Jojo Moyes – Ein ganz neues Leben

Lange bin ich um die Fortsetzung von Ein ganzes halbes Jahr herumgeschlichen. Einerseits wollte ich natürlich wissen, wie es mit Louisa weitergeht, wie sie nach dieser Erfahrung und den Möglichkeiten, die sich ihr nach Wills Tod eröffnen, ihr Leben neu erfindet. Auf der anderen Seite stand die Befürchtung, dass eine Fortsetzung keinesfalls die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen könnte.

Schon im ersten Teil kann sich der Leser fragen, warum die Autorin für ihre Heldin so viel Pech, so viele Schwierigkeiten erfindet, dass man sich des Mitleids kaum noch erwehren kann. Im zweiten Teil wird klar: Schwierigkeiten sind das, was uns wachsen lässt. So lange wir uns in unserem sicheren Job, unserem sicheren Familienleben, unserer eigenen Seifenblase aufhalten, bleiben wir stehen und entwickeln uns nur sehr wenig weiter. Erst der Sprung aus der Sicherheit hinaus (oder der Fall von einem Dach) zwingen uns, unsere bisherigen Vorstellungen zu hinterfragen und neue Wege zu gehen.

Einen neuen Weg finden muss nicht nur Louisa, sondern sowohl die bereits aus dem ersten Buch bekannten Personen (Louisas sowie Wills Familie) als auch die neu in Louisas Leben tretenden Akteure. Die Fortsetzung stellt somit ein umfassendes Panorama menschlicher Entwicklung dar und inspiriert hoffentlich alle Altersklassen dazu, die eingefahrenen Pfade zu überdenken und aus der eigenen Seifenblase zu entfliehen.

It’s the challenges we face, that make us who we are, that make us what we are (A Loss for Words – Distance)

Monika Held – Der Schrecken verliert sich vor Ort

Es war schwer, dieses Buch zu lesen und es ist schwer, darüber zu schreiben. Gleichzeitig ist es wichtig, sich daran zu erinnern. Gerade in diesen Zeiten, in denen Trump-Anhänger den Judenhass neu aufflammen lassen, ist es wichtig, sich daran zu erinnern, welche Greueltaten in der NS-Zeit in Konzentrationslagern verübt wurden. Von Menschen. Von Menschen, die ein Leben hatten, die Kinder hatten, die genausogut auf der anderen Seite hätten landen können.

An dieser Stelle sei verwiesen auf die Frage, ob man intolerante Menschen und deren Einstellungen tolerant behandeln sollte.

Die Autorin erzählt in diesem Buch von den Überlebenden. Wie sie es schaffen, mit den Schuldgefühlen zu leben, weil sie überlebt haben. Wie es ihnen gelingt, weiter zu kämpfen, obwohl sie ihre Kräfte in der Zeit im Konzentrationslager aufgebraucht haben könnten. Von Menschen, die verbittert sind, aber auch von Menschen, die immer noch an das Gute glauben.

Bernard Cornwell – Der Flammenträger

Wenn wir jung sind, sehnen wir uns nach dem Kampf. Wir sitzen im Palas um das Feuer und lauschen den Heldenliedern; wie sie ihre Widersacher zu Fall brachten, den Schildwall aufbrachen und ihre Schwerter im Feindesblut badeten. Als Jünglinge lauschen wir dem Geprahle der Krieger, hören ihr Lachen, wenn sie sich die Schlacht ins Gedächtnis rufen, und ihr stolzes Gebrüll, wenn ihr Herr sie an einen schwer errungenen Sieg erinnert.

Sommerzeit, Urlaubszeit und keine Zeit zum Lesen. Zwischen sich in den Juli hinein verlängerndem Arbeitswahnsinn, umfangreichen Urlaubsvorbereitungen und den klausurrelevanten Leseinhalten konnte ich gerade so stückchenweise den neuesten Band der Uthred-Reihe dazwischen quetschen. Auch wenn sich darin wenig Neues findet, enthält dieser Band ein Highlight, auf das die Leser seit Jahren warten. Mehr wird nicht gespoilert.

Das Denken löst sich auf, die Angst regiert, und dann wird der Befehl gerufen, den Schritt zu beschleunigen, und du rennst, stolpernd vielleicht, aber du bleibst in deiner Reihe, denn dies ist der Augenblick, auf den du dich dein Leben lang vorbereitet hast, und dann, zum ersten Mal, hörst du das Donnern, mit dem zwei Schildwälle aufeinandertreffen, das Klirren von Kampfschwertern, und das Schreien beginnt. Um niemals zu enden.