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Roman

Vea Kaiser – Blasmusikpop

CN: Tod von Familienangehörigen, Gewalt, Vergewaltigung


[6.2.] Ich vermute, ihr Desinteresse an dieser neuen Glaubensform lag in ihrer hedonistischen Natur – denn sie sind auch heutzutage noch freudig bereit, ihre Sünden durch Ablaß zu begleichen, um dann neue begehen zu können. Bei den Bergbarbaren muß es stets vergnüglich zugehen, sogar in der Religion.

Aus diversen Gründen habe ich in den letzten Tagen mehr gelesen als sonst etwas getan und daher ist dieses Buch in meiner Erinnerung schon etwas verblasst. Was es eigentlich gar nicht verdient hat, es ist eine gut geschriebene Geschichte mit scharf gezeichneten Charakteren, unerwarteten Wendungen und jeder Menge Witz, der zum Ende hin neue Höhepunkte erreicht. Falls euch das noch nicht ausreichend überzeugt, lest gerne hier weiter, eure Zeit ist aber mit dem Buch besser verbracht ;-)

Zu Beginn lernen wir Johannes Gerlitzen kennen, dem der Doktor einen Bandwurm diagnostiziert, mit dem der junge Johannes noch so einige Zeit leben muss, bis das Medikament gegen den Wurm aus der Großstadt im kleinen Bergdorf eintreffen kann. Als seine Tochter mit einem dunklen Haarschopf geboren wird, der für Johannes ganz deutlich auf den Nachbarn als Vater hinweist, zieht dieser in die Bibliothek, wo er sich nun erst recht dem Studium der Wurm-Literatur widmet. Schließlich tut er das scheinbar Unmögliche: Er verlässt das heimatliche Bergdorf (und seine Frau und Tochter), um selbst Doktor zu werden. Es muss abgekürzt werden: Johannes kehrt als Doktor zurück und wird für seinen Enkel Johannes zum geliebten Doktor Opa. Im jungen Johannes weckt nicht der Bandwurm die Liebe zur Wissenschaft sondern der studierte Opa, den die Bewohner:innen des Bergdorfs immer noch mit Skepsis betrachten.

Ab jetzt begleiten wir den jungen Johannes, der abgesehen vom Großvater kaum Unterstützung für seine Interessen und seinen Wunsch nach höherer Bildung erfährt. Er fühlt sich im Bergdorf immer wie ein Fremdkörper. Ein Mönch aus dem nahen Konvent, der als Pfarrer ins Bergdorf geschickt wird, erkennt schließlich das Potenzial und beschafft dem Jungen einen Platz im Gymnasium, das er bis zur Matura besucht. Eine hellenistische Geheimgesellschaft mit älteren Schülern verschafft Johannes endlich Freundschaft, Anerkennung und Selbstvertrauen. Bei der mündlichen Reifeprüfung lässt Johannes sich vom Professor provozieren und fällt durch. Zurück geworfen in sein Heimatdorf beschließt er, mangels anderer Alternativen, die Bergbarbaren auf anthropologische Art zu studieren.

Johannes schließt Freundschaft mit dem Fußballer Peppi, durch den er ungewollt zum Schriftführer des Fußballvereins gewählt wird, was einen Besuch des (aus Bergbarbaren-Sicht) Skandalvereins FC St. Pauli aus Hamburg im Bergdorf nach sich zieht. Die Ankunft der Stadtschönheit Simona Nowak stürzt Johannes erst recht in Verwirrung, was durch den Wirt, der mit Kondomen dealt wie andere mit Drogen, erst recht verkompliziert wird. So nehmen die Dinge ihren Lauf und alles endet in einem furiosen und unerwarteten Finale. Große Empfehlung.

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Erzählung Kurzgeschichten

Peter Henisch – Baronkarl

CN: Obdachlosigkeit, Krieg, Alkoholmissbrauch, Tod, Erwähnung von Migrant:innenfeindlichkeit im historischen Kontext


Weil ich es anders gerade nicht schaffe, folgt ein Post im Telegrammstil:

  • Der Autor erzählt in diesem Buch die Geschichte des im Grätzl Favoriten zu seiner Zeit sehr bekannten Obdachlosen, der im Volksmund Baronkarl genannt wurde. Er wird als Wiener Original und als eine Art Legende beschrieben, der das Wenige, das er hatte, stets mit anderen teilte.
  • Die „Peripheriegeschichten“ um den Baronkarl und andere Originale der damaligen Zeit glänzen mit Lokalkolorit aus dem vergleichsweise früh von Migrant:innen geprägten Wiener Bezirk Favoriten. Sie vereinen Geschichten aus dem Wien der damaligen Zeit (ca. die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts inkl. Krieg und Zwischenkriegszeit) mit Beobachtungen des Autors zur Zeit der Entstehung des Buchs (Erstveröffentlichung: 1972).
  • In gewisser Weise wird in der Person des Baronkarl die „sozial verträgliche“ Obdachlosigkeit romantisiert. Ein gewisser Zynismus kann beim Lesen übel aufstoßen, wenn die Leser:in bedenkt, dass so viele Jahre später noch immer Menschen ungewollt auf der Straße leben müssen. Womit wir wieder beim Kapitalismus wären, den Rest erspar ich uns allen einfach, ich bin nicht in der Stimmung.

EDIT: Kürzlich habe ich den Matzleinsdorfer Friedhof und dort auch das Grab des Baronkarl besucht. Dabei ist dieses Foto entstanden:

ein Grab auf dem Friedhof, der Grabstein ist aus weißem Marmor mit oben einem Kreuz, das von Efeu umrankt ist, auf dem Stein steht „Baron Karl, 24.01.1882 – 13.10.1948, Er liebte die Menschen und die Freiheit“

 

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Krimi Roman

Eva Rossmann – Ausgekocht

Dass ich Krimis in letzter Zeit nur noch wegen Geocaches lese, hatte ich ja bereits im vorletzten Blog Post erwähnt. Das war nun der letzte Teil, der mir für die Lösung des entsprechenden Geocache-Rätsels noch gefehlt hat.

Die Geschichte selbst fand ich eigentlich eine der besseren aus der Mira-Valensky-Reihe, nur das Ende kam mir etwas abrupt. Nach dem finalen Showdown, der den Täter enthüllt, folgen nur noch zwei Seiten, die nichts mehr erklären, nichts mehr auflösen; es fühlt sich an, als wäre plötzlich die Deadline vorverlegt oder die maximale Seitenzahl erreicht worden.

Aktuell habe ich jetzt nur noch einen halbfertigen Literatur-Geocache, zwei andere habe ich zumindest schon so weit recherchiert, dass ich weiß, welche Bücher ich brauche. Wir werden sehen, welches davon ich zuerst aus der Bücherei bekommen kann.