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Andrew Martin – Down Time

CN: Alkohol- und Drogenmissbrauch, Abhängigkeit, sexuelle Handlungen, Covid19-Pandemie, Depression, BDSM


Eine Notiz aus Lithub, die in einer meiner Literatur-Inboxes gelandet ist. Aus Gründen, die sogar mich später nicht mehr interessieren werden, habe ich mir dieses Buch auf Apple Books gekauft und zügig durchgelesen.

Es ist das, als was es in dem Artikel beschrieben wird und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – hat es mich nicht gepackt. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht der fünf Protagonist:innen erzählt, die miteinander in loser Verbindung stehen. Allesamt sind sie in ihren Dreißigern und schon vor der Covid19-Pandemie mehr oder weniger in einem Stillstand der Mittelmäßigkeit gefangen. Als Gemeinsamkeit ist mir aufgefallen, dass in allen Beziehungen eine exzentrische Person auftaucht, die den Alltag aufrüttelt, die abweichende Wege geht und bei den Protagonist:innen ein Hinterfragen ihres Selbst, ihrer sexuellen Identität und ihrer Lebensentscheidungen auslöst.

Da ist die selbstbezogene Tonkünstlerin, in die sich die strikt vernunftorientierte Antonia Hals über Kopf verliebt. Da ist der drogenabhängige Hedonist, mit dem Aaron seine unterdrückte Homosexualität auslebt und erst daran erkennt, das seine langjährige Beziehung mit Cassie mehr durch Ko-Abhängigkeit definiert wird als durch Liebe. Da ist die exzentrische Performance-Künstlerin, die ihre Sexualität auch als Werkzeug ihrer Kunst benutzt und dem strauchelnden Schriftsteller Malcolm vor Augen führt, dass er im Leben nichts riskiert hat.

Everything I did, artistically and romantically and otherwise, was oriented around simply not losing what I already had.

Die Disruption von Pandemie und Lockdown und die Folgen der komplexen Beziehungen, die mit den oben beschriebenen Charakteren entstehen, gehen in unterschiedlichste Richtungen. Sind unsere Protagonist:innen am Ende besser dran als vorher? Das lässt sich schwer sagen (ausgenommen Aaron, der zumindest aktuell seine Substanzabhängigkeit überwunden hat). Diese Unklarheit, diese Ziellosigkeit ist es vermutlich auch, die mich mit einem unbequemen Gefühl zurücklässt. Es ist mir zu nah an der Wirklichkeit, zu nah an der lähmenden Realität der Covid19-Pandemie, die noch nicht so lange zurückliegt, wie es in den Medien oft dargestellt wird, zu nah an den Folgen, die manche Menschen dauerhaft aus dem Leben gerissen haben (durch Tod oder Long Covid). Zu nah dran, als dass ich jetzt noch weiter darüber nachdenken wollen würde.