Henning Mankell – Mittsommermord

Steg (c) Andreas Trapp/PIXELIO

Nichts deutete darauf hin, dass jemand wichtige Beobachtungen gemacht hatte, weder auf der Lilla Norregata noch draußen im Naturreservat. Am sonderbarsten aber war, dass niemand sich gemeldet hatte, der die Frau namens Louise zu kennen glaubte.

Was hat die geheimnisvolle Frau, deren Foto Wallander in einem Geheimversteck in der Wohnung des ermordeten Kollegen Svedberg findet, mit diesem zu tun? Kennt sie den Mörder? Was hatte Svedberg mit ihr zu tun? Wie konnte er ein eventuelles Verhältnis vor den Kollegen verbergen? Und das Wichtigste: warum wurde er ermordet?

Eine langwierige Ermittlung fordert alles von Wallander und seinen Kollegen. Der Leser erfährt schon zu Beginn, dass Wallander an Diabetes leidet, genau wie er stellt man sich die Zuckerinseln vor, die in seinen Blutbahnen herumschwimmen. Wie wir Wallander kennen, unternimmt er vorerst nichts gegen die Krankheit und verschiebt dies auf die Zeit, nachdem die Ermittlung abgeschlossen ist.

Natürlich geht auch dieser Mörder letztendlich ins Netz, auch wenn Wallander und sein Team diesmal sehr lange im Dunkeln tappen. Das ergibt eine spannende Ermittlung, in der sie dem Mörder sehr oft sehr nahe kommen, ohne ihn jedoch zu erkennen oder sogar zu erwischen. Und nicht zu vergessen: Wallander lernt sogar eine Frau kennen. Der spannendste und beste Wallander bisher.

Weitere Informationen: Krimi-CouchLeseLustMittsommermord – der Film

Henning Mankell – Die fünfte Frau

Pasta(c)somadjinn/SXC

Später sollte Wallander sich sehr deutlich daran erinnern, dass dies der Augenblick war, in dem die Ermittlung in ein neues Stadium eintrat. Als wäre allen plötzlich klargeworden, dass bei dem Mord an Holger Eriksson nichts einfach und leicht zugänglich war.

Langsam fällt es mir schwer, etwas Neues über Henning Mankell und Kurt Wallander zu schreiben. Obwohl ich diesen Roman für einen seiner besten Wallander-Krimis halte, lässt sich kaum etwas Neues sagen. Wallander hat erneut mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen, der ihn bei den Ermittlungen anfangs zusätzlich behindert. In weiterer Folge gewinnt jedoch die Charakterisierung des mehrfachen Mörders an Wichtigkeit. Viele falsche Wege schlagen die Ermittlungen diesmal ein, der Leser darf dies verfolgen, indem er stets auch aus der Sicht der Mörderin das Geschehen überblicken darf (da dies schon sehr früh passiert, verrate ich hier auch nicht zuviel über das Ergebnis der Ermittlungen).

Dann grub sie in den Nächten einen Graben. Genau diese Worte. Dann grub ich in den Nächten einen Graben. Vielleicht fassten diese Worte am besten zusammen, wie Wallander in diesem Herbst die vielen Gespräche mit Yvonne Ander in der Haftanstalt erlebte.

Was in diesem Roman vielleicht doch etwas hervorsticht (obwohl ich mich nicht hundertprozentig erinnern kann, ob es nicht in einem früheren Wallander-Roman schonmal aufgefallen war), ist der Blick in die Psyche der Mörderin. Obwohl das psychologische Profil des Mörders diesmal von Wallanders Team selbst erstellt wird, erscheint es detaillierter und lebensnaher als dies im Vorgängerroman durch den Psychologen Mats Ekholm passiert war. In genau dieser Form haben wir Wallander noch nicht erlebt und vielleicht ist es gerade das, was auch hier wieder für Spannung und Unterhaltung sorgt: die Mischung der Figur Wallander mit neuen Elementen, die sowohl den Kommissar als auch den Leser auf neue Wege führen.

