Alan Bradley – The Sweetness at the Bottom of the Pie

Leider ist schon über eine Woche vergangen, seit ich dieses Buch zu Ende gelesen habe, aus Urlaubsgründen habe ich es bisher nicht geschafft, diesen Blog Post zu schreiben. Der Autor hat mit Flavia de Luce eine sehr starke Figur erschaffen: ein 11-jähriges Mädchen, das sich leidenschaftlich mit Chemie beschäftigt und dabei auch vor dem Lippenstift ihrer Schwester nicht Halt macht, voller Neugierde und ohne Furcht, Grenzen zu überschreiten. Als Flavia im Familiengarten der de Luces eine Leiche findet und kurz darauf ihr Vater deshalb verhaftet wird, versucht Flavia, selbst dem Verbrechen auf die Spur zu kommen. Dabei stößt sie immer wieder auf den ermittelnden Inspektor, findet aber auch jede Menge Details, die selbst dem aufmerksamsten Ermittler entgehen können. Im Großen und Ganzen eine spannende Geschichte, wenn auch manche Passagen etwas gestrafft werden hätten können. Es handelt sich um eine Serie, es gäbe also noch einige weitere Flavia-Mysteries zu lesen, wobei ich noch nicht sicher bin, ob ich darauf zurückgreifen werde.

Es folgt ein Exkurs zum Thema Amazon Prime: Kürzlich wurde im Rahmen einer Runde die Frage in den Raum geworfen, „wer leistet sich denn nicht Amazon Prime?“. Meine Antwort machte mich umgehend zum Außenseiter. Darauf folgte die Frage, ob ich denn nicht so oft bestellen würde. Nur eine Woche später legte in einer anderen Runde eine Person eine Art Geständnis ab: „Ich lade keine Fotos zu Google hoch, ich bin nicht auf Facebook, aber eine Firma hat mich total im Griff: Amazon.“ Es folgte eine Diskussion über die Alternativlosigkeit von Amazon.

Mir geht es an dieser Stelle nicht darum, jemanden wegen seines Amazon Prime Accounts oder irgendeines anderen Konsumverhaltens zu verurteilen. Es gibt jede Menge Gründe dafür, warum Amazon so beliebt ist. Die am häufigsten genannten sind Kosten und Bequemlichkeit. Im direkten Preisvergleich sind Produkte bei Amazon meist billiger zu haben als im lokalen Geschäft oder bei anderen Versandhändlern. Die Auswahl ist so groß, dass es einfacher ist, alles bei Amazon zu bestellen, als Accounts bei verschiedenen Diensten zu pflegen. Mit Amazon Prime erfolgt die Lieferung oft schon einen Tag nach der Bestellung.

Es gibt allerdings auch jede Menge Gründe, warum Amazon problematisch ist. Ein paar davon möchte ich hier aufzählen:

  • Marktmacht: Amazon hat eine Marktmacht erreicht, mit der kleinere Unternehmen nicht mehr mithalten können. Das ermöglicht ihnen, die Preise weiter zu drücken und damit anderen Unternehmen die Existenzgrundlage zu entziehen.
  • Ausbeutung der Mitarbeiter: Wie oben bereits genannt, bietet Amazon im Vergleich oft den günstigsten Preis. Dies geht jedoch auf Kosten der Mitarbeiter. Eine Beschreibung der katastrophalen Arbeitsbedingungen in einem Amazon-Versandlager gibt es sogar als Buch. Extrem niedrige Kosten sind im Allgemeinen mit einer Ausbeutung der Produzierenden bzw. der Mitarbeiter verbunden.
  • Schädigung der lokalen Geschäfte: Geschäfte in kleinen und mittleren Städten brauchen eine kritische Masse an Kunden, um ihr Geschäft aufrechterhalten zu können. Große Konzerne können Schwankungen zwischen Standorten besser ausgleichen, lokale Einzelgeschäfte sind abhängig von ihren regelmäßigen Kunden. Langfristig wirkt sich dies auch auf das Stadtbild aus: Geschäftslokale stehen leer oder werden von Filialen großer Textilketten übernommen, das individuelle Flair der Stadtkerne geht verloren.
  • Umweltschäden durch Verpackung und Transport: Auch wenn Amazon hauptsächlich Kartonverpackungen verschickt, muss dieser Karton produziert und recyclet werden. Der Großteil der Amazon-Verpackungen wird einmal verwendet und anschließend entsorgt. Das erhöht auch die Kosten für die Müllabfuhr. Amazon-Pakete müssen ausgeliefert werden. Dies geschieht im Allgemeinen per Klein-LKW. Mehr Amazon-Lieferungen sorgen also auch für mehr Abgase und mehr Feinstaub.
  • Persönliche Daten: Amazon Prime verleitet dazu, mehr zu konsumieren. Je mehr der oder die Einzelne bei Amazon bestellt, umso mehr Daten kann Amazon sammeln und daraus Persönlichkeitsprofile erstellen. Diese Daten werden auf jeden Fall für personalisierte Werbung genutzt. Wofür Amazon sie noch nutzt, das wissen wir nicht. Wer hat die allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen? Ob Amazon diese Daten an Dritte verkauft, kann vom Einzelnen nicht nachgeprüft werden. Amazon besitzt alle eure persönlichen Daten inklusive eurer Wohnadresse und auch eurer Büroadresse, wenn ihr euch dorthin liefern lasst. Amazon weiß, wo ihr wohnt, arbeitet und wieviele Personen in welchem Alter in eurem Haushalt leben. Amazon kennt eure Vorlieben, eure Interessen und die Hobbies, die ihr wieder aufgegeben habt. Amazon hat aufgrund eures Konsumprofils ein exaktes Persönlichkeitsprofil von euch.

Das Wort Alternativlosigkeit ist bereits gefallen. Mir sind natürlich die meisten Anwendungsfälle nicht bekannt, es gibt jedoch IMMER Alternativen. Diese sind zumeist nicht so bequem, erfordern etwas mehr Aufwand und Recherche und oft dauert die Lieferung oder Abholung auch länger. Aber es lohnt sich, sich die Zeit zu nehmen und nach anderen Möglichkeiten zu suchen und den eigenen Horizont zu erweitern. Wer lokal zu Fuß in Geschäften einkauft, unterstützt nicht nur die lokale Wirtschaft (Arbeitsplätze!), sondern tut auch noch etwas für die eigene Gesundheit (Bewegung!) und die Umwelt (weniger Abgase!).