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Biografie Sachbuch

Kathrin Benz – Antoni Gaudí. Der Architekt Gottes

CN: Krankheit, Tod, Dikatur, Krieg, Unfall mit Todesfolge (alles im historischen Kontext)


Schon in jüngeren Jahren habe ich mich eine Zeit lang intensiv mit dem katalanischen Architekten Antoni Gaudí beschäftigt. Ausgangspunkt dieses Interesse war das Musical von Eric Woolfson und Alan Parsons, das sich lose am Leben des Architekten und seiner Werke bediente und diese mit einer modernen Handlung verband. Es wurde 1993 in Aachen uraufgeführt und hat leider über den deutschsprachigen Raum hinaus keine Bekanntheit erlangt. Im Jahr 2014 fand in Linz die österreichische Erstaufführung statt, die Produktion war leider sehr enttäuschend (zumindest für mich). Eine Aufnahme der Produktion von 1995 ist heute auf Youtube zu finden.

Wegen eines Rechercheprojekts hatte ich mir kürzlich den Bildband über Gaudís Architektur, den ich mir damals gekauft hatte, aus dem Regal genommen. Daran, eine Biografie gelesen zu haben, kann ich mich jedoch nicht erinnern, das wollte ich im Zusammenhang mit dem genannten Rechercheprojekt nachholen. Die Autorin Kathrin Benz schreibt in ihrem Nachwort, dass sie selbst das Buch über den Architekten geschrieben hat, das sie nicht finden konnte, daher ist die Annahme zulässig, dass ich damals einfach keine deutschsprachige Biografie finden konnte.

Antoní Gaudi i Cornet gilt als berühmtester Vertreter des katalanischen Jugendstils, der Modernisme genannt wurde. Während beim Wiener Jugendstil (auch Sezessionsstil genannt) eine Abkehr vom Historismus, eine Erneuerung, Befreiung, Entfesselung im Vordergrund standen, baute Gaudí seine Werke immer auf dem Fels seines Glaubens. Für ihn war die Natur keine dekorative Vorlage, sondern er nutzte sie als Inspiration für organische Gebäude und orientierte sich an ihrer „rationalen Zweckmäßigkeit“. In seinen Dekorationen versteckte er mehr oder weniger offen eine christlich geprägte Zahlenmystik.

Neben seinem unterschütterlichen christlichen Glauben war Gaudí auch ein vehementer Verfechter der Eigenständigkeit Kataloniens. Im Buch ist immer wieder zu lesen, dass er selbst mit hohen Besucher:innen ausschließlich katalanisch sprach, was ihm immer wieder den Vorwurf der Unhöflichkeit eintrug. Mit seinen Mitarbeiter:innen soll er trotz seiner Sturheit und seines Präzisionsanspruchs stets auf Augenhöhe kommuniziert haben. Mit den Behörden, für deren Bewilligungen er die von ihm verhassten Baupläne anfertigen musste, stand er aufs Kriegsfuss. Er hielt sich weder an die eingereichten Baupläne noch an andere Vorgaben. Die Behörden scheinen sich aber auch nicht zwingend ausgezeichnet zu haben:

Bei der Sagrada Família hingegen verschlampten die Behörden die Baubewilligung vollends. Sie erfolgte wie erwähnt erst 2018 mit einer Verspätung von 136 Jahren.

Anstatt nach Bauplänen arbeitete Gaudí vorwiegend mit Holz- oder Gipsmodellen, wofür er auch immer wieder Menschen eingipste, um nach ihren Körperformen Statuen zu gestalten. Für die Konstruktion der „tragenden Strukturen“ (Säulen) verwendete er das von ihm entwickelte Kettenmodell, eine Form des Hängemodells, das „auf dem Prinzip einer auf den Kopf gestellten Kettenlinie (Katenoide)“ basiert. Das Hängemodell der Sagrada Família verdeutlicht die „auf dem Kopf stehende“ Konstruktion.

Durch dieses Prinzip konnte er auch komplizierte Formen ohne aufwendige Berechnungen mit einem minimalen Materialeinsatz realisieren, da in den Gewölben nur Druckkräfte auftreten. (Wikipedia)

Gaudí verstand sich nicht als Ingenieur, Architektur war für ihn Kunst. Es ging ihm aber nicht nur um das Gebäude oder seine Außenansicht. Er setzte moderne Ideen wie Licht- und Belüftungskonzepte um, eines seiner Auftragshäuser (die Casa Milà, von der Bevölkerung spöttisch La Pedrera – der Steinbruch – genannt) hatte eine Tiefgarage (für die er damals belächelt bis verlacht wurde). Seine Gebäude waren jedoch immer ein Gesamtkunstwerk. Auch die Innendekoration wurde von Gaudí detailliert geplant. Für die Privathäuser seiner wohlhabenden Geldgeber (zB das Palau Güell für seinen lebenslangen Mäzen Eusebio Güell) entwarf er sogar Möbelstücke.