Henning Mankell – Die falsche Fährte

Raps (c) Barbara Thomas / PIXELIO

Er sah plötzlich etwas ein, was er vorher übersehen hatte. Hinter dem toten Mädchen standen andere Menschen. Die um sie trauern würden. In deren Köpfen sie für immer als lebende Fackel laufen würde, auf eine ganz andere Weise als in seinem. In ihren Köpfen würde das Feuer seine Spuren hinterlassen. Für ihn würde es langsam verblassen wie ein böser Traum.

Man soll ja nicht mit Superlativen um sich werfen, aber das ist definitiv der beste Wallander-Krimi, den ich bisher gelesen habe. Alles beginnt mit einem Mädchen, das sich in einem Rapsfeld selbst in Brand steckt. Scheinbar ein Selbstmord, der mit dem anschließenden Geschehen nichts zu tun hat. Da Wallander dran bleibt und das Mädchen identifizieren kann, ist natürlich bald klar, dass sie doch auf eine Art und Weise mit dem „Skalp-Mörder“ zu tun hat.

Ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass es dem Leser kalt den Rücken hinunterläuft, wenn Wallander dem von ihm gesuchten Mörder gegenübersteht und nichts Böses ahnt. Wenn auch seine Tochter Linda wieder in Gefahr gerät, ohne auch nur das Geringste davon zu ahnen. Man wartet sehnlichst auf den Moment, an dem Wallander endlich den Mörder erkennt und mit der tatsächlichen Jagd beginnen kann.

Ein gelungener Griff ins Krimi-Regal für alle Fans des schwedischen Kommissars!

Henning Mankell – Der Mann, der lächelte

Schiffbruch (c) Dietmar-Meinert/PIXELIO

Da draußen im Nebel hatte er einsehen müssen, dass es Menschen gab, die vor keiner Form der Gewalt zurückschreckten, die nicht zögerten, Hinrichtungen vorzunehmen, wenn es ihren Zielen diente.

Viele haben mir gesagt, dass sie mit meiner Bewertung von „Die weiße Löwin“ nicht einverstanden sind, es sei sogar der beste Wallander überhaupt. Jetzt kann ich das etwas besser verstehen, denn „Der Mann, der lächelte“ kommt an den Vorgängerroman in keinster Weise heran.

Viel in diesem Roman bezieht sich zurück auf die vorhergehende Geschichte, Wallander kämpft mit seinen Dämonen, auch oder vor allem nachdem er sich entschieden hat, in den Polizeidienst zurückzukehren. Sein Privatleben ist noch immer geprägt von der Erinnerung an Baiba Liepa aus „Hunde von Riga“. Es gibt beinahe nichts neben seiner Arbeit. Auch sein Vater erscheint nur in einer kleinen Episode über die „Seidenritter“, zum aufgeschobenen Anruf bei seiner Tochter Linda kommt es gar nicht.

Und doch ist Mankell wieder ein spannender Krimi gelungen, man muss ihn nur von einer anderen Seite betrachten. Was zuerst wie ein Wirtschaftskrimi aussieht – zwei ermordete Anwälte, die mit der Beratung eines Wirtschaftsimperiums beschäftigt waren –, nimmt in weiterer Folge eine unerwartete Wendung. Diese kündigt sich zwar schon an, wird aber erst auf den letzten Seiten zur Gewissheit. Dort erreicht die Spannung wie gewohnt ihren Höhepunkt.

Wir müssen uns fragen: Warum gerade er? Wir müssen in alle geheimen Räume schauen, wir müssen uns in sein Gehirn einschleichen, nicht nur in seine Brieftasche. Wir müssen mit elf Sekretärinnen reden, ohne dass er etwas merkt. Denn wenn er etwas merkt, wird ein Sturm durch sein Imperium fegen, der alle Türen auf einmal zuschlägt.

