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Roman

Emily Tesh – The Incandescent

CN: Tod, Gewalt, Gefahr, Verlust der Eltern


Als ich dieses Buch begonnen hab, stand die Veröffentlichung der Hugo Awards gerade bevor, als ich fertig wurde, war mir die Entscheidung bereits bekannt. Wenn ihr euch dafür interessiert, kennt ihr das Siegerbuch vermutlich schon, wenn nicht, findet ihr es hier.

Der Fantasy-Aspekt in diesem Buch hat hauptsächlich mit Magie zu tun. Die Geschichte spielt in einem Großbritannien, das dem heutigen sehr ähnelt: Die Jugendlichen haben Smartphones und andere moderne Gadgets und sind von diesen kaum zu trennen. An einer Stelle wird angemerkt: „a middle schooler didn’t need a little demon box in their pocket all the time“. In der Geschichte ist es tatsächlich so gemeint, dass kleine Dämonen sich oft in elektronischen Geräten einnisten, es passt aber auch wunderbar als Metapher auf die aktuelle Zeit. Vielleicht nenne ich mein nächstes Smartphone „demon box“.

Der Hauptschauplatz dieser Geschichte ist die Internatsschule Chetwood, in der neben den klassischen Schulfächern auch Magie unterrichtet wird. Erzählt wird aus der Sicht von Dr. Walden, die in Chetwood einer magischen Abteilung vorsteht und nur noch wenig selbst unterrichtet. Zu Beginn des Buchs ist kaum klar, welches Geschlecht Walden hat, selbst in ihren eigenen Gedanken bezeichnet sie sich als Dr. Walden. Damit wird ausgedrückt, dass in ihrer Lehrer:innenpersönlichkeit ihr Geschlecht keine Bedeutung hat, aber auch, dass sie ihr gesamtes Selbst in dieser Lehrer:innenpersönlichkeit aufgehen hat lassen.

Dr Walden as the self she had made, the home she possessed, a person with knowledge and experience and power and status and a place to belong. 

Im Verlauf des Buchs reflektiert sie viel über das Schul- und Unterrichtssystem, die Schwierigkeiten des Unterrichtens, die sich hauptsächlich aus dem System ergeben, in dem das Unterrichten statt findet. Auch damit ist das Buch eindeutig in unserer aktuellen Zeit verankert, wo es für Schüler:innen aus privilegierten Familien deutlich einfacher ist, einen erfolgreichen Schulabschluss zu machen, als für Schüler:innen aus sozial schlechter gestellten Verhältnissen.

Mit der Zeit bricht Waldens Lehrer:innenpersönlichkeit auf. Sie bemerkt, dass sie die Maske, die für sie auch Schutz bedeutet, nicht mehr aufrecht erhalten kann. (Es gibt Situationen, in denen Walden bewusst „ihr Gesicht richtet“. Da habe ich mich sehr gut drin wieder erkannt.) Im Gespräch mit Schüler:in Nikki, die aufgrund ihres besonderen magischen Talents ein Ziel für höhere Dämonen ist, muss Walden sich auf ihr anderes Selbst besinnen, um dem Ziel ihrer Lehrer:innenpersönlichkeit nachzukommen: Um Nikki zu überzeugen, ihre Ausbildung fortzusetzen, reicht es nicht, Walden, die Lehrer:in zu sein. Sie muss sich auf ihre eigenen Zweifel, Kämpfe und ihre Vergangenheit besinnen. Auf die Erfahrungen, die sie zu der Person gemacht haben, die sie heute ist.

All of which brings us to the personhood question. Is a demon a person? Do we need to treat it as we must, morally, treat other people?

