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Biografie Sachbuch

Andrea Kettenmann – Frida Kahlo

CN: Unfall, Krankheit, Fehlgeburt, Revolution, Blut


Beim letzten Bücherei-Besuch musste konnte ich etwas improvisieren und habe mir dabei auch dieses Buch mitgenommen. Frida Kahlo ist sicher die berühmteste Malerin Mexikos. Mit ihren intimen Gemälden, die ihre inneren (Schmerz-)Zustände verdeutlichen, hat sie einen ganz eigenen Stil erschaffen.

Aus den Texten erfuhr ich einige Details, wie etwa, dass Fridas Großeltern väterlicherseits aus Deutschland nach Mexiko gekommen waren. Ihr Vater Wilhelm Kahlo („deutsch-ungarischer Herkunft“) war Berufsfotograf und ließ seine interessierte Tochter an seinen Spaziergängen teilhaben, wobei sie Erfahrungen für ihre spätere Malerei sammelte. Ihre gesundheitlichen Probleme beginnen bereits im Alter von sechs Jahren (etwa 1913), als sie an Kinderlähmung erkrankte. Ihr rechtes Bein blieb davon dauerhaft deformiert zurück. Im Jahr 1925 wird sie bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt. Ihr Körper wird sich davon nie mehr vollständig erholen. Während der langen Zeit, in der sie bewegungslos im Bett liegen muss, beginnt sie, zu malen.

Bereits als junge Frau zeigt sie große Eigenständigkeit. Ein Foto aus dem Jahr 1926 zeigt sie im Männeranzug neben Schwestern und Cousine (selbstverständlich in Kleidern). Später wird sie ihrem Ehemann Diego Rivera zuliebe oft die traditionell-mexikanischen Tehuana-Gewänder tragen und sich auch in diesen malen. Ihre vielen Selbstporträts enthalten meist Symbole, die auf ihre mexikanische Herkunft und die indigenen Traditionen verweisen. In späteren Jahren lässt sie sich zunehmend weniger auf die traditionelle Frauenrolle ein. Zeit ihres Lebens engagiert sie sich politisch und nimmt noch wenige Tage vor ihrem Tod im Rollstuhl an einer Demonstration gegen den Sturz der demokratischen Regierung des guatemaltekischen Präsidenten Jacobo Arbenz Guzmán durch den CIA teil.

Mir fällt der harte Kontrast zwischen ihren Selbstporträts und den teilweise verstörenden Darstellungen auf, mit der Frida Kahlo ihre gesundheitlichen Leiden illustriert. Vielen bekannt ist vermutlich das Bild La Columna Rota (1944). Es zeigt die Malerin mit offenem Brustkorb, der den Blick auf eine gebrochene Säule freigibt. Ihr Körper ist außerdem von einem Lederkorsett gestützt. Zahlreiche Nägel bohren sich in die nackte Haut ihres Oberkörpers, aus ihren Augen fließen Tränen. Es gibt jedoch auch Bilder, in denen sie mit verschiedenen Symbolen eine Fehlgeburt darstellt oder das Bild Die zwei Friedas (1939), das kurz nach ihrer Scheidung von Diego Rivera entstand. Es zeigt Frida in zwei verschiedenen Kleidungsstilen mit freiliegenden Herzen, die mit einer Ader miteinander verbunden sind. Die „europäisch“ gekleidete Frida hält eine Klemme in der Hand, aus der damit verbundenen Ader tropft Blut auf ihr weißes Kleid.

„Meine Themen waren schon immer meine Empfindungen, meine Geisteszustände und die heftigen Reaktionen, die das Leben in mir hervorruft.“ (Frida Kahlo)

Gerade habe ich große Lust, mich wieder mehr mit Kunst zu beschäftigen. Hoffentlich schaffe ich es bald ins Kunsthistorische Museum. Die Ausstellung A Bite of Art – Genuss in der Kunst klingt sehr spannend.

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Roman

T. C. Boyle – América

Und worum ging es bei alledem? Um Arbeit, sonst nichts. Um das Recht zu arbeiten, einen Job zu haben, sich das tägliche Brot und ein Dach über dem Kopf zu verdienen. Er wurde zum Verbrecher allein dadurch, dass er es wagte, das ebenfalls zu wollen, und für das schlichte menschliche Existenzminimum alles auf Spiel setzte, und jetzt verwehrten sie ihm sogar das noch. Es stank zum Himmel. Wirklich.

Mit T. C. Boyle kann man eigentlich nie etwas falsch machen, alle seine Bücher (Die Frauen, Drop City, Dr. Sex) haben mich in der Vergangenheit gut unterhalten. Erstaunlich ist auch die Themenvielfalt, es geht immer um völlig unterschiedliche Gesellschaften und Lebenswelten.

In América stellt der Autor zwei dieser Lebenswelten einander gegenüber. In Südkalifornien lebt der Schriftsteller Delaney Mossbacher mit seiner Frau Kyra und seinem Sohn in einer reichen Wohngegend, Kyra arbeitet als Immobilienmaklerin, die Familie ist wohlhabend. Den Gegenpart bilden Cándido und América, die illegal aus Mexiko nach Kalifornien geflüchtet sind, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. In ihrer Heimat gibt es keine Arbeitsplätze, keine Perspektiven, keine Chancen.