Die Spurensuche in diesem Imperium gestaltet sich schwierig und langwierig, lange scheint es keine Fortschritte zu geben. So bleibt die Geschichte nicht ohne Längen. Rückblickend betrachtet bin ich mit „Die weiße Löwin“ wohl aufgrund einer überhöhten Erwartungshaltung zu hart ins Gericht gegangen. Trotzdem werde ich die zwei weiteren Wallander-Bänder, die „on the shelf“ stehen, nicht links liegen lassen. Der Winter wird sicher wieder lang.

Henning Mankell – Die weiße Löwin

Löwin (c) Birthe Paprotka/pixelio.de

Wann lernte ich die Angst kennen, Songoma? Wann stand ich zum ersten Mal einsam und verlassen der Fratze des Schreckens gegenüber? Wann begriff ich, dass die Furcht in allen Menschen sitzt, unabhängig von Hautfarbe, Alter, Herkunft? Keiner entkommt der Angst, es gibt kein Leben ohne Furcht. Ich kann mich nicht erinnern, Songoma. Aber ich weiß jetzt, dass es so ist. Ich bin ein Gefangener dieses Landes, wo die Nächte so unbegreiflich kurz sind, wo mich die Dunkelheit nie ganz umschließen kann.

Im dritten Wallander-Krimi zieht Henning Mankell neue Seiten auf. Die Verschwörung und Dimension des Verbrechens, das Wallander und seine Kollegen aufzuklären versuchen, erreicht ungeahnte Höhen. Bis nach Südafrika (wo das Buch auch beginnt) reichen diesmal die Verbindungen. Daher auch die vielen Ortssprünge.

Einerseits zeigt Mankell viele Personen und ihre Beweggründe und intimsten Gedanken im Detail. Andererseits rückt Kommissar Wallander erstmals ziemlich in den Hintergrund, sein Leben scheint in diesem Roman nebensächlich zu werden. Dieses Gefühl bleibt erhalten, obwohl auch Wallanders Tochter in die Fänge des russischen Killers gerät, der die Ermittlungen beherrscht. Trotz dieser persönlichen Involvierung bleibt Wallander trotz der entscheidenden Ereignisse, die er auslöst, deutlich neben der Handlung stehen. Der Blick auf die vielen anderen Beteiligten zeigt jedoch neue Perspektiven, wie etwa die des schwarzen Berufskillers (siehe Ausschnitt oben), der nicht nur Wallander, sondern auch den Leser auf seine Seite zieht, obwohl er als gedungener Mörder kaum als Identifikationsfigur taugt. 

Eine würdige Fortsetzung der Wallander-Romane, im gewohnten Stil, aber mit neuen Elementen.

Henning Mankell – Hunde von Riga

Eins muss man ihm lassen, beim Wallander bleibt wirklich kein Stein auf dem anderen. In jedem Buch erschließt sich eine neue persönliche Facette, er erlebt eine Weiterentwicklung, die man bei einer derartigen Krimireihe nicht unbedingt erwarten würde. 

Noch dazu spielt der Großteil des Buches in Riga, man kann sich die dortigen Zustände als Europäer im 21. Jahrhundert kaum vorstellen. Obwohl es sich um einen Roman handelt, scheint die politische Situation äußerst detailliert portraitiert zu sein, und das ohne zu langweilen, sondern schlicht spannend.

Henning Mankell – Mörder ohne Gesicht

Also, wenn ich den als Erstes gelesen hätte, hätt ich mich wahrscheinlich am Schluss maßlos geärgert. Zuerst geht ewige Zeiten nix weiter und dann passiert auf einmal alles auf einmal. Und warum Wallander von dieser schwarzen Frau geträumt hat, wird auch nicht aufgelöst …

Werde wohl eine Pause einlegen, bis ich mit “Hunde von Riga” weitermache, am Schluss wars echt schon anstrengend, dieser Bande von Polizisten beim Herumgrundeln zuzuschaun. Spannung gut und schön, aber jeder wusste doch im Vorhinein, dass sie den Fall am Ende lösen werden. Und dann wird der Rest vom Buch immer dünner und immer dünner und es passiert noch immer nix.