Besonders spannend fand ich auch ein Kapitel, in dem in einer Unterrichtsstunde die Frage diskutiert wird, ob ein Dämon eine Person ist. Die ethischen Regeln von Chetwood bestimmen, dass Magie nicht dazu eingesetzt werden darf, um anderen Personen zu schaden. Die Frage, ob ein Dämon eine Person ist, ist daher von entscheidender Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist es auch sehr spannend, mit welchem Input Walden ihre Schüler:innen aus diesem Gespräch entlässt: Der wesentliche Unterschied ist, dass Dämonen nicht sozial sind. Sie denken nur an sich selbst, sie bilden keine Gruppen, sie arbeiten nicht zusammen. Wer den Gedanken weiter denkt, mag zu dem Schluss kommen, dass demnach Hunden, Katzen oder anderen sozialen Tieren Persönlichkeitsstatus zukommen mag. Kann es aber demnach Menschen geben, die nicht sozial handeln und daher als Dämonen betrachtet werden können? Mit diesem Gedankenanstoß möchte ich diesen Post schließen und mich dem abtauenden Gefrierschrank zuwenden.

You do not have to. Nothing binds you here. A self is a home is a purpose is a life. But above all those, a self is a choice. 

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English Erfahrungsbericht

Simon Doonan – How to Be Yourself

CN dieses Buch: –
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Der Untertitel Life-Changing Advice from a reckless contrarian und eine meiner liebsten Buchhandlungen als Aufenthaltsort haben meine Erwartungshaltung möglicherweise etwas beeinflusst. Hätte ich mir die Zeit genommen, reinzublättern, wäre ich vermutlich darauf gestoßen, dass gleich das erste Kapitel nach der Einleitung sich mit Style befasst (und hätte das Buch wahrscheinlich in der Buchhandlung belassen).

My point is: don’t follow the herd. Don’t feel guilty because you have no desire to head over Victoria Falls in a rubber ball. Customize your travel to reflect your idiosyncratic tastes and needs.

Zwischen den vielen Beispielen von berühmten Persönlichkeiten, die ihren eigenen Style gefunden haben bzw. leben, konnte ich dann doch einige Lebensweisheiten entdecken, denen ich auch zustimmen kann. Lassen wir uns bei unseren Reisen nicht von den strahlenden Instagram-Fotos leiten, sondern unseren eigenen Weg finden. Was habe ich schon davon, genau dasselbe Foto wie alle anderen vor irgendeiner Sehenswürdigkeit zu machen, wenn ich eigentlich lieber den nächstgelegenen Geocache suchen würde?

If you are appalled by these clichés, that’s fine, too. But you have to find alternatives. It’s not enough to sneer at the corny stuff. It is incumbent on you to come up with some ideas of your own. Deviating from the norm requires effort and imagination. When it comes to falling in love, you must find a way to do love that best expresses you.

Unsere westliche Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten immerhin in die Richtung entwickelt, dass es einfacher geworden ist, alternativen Lebensmodellen nachzugehen. Damit ist dann oft die Ablehnung jeglicher Traditionen verbunden. Was der Autor mit dem obigen Absatz ausdrückt, möchte ich versuchen, in einem Beispiel zusammenzufassen: Du kannst den Valentinstag ablehnen, aber du brauchst andere Ausdrucksmöglichkeiten für deine Beziehung. Gemeinsame Unternehmungen, die gemeinsame Erinnerungen schaffen, sind essentiell, um eine Beziehung am Leben zu erhalten. Wenn gemeinsame Unternehmungen sich nicht an traditionellen Gelegenheiten wie Jahrestagen und anderen Jubiläen orientieren, dann braucht es alternative Highlights, die eine Bindung herstellen und festigen.

This cycle of finding yourself and losing yourself is a natural part of the human condition. Self-clarity waxes and wanes. Yourself is a work in progress.

Selbstfindung ist kein klar definiertes To-Do-Item sondern ein langfristiges Projekt ohne Ende in Sicht. Manchmal erfordert es mehr Zeit und Aufwand, manchmal tritt es in den Hintergrund. Unser Selbst ist nicht von vornherein fixiert, es entwickelt sich. Die Steuerung dieser Entwicklung bleibt uns selbst überlassen.