»Eine Eisenbrücke ist Mechanik, aber sie ist nicht schön. Architektur hingegen ist Kunst. Die Mechanik ist das Skelett, der Knochenbau, aber es fehlt ihm das Fleisch, das ihm Harmonie verleiht.« (Zitat von Gaudí nach PUIG-BOADA, Isidre, 2004. El pensament de Gaudí. Barcelona: Dux Editorial. S. 91)

Aus aktuellem Anlass habe ich mir meine Fotos aus Barcelona aus dem Jahr 2010 durchgesehen. Auf den ersten Blick erstaunt die Dateigröße: 79 Fotos haben nur 52,5 MB. Ich hatte sie damals mit einer Olympus C-740UZ angefertigt (danke, Metadaten). Bei guten Lichtverhältnissen waren auch die Bildergebnisse ganz ordentlich, meine Innenaufnahmen der Sagrada Família sind leider kaum zu gebrauchen. Ich kann mich noch erinnern, wie beeindruckt ich damals von den hohen Decken war, die von organisch aus dem Boden wachsenden Säulen getragen wurden. In meiner Erinnerung war es extrem hell für eine Kirche, natürlich fehlten auch viele der für Kirchen typischen Inneneinrichtungselemente wie zum Beispiel ein Chorgestühl, das in unseren Breiten üblicherweise aus dunklem Holz besteht.

Innenraum mit nach oben „wachsenden“ Säulen, die sich in Richtung Decke verzweigen, von oben sieht es aus, als ob Blüten nach unten wachsen würden
Innenraum der Sagrada Família, 2010
buntes Glasfenster in Blautönen, oben ein Blütenblatt mit 12 Blüten, darunter 6 Kreise jeweils in 3er-Gruppen
Glasfenster, 2010
eine Kirchenbaustelle, 4 Türme und dazwischen ein Kran überragen eine Großstadt, im Vordergrund eine runde Plattform mit einem Metallgerüst
die Türme der Sagrada Família im Jahr 2010
eine Turmspitze mit einer Dekoration aus Erdbeeren, die aus Mosaiksteinen zusammengesetzt sind, dahinter eine Baustelle mit verschiedenem Material
Türmchen mit Erdbeerdeko, 2010
ein unzugänglicher Mauervorsprung auf einer Baustelle, auf einem Gitter liegt ein graues Stofftier, es scheint eine Maus zu sein
Hoffentlich wurde diese arme Maus inzwischen gerettet … (2010)
ein Gebäude, dessen Dach wie eine Kasperlmütze wirkt, überragt von einem spitz zulaufenden Turm mit einem Kreuz ganz oben
Tourist:innengruppen umringen das Pförtnerhäuschen am Eingang zum Park Güell, 2010
runde Mosaikdekoration, der Hintergrund besteht aus unterschiedlich großen Teilchen in verschiedenen Grüntönen, darauf ist ein Stern erkennbar, in der Mitte vermischen sich die Farben zu geschwungenen Linien
Mosaikdetail, Sala Hippostila, 2010

Wie ich lese, gab es erst letzten Monat einen großen Fortschritt zu feiern:

Mit dem Aufsetzen des Spitzenkreuzes am 20. Februar 2026 erreichte der Turm [Jesu Christi] mit 172,5 m Höhe die größte Höhe aller Kirchtürme der Welt. (Wikipedia)

Mein Rechercheprojekt ist noch nicht abgeschlossen, aber jetzt schon habe ich große Lust, eine Reise nach Barcelona zu planen. Um mir alle berühmten Bauten des Architekten im Detail anzusehen, müsste ich aber vermutlich einige Wochen bleiben. Aus nostalgischen Gründen sei darauf hingewiesen, dass ich beim Barcelona-Besuch 2010 einen einzigen Geocache geloggt habe: Port Olímpic. Dafür habe ich damals in einem nahegelegenen Souvenir-Shop einen Kugelschreiber erworben.

