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Georgina Wilson-Powell – Is it really green?

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TL;DR:

  • Wir können nicht alles ändern, aber wir können manches ändern.
  • Konsum reduzieren! Nutzen, was wir bereits haben, so lange es irgendwie nutzbar ist.
  • Zu Fuß gehen und Fahrrad fahren sind die grünsten Transportoptionen.

Hin und wieder erlaube ich mir das Vergnügen, die Neuerscheinungen in der virtuellen OverDrive eLibrary der Büchereien Wien durchzusehen. Dabei fiel mir dieses Buch ins Auge und mein Interesse war sofort geweckt. Diverse Fragen, welche Alltagsentscheidungen denn nun überhaupt einen Unterschied machen und wenn ja, welche Variante denn wirklich sinnvoller ist, treiben mich immer wieder um. Um viele dieser Fragen ranken sich weit schweifende Mythen, bei vielen Themen haben sich auch einfach mit der Zeit die Voraussetzungen verändert. Aktuelle Geschirrspüler verbrauchen so wenig Wasser, dass niemand sich mehr fragen muss, ob Geschirr abwaschen per Hand eventuell mehr Wasser spart. Viele andere Fragen bleiben aber ungelöst und einerseits ist es für die Einzelperson schwierig, überhaupt die Zeit aufzubringen, in einer bestimmten Frage zu recherchieren, andererseits lassen sich aus dem Informationsdschungel oft keine klaren Ergebnisse ablesen.

Die Journalistin Georgina Wilson-Powell hat sich nun der Mammutaufgabe angenommen, viele dieser Fragen ausführlich in einem Buch zu beantworten. Gerade bei so einem Thema ist natürlich auch ihr Hintergrund wichtig: Georgina Wilson-Powell betreibt das Online-Magazin Pebble, das sich mit den verschiedensten Aspekten der Themen Nachhaltigkeit, ethischer Konsum, Plastikreduktion, Permakultur usw. beschäftigt. Auch auf ihrer persönlichen Webseite gibt Georgina Wilson-Powell umfangreiche Tipps, wie wir unser Leben nachhaltiger gestalten können.

Nachdem ich mir nun meine Notizen aus dem Buch herausgeschrieben habe, finde ich nochmal bestätigt, was ich mir schon beim Lesen dachte: natürlich gibt es immer noch Verbesserungsbedarf. Aber mit vielen der angesprochenen Themen habe ich mich ohnehin bereits beschäftigt und daher eine möglichst grüne Variante gewählt (Beispiel: Waschpulver in Kartonverpackung von Waschkampagne). Der für mich überraschendste Punkt sind aber die vielen Dinge, wo ich überhaupt keine grüne Variante wählen muss, weil ich sie einfach nicht kaufe/benutze. Ich werde das jetzt hier nicht alles aufzählen, weil es nicht darum geht, wie grün ich selbst bin und dass Menschen, die diese Produkte konsumieren, dann nicht so grün wären wie ich. Mit meiner Freundin hatte ich letztens ein Gespräch, wo es darum ging, dass es vielen Menschen oft einfach nicht möglich ist, die grünere Entscheidung zu treffen. Das kann daran liegen, dass sie nicht die Zeit haben, sich mit der Frage überhaupt zu beschäftigen (weil die Kinder in die Schule und sie selbst zur Arbeit müssen, usw.), oder daran, dass sie in einer Gegend leben, wo das Fehlen von öffentlichen Verkehrsmitteln es einfach unmöglich macht, ohne ein Auto auszukommen. In vielen Fällen sind grünere Produkte immer noch teurer, was oft nicht daran liegt, dass sie tatsächlich in der Produktion mehr Kosten verursachen, sondern daran, dass die Konzerne grünere Produkte entsprechend vermarkten. Somit bezahlen die Konsument*innen oft auch noch das Greenwashing der Konzerne.

Das Buch hat mich jedenfalls nicht nur darin bestärkt, weiter zu versuchen, die grüneren Varianten zu finden, sondern mir auch Bereiche aufgezeigt, die ich bisher noch nicht mal auf dem Schirm hatte. Die wichtigsten Punkte habe ich oben unter TL;DR zusammen gefasst. Bei allen anderen Entscheidungen muss jede:r für sich selbst schauen, was können wir in unser Lebensmodell integrieren mit möglichst viel Gewinn für die Umwelt und möglichst wenig Einschränkungen für unseren Alltag. Ich habe jetzt eine Liste an Dingen, wo ich langfristig versuchen möchte, bessere Lösungen zu finden.