Schonungslos stellt der Autor diese beiden Existenzen einander gegenüber. Beide Familien müssen einen Schicksalsschlag nach dem anderen hinnehmen, nur wiegt jeder Rückschlag für Cándido und América tausend Mal schwerer. Das mühsam ersparte Geld wird ihnen geraubt, wieder müssen sie von vorne anfangen mit dem Traum einer kleinen Wohnung und einem geregelten Arbeitsleben. Trotz eines hohen Zauns um ihr Grundstück (an dessen Errichtung Cándido mitarbeitet) werden innerhalb weniger Wochen beide Hunde der Mossbachers Opfer eines Kojoten. Während Delanay sich zu Beginn gegen die Mauer stellt, die seine Nachbarn um die reiche Wohngegend bauen wollen, lässt er sich Stück für Stück von seinem Freund Jack vereinnahmen und wird schließlich zum erbitterten Gegner der Einwanderer.

Als ich am Abend in einem Café die letzten Seiten lese, spricht mich der Kellner darauf an und möchte wissen, wie es mir gefällt. Er hat es selbst vor Kurzem gelesen, es wurde 2013 im Rahmen der Aktion EineStadt.EinBuch ausgegeben. Er meint, es hätte ihm gut gefallen, nur die Thematik wäre ja bei uns in Österreich nicht in diesem Sinne aktuell. Meine spontane Reaktion war, es könnte nicht aktueller sein, denn viele Flüchtlinge und Asylwerber sind in ähnlichen Situationen wie Cándido und América.

Bei all den politischen Querelen darüber, welches Bundesland und welche Gemeinde die Asylquote erfüllt und ob es angebracht ist, die Flüchtlinge in Zeltlagern einzuquartieren anstatt im überfüllten Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen und vielen anderen natürlich wichtigen Themen, wird immer wieder vergessen, dass es hier um Menschen geht, die ihre Heimat verlassen MUSSTEN. Niemand nimmt leichtfertig das Risiko auf sich, in einem offenen Schlauchboot über das Mittelmeer zu reisen, keine Mutter und kein Vater würden ihre Kinder so einem Risiko aussetzen, wenn sie nicht absolut überzeugt wären, dass es die einzige Chance für sie ist. Es geht um Menschen, die sich nur ein besseres Leben wünschen und die meisten von ihnen wären vermutlich mit wesentlich weniger zufrieden als der durchschnittliche Österreicher hat. Sie suchen Sicherheit und Arbeit, sie suchen Hoffnung auf ein besseres Leben. Dass es in unserem Land Abgeordnete gibt, die sich diesem Streben mit Gewehrläufen und Mistgabeln in den Weg stellen wollen, ist erbärmlich. Man kann unsere Politiker nicht oft genug daran erinnern, darüber nachzudenken, was sie sich für ihre Kinder wünschen würden, wenn diese aus ihrer Heimat flüchten müssten.

Reading Challenge: A book with a one-word title

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Reise Roman Unterhaltung

Jack Kerouac – Unterwegs

Golden Gate Bridge, San Francisco (c) yogilino/PIXELIO

Ich hatte mir stille Weihnachten auf dem Land vorgestellt, wie mir bewusst wurde, als wir das Haus wieder betraten und ich den Weihnachtsbaum und die Geschenke sah und den Truthahn im Backofen roch und die Gespräche der Verwandten hörte, aber jetzt hatte das Fieber mich wieder erwischt, und das Fieber hieß Dean Moriarty, und ich war unterwegs, war wieder unterwegs.

Roadmovies haben mich schon immer fasziniert und quasi magisch angezogen. Sal Paradise zieht mit seinem Freund Dean Moriarty durch die USA und erlebt dabei allerhand Unannehmlichkeiten. Trampen scheint damals (das Buch erschien 1957) eine vielgenutzte Form des Reisens zu sein. Und wie der Buchtitel bereits suggeriert, geht es weniger ums Ankommen oder ums Reisen von einem Punkt zum anderen, sondern schlicht um die Fahrt an sich.

„Ja“, sagte ich, „fahren wir nach Italien.“ Und so nahmen wir unser Gepäck, er, mit der gesunden Hand, seinen Koffer und ich den Rest, und stolperten zur Haltestelle der Cable-Car. Gleich darauf rollten wir den Hügel hinab und ließen von der klappernden Plattform die Füße auf den Bürgersteig baumeln, zwei zerbrochene Helden der Nacht im Westen Amerikas.

Dean Moriarty bleibt einerseits eine von Sal zu einer Art Guru hochstilisierte Witzfigur, denn er kriegt sein Leben nicht in den Griff, zeugt sowohl an der Ostküste wie an der Westküste Kinder und bricht die Herzen seiner Frauen im Eilzugtempo. Das bewundern seine Freunde natürlich, aber tatsächlich ist es wohl nicht nur für die betreffenden Frauen sondern auch für Dean selbst ein Alptraum.

Dean und Sal schlagen sich durch Amerika, erst als Mitfahrer, später mit dem eigenen Auto. Sie träumen von fernen Orten, halten es jedoch nicht lange dort aus, wenn sie mal angekommen sind. Im dritten Teil schlagen sich Sal und Dean in Mexiko herum, die Feier endet im Chaos, wie die meisten Festivitäten im Leben von Dean und Sal.

Und dann verfolgt mich das Buch auch noch:

“The only people for me are the mad ones, the ones who…“ – A conversation on cool