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Roman Unterhaltung

Ildefonso Falcones – Die Kathedrale des Meeres

Fisch(c)TiM-Caspary/PIXELIO

Während sie so sprachen, wurde es Nacht, eine sternenklare, laue Mittelmeernacht. Eine Weile saßen die drei still da und genossen die Ruhe und den Frieden in dem kleinen Gärtchen hinter Hasdai Crescas Haus. Schließlich wurden sie zum Essen gerufen, und zum ersten Mal, seit er bei diesen Juden lebte, sah Arnau in ihnen Menschen wie seinesgleichen, mit einem anderen Glauben, aber so gut und so mildtätig, wie es die frommsten Christen nur sein konnten. An diesem Abend aß er gemeinsam mit Hasdai und sprach, bedient von den Frauen des Hauses, ohne Bedenken den Genüssen der jüdischen Küche zu.

Das Buch erzählt die Geschichte von Arnau Estanyol, der bereits als Kind mit seinem Vater die Besitzungen seines Vaters verlassen muss. Als freier Bürger, aber arm, wächst er in Barcelona auf und arbeitet sich langsam als Bastaix in der Zunft hoch. Arnau erweist sich immer wieder als gerechter Mensch, der keine religiösen Vorurteile pflegt und stets das Beste in den Menschen sieht. So sehr im dies zur Ehre gereicht und ihm den Respekt der Bürger Barcelonas einträgt, seine früheren Verwandten und Bekannten verfolgen ihn rachsüchtig und bringen ihn schließlich vor die spanische Inquisition.

Ein spannend geschriebener historischer Roman, die perfekte Urlaubslektüre, wenn man gleichzeitig mit den Füßen in einem See baumeln kann. Oder abends im Hof sitzt bei einem kühlen Getränk.

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Roman

Petra Balzer de Garcia – Die Reben von Scala Dei

„Dass der Herr auch den Kelch Wein nimmt und ihn den Seinen reicht, zeigt, dass er uns nicht nur das geben will, was wir unbedingt brauchen. Er denkt uns auch zu, was uns Freude macht. Wie das Brot für all das steht, was wir zum Leben nötig haben, so der Wein für das, was uns des Lebens froh werden lässt.“

Es scheint ein recht feiner historischer Roman zu sein. Der junge Maure Raschid muss fliehen, denn die Christen erobern die Stadt Siurana, über die bisher seine Mutter Azia herrschte. Raschid muss sich als Christ ausgeben, um zu überleben. Der Weinhändler Bobo nimmt den Jungen als Lehrling unter seine Fittiche.

Raschids neues Leben nimmt seinen Lauf, schließlich verliebt er sich sogar in die schöne Alba, die mit Guillem, dem Sohn des Eroberers von Siurana, verheiratet wird. Und genau dieser Aspekt macht den Roman in weiterer Folge unglaubwürdig. Die Autorin verfängt sich in ihrer Geschichte, in die sie alles reinpacken will. Der religiöse Konflikt von Raschid, der mit seinem späteren Mentor Prior Père die Kartause Scala Dei gründet und deren Weinberge bewirtschaftet, bleibt vollkommen außen vor. Natürlich gelingt ihm letztendlich die Rache und alles wendet sich zum Guten, dies geschieht jedoch in furchterregender Geschwindigkeit und wirkt etwas an den Haaren herbeigezogen unglaubwürdig. Als wäre der Abgabetermin nahegerückt und daher musste der Deus ex machina die Geschichte zu einem guten Ende bringen.

Raschid war übel vor Unruhe und Furcht. Sicher, er war frei. Doch einen Tag zuvor war er dem Tod noch so nah gewesen. Nichts war von Dauer, dessen war er sich so gewiss wie nie zuvor.

Die Handlung ist in Katalonien angesiedelt (was mich ursprünglich veranlasst hat, zu dem Roman zu greifen). Hier wäre eine Übersichtskarte hilfreich, um die Reise von Raschid verfolgen zu können. Die Städte Siurana und Barcelona sind als Schauplätze auch heute zu finden. Auch die Eroberung der maurischen Stadt Siurana durch die Christen ist historisch bekannt. An diesen Fakten lehnt sich Petra Balzer de Garcia mit ihrem Roman an, die von ihr entworfene Liebesgeschichte über die Grenzen der Stände hinweg kann jedoch nicht überzeugen, so sehr ihre Beschreibungen des Weinbaus und Raschids Entwicklung zum Weinbauer auch gefallen.