Colin Cotterill – Totentanz für Dr. Siri

Sunset (c) Piotr Matlak/SXC

Allein der Umstand, dass er sich wie ein Rindvieh benommen hatte, bewahrte sie davor, in seine Arme zu sinken und zu flöten: „Ja, ja, Liebster. Nimm mich.“ Aber konnte nicht auch ein Widerling einen guten Ehemann abgeben? Und würde sie sich wirklich so sehr verbiegen müssen, um an der Seite dieses hohlen, hirn- und charakerlosen Ekels zu bestehen?

Auch der dritte Roman um Doktor Siri und seine wackeren Kollegen Dtui und Geung erfüllt die inzwischen hoch gesteckten Erwartungen. Der schrullige Doktor, in dessen Körper ein schamanischer Geist wohnt, deckt wiederum Mordfälle lückenlos auf. Auch ein kubanischer Priester der vermeintlich schwarzen Magie kann den Pathologen nicht in die Flucht schlagen. Krankenschwester Dtui fliegt in diesem Fall das Glück nur so zu, sie erhält nicht nur einen Heiratsantrag sondern auch die Zusage zum ersehnten Medizinstudium in Russland. Der arme Geung fällt einer Krise zum Opfer und wird aus dem Leichenschauhaus verschleppt, sein nicht klein zu kriegendes Pflichtbewustsein lässt ihn allerdings so manche Schwierigkeiten überwinden. Mehr kann ich nicht sagen, denn ich bin Fan und somit befangen. Hoffentlich ist Doktor Siri ein ähnlich langes Leben beschieden wie seinem italienischen Krimikollegen Brunetti.

Colin Cotterill – Dr. Siri und seine Toten

„Würdenträger der Partei machen um die Pathologie gewöhnlich einen großen Bogen; und sollten sie sich doch einmal dorthin verirren, werden sie beeindruckt sein von dem ungeheuren Mitgefühl und der immensen Weitsicht, die unsere große Republik beweist, indem sie Angehörige gleich dreier Minderheiten an ein und demselben Arbeitsplatz vereint. Frauen, Kretins und scheintote Greise, alle unter einem Dach.“

Diese Tirade mit der Dr. Siri sich und sein Team vor seinem Vorgesetzten verteidigt, sagt mehr über den grandios sarkastischen Tonfall aus, der dieses Werk prägt, als es jede Beschreibung von mir könnte. In der Pathologie der laotischen Hauptstadt Vientiane wirken und werken Dr. Siri, seine Assistentin Dtui und der vom Down-Syndrom betroffene Gehilfe Geung. Eigentlich hätte Dr. Siri die Pension schon in Aussicht gehabt. Der neue Posten will ihm zuerst nicht gefallen, weckt jedoch seinen Spürsinn als die Frau eines hohen Parteigenossen auf seinem Tisch landet. Der Genosse selbst kann es gar nicht erwarten, den Tod durch eine Vergiftung zu erklären und die Leiche zu entwenden.

Von diesem Punkt an verstrickt sich die Geschichte schlagartig in den Wirren der kommunistischen Korruption. Dabei verschlägt es Siri unter anderem ins laotische Hinterland, wo er als wiedergekehrter Schamane Yeh Ming von den eingeborenen Hmong gefeiert wird, in dieser Funktion einen Dämon austreibt und damit die Baumgeister besänftigt. Auch die in das Mordkomplott der Frau Nittnoy verwickelten Personen versetzt Siri in Angst und Schrecken, was ihn schließlich selbst beinahe zum Mordopfer macht. Mit tatkräftiger Hilfe des beherzten Polizisten Phosy und der chemiebegabten Lehrerin Oum gelingt es Siri schließlich, alle Fälle aufzuklären, wenn auch die Rückkehr in sein Haus zu seiner neugierigen Nachbarin Fräulein Vong nicht gewährt wird.

Wer an Krimis Freude findet, die sich abseits der vom Fernsehen ausgetretenen Pfade bewegen, wird mit Dr. Siri seine Freude haben. Der Schauplatz Laos im Jahr 1976 eröffnet für den europäischen Leser ein Bild mit Geschichte, ohne mit Details zu langweilen. Man gewinnt Einblicke in fremde Kulturen und findet doch Gemeinsamkeiten mit den sympathischen Helden der Geschichte. Das mag nicht so glamourös sein wie CSI New York, gewinnt aber meines Erachtens nach einen kauzigen Charme, der an die mathematischen Helden von Numbers erinnert.