Da es zum generellen Thema dieses Blogs besonders gut passt, möchte ich auch noch kurz zusammenfassen, was die Autorin über die Frage „gedruckte Bücher vs. eBooks“ recherchiert hat: Wie so oft ist die Antwort: es kommt darauf an. Sie macht dort jedoch Hicht halt, sondern erklärt die Parameter, auf die es eben ankommt. Die meisten Menschen benutzen einen eReader etwa vier Jahre, bevor sie ihn austauschen. Damit die Kosten für die Produktion des eReaders niedriger sind als die Kosten für die Produktion der gleichen Zahl an Papierbüchern, müssen über vier Jahre mindestens 100 Bücher gelesen werden.

Most people keep an e-reader for around 4 years before updating it – so, if you know you don’t read 100 books over 4 years, then physical books are the greenest option for you.

Wiederum ein Punkt, wo ich mich auf der sicheren Seite wähne: ich weiß aus meinen Aufzeichnungen ganz genau, dass ich in vier Jahren im Durchschnitt etwa 200 Bücher lese, natürlich nicht alle auf einem oder diesem speziellen eReader, sondern gemischt. In den letzten Monaten war hauptsächlich mein Telefon mein eReader, ein Gerät, das ich sowieso besitze und für viele verschiedene Tätigkeiten nutze. Mein tatsächlicher eReader wurde mir vor vielen Jahren als Dankeschön für meine Mitwirkung an einem Projekt geschenkt. Kürzlich hat mir eine sehr liebe Person einen neuen Akku in dieses Gerät eingebaut, sodass ich es nun weiter benutzen kann.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle auch ein Geschäft, das mir kürzlich im Rahmen eines ehrenamtlichen Engagements begegnet ist. Ich war noch nicht dort, möchte das aber möglichst bald nachholen: die Ökodrogerie füllbar, wo ich vielleicht sogar Lösungen für manche der Punkte auf meiner Liste finde.

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Roman

Ilija Trojanow – Eistau

Sie wünscht sich, dass wir einfach nur sind, ich suche nach einer Befreiung in einem wahrhaftigeren Schweigen.

Der Protagonist Zeno verzweifelt am Sterben eines Gletschers. In Rückblenden wird parallel zum Geschehen der Jetzt-Zeit auf einem Antarktis-Kreuzfahrtschiff der Verfall seiner Beziehungen geschildert. Zwischen den aus Zenos Sicht erzählten Kapiteln finden sich kurze Sammlungen von Funksprüchen (?), vage aneinandergereihte Satzfragmente, die ein Geschehen andeuten, das sich zeitlich erst nach der aktuellen Kreuzfahrt abspielt.

Zenos verzweifelte Konfrontation mit einem chilenischen Soldaten, der sich inmitten einer Pinguingruppe eine Zigarette anzündet, seine Abneigung gegenüber den Touristen, seine Sehnsucht nach einem tieferen Alleinsein; all diese einzelnen Situationen sind Haarrisse, die schließlich zu einem Zusammenbruch führen müssen. Unvermeidlich wie das Sterben des Gletschers.

Der Augenblick, in dem Kunst zu Wahrheit wird. Die Vorstellung läßt mich nicht los. Auch das leichtfertig Dahingesagte kann ernst genommen werden. Es beginnt als Haarriss, setzt sich als Sprung fest, endet als zersplittertes Glas.

Das (vorläufige) Ende der Isolation

Die Ausgangsbeschränkungen sind (vorerst) aufgehoben, Treffen in kleinerem Kreis wieder erlaubt.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem bewussteren Wahrnehmen von Gefühlen und Stimmungen. Wenn ich mich gestresst oder genervt fühle, versuche ich, zu ergründen, was genau dieses Gefühl gerade bedeutet, es zu benennen und es anzunehmen. Dabei wurde mir heute klar, dass wir Gefühle und die Situationen, in denen sie entstehen, in der Reflexion mit etwas Abstand meistens anders interpretieren, als sie sich zu dem Zeitpunkt angefühlt haben (das klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber in meinen Augen ein Phänomen, das im Alltag nicht so bewusst ist).

Jetzt, wo die Isolation etwas gelockert ist, wird mir klar, dass ich es eigentlich ganz angenehm gefunden habe, mal eine Zeitlang nirgendwo sein zu müssen und Zeit zur Verfügung zu haben, die ich nach meinen eigenen Regeln gestalten kann. Es ist bei Weitem nicht so, dass ich diese Zeit oder die damit verbundene Gestaltungsfreiheit besonders sinnvoll genutzt hätte. Wie ich am 12. April schrieb, ist es mir kaum gelungen, mit der Zeit etwas Sinnvolles anzufangen.

Möglichst schnelle Rückkehr zur Normalität ist nicht zwingend der richtige Weg. Es wäre wünschenswert, wenn wir aus dieser Erfahrung etwas lernen und für die Zukunft mitnehmen könnten. Was das konkret sein könnte, hat sich mir bisher leider nicht enthüllt.