war. Und dieses Zitat passt hier einfach perfekt als Schlusssatz:

Ein gewisser Brodsky hat einmal gesagt: Wenn es denn einen Ersatz für die Liebe gibt, dann ist es die Erinnerung.

Reading Challenge: A book written by an author with your same initials
(Nach etwas mehr als 7 Monaten des Jahres habe ich die Hälfte geschafft. So ein bißchen Wettkampfgeist ist ja schon dabei … noch 5 Monate Zeit, um aufzuholen.)

Sara Gruen – Das Affenhaus

Von Sara Gruen hatte ich 2011 begeistert Wasser für die Elefanten gelesen, später auch den Film gesehen, der nach meinem Gefühl den Zirkuszauber des Buches nicht ganz einfangen konnte. Ähnlich ging es mir mit dem Affenhaus.

Hauptpersonen sind der Journalist John Thigpen und die Forscherin Isabel Duncan. Kurz nach Johns Besuch bei Isabel und ihrer Bonobo-Familie wird deren Forschungslabor (erforscht werden die Sprachfähigkeiten der Bonobos) in die Luft gesprengt und Isabel selbst schwer verletzt. Noch während Isabel im Krankenhaus liegt, werden die Affen an einen geheimen Investor verkauft. Wochen später tauchen sie in einer Reality Show namens Affenhaus wieder auf. Isabel versucht gemeinsam mit ihrer Assistentin Celia, die Affen aus dem Haus zu befreien. Auch John Thigpen ist hinter den Affen her, um die Hintergründe aufzudecken und landet schließlich auch wenig überraschend den großen Coup.

Achtung, es folgt ein Spoiler. Es ist mir in diesem Fall nicht möglich, meine Meinung zu diesem Buch zu beschreiben, ohne massiv die Entwicklung vorwegzunehmen.

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Die Autorin hat erfolgreich der Versuchung widerstanden, Isabel und John zu einem Liebespaar werden zu lassen. Die zarten Annäherungen bleiben es auch, obwohl Isabel sich von ihrem Verlobten trennt und John mit seiner Frau Amanda einige Krisen durchzustehen hat, bleibt die naheliegende Liebesaffäre aus. Damit hebt sich das Buch neben der gut recherchierten Geschichte der Sprachforschung mit Affen erfrischend von klassischer Frauen-Liebes-Literatur ab.

Dagegen spricht jedoch die eingestreute Episode, in der John meint, ein 17-jähriger Junge mit seltenem Nachnamen entspränge möglicherweise einer betrunkenen Jugend-Episode mit einer Frau desselben Nachnamens. Das ist wiederum so weit hergeholt, dass man John für diese lächerliche Aktion einen Polster an den Kopf schmeißen möchte. Da sich die anschließende darauf basierende Eifersuchtsepisode so schnell auflöst und auch problemlos rein auf Johns Bekanntschaft mit der Stripperin Ivanka beruhen hätte können, wäre dieser „Seitensprung“ verzichtbar gewesen.

Im Ganzen kann ich das Buch trotzdem nur empfehlen. Nach meinem Empfinden kommt es an Wasser für die Elefanten nicht heran, jedoch spürt man in vielen Szenen dieselbe Herkunft. Gerade die Nebenhandlungen und -figuren sind ebenso detailreich gezeichnet und mit ausgeprägten Charaktereigenschaften versehen, die nicht nur vorhersagbar sind. Gleiches gilt für die Affenfamilie, die in Gebärdensprache mit ihren Betreuern kommunizieren. Angenehmes Lesevergnügen.